Post Rock & Instrumental Rock

Re: Post Rock & Instrumental Rock

Beitragvon Rüdiger Stehle » Mittwoch 31. August 2011, 01:40

Jesus hat geschrieben:So oder so werden wir Rüdiger nicht von instrumentaler Rockmusik überzeugen können, denn er ist ja offensichtlich der Meinung, dass Gesang alleine über Gefallen und Nichtgefallen entscheidet, selbst wenn man die Musik an sich schlecht findet ;)

Rüdiger Stehle hat geschrieben:Avantasia darf man auch als harter Hund mögen, weil sich dort einfach so viele tolle Sänger herumtreiben, dass man über die übermäßige Eingängigkeit, den Bombast und die Theatralik einfach mal hinweg sehen darf.


Wer übermäßige Eingängigkeit, Bombast und Theatralik nicht mag, hört einfach auf die Sänger!

Das habe ich ja nun gerade nicht geschrieben. Weder dass jemand, der die Musik nicht mag, die Band hören soll, noch dass der Gesang alleine über Gefallen und Nichtgefallen entscheidet. Bei mir entscheidet auch nicht "der Gesang alleine", aber er ist zugegebenermaßen sehr oft der Schlüssel zur Musik für mich. Ich persönlich mag ja Eingängigkeit, Bombast und Theatralik extrem gerne, aber Avantasia bietet in Summe einen Tick zu viel davon, auch für mich. Dennoch finde ich eben die Gesangsleistungen der Herren Kiske, Catley, Cooper, DeFeis u.a. so grandios, dass es mir allein deswegen Spaß macht, die Band zu hören.

Wenn die genannten Stilelemente für jemanden absolutes Spitzgras sind, dann wird es natürlich schwieriger. Da spreche ich durchaus aus Erfahrung, weil ich zum Beispiel Björk als Sängerin absolut toll finde, die Musik, die hinter ihren Songs aufwartet, aber zu Großteil absolut gruselig (Loops, Elektrobeats, Computersounds, Trip Hop, whatever...). Deswegen habe ich auch noch kein Björk-Album, aber allein durch die Stimme bin ich immer und immer wieder versucht, doch einmal ein Album zu kaufen, um den Versuch zu unternehmen, doch damit warm zu werden. Wäre nicht der tolle Gesang, dann würde ich Musik aus dieser Stilrichtung "noch nicht einmal ignorieren"...
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Re: Post Rock & Instrumental Rock

Beitragvon Rüdiger Stehle » Mittwoch 31. August 2011, 01:52

Peter Kubaschk hat geschrieben:das hier säuselt, weht & wabert widerlich schön?
http://www.youtube.com/watch?v=6PyZmplNpOU

Das ist so ein Ding, bei dem ich wirklich sagen kann, dass das "schön" klingt, aber dem es auch mir an der Nachhaltigkeit fehlt. Das geht ja in eine ähnliche Richtung wie manche instrumentale Passagen der von mir bekanntlich extrem hoch geschätzten Sólstafir, mit dem Unterschied, dass eben bei Sólstafir irgendwann die Harke und die Keule kommt und die Schwelgerei ein gewaltsames Ende findet, während sich für mein Empfinden eben bei Maybeshewill alles in nichts auflöst. Es bleibt kein Nachhall, keine Erkenntnis, kein Eindruck, sondern nur die Frage: Warum hast du das jetzt angehört?




Und zum Schluss und am Rande:
Im Gegensatz zu den gerne hier und da immer wieder fallen gelassenen festgefahrenen Urteilen über manche Stile und Bands versuche ich mit diesem Thread ja gerade, mir die Faszination dieser mir bisher emotional völlig fremden Genres zu erschließen. Durch Diskurs und durch Widerspruch, aber durchaus ernsthaft. Ich wünschte mir, andere würden selbiges mal mit ihren Bands und Genres versuchen, die für sie regelmäßig als Prototyp für fürchterliche Musik herhalten müssen (gleich ob Manowar, Sabaton, Röchelgronz oder Plushyfluff). Mir könnt ihr wenigstens nicht vorwerfen, dass ich es nicht versuchen würde, mir die Grütze hier doch noch zu erarbeiten.
;-)


EDIT:
Sorry für die vielen Beiträge in Folge, aber das enorme Feedback freut mich und will ausführlich gewürdigt werden.
:grins:
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Re: Post Rock & Instrumental Rock

