Flotsam & Jetsam

Re: Flotsam & Jetsam

Beitragvon Pillamyd » Mittwoch 21. Dezember 2022, 22:43

Flotsam And Jetsam | The End Of Chaos (2019)
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Tracklist:
1. Prisoner Of Time (04:17)
2. Control (03:45)
3. Recover (04:08)
4. Prepare For Chaos (3:45)
5. Slowly Insane (03:53)
6. Architects Of Hate (05:04)
7. Demolition Man (03:37)
8. Unwelcome Surprise (05:07)
9. Snake Eye (03:45)
10. Survive (04:08)
11. Good Or Bad (03:55)
12. The End (03:47)

Die Hoffnung auf ein weiteres granatenstarkes Album in der Manier des vorherigen Album war bei mir sehr groß. Ob die Hoffnung erfüllt wurde? Na ja, ich gestehe...teilweise.

Die Band führt gnadenlos den Weg fort und setzen eher auf klassisches Material. Sie lassen alle Experimente der früheren Alben außen vor und versuchen sich, auch durch den Sound, einem breiteren Publikum zu öffnen. Wie das gehen soll? Nun, vieles klingt vom traditionellen Heavy Metal beeinflusst. Vor allem gibt es die Hau-Drauf-Songs zu genüge auf diesem Album.

Viel Kritik von mir gibt es aber leider vor allem für die Produktion. Die Band springt leider auf den Zug der lauter, extremer, plastischer Produktionen auf und verhagelt dem Album die Natürlichkeit, die die Songs verdient hätten. Das ist ein bisschen schade, denn mit einer organischeren Produktion, würde dem Ganzen einfach noch viel mehr leben einhauchen und ich bin mir sicher, der ein oder andere Songs würde nochmal in ein anderes Licht gerückt werden. Denn manchmal ist vor allem das Schlagzeug für mich zu sehr im Vordergrund und wirkt vor allem unter Kopfhörern unangenehm.

Nicht jeder Song zündet hier. Dafür gibt es (trotzdem) auch musikalische Leckerbissen wie den Opener „Prisoner Of Time“ der wieder diese unverkennbare Gesangsmelodien zulässt. Der Song klingt sogar wie ein Überbleibsel der letzten Scheibe und ist ein wirklich toller Einstieg in das Album.

Ein guter Beweis für die oben erwähnte fehlende Natürlichkeit, bringt der nächste Song „Control“. Hier kann man echt mit der „Weniger ist mehr“-Keule schwingen. Was da Gitarrensoundtechnisch untergeht ist schon fast schmerzergreifend. Weniger plastisch und da wäre so viel rauszuholen gewesen, so dass ich verstehen kann, wenn dann so ein Song einfach untergeht. Und das ist einfach Schade!

Abgesehen davon gibt es aber Songs wie „Recover“ (und das ist lange nicht mehr vorgekommen) die mir dann auch rein vom Aufbau gar nicht gefallen und dem ich sogar Eric erschreckend verhalten finde. Nein, schlecht geht anders. Aber auch hier hätte man einiges mehr rausholen können.

Die absoluten Ausreiser auf „The End Of Chaos“ sind für mich aber Songs wie, „Architects Of Hate“, welches Eric auch wieder heller strahlen lassen. Er kann auch aggressiv sehr gut, und wie!

„Demolition Man“ galoppiert in guter Flotzi Manier durch die Prärie und auch hier wieder singt Eric in den Strophen ohne Punkt und Komma, aber mit einer Geschwindigkeit und einem Durchhaltevermögen, dass man meinen könnte, der Kerl hätte noch eine Ersatzlunge parat. Absolut grandiose Leistung von dem Herren.

Man merkt also. Auch wenn das Album sehr gute Songs zu bieten hat, kann meine Begeisterung nicht völlig aus den Nähten platzen. Das Album wird an einigen Stellen vor allem Produktionstechnisch erschreckend ausgebremst. Was ich durchaus bedauerlich und schade finde. Soll aber leider auch in der Zukunft nicht besser werden…

Line Up:
Eric A.K. – Vocals
Michael Gilbert – Guitars
Steve Conley – Guitars
Michael Spencer – Bass
Ken Mary - Drums
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Re: Flotsam & Jetsam

Beitragvon Pillamyd » Freitag 23. Dezember 2022, 23:59

Flotsam And Jetsam | Blood In The Water (2021)
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Tracklist:
1. Blood In The Water (04:17)
2. Burn The Sky (04:26)
3. Brace For Impact (04:33)
4. A Place To Die (03:22)
5. Walls (04:41)
6. Cry For The Dead (04:36)
7. Wicked Hour (04:36)
8. Too Many Lives (04:49)
9. Dragon (04:27)
10. Re-Aggression (04:10)
11. Undone (03:19)
12. Seven Seconds 'Til The End Of The World (04:53)

Die Flotzis machen keine halbe Sachen und ziehen ihren Stiefel des letzten Albums vehement fort. Auf dem Album geht die Lutzi ab, aber in dreifacher Geschwindigkeit. Der Weg wird konsequent weitergeführt. Wie auch beim letzten Album legt Hansen am Album Hand an und verpasst ihm diesen ballerigen Power Metal Sound des letzten Album.

