Atlantean Kodex

Re: Atlantean Kodex

Beitragvon Vaillant » Donnerstag 7. Oktober 2010, 12:38

Öh... elitär sind die nicht. Und dass es Bands gibt, die ihren Wurzeln huldigen, ist in der Tat gut, dem widerspreche ich nicht. Aber reine Epigone, welche das tun, was früher gemacht wurde, ohne jedweden Sinn für Entwicklung... nur um trve und bewußt engstirnig zu sein, ich meine, widerspricht das nicht allem, wofür Musik steht, stehen sollte? Wenn ich "früher" will, lege ich die ORIGINALE ein, die transportieren Zeitkolorit.
HEIR APPARENT und SAVAGE sind klasse, im Original.
ATLANTEAN KODEX sind ganz nett zu hören, nicht schlecht, aber dermaßen harmlos, geglättet, im Grunde schielen sie doch selbst nach dem goldenen Strom... :grins:
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Re: Atlantean Kodex

Beitragvon Rüdiger Stehle » Donnerstag 7. Oktober 2010, 12:55

Vaillant hat geschrieben:Aber reine Epigone, welche das tun, was früher gemacht wurde, ohne jedweden Sinn für Entwicklung...

Genau das sehe ich in vielen Bands aus dieser Szene, aber in Atlantean Kodex ganz explizit nicht. Die Band hat die Stile von Bathory, Manowar, Manilla Road, Uriah Heep, Solstice u.a. in meiner Wahrnehmung dadurch weiter entwickelt, dass sie das alles auf eine sehr eigene Weise kombiniert.

nur um trve und bewußt engstirnig zu sein, ich meine, widerspricht das nicht allem, wofür Musik steht, stehen sollte? Wenn ich "früher" will, lege ich die ORIGINALE ein, die transportieren Zeitkolorit.

Reine Kopisten und Retrobands finde ich meistens auch maximal nett. Die Kunst guter neuerer aber doch kompromisslos traditionell orientierter Bands ist aus meiner Sicht, trotz der stilistischen Limitierung eigenständig und visionär zu klingen. Diese Attribute treffen meinem Empfinden nach auf Bands wie Atlantean Kodex oder The Gates Of Slumber zu. Das sind Originale, auch wenn sie (relativ) neue Bands sind und total traditionell agieren.
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Re: Atlantean Kodex

Beitragvon Julian Rohrer » Donnerstag 7. Oktober 2010, 13:37

Na, dass die Grundlage meiner Argumentation einem subjektiven Empfinden entspringt, ist doch eigentlich klar - da habe ich aber auch nie etwas anderes behauptet.

Aber diese Sätze und den gesamten Absatz finde ich sehr schön und gibt mir zu denken:
"Meine Konsequenz daraus ist, dass ich diese "elitären Anflüge" akzeptiert habe und sie letztlich (meistens) nicht mehr als Arroganz wahrnehme, sondern als Schutzmechanismus für einen Stil, der den Protagonisten unendlich viel bedeutet. Daher hat diese Einstellung für mich zwar viel Befremdliches, das meinen Widerspruch herausfordert, aber auch einen riesengroßen Nutzen: Sie bewahrt sehr effektiv urtümliche musikalische Stile, die mir unheimlich wichtig sind, in einem sehr authentischen Gewand."
Denn aus dieser Warte heraus müsste man halt nur noch hinterfragen, wie stark sich AK in einem Sendungsauftrag sehen, und inwiefern sie über ihre Musik hinaus missionieren wollen. Denn als eine in sich geschlossene Kugel kann man es akzeptieren oder eben nicht, sich damit anfreunden oder sogar teil werden. Wird sie jedoch als der heilige Gral betrachtet, dessen ein Großteil der "einen" Szene nicht würdig ist, finde ich es halt nachwievor bedenklich und schädlich, obwohl ich es aber als einen Teil unserer farbenfrohen Szene toleriere. Aber wie sagte Jhonny letztens so richtig: Toleranz ist eben nicht gleich gut finden.
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Re: Atlantean Kodex

Beitragvon Rüdiger Stehle » Donnerstag 7. Oktober 2010, 14:23

Julian Rohrer hat geschrieben:Denn aus dieser Warte heraus müsste man halt nur noch hinterfragen, wie stark sich AK in einem Sendungsauftrag sehen, und inwiefern sie über ihre Musik hinaus missionieren wollen. Denn als eine in sich geschlossene Kugel kann man es akzeptieren oder eben nicht, sich damit anfreunden oder sogar teil werden. Wird sie jedoch als der heilige Gral betrachtet, dessen ein Großteil der "einen" Szene nicht würdig ist, finde ich es halt nachwievor bedenklich und schädlich, obwohl ich es aber als einen Teil unserer farbenfrohen Szene toleriere. Aber wie sagte Jhonny letztens so richtig: Toleranz ist eben nicht gleich gut finden.

