Katatonia

Re: Katatonia

Beitragvon salisbury » Freitag 20. September 2013, 19:24

Drumtier, ich verstehe Deine Einschätzung zur "Dethroned..." schon auch. Ich kenne Dich ja als beiharten Fan von extremem Metal. Und Du mochtest ja "Dead End Kings" sehr, oder? Dass Du nun findest, dass sie Songs nicht mehr funktionieren passt gut in mein Drumtier-Hörerbild. Bei Dir ist ein bestimmter Klang der Musik sehr wichtig. Fakt ist ja, dass die Songs an sich un Melodie- und Harmonieführung nicht verändert wurden. Es sind dieselben Lieder nur in einer ganz anderen Kleidung. Da ich sie in- und auswenig kenne,war es für mich überhaupt kein Problem, in das Album zu finden, wie ich im Review schon geschrieben habe, es war wie einen alten Bekannten zu treffen, der auf einmal anders aussieht. Was ich damit sagen will: möglicherweise bist noch nicht ganz zum Herzen der Lieder vorgedrungen, damit Dich der andere Klang nicht stört. Fänd ich interessant, dies mit Dir zu diskutieren.
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Re: Katatonia

Beitragvon Drumtier » Sonntag 22. September 2013, 00:47

Interessante Sichtweise, die ich so auf die Schnelle auch nicht ganz widerlegen kann. Grundsätzlich muss ich schon festhalten, dass ich neben meiner Hauptbaustelle im extremen Metal auch relativ viel an gänzlich anderem Zeug höre, sodass Dead End Kings keineswegs eine Ausnahme darstellt. Ob ich bei der Scheibe noch nicht bis an den Kern der Songs vorgedrungen bin, kann ich ebenfalls weder bestätigen noch guten Gewissens dementieren. Ich fand die Night Is The New Day schon besser, war allerdings auch von DEK begeistert und hab sie dementsprechend oft gehört. Hab gerade nachgeschaut, sie war 2012 auf Platz 3 und auf Platz 7 hatte ich ANTIMATTER, nur so zum Vergleich.

Dein Vergleich zu einem alten Bekannten der plötzlich anders aussieht ist aber auf jeden Fall sehr treffend. Der springende Punkt ist aber ob sich dieser alte Bekannte einfach nur die Haare geschnitte hat und ansonsten derselbe, lässige Typ geblieben ist oder ob er sich auch in der Persönlichkeit geändert hat und ich heute nichts mehr mit ihm anfangen könnte. Bei dir ist DEK zu DAU eindeutig der erste Fall, für mich bislang der zweite Fall. Dieser gute, langjährige Freund versucht auf einmal jemand zu sein, der er nicht NUR ist. Er hatte diese Seite immer schon und ich mochte sie und wenn wir über ein neues Thema sprechen bei dem nur diese Seite zum Tragen kommt, dann find ich das gut, aber wenn wir gestern und heute über dasselbe Thema sprechen und heute zeigt sich in seiner Argumentation plötzlich ebenfalls diese Seite obwohl sie gestern noch nicht da war, dann komm ich damit wohl weniger zurecht. Ist das noch halbwegs verständlich ausgedrückt?

Was ich sagen will ist, dass Katatonia für ein Doppelalbum der Form Deliverance + Damnation geradezu prädestiniert ist, aber Deliverance in einer Form wie Damnation oder eben Decrowned würde mir nicht gefallen. Für mich wirkt das so, als wären sie sich schon beim Schreiben der Dead End Kings nicht sicher gewesen ob sie das nicht gleich in der abgespeckten Version machen sollten (was sie glaube ich auch gesagt haben?) haben sich aber zuerst nicht drüber getraut und eine "normale" Version aufgenommen. Jetzt nach einiger Zeit bereuen sie das und nehmens in der neuen Version noch einmal auf, wem das nicht gefällt, der bekommt die eigene Unsicherheit zu spüren und es heißt, dass halt nur die "richtigen" Fans ihre wahre Musik ohne Scheuklappen kennen und lieben.
DORNENREICH haben auch ihre Bitter ist's... und Her von... und außerdem ihre Hexenwind und In Luft geritzt aber keine Akustikversion der Her von welken Nächten. Sie spielen reine Metalshows und reine Akustikshow mit abgespeckten Versionen ihrer Metalsongs, genauso wie das KATATONIA angekündigt haben und worauf ich mich wirklich freue. Aber ein Album in den zwei Versionen aufnehmen weil man sich selber nicht sicher ist und sich nicht traut, ist für mich eine halbgare Sache.
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Re: Katatonia

