CHUCK BERRY ist ja nahezu synonym mit Rock 'n' Roll, und das ergibt durchaus Sinn.
Klar, gerade auch FATS DOMINO als frühen Pionier, BO DIDDLEY als großen Rhythmiker, LITTLE RICHARD als heißblütigsten Songschreiber/Performer sollte man nicht unterschlagen, sicherlich allesamt noch bedeutender als andere große Interpreten wie JERRY LEE LEWIS, BUDDY HOLLY, ELVIS PRESLEY, etc. pp., ganz zu schweigen von der zweiten Reihe.
Aber Berry war eben mit der erste, der den neuen Sound nicht nur auf den Punkt brachte, sondern auch noch mit einer Eingängigkeit versah, die das Radio im Sturm erobern konnte, der Ohrwurmelodien mit Ohrwurmtexten schrieb, der nicht zuletzt sein Gitarrenspiel derart ikonisch machte, dass es zum viel imitierten und doch kaum erreichten Grundrepertoire des Genres wurde, er ist einfach der Lickmeister des Rock 'n' Roll.
Nicht zuletzt war er es auch, der es mit seiner Musik über den Atlantik schaffte, damit die zweite Rock-Welle in England inspirierte, die ihn dann per "British Invasion" einer neuen Generation in der U.S.-Hörerschaft wieder näher brachte.
In der arte-Mediathek ist bis Mitte August noch eine gute "Chuck Berry"-Doku abrufbar, die hiermit allen an den Wurzeln des Rocks interessierten Foristen nahegelegt sei.
Ich kann auch sein letztes Album "Chuck" nachdrücklich empfehlen, leider verstarb Berry kurz vor Veröffentlichung. Trotz gegenüber früheren Werken oft reduzierter Geschwindigkeit, sprüht das Album Funken der Leidenschaft und Kreativität. Es gibt klassischen R'n'R mit 'Wonderful Woman' (bluesige Mundharmonika!), 'Big Boys' (antreibender Backbeat!), 'Lady B. Goode' (Greatest Hit 2.0), tolle Balladen '3/4 Time (Enchiladas)', 'Darlin´' & 'You Go to My Head' (was für ein Klavier!), außergewöhnliche Kompositionen wie 'She Still Loves You' (eigenwillig groovende Rhythmik!), 'Jamaica Moon' (elegant cooler Karibiksound!), erstklassiges Storytelling ob als Talking Blues 'Dutchman' oder bluesiges Gleichnis 'Eyes of Man'. Hypnotische Rhythmen, charismatische Stimme, begnadetes Gitarrenspiel, minimalistisch auf den Punkt und dabei doch so schillernd - man vergisst, dass da ein Neunzigjähriger musiziert, das ist einfach zeitloses Material, auch wenn die Fifties überall drinstecken.
Ansonsten bietet die Compilation "The Great Twenty-Eight" einen sehr guten Überblick der frühen Hits!