So wie ich das auslege, geht es nicht um Missionierung in dem Sinne, dass sich alle Musiker stilistisch an dem orientieren sollen, was die traditionelle Schule tut, sondern eher um etwas, das von den Protagonisten der Szene als eine Art Aufklärungsarbeit verstanden wird. Der Fan/Leser/Interessierte soll abgrenzen und definieren lernen. Es wird die Meinung vertreten, dass die Begriffe von insbesondere "Doom" und "Heavy Metal" heute zu beliebig verwendet werden, weil die Medien sich teils durch zu große abgedeckte stilistische Spektren verzetteln und die Labels quasi alles mit dem Sticker "Metal" versehen, was Stromgitarren hat, weil sie wissen, dass dieser Sticker ein überdurchschnittliches Käuferpotential hat. Das wird als Unterwanderung verstanden, weil in der traditionellen Szene der Eindruck entsteht, den Leuten sollen Sachen "als Metal" verkauft werden, die - nach deren Auffassung - kein Metal sind. Grundlage ist hier oft ganz entscheidend die Antwort auf die Frage: "Woher kommen die?" und zwar mit Bezug auf die Einflüsse. Fremde Einflüsse oder neue Entwicklungen werden nicht per se abgelehnt, sondern es wird gefragt: Hat diese Band einen metallischen Background? Wurde sie grundlegend von den Wurzeln des Genres nahe stehenden Bands beeinflusst? Oder nutzt sie nur ähnliche Stilistika, die sich aber nicht auf die "Väter" berufen?

Ganz offensichtlich ist dieser Streit bei der Frage ob man Bands wie Paradise Lost oder My Dying Bride nun als Doom Metal bezeichnen darf oder nicht. Die fundamentalistischen Anhänger der traditionellen Doom-Spielarten sagen: "Nein, das ist kein Doom, weil diese Bands sich bei der Entstehung ihres Stils erklärtermaßen nicht auf Bands wie Black Sabbath, Saint Vitus oder Candlemass berufen, sondern ursprünglich aus dem Death Metal kommen und ihren Stil deswegen langsamer und melancholischer gestaltet haben, weil sie sich von Depeche Mode oder Sisters Of Mercy beeinflussen ließen." - Das muss ja nicht schlimm finden, oder verdammen, aber ich weiß eben aus zahlreichen Diskussionen mit Leuten aus dieser Szene, dass es als falsche empfunden wird, diese Bands unter Doom Metal zu vermarkten, obwohl sie keinen näheren Bezug zu den Wurzeln des Genres haben. Ich verstehe die Sichtweise, auch wenn ich das sehr nüchtern und pragmatisch sehe und das begrifflich inzwischen so terminierte Genre "Doom/Death" bzw. "Funeral Doom" so akzeptiere, wie es halt ist. Letztlich ist das alles Schattenboxen, wobei ich mich natürlich auch schon oft dabei ertappt habe, wie ich mich fragte, was denn Bands wie Korn oder Linkin' Park nun noch mit Metal, oder KHANATE und SUNN O))) mit Doom zu tun haben sollen.
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Re: Atlantean Kodex

Beitragvon Rüdiger Stehle » Donnerstag 7. Oktober 2010, 16:36

Wegen eine Kommunikationsproblems zwischen Label und Presswerk verschiebt sich die Vinyl-Veröffentlichung von "The Golden Bough" leider auf Anfang November.
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Re: Atlantean Kodex

Beitragvon Eike » Donnerstag 7. Oktober 2010, 17:40

wenn du es nicht verstehen _willst_, um mich zu provozieren
In welcher Traumwelt lebst Du denn? Die Welt kreist nicht um Deine Befindlichkeiten, meine jedenfalls nicht.