Beitragvon Havoc » Sonntag 22. September 2013, 08:17

Drumtier hat geschrieben:Aber ein Album in den zwei Versionen aufnehmen weil man sich selber nicht sicher ist und sich nicht traut, ist für mich eine halbgare Sache.


Da ist schon was dran. Würden Opeth nun noch "Heritage" in einer härteren Version mit Growls nachschieben fände ich das auch total lächerlich.
Werde mir die neue Version von Katatonia auch erstmal nicht kaufen.
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Re: Katatonia

Beitragvon salisbury » Sonntag 22. September 2013, 14:45

Drumtier hat geschrieben: Für mich wirkt das so, als wären sie sich schon beim Schreiben der Dead End Kings nicht sicher gewesen ob sie das nicht gleich in der abgespeckten Version machen sollten (was sie glaube ich auch gesagt haben?) haben sich aber zuerst nicht drüber getraut und eine "normale" Version aufgenommen. Jetzt nach einiger Zeit bereuen sie das und nehmens in der neuen Version noch einmal auf, wem das nicht gefällt, der bekommt die eigene Unsicherheit zu spüren und es heißt, dass halt nur die "richtigen" Fans ihre wahre Musik ohne Scheuklappen kennen und lieben.


Ehrlich gesagt, die Unsicherheit der Band kann ich verstehen, wie die Band damit umgeht, darf jeder Fan für sich selber be- und verurteilen (mich persönlich interessiert das überhaupt nicht). Möglicherweise war "Dead End Kings" ja tatsächlich als reduzierte Version gedacht. Aber jetzt denk Dich doch mal in die Band rein als wärst Du ein Mitglied. Bedenke dabei, dass zumindest Anders Nyström und Jonas Renkse damit Geld verdienen. Die Entscheidung, einen so krassen Schritt in klanglicher Hinsicht zu machen muss wohl überdacht sein und erfordert die Risikobereitschaft, alles, was man sich innerhalb der letzten 10-15 Jahre erarbeitet hat, über Bord zu werfen. Und das zu einem Zeitpunkt, wo es anfängt, richtig gut zu laufen. Und NATÜRLICH sind KATATONIA unsicher. Das ist das Wesen ihrer Musik. Alles steht hier doch auf verdammt wackeligen Beinen oder klingt die Mucke etwas nach selbstbewussten Menschen? Und warum finden wir, Du, ich, andere, KATATONIA so toll? Wer oder was ist denn dieser "Dead End King"?

Ich nehme es ihnen also nicht übel, ihr aktuelles Album zunächst einmal in zwei Versionen anzubieten und dann die Reaktionen zu testen. (aber ich verstehe, wenn man es als Fan sowie als Kritiker aus künstlerischer Sicht verurteilt!). Wenn es wirklich die Richtung ist, die die Band in Zukunft gehen will, dann wird sie schon den Mut aufbrigen, dies zu tun. Sie wird schwere innere Kämpfe auszufechten haben. Dies wird sie vertonen. Alles wird gut werden. ;-)

Ich persönlich finde wie gesagt toll, das Album als zwei völlig konträre Statements zu besitzen. Ich finde generell nichts Spannenderes als wenn eine Band versucht, eine gute Komposition in allen denkbar möglichen Aspekten zu beleuchten. Deshalb bin ich riesiger Fans der Band ARCHIVE, die ihre Songs gerne in verschiedensten Gewändern präsentiert. Neben der Studioversion gibt es Aufführungen mit Orchester, Akustikversionen, verschiedene Sänger, verschiedene Bestztungen, es werden Instrumente getauscht und und und...das ist immer hochspannend und total super.
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Re: Katatonia