Beitragvon Peter Kubaschk » Mittwoch 31. August 2011, 07:40

Rüdiger Stehle hat geschrieben:Und zum Schluss und am Rande:
Im Gegensatz zu den gerne hier und da immer wieder fallen gelassenen festgefahrenen Urteilen über manche Stile und Bands versuche ich mit diesem Thread ja gerade, mir die Faszination dieser mir bisher emotional völlig fremden Genres zu erschließen. Durch Diskurs und durch Widerspruch, aber durchaus ernsthaft. Ich wünschte mir, andere würden selbiges mal mit ihren Bands und Genres versuchen, die für sie regelmäßig als Prototyp für fürchterliche Musik herhalten müssen (gleich ob Manowar, Sabaton, Röchelgronz oder Plushyfluff). Mir könnt ihr wenigstens nicht vorwerfen, dass ich es nicht versuchen würde, mir die Grütze hier doch noch zu erarbeiten.
;-)


Ich bin nicht sicher, ob das jetzt tatsächlich so nachahmenswert ist. Für mich sieht das auch wie der Versuch ein Pauschalurteil zu untermauern und nicht es aufzuweichen. Die von dir "grob geschätzten 90%" können wir der bisherigen Erfahrung nach ja auf 100% ausweiten, so lange nicht wenigstens einmal ein Sänger dabei ist. Würdest du ernsthaft versuchen, "dir die Grütze zu erarbeiten", müsstest du nämlich andere Genrevertreter anhören, um Bands im Kontext beurteilen zu können (die nun insgesamt drei rein instrumentalen Bands, die wir in zwei Jahren SC jetzt aus dem Genre dabei hatten, reichen dafür sicher nicht aus). So wie andere den Unterschied zwischen SABAGRÜTZ und den (im Kontext) guten POWERWOLF beurteilen können oder zwischen TODTGELICHTER, HERETOIR und FYRNASK oder der letzten und der aktuellen ARCKANUM.

Und damit du das machen kannst, höre einfach mal die folgenden Bands:
MOGWAI
EXPLOSIONS IN THE SKY
GOD IS AN ASTRONAUT
GODSPEED YOU! BLACK EMPEROR
MONO
LEECH
RED SPARROWES
ANIMALS AS LEADERS
65DAYSOFSTATIC
etc. pp. (Quaki, Jesus & Sally können hier sicher noch ein paar Dutzend mehr als ich posten...)

Es reichen ja zwei, drei Songs pro Tag. Dann erarbeitest du dir da wirklich etwas. (ich habe ja den Vorteil, dass wir von der BM-Grütze jeden Monat was im SC haben und ich mir das seit mehr als zwei Jahren damit "erarbeite").
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Re: Post Rock & Instrumental Rock

Beitragvon 123_7 » Mittwoch 31. August 2011, 08:27

Gibt ja auch ein paar Vertreter, die tendenziell etwas ruppiger zu Werke gehen, das wäre dann vielleicht sogar eher was für Rüdiger.

Z.B. Russial Circles. Oder Scale The Summit.

Und wenn er doch etwas an dem Genre findet, kann er es ja mit dem schönsten Song des Genres probieren. :-)
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Re: Post Rock & Instrumental Rock

Beitragvon Peter Kubaschk » Mittwoch 31. August 2011, 08:38

SCALE THE SUMMIT hatten wir ja im SC. Eben weil die deutlich ruppiger sind, das Resultat bei (nicht nur) Rüdiger war das Gleiche.

die GY!BE-Nummer ist wirklich schön. Aber tatsächlich finde ich die Band mit ihren 10-20-minütigen Kompositionen auf Dauer immer etwas ermüdend.
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Re: Post Rock & Instrumental Rock

Beitragvon 123_7 » Mittwoch 31. August 2011, 08:58

Ich glaube das mit den Längen ist auch immer etwas kopfsache. Deswegen höre ich mir diese Art von Musik auch am liebsten auf Vinyl an. Da gibt es keine digitale Anzeige, die einem stets vorbetet wie lange der Song nach dauert bzw. wie lange er schon andauert. Und somit ist der Song einfach irgendwann zu Ende. Unbestimmt. Und ich glaube, es ist wichtig, dass man bei solcher Musik sich von der zeitlichen Komponente löst.

Wobei GY!BE schon sehr speziell ist, das stimmt. Aber ich mag sogar die "FA#Infinity" sehr gerne. Die aus 2 20-Minütern besteht, die eigentlich jeweils nicht mal richtige Musikstücke, sondern eher Versatzwerk sind. Es kommt auf die Atmosphäre an, und die stimmt.

Im Übrigen finde ich Scale The Summit auch nicht soooo spannend. Bei der Musik fehlt mir in der Tat manchmal auch etwas. Aber ich dachte, für jemanden, der kategorisch nicht auf Instrumentalmusik kann, sind sie wohl noch am zugänglichsten... schade.
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Re: Post Rock & Instrumental Rock

Beitragvon Jesus » Mittwoch 31. August 2011, 09:31

Statt den armen Raben gleich mit GY!BE zu foltern, sollten wir uns langsam herantasten. DIe folgenden 3 Stück von der neuen MOGWAI sind kurz, knackig, rockig und eines davon enthält auch noch Gesang. Denn die menschliche Stimme und Post-Rock sind sich nicht immer spinnefeind.

