The Rods - David Feinstein & Co.

Re: The Rods - David Feinstein & Co.

Beitragvon Rüdiger Stehle » Freitag 2. Mai 2025, 15:58

Darf man Zweifel haben. Von den gestrichenen Songs war eines ein ELF-Cover "Sit Down Honey", eines ein 40-Sekunden-Intro mit dem tollen Titel "In Your Panties", und dann noch die eigentlich sehr coolen Tracks "Gettin' Higher" und "You Better Run". Ich sag mal so, wenn ich mich für einen Version entscheiden müsste, würde ich wohl zur Originalversion greifen, weil ich Eigenkompositionen meist Coverversionen vorziehe, und weil es halt die Form ist, welche die Band ursprünglich intendiert hat. Aber von derlei Erwägungen losgelöst, als Album am Stück, funktioniert auch die Arista-Version echt gut.
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Re: The Rods - David Feinstein & Co.

Beitragvon Holger Andrae » Samstag 3. Mai 2025, 10:02

Eine Band, die ich zu Beginn ihrer langen Karriere toll fand und die dann für mich in gleichbleibender Gleichförmigkeit versunken ist. Das begann für mich mit "Let The Eat Metal". Live jedes Mal toll, aber im Studio langweilig, stampfig und ohne jeglichen Spieltwitz, was eben seltsam ist, wenn man die ollen Kapeiken in den letzten Jahren mal auf einer Bühne erlebt hat.

Der Zweitling und "Wild Dogs" liefen hier damals in Dauerschleife und werden auch heute ab und an mal wieder ausgepackt. Zeitloser Heavy Rock, der sofort in die Glieder geht.
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Re: The Rods - David Feinstein & Co.

Beitragvon Rüdiger Stehle » Samstag 3. Mai 2025, 12:28

Kann ich grundsätzlich verstehen, und ich hab zwar keine Angst davor, aber doch auch so eine Ahnung, dass es mir ab dem selben Punkt ähnlich ergehen könnte wie dir. Das aktuelle Album "Rattle The Cage" hat z.B. mein Plattenhändler auch hammergut gefunden, aber im Soundcheck war ich tatsächlich nur sehr überschaubar euphorisiert. Klar, für 'ne starke 7,5 reicht das dann immer noch, aber ich hab sie mir bisher noch nicht gekauft. Mal schauen...

... einstweilen sind wir aber soweit noch nicht, denn erst einmal kommt noch fette Beute in Form von:

"In The Raw" (1983)

das doch anerkanntermaßen noch einer der großen Klassiker der Band ist.

Bild

Die Scheibe erschien im Original erstmals auf dem Shredder-Fetisch-Label Sharpnel Records und hatte zehn Tracks. Rereleases gibt es auf CD von High Vaultage und Rock Candy, die beide dieselben 5 Bonustracks haben, sowie auf Vinyl von High Roller.

Mit der Scheibe wird der graduelle Shift in den metallischen Bereich zunächst nochmal deutlicher vor Augen geführt, wie schon der Opener 'Hurricane' sehr deutlich macht. Das Ganze ist speediger und nochmal straighter geworden. Frühe RIOT-Werke gehen in eine ähnliche Richtung, ebenso ANVIL. Der Bass klingt nun auch noch mal einen Tick mehr nach MOTÖRHEAD, David Feinstein singt ebenfalls mit ein wenig mehr Dreck in der Stimme, aber noch immer sehr melodisch.

Wenn es nicht speedig ist, dann haben wir einen stampfenden Heavy Groove, der aus meiner Sicht aber ordentlich Spirit hat, der mal ein wenig gen TWISTED SISTER ausschlägt ('Can't Get Enough Of The Fun'), mal eher in Richtung MANOWAR. Drummer Carl Canedy hat ja das erste MANOWAR-Demo für seinen Kumpel Joey eingeprügelt und produziert, während Joey seinerseits zusammen mit Candedy und David Feinstein die Single "Midlight Lady" von DAVID FEINSTEIN's THUNDER eingespielt hatte. So gesehen war DeMaio auch ein Proto-ROD. Einen kleinen aber extrem feinen Touch doomig-mystischer Epik finden wir daher auch beim tollen 'Witches' Brew'. Es ist schon klar spürbar: Die New-York-Szene war damals extrem verwoben und hat sich auch merklich gegenseitig inspiriert.

Die Boogie'n'Roll-Roots lugen am Ende aber doch auch noch zunehmend durch, so hat zum Beipiel 'Go For Broke' einen hübschen AC/DC-Hau, der gerade im Zusammenspiel zwischen Riffs und Drumbeat durchschlägt. Ähnliches gilt für den Nausschmeißer 'Another Night On The Town', der dafür einen massiven Schuss DEEP PURPLE abbekommen hat. Klar, hier und da ist es - immer in dieser Szene und Zeit - auch ein wenig cockrocky und cheesy ('Hot Love'), aber was will man machen... so war das halt.

