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von Rüdiger Stehle » Dienstag 31. Mai 2016, 03:14
Dr. Best hat geschrieben:Nunja, Rüdiger, das ist jetzt aber schon Rosinenpicken. Klar sind die Aussagen zu den Alben bis Mitte 90er quasi identlisch, mir ging es mehr um die Alben danach, die ich stark anders sehe als du.
Die alten Zitate hatte ich so nimmer auf dem Schirm, ich dachte du beziehst dich allein auf meinen letzten Beitrag, der auf Jhonnys Nachfrage erfolgte, also auf den hier: Rüdiger Stehle hat geschrieben:Ich sag mal so:
Du wirst die ersten drei vermutlich alle ziemlich gut finden. Man muss Danzig aber trotzdem nicht unbedingt komplett haben. Ab der vierten, spätestens ab der fünften Scheibe gibt's schon immer wieder stärkere Durchhänger, wobei dann Scheiben wie "6:66 Satan's Child" oder "Circle Of Snakes" auch wieder richtig stark sind. Da man die schwachen Scheiben oft sehr günstig kriegt, ist dem Komplettisten da auch kein großer Stein in den Weg gelegt. Manch bessere Spätwerke sind aber schwierig zu kriegen. Am ehesten bei Discogs, wenn auch als Russland-Import.
Richtig genial sind die drei SAMHAIN-Scheiben, aber da wirst du einiges hinlegen oder viel Geduld haben müssen.
Und das ist ja nun fast identisch, mit dem was du gesagt hast und es wird schon sehr klar, dass ich auch einen durchaus beträchtlichen Abstand zwischen den ersten Dreien und dem Rest sehe. Zu den älteren Aussagen stehe ich aber nach wie vor, speziell die "6:66", die "Circle" und die "Dethred" finde ich sehr gut (unterhalb der ersten drei), die "777" okay mit ein paar tollen Momenten, und die 4 und die 5 eher nicht so prickelnd. Da ist natürlich mehr Diskrepanz da, zu deiner Wahrnehmung, keine Frage. Trotzdem bleibt im Kern die übereinstimmende Einschätzung, dass die "Plichtalben" die ersten drei sind und die drei davor... Dr. Best hat geschrieben:Danach konnte mich eigentlich kein Album mehr so richtig begeistern. [...] Danach kenne ich nur die "Deathred Sabaoth" und das Coveralbum [...].
Da hab ich dich dann missverstanden, als du geschrieben hast, dass du danach nur die "Dethred Sabaoth" und das Coveralbum kennen würdest. Sorry. Komplettist bin ich eh bei jeder Band, die ich per se gut finde. Das weiß der Jhonny auch... 
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von Dr. Best » Mittwoch 1. Juni 2016, 21:16
Rüdiger Stehle hat geschrieben:Die alten Zitate hatte ich so nimmer auf dem Schirm, ich dachte du beziehst dich allein auf meinen letzten Beitrag, der auf Jhonnys Nachfrage erfolgte[...]
Ah, jetzad. Dann war das auch mein Fehler, ich habe den ganzen Thread in einem Rutsch gelesen ohne auf die Daten zu achten, gab halt irgendwie alles schon Sinn. Wenn man das ohne die "ollen kamellen" betrachtet haben wir natürlich schon das selbe gesagt, seh ich dann auch so  Der schöne Nebeneffekt war aber, dass ich die letzten Tage mal wieder die Danzig Scheiben rausgeholt habe und etwas in musikalischer 90er Nostalgie versunken bin. Warum gibt es so viel Eigenständigkeit heute nicht mehr?
