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von Vaillant » Mittwoch 20. Oktober 2010, 15:55
Monster Magnet, gibr es hier keinen, der sich da mal den Luxus geleistet hat, das, äh, sozusagen als Minnesang oder Hintergrund für Abenteuerliches zu wählen? Sollte auch zu mesc. aber hopp, landete es woanders. Eine feine CD, das muss ich sagen. Mich würde ma interessieren, ob es Leute gibt, die wie ich auch die Zeit nach "Dopes" noch gern mochten... Hab die mal im Konzert gesehen, ich glaube in Düsseldorf, es war sehr muskulös, das Ganze http://www.metal.de/cdreviews.php4?was=review&id=15602PEACE!
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Vaillant
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von Eike » Mittwoch 20. Oktober 2010, 17:25
Auf jüngeren Alben fehlt mir irgendwie das ausufernde, mäandernde, mystisch umnebelte, größenwahnsinnige, unberechenbare Element - das war mir auf Dauer alles etwas zu straight, zu wenig strange. Ich stehe eher auf Sachen wie die abgefuckten, verwirrt-schnoddrigen, lässig-trotzigen Momente in 'Zodiac Lung' ("No you can't hear a thing at all / When I die it'll be because of you / There I'll lie and it'll all point to you / It's fuck ups like you that always seem to take it all / It's fuck ups like you that never seem to go away / The shape of the zodiac lung Is like the shape of the back of my hand / And I'll knock you across this room / And I'll bury my head in the sand"); auf dieses Blubbernde "I will not be denied" in 'Ozium'; diese psychopathisch auf Messers Schneide traumtanzenden, unschuldig bösen Abgründe in Songs wie 'Cyclops Revolution' ("Cut off your legs, for you are too slow / Cut off my hair, I won't need it where I'm gonna go / As the nine heads bleed over all that is mine / Kiss the mouth of the scorpion baby / coz Odin says it's time / The sound of ringing bells, of cars smacking into trees / The sign of brother power coming down to me / I'm alive, I'm alive, I'm alive - not you"), die entsprechend cool und gefährlich intonierte schiere Comic-Übertriebenheit von Zeilen wie "I hate this perfect world / I'll climp atop this universe / And pound until it's gone" in 'Superjudge'; die völlig fertige, grozkotzig metaphernstrotzende Großartigkeit von grundkranken Epen wie - dem vielleicht besten Stück der Band: - 'Cage Around The Sun', die damals auch musikalisch noch entsprechend kongenial umgesetzt wurden, statt sich in formulaischem Cockrock nach Schema F zu ergehen (...was sich dann leider schon ab "Powertrip" einschlich); von der wie ganz selbstverständlich intonierten, dabei aber wahnsinnig abgedrehten Arroganz im tatsächlich genau wie der Titel es verheißt klingenden 'Elephant Bell' ganz zu schweigen ("Move over little insect / It's time for you to go / I don't wanna have to tell you twice / You come to me tomorrow / Saying you found my head in the fields / I couldn't swear that it's mine / Been talking to the bottle / And it roars out how I feel / There's nothing, nothing here / There's a doorway and a fuel pump / The taste of another mind / You can bake me in your cancer / You can cook me in your spoon / Put a bowl in my heart now / Don't know who you're praying to / Ain't gonna stand in the rocket's shadow / My mama's waiting for me on the moon / My dick just got a million times bigger / I'll be pumping Andromeda soon..."); stehe auf das kosmisch verrauschte, galaxienverschlingende, sadomäßig übermächtige Gott-zog-den-Stöpsel-aus-dem-Abfluss-Finale von 'Dinosaur Vacuum'; auf die fast schon aufgerauchten, allerletzten Hippiereste in 'Face Down' ("When the sun blocks the moon and the stars go down / I'll be floating, squirming and laughing / Next position that begins face down"); das Paranoide im Nachlassen und ins üble kippen des Trips von 'Brainstorm', das hangovermäßige von 'Black Balloon', so muss man ein Album wie "Superjudge" ausklingen lassen, das war noch ein Album und keine irgendwo beliebige Songsammlung; 'Negasonic Teenage Warhead' war ein Hit, ein verdammt guter, obwohl er catchy war, nicht weil; mit 'Ego The Living Planet' setzte MONSTER MAGNET dem Comicfreak in Wyndorf eine Hymne hin, als sei das Viech für ihn als Maskottchen erfunden worden; 'Dead Christmas' hatte noch das, wofür die Band bei mir steht, die totale Verweigerung ("I felt the heart of forever, I helt it over my head / I said fuck you on christmas, and then they put me to bed / And I'm never gonna tell you why"), hatte nietzscheanisch grandiose blasphemische Zeilen wie "God's drowned in a bowl of cereal"; aber schon "Powertrip" wurde mir nach den ersten drei Songs zu aufgeräumt; auf "God Says No" war 'Melt' noch okay, "Monolithic Baby!" hingegen enttäuschend, "4-Way Diablo" immerhin die lässige Coverversion '2000 Lightyears From Home' und das gutklassige 