OMEN

Re: OMEN

Beitragvon Jhonny » Dienstag 14. April 2020, 09:37

Raphael Paebst hat geschrieben:
Jhonny hat geschrieben:
Rüdiger Stehle hat geschrieben:TWS/Source Of Deluge... kennst du. Hat auf jeder Metalbörse einen Stand.

metalmailorder.de


:dafuer:

Unser Kollege Mario arbeitet da. :grins:

Von Balrog hab ich nur eine, dafür irgendwo die Stonewall doppelt, falls jemand noch eine braucht.


Ah, ob :grins:
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Re: OMEN

Beitragvon Chris Staubach » Sonntag 20. März 2022, 12:11

Ich wage mal einen "post of shame" :grins: , denn ich muss gestehen, dass ich OMEN gerade erst für mich entdeckt habe. Seit den seligen 80ern besitze ich die ersten drei Scheiben, habe sogar die ersten Beiden auf CD, die "reopening" hatte ich mal, dann verschenkt, und die "eternal" müsste irgendwo auf dem Dachboden rumfliegen (waren damals Labelkollegen). Aber ernsthaft: hätte mich jemand vor vier Wochen nach einem Song der Band gefragt, mir wäre kein Einziger eingefallen. Trotzdem stand die Band seit Jahren auf meinem privaten "Diskografie-Check", eben weil ich wissen wollte, ob ich die CD's aussortieren kann.

Vor ein paar Tagen hat mir Amazon die "Battle Cry" und "Warning Of Danger" als Hintergrundbeschallung fürs Büro vorgeschlagen. Ich war enorm überrascht, wie viele Parts, Melodien und Refrains ich eigentlich kannte. Das hat mich angefixt und ich habe den Check nun endlich nachgeholt (zumindest die ersten drei Alben plus EP). Und was soll ich sagen? Hammer!

Normalerweise ist das nicht mein Genre - warum auch immer. Ehrlich, ich weiß es nicht. Vielleicht haben ihn mir in den 80ern Freunde, die knöcheltief in diesem Genre steckten und ihn zum Heiligen Gral des Metal ausgerufen haben, vergällt. Damals wollte sich halt jeder irgendwie mit seinem Musikgeschmack profilieren. Vielleicht lag es auch an meiner persönlichen Abneigung gegen Sirenengesang, der mich auch lange vor QUEENSRYCHE, HELLOWEEN, VICIOUS RUMORS und Konsorten ferngehalten hat. Wie auch immer, ja, der Sound ist rumpelig und manchmal ist es spielerisch extrem unsauber (normalerweise direkte Ausschlusskriterien für mich), aber irgendwie haben die Songs Energie, die ansteckt. Für euch alle natürlich nichts neues, wisst ihr schon seit vierzig Jahren und sicherlich hat der eine oder andere jetzt nur ein müdes Lächeln für mich übrig, aber ich bin gerade geflasht. Das sogar so, dass ich mich aktiv auf die Suche nach einem OMEN-Thread gemacht habe :D und es wage, meine kindliche Arroganz und unerklärliche Ignoranz hier einzugestehen. Teert und federt mich, ich habe es verdient.
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Re: OMEN

Beitragvon frankjaeger » Sonntag 20. März 2022, 12:34

Ha ha, ja, man kann eben doch nicht alles kennen. Immerhin hast due die Scheibchen nicht weggeben, du hast also den richtigen Metalriecher gehabt. Und die "Reopening" war auch vergleichsweise schwach.

Nee, dafür wird der Teer nicht angerührt :grins:
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Re: OMEN

Beitragvon Rüdiger Stehle » Sonntag 20. März 2022, 21:01

Mich freut's einfach, dass du die Omenösen so spät nochmal für dich entdecken kannst. Die ersten drei Alben sind fraglos wundervoller US-Metal, wobei ich J.D. Kimball am Gesang nun nicht wirklich allzu sirenig finde. Der ist doch eher sonor unterwegs, oder nicht? Also nicht in den typischen, hohen US-Metal-Gefilden wie ein Harry Conklin, ein Bobby Franklin oder ein James Rivera.

Alben 1-3 sind für mich 10/10, die Savatage-lastige O'Neill-Produktion "Escape To Nowhere" 8,5/10, die Reopening mit dem Groove-Thrash-Touch eher mal 6,5/10, und die "Eternal Black Dawn" 8,5/10. Die aktuell letzte Scheibe "Hammer Damage" wäre von den Songs her auch eine 8,5/10, wobei da der Soundrezeptor selbst bei mir viel kaputt macht, weil der Drumsound echt Vollpanne ist, so dass man für den bei Soundempfindlichkeit ohne weiteres 2-3 Punkte abziehen darf.
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Re: OMEN

Beitragvon Chris Staubach » Sonntag 17. April 2022, 19:06

So, jetzt habe ich nach meiner Euphorie über die ersten drei Scheiben doch mal die Zeit gefunden, mir auch die restlichen Alben in Ruhe zu Gemüte zu führen. Mein Fazit vorweg: ich bin brutal enttäuscht.