Beitragvon Drumtier » Sonntag 22. September 2013, 15:38

Grundsätzlich bleibt mir weiterhin nicht viel mehr dazu zu sagen, als dass ich deine Sichtweise ja eh verstehe, aber ich sie für mich halt sie so nicht sehe. Und zwar nicht weil ich ein verbohrter Veränderungsphobiker bin oder kein wahrer Fan oder was auch immer, sondern eben aus dargelegten Gründen. Nur zwei Dinge muss ich ergänzen:

Das erste ist die Unsicherheit die in der Musik zweifelsfrei zu hören ist und die du auf die dahinterstehenden Musiker die damit ihr Geld verdienen umzulegen versuchst. Das ist ganz bestimmt nicht so. Die gehen mit dieser Musik auf Tourneen durch die ganze Welt, treffen Fans, haben Spaß und schreiben alle paar Jahre ein neues Album, also die sind insgesamt ganz bestimmt nicht unsicher. Sie verstehen es nur ihre Unsicherheit und ähnliche Gefühle in Musik zu fassen aber da kommen wir mit ein paar Schritten zu all den christenmordenden Black Metallern und den kinderfressenden Death Metallern, auch wenn sicher im Doom und vergleichbaren Stilen die Authentizität noch eher gegeben ist, sind das trotzdem erwachsene Männer denen es keineswegs an Selbstbewusstsein mangelt.

Das zweite ist der krasse Schritt den du da siehst. Der Schnitt zwischen Dance Of December Souls und Brave Murder Day hin zu Discouraged Ones war ganz sicher ein schärferer als der zwischen den beiden Dead End King Versionen. Klar, wie du sagst verdienen sie heute ihr Geld damit aber wenn das ihre Hauptsorge ist, ob sie diesen Schritt wagen sollen, dann sehe ich dahinter auch eher die Kaufmänner die das Risikopotential ihrer Investition abwägen als die echten, ehrlichen, schüchternen, ach so unsicheren und melancholischen Musiker die sich nicht trauen ihre neuen Ideen zu veröffentlichen weil es ja vielleicht den pöhsen Fans nicht gefällt. Das ist doch eine verklärte Traumwelt. Das sind erwachsene Männer, die wissen genau was sie tun. Die haben lange genug darüber gesprochen, sind sich aber nicht einig geworden. Einige der Bandmitglieder wollten es gleich als reduzierte Versionen einspielen, die anderen wollten diesen Schritt vielleicht gar nicht so extrem gehen. Also jetzt der faule Kompromiss und die kaufmännische Unsicherheit, da nicht alle Fans mit dieser Entscheidung einverstanden sind.
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Re: Katatonia

Beitragvon Havoc » Sonntag 22. September 2013, 15:50

Ach. Ich wette die nächste Scheibe wird wieder in dem typischen Stil sein...und alle Fans sind zufrieden. Durch dieses Akustik-Album sollte die Band eigentlich keine Fans verlieren. Ich glaube nicht, dass sich die Band in eine gänzlich andere Ecke bewegen wird.
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Re: Katatonia

Beitragvon Drumtier » Sonntag 22. September 2013, 16:47

Ob ihr nächstes Album wieder im üblichen Stil wird wage ich nicht einmal zu behaupten, könnte mir schon vorstellen, dass sie einige Merkmale beibehalten. Hätte auch gar nichts dagegen! Auch ob sie Fans tatsächlich verlieren, kann ich mir so nicht vorstellen. Da braucht es schon mehr als ein Album um Fans wirklich zu verscheuchen, das war ja bei Bands wie IN FLAMES mit markanten Stiländerungen auch nicht eine Sache von einem Album.
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Re: Katatonia

Beitragvon salisbury » Sonntag 22. September 2013, 16:54

Wie gesagt, mich stört nicht, ob die Musiker nun Kaufmänner sind, ich wollte ja sowieso die Tatsche, dass es zwei Alben gibt, damit erklären, DASS sie nun Kaufmänner sind. Ich gönne ihnen das sogar von ganzen Herzen. Wer hätte gedacht, dass sie heute da stehen, wo sie stehen? Ich glaube ja, dass der ehrgeizige Anders immerfort darauf hingearbeitet hat. Ich sehe aber absolut keinen Anlass zu glauben, dass Kaufmänner keine gute, ehrliche, vom Herzen kommende Musik machen können. Das ist irgedwie so ein komischer Undergroundgedanke, dem ich immer wieder mit Erstaunen begegne.