Wenn Manuel schreibt, dass ein Großteil der heutigen Metalhörer gar nicht mehr in der Lage ist, "Qualität" von dem zu unterscheiden, was ER als Massenware bezeichnet
Eben das hat er in den obigen Zitaten ja nicht geschrieben. Wenn man da nichts zwischen die Zeilen reininterpretiert, spricht er davon, dass seiner Meinung nach vielen Leuten ein allgemeiner Unterscheidungssinn abhanden gekommen ist; ich verstehe das so, dass er pauschaul bedauert, dass sie eben KEINE Unterscheidungs-Kriterien mehr aufstellen, nicht dass sie im speziellen ANDERE aufstellen als er. Das deckt sich auch mit dem, was Rüdiger beobachtet hat. Ob er damit richtigliegt, ist eine andere Frage. Aber Elitenanspruch kann man damit nicht nachweisen, allenfalls vermuten.

Und vermuten kann man viel, es ist deswegen noch lange nicht wahr (s. o.).

Wenn sich eine Band ein stilistisches Korsett selbst auferlegt, weil ihr das hilft, sich auf das für sie Wesentliche zu konzentrieren und somit besonders ausdrucksstark das Spezifische ihres Stils auf den Punkt zu bringen, ist das sicher oftmals von Vorteil. Und wenn das dann mit einer musikhistorisch peniblen archivalischen Leidenschaft einhergeht ist das vielleicht erstmal kurios und kann bisweilen auch groteske Formen annehmen, wenn sich die Typen in dieser Subkultur dann unter Ausblendung alles anderen bis hin zu Ignoranz verlieren. Das mag - wie alles fanatische Spezialistentum - hin und wieder auch an Borniertheit grenzen. Aber derlei Fachidiotie ist doch noch nicht automatisch elitär, solange man sich nicht anmaßt, in seinem Feld auch der beste zu sein, der allen anderen zeigen kann, wo es langgeht.

Für mich ist das erstmal nicht viel anders, als wenn ein ambitionierter Chemielehrer darüber klagt, dass die meisten Leute, mit denen er abends im Bus fährt, vom Periodensystem der Elemente keinen blassen Schimmer mehr haben; oder ein hobbyhistorischer Spezialist für das Kaiserreich beklagt, dass die Mehrheit der Bevölkerung hinter dem Sedantag entweder das Auftaktsevent einer Automesse mutmaßt oder gleich die Schultern zuckt.

Wenn das schon elitär ist, dann ist mindestens jeder dritte irgendwo elitär, dann kann man den Begriff auch gleich auf die Müllhalde der Füllwörter schmeißen.
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Re: Atlantean Kodex

Beitragvon Rüdiger Stehle » Donnerstag 7. Oktober 2010, 18:02

Ein gewisses Spiel mit dem Begriff der Eliten kann man dem hier von Julian kritisierten Umfeld sicher nicht absprechen. Es ist aber kein Elitarismus im Sinne von "wir gehören zu den Auserwählten, die definieren, was Metal ist und sein soll", sondern ein Elitarismus in Form einer Aufforderung sich bewusst zu werden, wie man Stilbezeichnungen verwendet, und warum man sie verwendet. So wie du, Eike, dich darüber beschwerst, wenn man Nightwish einen Gothic-Touch anhängt, so beschwert sich eben jene Szene darüber, wenn man - wie geschehen - My Dying Bride, Anathema und Paradise Lost, als "die großen britischen Doombands der Neunziger" bezeichnet. Die Forderung ist einfach, dass Metal nach ihrer Meinung nicht alles sein kann, was irgend jemand - Musiker, Schreiber oder Promoter - so nennt, weil es sich für ihn so anhört, sondern etwas, das aus einer bestimmten Tradition heraus geboren sein soll und sich auf diese Tradition berufen und zu ihr bekennen soll.

Im Übrigen hat das für mich nichts mit Atlantean Kodex als Band zu tun, die von den Musikern selbst als elitär dargestellt werden soll, sondern mit der allgemeinen Kritik des Gitarristen dieser Band an von ihm so empfundenen Missständen in der Szene. Ich kenne kein Zitat vom ihm, in welchem er zum Ausdruck gebracht hat, dass Atlantean Kodex eine elitäre oder bessere Band sei als andere. Dass er natürlich versuchen will, mit seiner Band seinen metallischen Idealen gerecht zu werden, sollte sich von selbst verstehen.
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Re: Atlantean Kodex

Beitragvon Julian Rohrer » Donnerstag 7. Oktober 2010, 18:39

Edit: Aus dem Thread heraus wegverlagert - PN.

