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von Rüdiger Stehle » Montag 5. Februar 2018, 01:22
Dann wollen wir mal einen W.A.S.P.-Thread starten, wenn die neue VÖ schon Thema ist. Peter Kubaschk hat geschrieben:Ich bin jetzt kein Riesen-Fan von Blackie, aber die Scheibe ist natürlich schon sehr cool. Braucht man diesen Release?
Also ich hab mir das Modell gestern geholt und - weil ich nun auch nicht davon ausgegangen bin, dass das Album durch eine Neueinspielung an sich gewinnt - direkt mit der doppelten Einfuhr des Films angefangen, und da ist natürlich "Spielfilm" mal wieder hemmungslos übertrieben. Das sind ja durchaus ein paar eindrucksvolle, bewegende, ikonische Szenen, die man hier gefilmt hat, teils bekannt aus dem Videoclip zu "The Idol", aber zum einen wiederholen sich die meisten Szenen halt mal einfach in jedem, wirklich jedem Akt: Big Red, die White Middle Class Mama, Auspeitschen, Kopf in die Bibel drücken, die Wahrsagerin, Little Red, Friedhof, Koksen, Saufen... und zum anderen ist es eben doch nicht genug Filmmaterial für ein einstündiges Album, sondern ganz effektiv halt vielleicht für einen ausführlichen Videoclip zu "The Great Misconceptions Of Me". Jo... nettes Hintergrundgeflimmer beim Hören, aber sicher nichts, was ich mir öfters intensiv und komplett anschauen würde. Dennoch: Es sind bewegte Bilder, die man als Fan des Albums durchaus mal gesehen haben sollte. Das Rerecording. Jo. Man hat das Album nicht nennenswert versaut, aber besser als die Originalversion ist es natürlich nicht im Ansatz, und ob die Story die ergänzten Stücke wirklich gebraucht hat, weiß ich nicht. Im einzelnen wurden insgesamt sechs Tracks ergänzt: CD 1: "Michael's Song" ... stimmungsvolles, leicht iberisch anmutendes Zupfgitarrenintermezzo. "Miss You" ... tolle Ballade, aber eh bekannt von "Golgotha", wenn auch hier wohl ein wenig anders arrangiert.
CD 2: "Hey Mama" / "The Lost Boy" ... schönes Doppel, hier finde ich es recht cool, dass die Verzweiflung über die Ablehnung durch die Mutter nochmal aufgegriffen wird. "The Peace" ... gefällt mir auch sehr gut, als Powerballade; stark gesungen. Im Konzept ist's nicht so entscheidend, aber auch nicht störend.
"Show Time" ... kurzes Hörspiel-Interludium als Auftakt zum großen Finale, jo... find ich eher schwach, obwohl ich grad hier mehr erhofft hatte. Aber die "Spiegelstimme" ist einfach flach. Unnötig. Fazit: Trotz der oben rot markierten Stücke, die ich als absolut bereichernd empfinde, werd ich sicherlich immer das Original vorziehen. Nicht nur der Nostalgie wegen, sondern auch weil es sich stimmiger anfühlt, echter; auch gesanglich und vom Klangbild her. Damals hat der gute Blackie die Rolle halt gelebt. Jetzt erinnert er sich. Hat auch seinen Reiz, aber nicht die Intensität. It cuts less deep... Den Kauf bereue ich gleichwohl nicht. Hab nun irgendwie Lust bekommen, mir die ersten vier Alben auch noch als CD-Rerelease in die Sammlung zu stellen. Die hatte ich bisher nur als Vinyl und gebrannt. Würd ich sicher öfters hören, wenn sie als CD da sind.
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von Peter Kubaschk » Montag 5. Februar 2018, 08:38
Okay, das ist ein klares Nein für mich. Passt.
Die ersten fünf Alben habe ich ja auch irgendwann nachgekauft, weil ich das als Kid alles super fand und finde gerade "The Headless Children" und "The Crimson Idol" auch heute noch sehr gut. Von dem, was danach so kam, habe ich gleichwohl nix mehr. Liegt aber weniger daran, dass mir die Musik nicht gefällt (kann ich in Teilen nicht beurteilen, da nie gehört), sondern daran, dass ich Blackie so unglaublich unsympathisch finde. Wenn ich das ohne Jugendsentimentalitäten höre, wird es dann einfach schwierig.
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von Rüdiger Stehle » Montag 5. Februar 2018, 14:54
Kann ich durchaus verstehen. Unter der Prämisse würde ich da auch ein klares Nein setzen. Du bist ja eh nicht so komplettistisch veranlagt wie ich, und dann noch der Sympathiemalus und die Tatsache, dass man recht objektiv gesprochen auch ohne sein kann. Voll okay...
Was Blackies Habitus angeht, ja, auch hier kann ich verstehen, wie man ihn unsympathisch finden kann. Gerade bei Gigs und auch im Verhalten Fans gegenüber hat er sich schon viel geleistet, was mit "unmöglich" noch recht freundlich umschrieben ist. Mich beeinflusst so etwas im Verhältnis zur Musik ja eher weniger, aber jo, man muss den Mann echt nicht cool finden.
Was mich etwas wundert, das ist, dass er trotz dieser Unnahbarkeit und Arroganz, die er bisweilen demonstriert, doch sehr viele unglaublich emotionale Songs geschrieben hat, die mir echt nahe gehen. Da spricht der Künstler eine sehr viel empathischere, sensiblere und subtilere Sprache als der Rockstar. Da merkt man, wie viel Autobiographie in "The Crimson Idol" steckt.
Wenn du noch mal irgendwas von W.A.S.P. kaufen wollen solltest, würde ich definitiv zur "Still Not Black Enough" greifen. Das gibt dir sicher mehr als die Neueinspielung der "Idol", und es ist auch ein sehr facettenreiches und emotionales Album. Bekanntlich mein Blackie-Favorit.