"Escape To Nowhere" ist für mich ein erheblicher Nackenschlag. Coburn Pharr macht es noch ganz ordentlich, aber dieser laue und nicht zu verstehende Kurswechsel hin zum Heavy Rock mit deutlichem SAVATAGE-Einschlag ist komplett daneben gegangen. Ja, Heavy Rock war 1988 sehr populär und kommerziell vielversprechend und Paul O'Neill sehr gefragt, aber das hat für mich gar nichts mehr mit den OMEN der ersten drei Alben zu tun. Die Musik ist viel zu schleppend, fast schon doomig. Das klingt, als hätte man die Musik mit halber Geschwindigkeit aufgenommen. Brutal langweilig. Der Gesang reißt jetzt auch keine Bäume aus und kann überhaupt keine Akzente setzen. 'Cry For The Morning', 'Thorn In My Flesh', 'King Of The Hills' oder 'No Way Out' wirklich nur in Ansätzen, aber will ich die Songs wirklich noch einmal hören? Definitiv nein. Und dann dieses unsägliche 'Radar Love'-Cover ... wer kam denn auf diese blöde Idee? Und dann auch noch an Albumposition 2 ... ich bin echt geschockt. Corbun macht es übrigens auf dem "neverland"-Album von Annihilator zwei Jahre später um Längen besser. Ist für mich das schwächste Werk von OMEN.

"Reopening The Gates" ist dann ein typisches 90er-Album. Definitiv kein OMEN-Album und hätte besser unter einem anderen Namen veröffentlicht werden sollen - was aber für alle der letzten vier Werke gilt. Ich kann grundsätzlich mit diesem PANTERA/GURD-Sound etwas anfangen, aber so richtig gut ist es eben auch nicht. Ein paar nette Ansätze, mehr aber auch nicht. Die Produktion klingt viel mehr nach Proberaum - also selbst für jene Zeit zu erdig. Und wer ist Greg Powell? Der Bruder? Der Sohn? Passt zum Sound des Albums, aber nicht zum Vermächtnis der Band. 'Rain Down', 'Uneven Plow' oder auch das Titelstück sind okay.

"Eternal Black Dawn" ist definitiv eine Rückbesinnung zum alten Sound. Kevin Goocher macht seine Sache auch ordentlich, aber etwas emotionslos. Da fehlen mir Energie, notwendige Tiefe und große Hooks. Das Album ist eine typische Wohnzimmerproduktion. Zu Hause in der eigenen Garage mit Pro-Tools zusammengeschustert. Alles sehr nett, aber nach Schablone und sehr linear. Mit 'Burning Times' oder auch 'Chaos In The Cathedral' sind sogar zwei gute Nummern auf diesem Album.

"Hammer Damage" schlägt in die gleiche Kerbe. Wieder zu Hause vor dem Fernseher aufgenommen, dieses Mal sogar sehr offensichtlich mit Drumcomputer samt vorgegebener Sounds. Es fehlen mir in Sachen Songwriting und Gesang auch hier die Leidenschaft und die Energie, die Du erreichst, wenn Songs gemeinsam im Proberaum entstehen. Großes Problem sind die Gesangsmelodien, die nicht immer auf die dazu gehörige Textlänge passen möchten. Daraus resultieren ganz schlechte Phrasierungen. Dieses Problem hatte J.D. Kimball durchaus früher auch (also wer ist für Texte und Melodien zuständig? diese Frage könnte durchaus essentiell sein), hat das aber mit viel mehr Leidenschaft wieder weggemacht. Kevin Goocher schafft es nicht. 'Chaos Canyon', 'Hellas' oder auch 'Era Of Crisis' sind gut, erreichen aber zu keiner Zeit die Qualität der ersten drei Scheiben.

Während ich bei den ersten drei Scheiben zwischen 8,5 und 9,5 schwanke, erreicht "Escape" maximal 4/10, "Reopening" vielleicht 5/10 und "Eternal" sowie "Hammer" maximal 6/10. Alter Falter, was für ein Absturz :dagegen:
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Re: OMEN

Beitragvon Rüdiger Stehle » Sonntag 17. April 2022, 20:55

Ich bin überrascht, dass du den letzten beiden immerhin 6 Punkte gibst. Dazu hätte sich nicht jeder durchgerungen, der Wert auf vernünftige Produktionen legt.

Greg Powell ist Kennys Sohn, und ganz generell kann man, so denke ich, sagen, dass Kenny für alles zuständig ist, was du auf den letzten Alben hörst, außer für den Gesang und den Bass, dafür inklusive dem Programmieren der Drums.
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Re: OMEN

Beitragvon Rüdiger Stehle » Sonntag 17. April 2022, 21:07

Chris Staubach hat geschrieben:Ich würde gerne mal mit Dir zusammen das Album hören und gerne erfahren, welche Songs Du ordentlich findest. Und Coburn finde grundsätzlich auch okay, aber das nutzt hier (in meinen Ohren) nichts.