Eike hat geschrieben:
Eike hat geschrieben:
Wenn Manuel schreibt, dass ein Großteil der heutigen Metalhörer gar nicht mehr in der Lage ist, "Qualität" von dem zu unterscheiden, was ER als Massenware bezeichnet
Eben das hat er in den obigen Zitaten ja nicht geschrieben. Wenn man da nichts zwischen die Zeilen reininterpretiert, spricht er davon, dass seiner Meinung nach vielen Leuten ein allgemeiner Unterscheidungssinn abhanden gekommen ist; ich verstehe das so, dass er pauschaul bedauert, dass sie eben KEINE Unterscheidungs-Kriterien mehr aufstellen, nicht dass sie im speziellen ANDERE aufstellen als er.

Doch natürlich, exakt das hat er gesagt. Denn er redet ja nicht von dem kleinen Kreis Erwählter, die unterscheiden können, oder jenen, die zwar in der Lage waren, Qualität als solche erkennen zu können, sich aber von der Industrie um den Finger wickeln haben lassen, sondern von "dem Musikhörer" heute - ganz im Allgemeinen. Und dieser Typus hatte diesen Unterscheidungssinn ja offensichtlich noch nie, da er ja irgendwie in diese „verseuchte“ Szene hineinwächst. Das bedeutet, dass er diesem Massentypus eben abspricht, Qualität von "Massenware" zu unterscheiden, weil er es – von diesem Standpunkt aus gesehen – nie gelernt hat. Aber es lässt sich ganz im Allgemeinen nicht halten, dass dieser Typus keine Unterscheidungskriterien hat, denn welcher Traumwelt entsprüngen diese Hörer denn, wenn sie ohne Kriterien konsumieren - das macht ja überhaupt keinen Sinn mehr. Und offensichtlich ist ja in dieser großangelegten Argumentation das Label "Metal" gerade ein entscheidendes Kriterium, sonst müsste man sich ja über den Ausverkauf der Traditionen gar nicht mehr aufregen. Also gibt es eben doch dieses Kriterium, nach dem konsumiert wird. Und unter dieser Käsehaube passiert eben diese elitäre Trennung in den Hörer, der Qualität als solche erkennt, und den fehlgeleiteten Konsumenten, der sie eben nicht erkennt – jetzt mal so frei nach Adorno.

Ich muss jetzt leider weg. Im Anschluss würde ich gerne noch was über den Elitenbegriff schreiben.
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Re: Atlantean Kodex

Beitragvon firestarter » Donnerstag 7. Oktober 2010, 18:47

Was für ein Bohei um eine kleine Metal Band und deren überkandideltes Drumherum...
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Re: Atlantean Kodex

Beitragvon Eike » Donnerstag 7. Oktober 2010, 19:52

Eigentlich nur um das Drumherum, die Musik ist hier eher egal. ;-)


Aufforderung sich bewusst zu werden, wie man Stilbezeichnungen verwendet, und warum man sie verwendet
Als Volkspädagoge für die Szene also. ;-)

Hm, das Dozierende selbst kann natürlich schnell elitär wirken. Aber unter einer elitären Haltung verstehe ich eine bewusst sich abgegrenzende; hier schrieb jemand was von "sektiererisch", was ich in dem Zusammenhang passend fände - aber das kann ich in dem von Dir beschriebenen Ansatz nicht rauslesen. Solange jemand die offene Debatte sucht, eher zur Selbst-Vergewisserung als zur bedingungslosen Zustimmung aufruft und dabei nicht die absolute Deutungshoheit beansprucht, ist das für mich auch okay. Deutungshoheit ohne die stichhaltigeren Argumente oder im Falle eines Patts zumindest den größeren Erfahrungshorizont geht gar nicht, permanente oder gar absolute Deutungshoheit sowieso nicht, denn die Welt ist stetig nur im Wandel.

Dass er natürlich versuchen will, mit seiner Band seinen metallischen Idealen gerecht zu werden, sollte sich von selbst verstehen.
Das liegt in der Natur der Sache, wenn man sich den Metal idealistisch betreibt. Es gibt zwar zig Bands, die auch ohne gedanklichen Überbau guten Metal spielen, aber wenn's ihm hilft, warum nicht? Etwas Traditionsbewusstsein kann nicht schaden. Und wenn er das vermisst, und dafür Gründe hat, wie etwa die Angst, dass Begriffe ohne ihre Verwurzelung in der Tradition und einem entsprechenden Rückbezug darauf zu beliebig werden, dann kann er doch dazu auffordern, sich damit wieder auseinanderzusetzen.
Und ich finde, dass die bewusste Beschäftigung mit Traditionen (egal, ob bzw. wie man die letztlich bewertet) helfen kann, zwischen unterschiedlichen Einflüssen aber auch Neuerungen zu differenzieren, und dass man daran eben auch ganz allgemein das kritische Denken schulen kann.