'Mexican Grand Prix'
'San Pedro'
'Rano Pano'

Und als Bonus noch ein älteres Stück mit schweren Riffs und geradezu metallischer Epik:

'We're No Here'


Viel leichter verdaulich kann man Post-Rock nicht machen. Wer das nicht mag, braucht mit GY!BE und GOD IS AN ASTRONAUT gar nicht erst anfangen.

Rüdiger Stehle hat geschrieben:Und zum Schluss und am Rande:
Im Gegensatz zu den gerne hier und da immer wieder fallen gelassenen festgefahrenen Urteilen über manche Stile und Bands versuche ich mit diesem Thread ja gerade, mir die Faszination dieser mir bisher emotional völlig fremden Genres zu erschließen. Durch Diskurs und durch Widerspruch, aber durchaus ernsthaft. Ich wünschte mir, andere würden selbiges mal mit ihren Bands und Genres versuchen, die für sie regelmäßig als Prototyp für fürchterliche Musik herhalten müssen (gleich ob Manowar, Sabaton, Röchelgronz oder Plushyfluff). Mir könnt ihr wenigstens nicht vorwerfen, dass ich es nicht versuchen würde, mir die Grütze hier doch noch zu erarbeiten.
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Das ist ja ein netter Zaunpfahl, doch auch wenn Du Dich jetzt mit versuchter Toleranz brüsten und Dir selbst auf die Flügel klopfen kannst, führt uns das nicht weiter, da Du ja trotzdem nichts mit den Elementen des Genres anzufangen weißt und willst. Würden manche wolleflauschigen User hier einen Thread zum Thema True Metal eröffnen, wäre damit auch niemandem geholfen, stattdessen würden nur Tränen fließen. Männliche Tränen of Steel zwar, aber muss ja trotzdem nicht sein ;)
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Re: Post Rock & Instrumental Rock

Beitragvon Jesus » Mittwoch 31. August 2011, 09:38

Ach ja, man könnte natürlich auch im Urschleim des Post-Rock beginnen:

TALK TALK 'Ascension Day'
SLINT 'Good Morning, Captain'

Vielleicht bekommt man damit ein Gefühl fürs Genre?
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Re: Post Rock & Instrumental Rock

Beitragvon Rüdiger Stehle » Mittwoch 31. August 2011, 09:39

Peter Kubaschk hat geschrieben:Ich bin nicht sicher, ob das jetzt tatsächlich so nachahmenswert ist. Für mich sieht das auch wie der Versuch ein Pauschalurteil zu untermauern und nicht es aufzuweichen. Die von dir "grob geschätzten 90%" können wir der bisherigen Erfahrung nach ja auf 100% ausweiten, so lange nicht wenigstens einmal ein Sänger dabei ist.

Nicht ganz, nein. Wie gesagt, die A COSMIC TRAIL finde ich irgendwie schon toll, allerdings auch nur, so lange sie läuft, weil hängen bleiben tut auch dort bisher nichts.

Würdest du ernsthaft versuchen, "dir die Grütze zu erarbeiten", müsstest du nämlich andere Genrevertreter anhören, um Bands im Kontext beurteilen zu können (die nun insgesamt drei rein instrumentalen Bands, die wir in zwei Jahren SC jetzt aus dem Genre dabei hatten, reichen dafür sicher nicht aus).

Sobald die konkreten Empfehlungen kommen, kann ich damit anfangen. Das ist dann konstruktiver, als mir zu lediglich zu unterstellen, dass ich bloß demonstrativ gegen Post Rock wettern und meine "Vorurteile" untermauern möchte.

Und damit du das machen kannst, höre einfach mal die folgenden Bands:
MOGWAI
EXPLOSIONS IN THE SKY
GOD IS AN ASTRONAUT
GODSPEED YOU! BLACK EMPEROR
MONO
LEECH
RED SPARROWES
ANIMALS AS LEADERS
65DAYSOFSTATIC
etc. pp. (Quaki, Jesus & Sally können hier sicher noch ein paar Dutzend mehr als ich posten...)

Na also, geht doch. ;-)
MOGWAI werde ich mir heute noch ansatzweise vornehmen, danach ist erst einmal Berghütte angesagt.
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Re: Post Rock & Instrumental Rock

Beitragvon Rüdiger Stehle » Mittwoch 31. August 2011, 09:41

NP: MOGWAI "Take Me Somewhere Nice"
Na toll... da singt ja jemand... Daran kann ich ja mein Vorurteil nur teilweise überprüfen, weil der Hauptkritikpunkt aufgehoben ist.
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