Es kann sein, dass meine Flotzi Euphorie des letztens Jahres mich zu einer Aussage zu diesem Album hat hinreißen lassen, die das Wort „Spitze“ beinhaltete. Ich bin mit etwas mehr Abstand im Nachhinein doch schwer enttäuscht von diesem Album.

Mir möchte nicht in den Kopf, warum sich die Band dazu entschieden hat, diesen hingerotzten Ballersound weiterzuverfolgen. Die Songs sind immer noch keine allzu große Schwäche (die kranken an andere Symptome), aber so langsam gilt es halt aber auch nicht mehr, dass Eric die Songs mit seiner Goldstimme wieder aufwiegt. Nein im Gegenteil, selbst ein Eric kann manch einen Song nicht mehr retten.

Hier herrscht ordentlich Mittelklasse. Die Songs verfolgen Schema F des letzten Albums. Es ist teilweise sogar so, dass ich die Songs gar nicht mehr auseinanderhalten kann. Das klingt alles so erschreckend ähnlich. Man höre nur mal „Burn The Sky“ und dann „ A Place To Die“ oder war es doch ein Song auf dem Vorgänger. Merkt ihr was? Ich bin selbst da unsicher und das ist doch echt ein Beispiel dafür, wie schnelllebig und mit was für einem Durchzug, die Songs an einem vorbeirauschen. Wo ist denn da bitteschön die Abwechslung? Ja Twin Guitars sind in vielerlei Dingen schon geil. Aber wenn sie in immer gleicher Form runtergezockt werden, macht das einen Song noch lange nicht toll. Ja, Melodien sind auch was feines, aber wenn das immer in gleicher Schablonenform eingezeichnet wird dann ist das auch nicht mehr reizvoll. Reiten hat auch seine Fans, aber da wird auch nicht nur stumpf durch die Prärie galoppiert, hier schon. Diese Drums führen zu Langeweile und akuter Ermüdung, man hofft nur dass sie einen schneller durch das Album führen.

Ja, das mag jetzt alles wirklich sehr, sehr hart klingen und der ein oder andere wird den Kopf schütteln. Aber der Weg, der mit dem letzten Album eingeschlagen wurde, ist mir hier etwas zu viel des Guten. Und am schlimmsten ist wie gesagt die Produktion. Ich komme damit wirklich gar nicht (mehr) klar und finde das schon fast ärgerlich. War ich am Anfang noch wohlwollend, so kann ich jetzt leider nur sagen, dass das für mich vielleicht sogar das Schlusslicht der Diskographie sein könnte. Jedenfalls würde ich klar jedem Album ab Mitte der 90er diesem hier vorziehen. Allein schon, weil sie, selbst wenn sie mir nicht alle gefallen, einfach die größere Langzeitwirkung haben. Dieses moderne powermetallische Runtergeholze, hat mich nicht lange bei Stange halten können und es kommt selten vor, dass sich meine Meinung vom positiven ins Negative entwickelt. Zumindest nicht so extrem. Selbst „Ugly Noise“ würde ich dem hier vorziehen.

Schade!

Line Up:
Eric A.K. – Vocals
Michael Gilbert – Guitars
Steve Conley – Guitars
William Bodily – Bass
Ken Mary - Drums
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Re: Flotsam & Jetsam

Beitragvon Pillamyd » Samstag 24. Dezember 2022, 00:24

Am 3. Juni 2021 habe ich mit diesem Rundumschlag der Diskografie von "Flotsam And Jetsam" begonnen. Und heute am 23.12.2022 endet die Reise durch die Diskographie. Und auch wenn die Resonanz zum Schluss ausblieb, hat es doch spaß gemacht mich durch die Diskographie zu arbeiten. Am schönsten war es für mich die Alben der 90er zu besprechen, weil ich die Phase richtig spannend finde und es da einiges an tolle Musik zu entdecken gab. Die Komplettierung hat sich definitiv gelohnt und bereue ich zu keiner Sekunde. Es war echt eine Bereicherung.

Auch wenn es auch vieles gibt was mir nicht gefällt, so istes vor allem auch spannend für mich, den Unterschied rauszufinden, warum ich etwas experimentelles nicht unbedingt etwas abgewinne, es aber im Gesamten dann doch spannender finde, als andere Alben der Spätphase der Band obwohl da viel mehr der Metal vertreten ist, der mir eigentlich zusagen müsste. Das macht ein Ranking dann auch so bereichernd und spannend. Deswegen habe ich mir das auch bis zum Schluss aufgehoben. Natürlich kann das jetzt mit dem Geschriebenen von einem Zeitraum von anderthalb Jahren abweichen. Immerhin bleibt man ja nicht immer bei einer Meinung stehen. Sprich es ist nichts in Stein gemeißelt.