Im Umfeld eines solchen Plädoyers könnte ich - ohne jetzt den tatsächlichen Kontext zu kennen - auch das folgende Zitat verorten:
Ich weiß nicht, ob man tatsächlich behaupten kann, dass den Leuten die Qualität der Musik egal ist. Ich glaube eher, dass ein großer Teil der gegenwärtigen Metalhörer nicht mehr in der Lage ist, individuelle Qualität und Leidenschaft von Massenware zu unterscheiden, selbst wenn er es denn wollte.
Ich lese da kein Absprechen eines geistigen Potentials hinein, sondern verstehe das einfach als Ausdruck einer Vermutung oder Befürchtung bzw. seines Glaubens, dass die Leute für sich einfach keine Kriterien entwickelt haben, an denen sie einen solchen Unterschied festmachen könnten; dass, auch wenn ihnen die reine Musik selbst nicht egal ist, oder gerade weil es ihnen nur um den Klang der Musik selbst geht, sie sich nie so sehr mit der traditionellen und kulturellen Verortung der Musik beschäftigt haben, dass ihnen feinere Unterschiede hinter dem Klang auffallen würden. Das wäre dann aus meiner Sicht eher ein Aufruf zu mehr (sub)kultureller Bildung, zu einer umfassenderen, nicht nur rein kompositorischen sondern eben auch kulturellen Beschäftigung mit dem Metal.

Wenn er nur in einer solchen ganzheitlichen Herangehensweise Leidentschaft entdecken kann und ein traditionsbewusstloses Produzieren (in einer Tradition steht man auch, ohne dass man sich dessen bewusst ist; und Leidenschaft kann sich auch in anderen Werten ausdrücken als in Traditionspflege) mit Massenware gleichsetzt (die natürlich ebenfalls mit Leidenschaft produziert werden kann, wie nicht nur jeder Prophet weiß, der seine Ideen leidenschaftlich der Masse predigt), so ist das freilich zu kurz gegriffen und dünkelhaft. Aber eine elitäre Abgrenzung kann ich darin eben gerade nicht sehen, weil er es ja anscheinend lieber hätte, wenn alle die Leidenschaft würdigen würden - zumindest alle Metaller. Und dass einem selbstidentifizierten Metaller die metallische Heimat emotional näher geht als der Rest der Welt - ist das per se schon elitär?

Denn aus dieser Warte heraus müsste man halt nur noch hinterfragen, wie stark sich AK in einem Sendungsauftrag sehen, und inwiefern sie über ihre Musik hinaus missionieren wollen. Denn als eine in sich geschlossene Kugel kann man es akzeptieren oder eben nicht, sich damit anfreunden oder sogar teil werden. Wird sie jedoch als der heilige Gral betrachtet, dessen ein Großteil der "einen" Szene nicht würdig ist, finde ich es halt nachwievor bedenklich und schädlich, obwohl ich es aber als einen Teil unserer farbenfrohen Szene toleriere. Aber wie sagte Jhonny letztens so richtig: Toleranz ist eben nicht gleich gut finden.
:dafuer:

Ich sehe hier aber keinen Versuch, LEute aus der "einen" Szene auszuschließen, sondern im Gegenteil einen Aufruf, sich stärker in ein kulturelles Traditionsbewusstsein "der" Szene zu integrieren. ("Die" "eine" Szene ist aus meiner Sicht freilich ein problematischer Begriff.) Das empfinde ich, wenn es penetrant geäußert wird, zwar schon als etwas "volkspädagogisch", aber solange es nicht mit einem klaren Führungsanspruch von oben herab kommt eben nicht als elitär.


Im Anschluss würde ich gerne noch was über den Elitenbegriff schreiben.
Ja bitte, vielleicht haben wir da einfach wegen unterschiedlicher Auffassungen aneinander vorbei geschrieben.

Elitäre Haltung ergibt sich für mich erst aus einem permanenten Führungsanspruch, die mit einer bewusst ausgeübten dünkelhaften Abgrenzung gegenüber den Uneingeweihten (die das als per se Unterlegene dann bitte auch bleiben sollen) einhergeht; und gerade nicht mit einem Aufruf zur Selbstbewusstmachung und allgemeinen Aufklärung.
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