Und klar, gewiss wird es innerhalb der Band auch Streit über die musikalische Ausrichtung geben. Ein Daniel Liljequist wird wohl weniger begeistert davon sein, wenn er auf einmal zum Statist degradiert wird.

Ich finde es einfach schön, das Angebot da zu haben, die Wahl zu haben, beide Aspekte der KATAONIA-Musik zu geniessen. Ich werde indes keinem Menschen, auch nicht dem beinharten Fan, verüblen, wenn er sich dafür entscheidet, eines der angebotenen Produkte nicht zu kaufen. Das einzige was mich stört ist, zu verurteilen, DASS es diese Wahl gibt.

Zum Schluß noch: DANKE, Drumtier, dass Du so ausführlich geantwortet hast. Das ist mir einiges wert!
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Re: Katatonia

Beitragvon Drumtier » Sonntag 22. September 2013, 20:56

salisbury hat geschrieben:Wie gesagt, mich stört nicht, ob die Musiker nun Kaufmänner sind, ich wollte ja sowieso die Tatsche, dass es zwei Alben gibt, damit erklären, DASS sie nun Kaufmänner sind. Ich gönne ihnen das sogar von ganzen Herzen. Wer hätte gedacht, dass sie heute da stehen, wo sie stehen? Ich glaube ja, dass der ehrgeizige Anders immerfort darauf hingearbeitet hat. Ich sehe aber absolut keinen Anlass zu glauben, dass Kaufmänner keine gute, ehrliche, vom Herzen kommende Musik machen können. Das ist irgedwie so ein komischer Undergroundgedanke, dem ich immer wieder mit Erstaunen begegne.

Das wollte ich damit auch nicht sagen, dazu bin ich nicht true genug, aber ich gebe dir recht, es hat sich beinahe ein wenig so angehört.

salisbury hat geschrieben:Ich finde es einfach schön, das Angebot da zu haben, die Wahl zu haben, beide Aspekte der KATAONIA-Musik zu geniessen. Ich werde indes keinem Menschen, auch nicht dem beinharten Fan, verüblen, wenn er sich dafür entscheidet, eines der angebotenen Produkte nicht zu kaufen. Das einzige was mich stört ist, zu verurteilen, DASS es diese Wahl gibt.

Und genau daran merkt man auch, dass unsere Positionen nur scheinbar konträr sind und eigentlich sehr nahe beieinander liegen. Bei mir ist nur das Pendel in die andere Richtung ausgeschlagen. Hätte es ein neues Album, mit neuer Musik, in dieser reduzierten Form, eben wie bei der erwähnten Damnation, gegeben, wäre ich jetzt wahrscheinlich genauso begeistert wie du. Das einzige was mich stört, ist nämlich auch nicht, DASS es diese Wahl gibt, sondern WIE es diese Wahl gibt.

Aber bedanken für eine Antwort zur Musik brauchst dich in einem Musikforum wirklich nicht, dazu sind wir ja da. Und da ich ja eh sonst kaum wen zum diskutieren hab, muss ich mir halt die Leute suchen ;-)
Kannst aber gern im Gegenzug zur neuen GORGUTS noch was sagen, die werd ich auch mit dem Messer zwischen den Zähnen verteidigen :grins:
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Re: Katatonia

Beitragvon salisbury » Sonntag 22. September 2013, 21:02

Drumtier hat geschrieben:Kannst aber gern im Gegenzug zur neuen GORGUTS noch was sagen, die werd ich auch mit dem Messer zwischen den Zähnen verteidigen :grins:


Sorry, kenn ich nicht, hab ich nicht. Mach das mit Siebi. Ich denk, er ist die richtige Person hierfür ;-) .
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