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von Rüdiger Stehle » Donnerstag 27. Oktober 2016, 22:23
So, nachdem ich nun in Sachen DANZIG endlich fast komplett bin bzw. so komplett, dass ich zufrieden bin (es fehlt die aktuelle Coverscheibe "Skeletons", die mich aber auch kaum interessiert), sei hier im passenden Thread noch was zur letzten Ergänzung meiner Sammlung gesagt. Hier ist sie: Danzig: The Lost Tracks Of Danzig / 2-CD https://www.musik-sammler.de/media/115220/Wie schon im Neuzugänge-Thread angerissen, lohnt sich der stattliche Doppeldecker mit seinen 26 Songs so ziemlich für jeden treuen Danziger, bietet er doch 2-3 Songs aus jeder Schaffensphase, wobei natürlich für viele (mich eingeschlossen) besonders die erste CD sehr spannend sein dürfte, die einige Songs aufbieten kann, die auch auf den ersten drei regulären Alben eine Top-Figur abgegeben hätten. Besonders stark sind dabei die ersten beiden Stücke 'Pain Is Like An Animal' und 'When Death Had No Name', die beide bereits zu SAMHAIN-Zeiten entstanden sind und danach für so ziemlich jede Session der ersten drei DANZIG-Alben nochmals neu aufgenommen wurden. Beide erscheinen hier in Form der Sessions zum Debüt, und der zweite Track an Position 7 nochmals in der Version der "How The Gods Kill"-Sessions. Allgemein geht der Meister hier komplett chronologisch vor, so dass nach den beiden genannten Outtakes zu "Danzig I" derer Dreie zu "II - Lucifuge" kommen, zwei zu "III - How The Gods Kill" (darunter ein T-REX-Cover 'Buick McKane') etc... Einige Songs landeten nicht auf den jeweiligen Alben, weil Rick Rubin z.B. beim sehr coolen 'You Should Be Dying' - das ein paar geile SAMHAIN-mäßige Chöre parat hat - den Rhythmuswechsel zu krass fand etc... und Glenn nicht mit ihm diskutieren wollte. Das sorgt dafür, dass das Album einige spannende Sachen zu bieten hat, die zwar einerseits ungewöhnlich klingen, andererseits aber trotzdem zu der Achtziger-/Frühneunziger-Danzig-Aura passen. 'Cold Cold Rain' ist beispielsweise eine grandiose Evil-Elvis-Ballade mit Knödelgesang und Wabersynth, die Rubin hasste und Danzig liebte; beide waren sich aber - warum auch immer - einig, dass sie nicht zu "Lucifuge" passen würde. So sei es, doch gut ist es, dass wir sie in dieser Form doch zu hören bekommen. 'Satan's Crucifixion' hätte mit seinem hinterhältig doomigen Groove für mich auf "4p" auf jeden Fall durchaus zu den Highlights gezählt. Dazu die großartigen Linernotes: Der Boss von "Def American" wünschte sich ausdrücklich, dass das vierte Album endlich mal nicht satanisch sein solle. Darauf wollten Rick und Glenn ihn verarschen und schickten ihm vorab "Satan's Crucifixion" mit dem Hinweis, dass das der Titelsong und die lyrische Guideline des neuen Werks werden würde. Der Boss rastete aus... Auch die weiteren "4p"-Outtakes sind interessant: 'The Mandrake's Cry' ist mal wieder ein richtiger, leicht verslayerter Rock'n'Roller, der die Scheibe durchaus etwas gepfeffert hätte, und 'White Devil Rise' war damals und ist heute wohl erst recht ein sehr kontroverses Stück, war es doch eine den Fehdehandschuh aufnehmende Antwort an die Aufforderung des Black-Muslim-Leaders Farrakhan zum Rassenkrieg; lyrisch nicht sonderlich smart aber musikalisch ganz gelungen. Aus "5-blackacidevil" ist die schöne Akustikversion von 'Come To Silver' enthalten, die Danzig für Johnny Cash geschrieben hatte, die der aber nicht mehr aufnahm, weil sich Glenn von DefAmerican trennte; außerdem gibt's mit 'Deep' eine alternative Version des DANZIG-Songs aus dem X-Files-Soundtrack, dann noch das dissonante 'Warlok' mit seiner herrlich verzerrten Bassgitarre. Gerade den letzten Song nennt Glenn in den Linernotes einen seiner liebsten eigenen Songs aller Zeiten, und ein bisschen kann ich das verstehen: Ein sehr hypnotisches Teil! Jau, wer auf der ersten CD nicht zumindest ein paar Songs stark findet, der kann kein wirklicher Danzig-Fan sein.
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von Rüdiger Stehle » Donnerstag 27. Oktober 2016, 23:16
Die zweite CD macht da weiter, wo die erste aufgehört hat, namentlich mit einem "5"-Outtake, 'Lick The Blood Off My Hands', das mir etwas zu zäh und perseverativ ist, das aber gerade deshalb durchaus das (durchwachsene) Niveau der "5" hält und recht typisch für die Scheibe gewesen wäre, die für mich DER Tiefpunkt der DANZIG-Geschichte war.