Ich mag den Stil und den Sound des Albums insgesamt. Dass es wenig mit den klassischen Omen-Werken zu tun hat, stört mich einfach nicht so sehr, dass es mir den Spaß an der Scheibe nehmen würde. "Thorn In Your Flesh" ist für mich der Hit des Albums. Den haben sie einmal live gespielt von den zahllosen Malen, die ich sie gesehen habe, und darüber habe ich mich riesig gefreut, weil es sonst meistens halt doch immer nur eine "Omen plays 1984-1987-Retro-Show" war. Hat die Sache etwas aufgelockert. "Cry For The Morning" und den Titelsong mag ich auch sehr. Pharr finde ich super, der hier ziemlich reibeisig singt. Für mich ist diese Scheibe im Omen-Kontext das, was die ebenso von O'Neill versavatagte "Hanging In The Balance" für Metal Church ist. Letztere ist kompositorisch ein gutes Stück besser, keine Frage, aber die Konzepte ähneln sich, und ich mag den Ansatz.



Chris Staubach hat geschrieben:Habe mir dann OMEN - Reopening The Gates angehört. Klar, auch hier kein typisches OMEN-Album, eher tiefstes 90er-Gegroove (ein bisschen Pantera hier, ein bisschen Gurd da). Gut, da habe ich eine gewisse Affinität zu. Produktion ist halt irgendwie Proberaum. Das Werk hätte besser unter einem anderen Banner erscheinen sollen - wäre trotzdem untergegangen, aber hätte mehr Sinn ergeben.

Hier ist mir eher der Stil fremder als dir. Aber es ist halt eines dieser typischen Midlife-Crisis-Alben der 1990er, bei denen alte US-Metal-Legenden versuchten, wie Pantera zu sein. Andere Beispiele: Jag Panzer "Dissident Alliance", Exxplorer "Coldblackugly", Vicious Rumors "Something Burning", Forbidden "Green"... - Unter diesem Gesichtspunkt "musikhistorisch wertvoll".

Die Scheibe unter anderem Banner gibt's übrigens auch - STEP CHILD "The Prayer" (1995, Massacre Records)
https://www.youtube.com/watch?v=k-0Oz9JQO_k
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Re: OMEN

Beitragvon Chris Staubach » Sonntag 17. April 2022, 22:17

Ich kann verstehen, dass einem der Ansatz von "Escape" gefällt. Habe ja auch geschrieben, dass ich den Kurswechsel rein von der Zeitspanne her verstehen kann. Den alten OMEN-Sound mit einer größeren Produktion, etwas gefälligeren Strukturen und einem melodischeren Gesang kann ich mir schon gut vorstellen. Wenn O'Neill dann noch leichte SAVA-Elemente mit einbringt, nix dagegen. Nur die Ausführung finde ich total verkorkst. Der Schlagzeuger und der Gitarrist müssen ja beim Einspielen eingeschlafen sein. Wenn man weiß, welches Tempo auf den früheren Werken herrschte, ist das hier wie eine Vollbremsung bei 300km/h. Das von Dir angesprochene "Hanging" ist dagegen edel und gehört tatsächlich zu meinem dritt- oder viertliebsten MC-Album (nach dem Debüt und "the dark" natürlich). Nee, habe es mit "Escape" echt drei Mal versucht, aber beim letzten Durchgang bin ich sowas von aggressiv geworden.

Die letzten beiden Alben sind halt eben wieder "back to the roots" mit ein bisschen mehr Tempo und den typischen 7/8tel-Songs. Das ist nicht alles gut, aber etwas Balsam für die geschundene Fan-Seele. Mir geht nur dieses "ich spiele alles beim Kaffee zu Hause und der Sänger singt irgendwo auf der Welt seine von mir vorgeschriebenen Parts ein" total auf den Sack. Du hörst, die Songs sind nicht unbedingt für den Sänger geschrieben und meistens ist der gesangliche Beitrag halt auch eher emotionslos. Wenn er dann auch in der Produktion noch so weit im Vordergrund steht, leidet der Hörgenuss. Ist kein reines OMEN-Problem, klar.

Vielen Dank für STEP CHILD. Werde ich mir morgen mal in Ruhe geben. Heute ist es genug mit OMEN ... obwohl, ist ja gar nicht OMEN :grins: nein, morgen.
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Re: OMEN

Beitragvon Rüdiger Stehle » Sonntag 17. April 2022, 23:44

Mit dem aktuellen Sänger Nikos Migus gibt es auch eine 2-Track-Single, von vor ein paar Jahren (2018). Die kannst du dann auch morgen noch mitnehmen:

- Alive: https://www.youtube.com/watch?v=a1OOcIiOYTw
- Evil Seductress: https://www.youtube.com/watch?v=mynTvibrwxw

Bild

Sollte m.E. mit zum besten "nachklassischen" OMEN-Stoff gehören.
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Re: OMEN

Beitragvon Jens Wilkens » Mittwoch 20. April 2022, 18:11

Ich mag die "Escape To Nowhere" eigentlich auch ganz gerne. Ich würde wegen 'Radar Love' vielleicht einen halben Punkt weniger geben als Rüdiger. Gerade gesanglich finde ich das Album interessant (was natürlich auch für das ANNIHILATOR-Album gilt).
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