So, es sind schon drei Jahre seit meinem letzten beleidigten Sermon, auf gehts:
Jhonny hat geschrieben:Puh, zumindest die "At The Edge Of Time" und "The Glorious Burden" finde ich schon wesentlich besser. Aber bei ICED EARTH würde ich ab "Dystopia" und auch die "Horror Show" auch höher einschätzen als DEMONS & WIZARDS, und bei BLIND GUARDIAN außer "A Night At The Opera" wohl auch alles.
Das passt jetzt perfekt zu dem, was ich mir im Auto eben gedacht habe.
Denn bei mir lief da die erste Hälfte der Incorruptible und ich war drauf und dran, sie abzuschalten. Wäre in dem Moment nicht Seven Headed Whore angelaufen, der immerhin etwas mehr Pfeffer hat, hätte ich das auch gemacht.
Das ist nicht mein erster Durchlauf des Albums, aber ich stelle bestürzt fest, dass mich das Hören der neuesten Presserzeugnisse des Schafferschen Recyclinghofs zunehmend wütender macht. Ich
kann einfach nicht anders, als die Alben der Neunziger als Messlatte herzunehmen und da schneidet JEDES Album nach D&W (inklusive der passablen Horror Show, mit einziger Ausnahme der Gettysburg-Trilogie, die aber Teil eines ansonsten furchtbar langweiligen Albums ist) nicht gut ab.
Ich hatte vorhin den Gedanken, dass die Songs der letzten keine Ahnung wieviel Alben klingen, als würde Schaffer (größtenteils) wieder und wieder die Elemente von Horror Show und Glorious Burden neu aufkochen. Zugegeben, auf Incorruptible ist, das erste mal seit (sehr) langer Zeit, die Lead-Gitarre wieder auf einem akzeptablem Niveau, aber wenn ich eine NOTS oder auch nur eine SWTWC daneben halte? Da sieht Incorruptible kein Land. Ich merke zwar, dass Jon probiert da wieder etwas mehr Varianz rein zu bringen (gerade lief Ghost Dance), aber es gelingt ihm einfach nicht, aus den vorhandenen Ideen dann auch noch gute Songs zu stricken.
Das mittlerweile längst abgelaufene Standard-Riffing, was einige mit einer Trademark verwechseln, sorgt dafür, dass sich fast jeder Song anhört wie der andere, und zwar über Albengrenzen hinweg. Das hat nicht mehr das Geringste mit der geilsten Rhythmusgitarre aller Zeiten zu tun, wie Schaffer sie auf NOTS, BO, DS etc. präsentiert hat.
Noch tragischer wird das Ganze, wenn man bedenkt, dass die Band zur Zeit ihren vielleicht komplettesten Sänger hat. Ich mag Barlows Timbre noch immer am liebsten, aber Stu Block ist ein Gott am Mikrofon. Ich möchte bitte nur einmal ein Songwriting wie damals haben, damit der Junge endlich als einer der ganz Großen in die Geschichte eingehen kann!
Ganz ehrlich, ich begreife nicht, wie Jon Schaffer mit seinen Produkten der letzten zehn bis fünfzehn Jahre ernsthaft zufrieden sein kann. Nicht mit dem Schaffenshintergrund.
So, Sermon Ende.
Ich merke ja, und erkenne an, dass Jon es scheinbar immerhin versucht aus dem Loch heraus zu kommen, aber bisher klappt es nicht so recht (auch wenn ein Clear The Way, Seven Headed Whore oder Ghost Dance bspw. ja durchaus schonmal in die richtige Richtung zeigen, leider ist halt auch wieder viel austauschbarer Schrott mit im Würfel).
Ich wünsche mir nichts sehnlicher, als das es irgendwann klappt. Denn wenn mir musikalisch etwas fehlt, dann ist das ein durch und durch gutes Iced Earth Album, ich warte jetzt schon 20 Jahre.