'Freeze And Pixelate'; aber hängen bleibt davon nichts und darauf niemand mehr, der den alten Stoff gewohnt ist. Wyndorfs Gesang früher, und die Musik seiner Mannen dazu, das verkörperte einfach das kompromisslose Sicheinlassen auf die persönliche Apokalypse, ein hedonistisches Auskosten des eigenen Untergangs, eine Grenzerfahrung, für die sie ihre Seele verkauft zu haben schienen, einen mystischen Einheitsbrei aus Neurosen, Psychosen, Drogenwahn, kosmischen Metaphern, Endzeitreligion und psychedelischen Comicwelten in Vierfarbdruck, alles aus der Haltung eines kranken Heads mit Gottkomplex heraus erzählt, der sich in seiner eigenen Wahnwelt ganz bewusst sich selbst opfert, um noch krasser zu werden, auch wenn er dabei draufgehen muss. Das war großes Feeliekino mit Soma. Und dann wurde das immer mehr so Veteranenkneipenrock: Opi W. erzählt beim Bierchen vom Krieg und den Drogen, und damit einen die immergleichen Geschichten nicht langweilen, dreht der Barkeeper die Rockbeschallung einfach lauter, was egal ist, weil Opi W. eh schon taub. Ich hoffe ja immer noch, dass irgendwan wieder ein Album kommt, das "nicht so anschmiegsam auf die goldene Mitte ausgerichtet" ist, das nahtlos anknüpft "an frühe Bandzeiten, als der universale Drogenrausch den Normalzustand der Band, des Umfelds, des Zeitalters darstellte", eines, das den Hörern eben nicht "Zeit und Muße, sich zu sortieren" lässt, nicht auf "Nuancen Psychedelic, Punk und Garagenmetal" setzt, das auf Nuancen scheißt, sie total verschmiert, vorzugsweise mit einer Riesenladung heißer, flüssiger, kosmischer Lava, eines das nicht erinnert an "an alte MONSTER MAGNET-Großtaten stoffgeschwängerter Frühzeit", sondern sie verdammtnochmal davonspült wie der hartflüssige Gaskern einer paradoxen Supernova. Aber daran glaube ich nicht mehr. Eigentlich ist MONSTER MAGNET nur noch eine Zombieband. Vielleicht war sie das immer schon, aber als das noch konsequent ignorierte wurde, einfach überhaupt nicht drüber nachgedacht, welche Zutaten man da eigentlich verwurstete, machte der Sound einfach viel mehr Spaß.
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von Vaillant » Mittwoch 20. Oktober 2010, 17:58
Wow! Das nenn ich mal eine tolle Antwort... jo, so kann man es sicher sehen... deine Textzitate  Stimmt schon, diese Zeit mit den knorrigen Songaufbauten/Texten fand ich auch klasse. "Wyndorfs Gesang früher, und die Musik seiner Mannen dazu, das verkörperte einfach das kompromisslose Sicheinlassen auf die persönliche Apokalypse, ein hedonistisches Auskosten des eigenen Untergangs, eine Grenzerfahrung, für die sie ihre Seele verkauft zu haben schienen, einen mystischen Einheitsbrei aus Neurosen, Psychosen, Drogenwahn, kosmischen Metaphern, Endzeitreligion und psychedelischen Comicwelten in Vierfarbdruck, alles aus der Haltung eines kranken Heads mit Gottkomplex heraus erzählt, der sich in seiner eigenen Wahnwelt ganz bewusst sich selbst opfert, um noch krasser zu werden, auch wenn er dabei draufgehen muss. Das war großes Feeliekino mit Soma."Fein geschrieben!!! Muss ich mir mal merken, wenn ich mir die alten Sachen vornehme Aber mir gefällt auch die neuere Ausrichtung. Vor allem das neue Album. Da zieht die Band querbeet durch ihre Karriere, zitiert sich selbst, schafft aber auch neue Energie aus Dope, Schweiß, Sex, Musik, Camaro... Musik fürs Auto, man könnte plötzlich TITO & TARANTULA im Schlepptau haben oder drei nette Damen, welche nun beschäftigt sein wollen, so etwa  Manchmal muss es bei mir AC/DC sein, TITO, LYNYRD, CHEER CHOKE oder ASTEROID, so US-Tanke-Atmosphäre, Vorstadt, Zahnspange, Adrenalin... dafür finde ich diese Band sehr geeignet. Die alten alben aber haben auch bei mir Kultstatus.
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von frankjaeger » Montag 1. November 2010, 09:20
In der Frühphase fand ich sie schwer verdaulich. Das drogenschwangere Gewaber ist nicht easy, aber natürlich sind auf "Spin Of God" und "Superjudge" feine Songs, auch "Dopes To Infinity" hat was, aber es blieb schwierig. Dann aber kam "Monolithic Baby", und das Ding ist ein Hammer. So coole, straighte Rocker, mit viel Attitüde, jau, das ist es. Leider ist die neue nur halbgar...
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von Eike » Dienstag 29. Oktober 2013, 09:49
Was Mattes da zur neuen Veröffentlichung schreibt, weckt die Hoffnung, dass " Last Patrol" wieder ein Album für alle ist, denen die Band am besten gefiel, als sie sich noch MONSTERMAGNET schrieb.
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von Dr. Best » Mittwoch 30. Oktober 2013, 18:15
Ist es. Schöne Scheibe!
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von the seeker » Mittwoch 30. Oktober 2013, 19:37
schönes Ding ja, verdammt lässig
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