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von Raphael Paebst » Donnerstag 9. April 2020, 11:24
Eike hat geschrieben:Ist das so ein Fall von "alte Liebe rostet nicht", einer von "für mich eine eigene Liga, da gelten höhere Ansprüche", oder beides zusammen, dass da bei dir Knötern und Albumaltarbauen Hand in Hand gehen?
Ich würd es nicht mal als Altar Bauen bezeichnen. Nightwish war klar eine Band, die genau in der Zeit groß wurde, als ich den Metal für mich entdeckt habe und hat mich daher sicher früh geprägt. Bei solchen Bands tu ich mir einfach schwer, mit dem Sammeln aufzuhören und im Gegensatz zu einigen anderen Bands dieser Kategorie waren Nightwish Alben auch immer interessant, es hat sich immer gelohnt, da reinzuhören, weil immer überraschende, neue Dinge passiert sind. Das war dann sicher auch eines meiner Probleme mit dem letzten Album, dass da in meinen Ohren nicht wirklich viel neues passiert ist, man eben oft sehr klassische Nightwish ohne überraschende Wendungen und mit meiner Meinung nach eben problematisch überladenen Texten gehört hat, die zu Lasten der Gesangslinien gingen. Vielleicht hatte ich mir als alter After Forever Fan auch einfach von Floors Einstieg mehr erhofft, ich hatte einfach den Eindruck, dass man sich die große Bandbreite ihrer Stimmfarben einfach nicht ausgenutzt hat. Dazu dann mein (teils berufsbedingter) Hass auf Dawkins und das Album war für mich eine ziemliche Enttäuschung. Hab es neulich nochmal angehört und eine Begeisterung wie bei "Imaginaerum" stellt sich immer noch nicht ein, das wird einfach nichts mehr mit mir und dem Teil.
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von Drumtier » Donnerstag 9. April 2020, 12:30
Ich schau ja doch in die meisten Threads immer wieder einmal rein, auch wenn ich zu NIGHTWISH sonst genau nichts sagen kann. Dein Beitrag hat mich aber hellhörig lassen. Dawkins? Der Dawkins? Was macht der bei NIGHTWISH? Das habe ich mittlerweile nachgelesen, aber, um Himmels willen, warum Hass auf ihn? Sogar berufsbedingt? Bist du Chefinquisitor im Vatikan?
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von Raphael Paebst » Donnerstag 9. April 2020, 12:50
Drumtier hat geschrieben:Ich schau ja doch in die meisten Threads immer wieder einmal rein, auch wenn ich zu NIGHTWISH sonst genau nichts sagen kann. Dein Beitrag hat mich aber hellhörig lassen. Dawkins? Der Dawkins? Was macht der bei NIGHTWISH? Das habe ich mittlerweile nachgelesen, aber, um Himmels willen, warum Hass auf ihn? Sogar berufsbedingt? Bist du Chefinquisitor im Vatikan?
Haha! Nein, ich promoviere in Religionsphilosophie und bin selbst alles andere als gläubig. Die Probleme mit Dawkins sind so vielfältig, berufsbedingt ist es einerseits, weil der gute Mann von Philosophie keine Ahnung hat, von Medien und Menschen aber immer als Philosoph in Fragen des atheismus zitiert wird. Ich möchte ihn nicht in seiner frühen biologischen Arbeit kritisieren, davon hab ich keine Ahnung, umgekehrt hat er von Religion in all ihren (problematischen) Aspekten aber auch keine Ahnung, von Fragen der Metaphysik und Religionsphilosophie ganz zu schweigen. Ich kann verstehen, dass man Brass auf verschiedene Kirchen hat, kann man gern auch rausrotzen, ich hör hin und wieder auch ganz gern mal Nuclear Assaults 'Hang The Pope', aber die arrogante, selbstverliebte, herablassende Kacke, die Dawkins in Büchern wie "The God Delusion" raushaut ist schlicht dumm und schädlich und hat mit ernsthaftem Atheismus so viel zu tun wie dieser Post mit ausgewogener, detaillierter Literaturkritik.
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von Feamorn » Donnerstag 9. April 2020, 14:12
Ich mag Dawnkins ansich recht gerne, bin auch damals über die Religionskritik auf ihn gekommen, aber seine Bücher zur Evolutionsbiologie machen mir, als weitestgehend Laien, heute deutlich mehr Freude, als die Religionskritiken. Da ist er mir mittlerweile auch oft zu plump und/oder polterig. Er ist so gesehen halt der Gegenentwurf zu den amerikanischen Hyper-Religiösen. Bin insgesamt mittlerweile wieder deutlich von den "Four Horsemen" weggekommen. Wobei Dawkins sich meiner Meinung nach nicht ganz so zum Deppen macht, wie etwa ein Sam Harris teilweise.
Dawkins Beitrag auf dem letzten Nightwish-Album hat mich jedoch gefreut, denn dieser Aspekt seiner Arbeit, die da durch kommt, der positive zur Biologie und Evolution, und damit eben auch auch eine Kritik der Evolutionsleugner, finde ich nach wie vor lobenswert.
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von Drumtier » Donnerstag 9. April 2020, 21:15
Alles klar, sehr spannend, beide Eindrücke. Geht mir nicht ganz unähnlich wie Feamorn, da war Dawkins auf jeden Fall ein sehr wichtiger Baustein in meiner Welt, aber wenn die Welt einmal gebaut ist, kann man auch wieder kritischer auf einzelne Ziegel sehen. Grundsätzlich bin ich aber immer noch ein Fan von Dawkins und auch der Meinung, dass die Gegenbewegung zum plumpen, polternden Gläubigen auch ein populistischer Atheist sein darf. Letztere kann ich vermeiden, erstere hab ich jeden Tag in den Medien.
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von Eike » Freitag 10. April 2020, 15:14
Raphael Paebst hat geschrieben:Die Probleme mit Dawkins sind so vielfältig, berufsbedingt ist es einerseits, weil der gute Mann von Philosophie keine Ahnung hat, von Medien und Menschen aber immer als Philosoph in Fragen des atheismus zitiert wird.
Dann wirst du vom alten Schlangenölonkel Jordan Peterson ja ähnlich begeistert sein. 
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von Nils Macher » Freitag 10. April 2020, 16:37
Um mal zur Musik zurückzukommen: Das Album lief bei mir heute zwei Mal (inklusive der orchestralen Bonus-CD). Es mag tatsächlich so sein, wie Tuomas das im Interview mit Frank einschätzt: Das Album offenbart sich nicht gleich beim ersten Durchgang, sondern will erforscht werden. Trotzdem gibt es etliche Passagen, die hohen Faustfaktor haben und gut ins Ohr gehen. Da musste ich mich im Wald zusammenreissen, nicht zu wild mit dem Kinderwagen durch die Gegend zu brettern.
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von Raphael Paebst » Sonntag 12. April 2020, 19:05
Eike hat geschrieben:Raphael Paebst hat geschrieben:Die Probleme mit Dawkins sind so vielfältig, berufsbedingt ist es einerseits, weil der gute Mann von Philosophie keine Ahnung hat, von Medien und Menschen aber immer als Philosoph in Fragen des atheismus zitiert wird.
Dann wirst du vom alten Schlangenölonkel Jordan Peterson ja ähnlich begeistert sein. 
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