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von Peter Kubaschk » Montag 5. Februar 2018, 15:42
Rüdiger Stehle hat geschrieben:Was Blackies Habitus angeht, ja, auch hier kann ich verstehen, wie man ihn unsympathisch finden kann. Gerade bei Gigs und auch im Verhalten Fans gegenüber hat er sich schon viel geleistet, was mit "unmöglich" noch recht freundlich umschrieben ist. Mich beeinflusst so etwas im Verhältnis zur Musik ja eher weniger, aber jo, man muss den Mann echt nicht cool finden.
Mein Verhältnis zur bereits vorhandenen Musik beeinflusst das auch nicht. Wenn ich etwas schon vorher mochte, dann mag ich das später auch immer noch. Das ist bei WASP, bei QUEENSRYCHE oder bei ICED EARTH so. Aber auf dann neue Musik hat es dann durchaus einen Einfluss. Gar nicht so sehr wie ich die Musik dann finde, sondern im Kaufverhalten. Schlicht, weil ich dann lieber mein Geld in Musik(er) investiere, die mir nicht unsympathisch sind. Alles kann ich eh nicht kaufen, also ist das dann halt durchaus ein KO-Kriterium.
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von Raphael Paebst » Dienstag 6. Februar 2018, 00:23
Die Crimson Idol hat sich über die Jahre zu einem meiner absoluten Lieblingsalben gemausert, was klassische Konzeptalben angeht kommt sie inzwischen deutlich vor Everybody's Darling "Operation: Mindcrime" und es gibt wenige Alben, in denen ich mich so oft selbst wiederfinde. Blackie ist natürlich ein unsympathischer Rockstar, aber von den ganzen arroganten Rockstars, die so rumlaufen, ist er mit der einzige, bei dem das irgendwie ehrlich wirkt, wenn das irgendwie Sinn ergibt, es passt irgendwie ins Gesamtbild von W.A.S.P. und ich hör eigentlich die meisten Alben immer wieder gern, auch wenn sich da gerade in den letzten Jahren doch einiges an, sagen wir mal wenig innovativem Material angesammelt hat.
Die Videoszenen gab es auf der Tour im letzten Jahr und auch schon auf der vor 10 Jahren, bei der das Album zum ersten Mal komplett gespielt wurde übrigens auch schon zu sehen, daher bin ich auch eher wenig motiviert, mir das Ding nochmal zuzulegen.
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von Rüdiger Stehle » Dienstag 6. Februar 2018, 00:36
Nun, wirklich innovativ fand ich W.A.S.P. eigentlich nie. Nach "K.F.D." auf jeden Fall nicht mehr, und stilistisch ist auch zwischen dem Debüt und "The Crimson Idol" so viel nicht passiert. Klar, konzeptioneller Anspruch, ein paar Balladen, gewisse Americana-Einflüsse, und dann der aus heutiger Sicht doch eher dezente Industrial-Touch von "K.F.D.", aber im Großen und Ganzen hat Blackie nie wirklich viel experimentiert. W.A.S.P. lebt für mich von starkem, eingängigem Songwriting mit packenden Hooks, von Blackies ausdrucksstarker Stimme und von seinen oft wirklich großartigen Texten. Am wenigsten kreativ fand ich dabei die Neon-God-Phase, die mich bis heute nicht so recht gepackt hat. Auch die paar Scheiben davor finde ich eher überschaubar faszinierend, die letzten beiden sind aber wieder deutlich stärker.
Meine liebsten Wespen neben der Schwarzen sind das Debüt und auch die Idol; aber auch bei 2-4 kann man rein gar nichts falsch machen.
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von Raphael Paebst » Dienstag 6. Februar 2018, 00:47
Ja, die beiden Neon Gods waren nicht so pralle, "Dying For The World" davor mochte ich aber immer sehr gern und "Dominator" danach auch wieder. Naja, eigentlich geht W.A.S.P. bei mir halt irgendwie immer.
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von Peter Kubaschk » Dienstag 6. Februar 2018, 00:56
Raphael Paebst hat geschrieben:Die Crimson Idol hat sich über die Jahre zu einem meiner absoluten Lieblingsalben gemausert, was klassische Konzeptalben angeht kommt sie inzwischen deutlich vor Everybody's Darling "Operation: Mindcrime" und es gibt wenige Alben, in denen ich mich so oft selbst wiederfinde. Blackie ist natürlich ein unsympathischer Rockstar, aber von den ganzen arroganten Rockstars, die so rumlaufen, ist er mit der einzige, bei dem das irgendwie ehrlich wirkt, wenn das irgendwie Sinn ergibt, es passt irgendwie ins Gesamtbild von W.A.S.P. und ich hör eigentlich die meisten Alben immer wieder gern, auch wenn sich da gerade in den letzten Jahren doch einiges an, sagen wir mal wenig innovativem Material angesammelt hat.
Nee, das ergibt für mich keinen Sinn. Unsympathisch ist unsympathisch. Ehrlich unsympathisch finde ich da sogar fast noch schlimmer. Dann wäre er ja tatsächlich ein Arsch... Und wenn ich dann höre, dass er jetzt zur VÖ keine IVs machen möchte, die sich mit "The Crimson Idol" beschäftigen, frage ich mich schon, wie ehrlich er es mit dieser VÖ meint. Nee, das ist alles Geschäft. Bei ihm, wie bei den allermeisten größeren Bands auch.
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von Rüdiger Stehle » Dienstag 5. Februar 2019, 16:08
Wer mir die US-Erstauflage der "Still Not Black Enough"-CD für einen fairen Preis vermitteln kann, der kann sich meiner Dankbarkeit gewiss sein.
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