Da ich keine Benotungen unter meinen Senf zu jedem Album hinterlassen habe möchte ich diese Reise mit einem Ranking abschließen:

01. No Place For Disgrace
02. Doomsday For The Deceiver
03. Cuatro
04. When The Storm Comes Down
05. Flotsam And Jetsam
06. The Cold
07. Drift
07. Dreams Of Death
08. High
09. Unnatural Selection
09. Ugly Noise
10. The End Of War
11. Blood In The Water
12. My God
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Re: Flotsam & Jetsam

Beitragvon Havoc » Samstag 24. Dezember 2022, 01:38

Sehr gut gemacht Pilly. :dafuer: Echt schade, dass ich bei Flotsam & Jetsam leider so gut wie gar nicht mitreden kann. Ich besitze nicht eine CD der Herren. Ich hatte mal eine. Kurioserweise dein genanntes Schlusslicht "My God". Manchmal startet man wohl auch einfach mit dem falschen Album. Vielleicht mal irgendwann. Wer weiß es? ;-)
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Re: Flotsam & Jetsam

Beitragvon Holger Andrae » Samstag 24. Dezember 2022, 08:52

Sehr feine Rundschau, Pille!

Ich bin noch nicht ganz komplett - "My God" und die letzte fehlen noch phyisisch - aber die Band ist bei nach ein paar Jahren Durststrecke wieder verstärkt in meinen Playlisten der letzten Jahre aufgetaucht. Das lag an tollen Alben, aber in erster Linie auch an sehr tollen Livedarbietungen.

Es freut mich sehr, dass Du auch die tolle "Cuatro" so hoch hoch einstufst. Die finde ich nämlich ebenfalls toll. Klar, es groovt und eigentlich müsste ich das doof finden, aber das Album ist eine dieser regelbestätigenden Ausnahmen. Ganz, ganz toll!
Dass die Band manchmal mit komischen Klangbildern um die Ecke kommt, nervt etwas. So wäre die "Storm" mit druckvollerem Klang sicherlich ebenfalls ganz schön gut - man höre bloß die Versionen auf der Live-DVD - und diese akustische Druckbetankung des letzten Albums ist ebenfalls schwierig. Finde ich nicht ganz so schlimm wie Du, aber da hat jeder andere Rezeptoren. Das Schmerztöter-Syndrom ist für mich aber sehr gut nachvollziehbar.
Wenn ich vier Ohren hätte, könnte ich länger schlafen.
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Re: Flotsam & Jetsam

Beitragvon Jens Wilkens » Samstag 24. Dezember 2022, 11:18

Die Kritik an der Produktion der letzten Alben kann ich absolut nachvollziehen. Da haben die Flots in der Tat zu sehr auf Geballer gesetzt. Beim Ranking könnte ich mich bei den ersten beiden Plätzen nicht zwischen "Doomsday" und "No Place" entscheiden. In diesem Jahr habe ich "Doomsday" häufiger gehört. Danke für die ausführlichen Besprechungen! In die "Cuatro" muss ich mal wieder reinhören.
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Re: Flotsam & Jetsam

Beitragvon frankjaeger » Samstag 24. Dezember 2022, 11:30

Ich habe hier immer mitgelesen, es war ausgesprochen interessant.
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Re: Flotsam & Jetsam

Beitragvon Jhonny » Sonntag 25. Dezember 2022, 19:37

frankjaeger hat geschrieben:Ich habe hier immer mitgelesen, es war ausgesprochen interessant.


Ging mir genauso!
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Re: Flotsam & Jetsam

Beitragvon Pillamyd » Mittwoch 28. Dezember 2022, 21:05

Freut mich wirklich sehr, dass das wohl gelesen wurde.
Ja, die "Cuatro" ist einfach ein sagenhaftes Album. Höre ich sehr gerne und auch oft.

Ja und die "Storm" geht gern unter. Finde ich sehr bedauerlich. Hier stört mich der schwachbrüstuge Sound absolut gar nicht. Dafür finde ich das Material unschlagbar.

Ich brauch wohl noch die Live DVD.
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Re: Flotsam & Jetsam

Beitragvon Kenneth Thiessen » Mittwoch 28. Dezember 2022, 21:24

Pillamyd hat geschrieben:
Ja, die "Cuatro" ist einfach ein sagenhaftes Album. Höre ich sehr gerne und auch oft.


Wenn ich das so lese, bereue ich es etwas, die vor ein paar Monaten, als sie für nen Fünfer im Laden lag, nicht mitgenommen zu haben.
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