Interessanter wird's dann mit den Songs aus den "6:66 - Satan's Child"-Sessions, denn das Album war besser als sein Vorgänger, und die hier vertretenen Songs aus dieser Aufnahmesession hätten auf dem Album zu den Hits gehört. Allen voran das ruhige, weitgehend balladeske, dunkel-bluesige 'Crawl Across Your Killing Floor' ist der absolute Hammer, und 'I Know Your Lie' wäre auf "6:66" auch ein echter Smasher geworden, der es nur nicht aufs Album geschafft hat, weil die Band den Song seinerzeit so oft bei Rehearsals gespielt hat, dass Glenn ihn bei der Auswahl der Songs fürs Album vorübergehend nimmer hören konnte. =)
Die total umgebaute THE GERMS-Coverversion 'Caught In My Eye' ist ebenso aus dieser Session und sehr, sehr geil, dunkel und creepy geworden, bevor es dann mit den Outtakes zu "777 - I, Luciferi" weitergeht, beginnend mit dem Bowie-Cover 'Cat People'. Für mich ist die Nr. 7 etwas schwächer als ihr Vorgänger, doch die vier Songs, die aus den Sessions hier vertreten sind, fallen nicht ab: 'Bound By Blood' finde ich sehr intensiv und faszinierend, tolle Atmosphäre, toll gesungen, großartige Refrain-Hooks und feine Gitarrenarbeit. Epischer war DANZIG selten. Besser auch nicht so oft. Ganz groß! Auch 'Who Claims The Soulless' kann viel und das wuchtige, erdrückende 'Malefical' mit seinem irrwitzigen Synth-Boost quasi alles. Das sehr atmosphärische 'Dying Seraph' ist mir in den Versen etwas zu entrückt, hat aber einen starken Chorus und der AC/DC-Groove des rockigen 'Soul Eater' ist etwas schlicht, aber immerhin lässig.
Danach zieht aber das starke, für "Circle Of Snakes" nicht rechtzeitig fertig gewordene 'Lady Lucifera' nochmal einige Register mehr, bevor das Doppelalbum mit zwei 6:66-Remixes endet, die nett aber nicht zwingend sind, wenn man die 6:66 im Original besitzt.
Insgesamt gibt's 26 Songs, die es in diesen Versionen auf keinem regulären Album gibt, davon gut 20 im Übrigen auch in anderen Versionen unveröffentlichte DANZIG-Eigenkompositionen, die im Großen und Ganzen das Niveau der Sessions des jeweiligen Albums, aus dem sie stammen gut halten können; das ist auf jeden Fall eine Kollektion, die ihr Geld locker wert ist, und die man als DANZIG-Fan definitiv haben muss, vor allem, weil halt auch etliche echte Hits drauf sind, die zu den Highlights des Gesamtwerks gehören dürften.
Es gibt wenige vergleichbare Outtake-Compilations, die so wertig sind. Stärker finde ich an vergleichbaren Raritätensammlungen eigentlich nur diejenigen von REVEREND BIZARRE und von TAAKE. Trotzdem: Klare Empfehlung für "The Lost Tracks of DANZIG".
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von Rüdiger Stehle » Mittwoch 31. Mai 2023, 21:00
Der Stilbruch relativiert sich glücklicherweise später wieder, auch wenn es nicht mehr so genial wurde wie am Anfang. Schon die "6:66 Satan's Child" ist wieder deutlich besser, deutliche heavier als die "5: blackacidevil" Und ein bisschen fing der Stilbruch mit 'Cantspeak' ja schon auf der "4" an.
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von Kenneth Thiessen » Donnerstag 1. Juni 2023, 15:45
Rüdiger Stehle hat geschrieben:Der Stilbruch relativiert sich glücklicherweise später wieder, auch wenn es nicht mehr so genial wurde wie am Anfang. Schon die "6:66 Satan's Child" ist wieder deutlich besser, deutliche heavier als die "5: blackacidevil" Und ein bisschen fing der Stilbruch mit 'Cantspeak' ja schon auf der "4" an.
Noch deutlicher hat sich der Stilbruch zur "Blackacidevil" schon mit 'Sadistikal' angedeutet, wie ich finde. Das ist auch der einzige Song auf "4p", den ich nicht gut finde. Darüberhinaus finde ich die "4p" ähnlich genial wie die drei Vorgänger, die halt auch allesamt genial sind. Höre gerade wieder das Debüt und die hat einfach beides - eine ungemein einnehmende Gesamtatmosphäre und halt noch Hits en masse. Neben den offensichtlichen Highlights 'Twist Of Cain', 'Am I Demon' und 'Mother' stechen für mich ja besonders das bluesige 'She Rides' und 'Soul On Fire' heraus. So, ich werd' mich die Tage nochmal mit "Blackacidevil" und "6:66 Satan's Child" beschäftigen und mal schauen, was dabei rum kommt. Ersteren Scheibe werde ich wahrscheinlich weiterhin auch nicht viel abgewinnen können. Mal schauen, was die zweitere jetzt mit ein bisschen mehr Kontext kann. Heute aber weiterhin Klassikerhuldigung, das heißt nach dem Debüt läuft "How The Gods Kill".
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