'Hurricane' - https://www.youtube.com/watch?v=hkXoeV4C9Oo
'Witches' Brew' - https://www.youtube.com/watch?v=YNypQwk8dBM
'Go For Broke' - https://www.youtube.com/watch?v=PeJ3L_ZHzwY

Was die Auswahl der Pressung angeht, könnt ihr meines Erachtens nicht viel falsch machen. Die verschiedenen CD-Versionen haben wie gesagt identische Bonustracks. Aber auch wenn ihr euch fürs Vinyl entscheidet, verpasst ihr nicht viel, da die Bonustracks mit 'Stay On Top' nur eine exklusive Eigenkomposition enthalten, die zudem eher dröge ist. Die folgenden drei Livesongs haben dürftige Qualität, und bei einem 12-minütigen LED-ZEP-Medley ist bei mir eh alles vorbei. Ich mag LED ZEPPELIN einfach nicht.
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Re: The Rods - David Feinstein & Co.

Beitragvon Pillamyd » Samstag 3. Mai 2025, 13:45

Schöner Input für das Forum. Ich hoffe er bekommt die Aufmerksamkeit, die er verdient hat.

Rüdiger Stehle hat geschrieben:Im Moment ist das Debüt

"Rock Hard" (1980)

dran, im Original auf Primal Records erschienen, die Repress auf High Roller anno 2021 als Vinyl und CD:



Ich habe mir jetzt den ersten Beitrag zu Gemüte geführt.
Und das gefällt mir, nicht ganz überraschend, ziemlich gut In allen drei Songs schwingt ein so dermaßen lässiger Old School Rock ´n´Roll Flair mit, dass es eine Freude ist, den Dinge zu lauschen. Ich hab die Band im Verlauf etwas zu arg vernachlässigt. Gut, dass ich hier jetz die Gelegenheit finden kann. Ich werde es jedenfalls weiterhin verfolgen.
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Re: The Rods - David Feinstein & Co.

Beitragvon Rüdiger Stehle » Donnerstag 15. Mai 2025, 09:05

Holg hat weiter oben erwähnt, dass wir nun langsam auf das Werk zuschreiten, das für ihn das Studioschaffen der Band an einen Scheideweg brachte...

"Let Them Eat Metal" (1984)

... und ein Stück weit kann ich die Einschätzung verstehen, auch wenn ich sie nicht gänzlich teilen mag.

Bild

Es gab erneut einen Labelwechsel zu Combat (USA), Music For Nations (UK), Roadrunner (NL) und Bernett (F) fürs Vinyl, die heute erhältlichen Rereleases stammen von High Vaultage (CD 1998), High Roller (Vinyl) und Rock Candy (CD 2022). Die 4 Bonustracks der CD-Varianten sind identisch (1 Song von Debüt, 1 Song unbekannter Herkunft, und 2 Liveversionen), daher könnt ihr frei Schnauze einkaufen. Ich habe den High Vaultage Release und das Roadrunner Vinyl. Die CD hat ein fettes Booklet mit vielen Infos. Lohnt sich.

Warum kann ich also Holgs abkühlende Begeisterung ein Stück weit nachvollziehen? Nun, es ist tatsächlich so, dass das Album an den spannenden Enden (Verspieltheit, Schnelligkeit) ein wenig zurückschraubt, und sich die Band etwas stampfender im Midtempo präsentiert und dabei auch stark auf Midsing-Refrains mit Backing Vocals setzt. Das klingt dann ein wenig wie Deep Purple, meets early Riot, meets Twisted Sister, meets "British Steel"-Ära Judas Priest (inklusive dezentem "Breaking The Law"-Rip-off bei 'Bad Blood'). Das ist aus heutiger Sicht ein wenig bieder und zu sehr auf Hit getrimmt, aber auf der anderen Seite sind es halt auch qualitativ hochwertige Referenzen, denen die Musiker auch gerecht werden, denn die Hitqualitäten sind da, und auch die kleinen musikalischen Finessen, hier ein Gitarrensolo, dort ein Basslick, und da ein Drumroll, die so gar nicht wie von der Stange klingen, oder eine manowaresque Black-Wind-Feedback-Coda am Songende. So unkreativ ist das nicht, was die Band hier tut, und ich finde, dass die Songs absolut hängen bleiben.

Ich finde die Scheibe stark, aber ich habe auch wenige Probleme mit stampfendem True Metal, wenn er musikalische Klasse mitbringt. Downer sind lediglich die gelegentlichen Cock-Rock-Anwandlungen wie 'She's So Tight', aber was erwarte wir bei dem lasziven Artwork, das - Fun Fact - tatsächlich mal auf dem Index war.

'Let Them Eat Metal' - https://www.youtube.com/watch?v=a2INq_7TGrI
'Nuclear Skies' - https://www.youtube.com/watch?v=wJht6Zz4EW8
'Bad Blood' - https://www.youtube.com/watch?v=oAP5dO45tws
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