Isis

Re: Isis

Beitragvon frankjaeger » Mittwoch 19. Mai 2010, 17:09

Jesus hat geschrieben:Hört der Herr gerne Tool?

Geht so.
Jesus hat geschrieben:Kann er was mit Post-Rock anfangen?

Absolut.
Jesus hat geschrieben:Oder mit wogendem, atmosphärischem (Beinahe-)Doom?

Auf jeden Fall!
Jesus hat geschrieben:Mit Modernen Prog-Klängen?

Mit großer Begeisterung!
Jesus hat geschrieben:Geht der harsche Gesang in Ordnung?

Harsch ist okay, solange man noch etwas verstehen kann. Oder auch als Geräusch, wenn es nicht ausschließlich so ist. Ich mag DEATH, UNLEASHED, BOLT THROWER. Schlimmer ist eher schwierig für mich.
Jesus hat geschrieben:Soll der klare Gesang überwiegen?

Oh ja, das wäre schöner.
Jesus hat geschrieben:Das ist bei Dir und Deinem Geschmack ein etwas heikler Tanz auf rohen Eiern ;)

Eigentlich nicht, ich bin außer in Bezug auf BM und DM einigermaßen tolerant.
Jesus hat geschrieben:Oder soll der Jesus einfach mal ein paar Songs zusammenstellen und dem Herrn Jaeger zukommen lassen?

Nein, dazu komme ich nicht. Ich kaufe lieber ein Album und höre es mir dann mit Booklet und was dazugehört im heimischen Wohnzimmer an.

Wenn das nix für mich ist, macht es nichts. Aber ich will es kennen, einfach um eine Bildungslücke zu schließen. Erhoffen? Na ja, wenn hier einige so begeistert sind, erhoffe ich mir, das sich mir das Ganze auch erschließt. Weiter nichts. Und wenn nicht, okay, wäre nicht das erste Mal. TOOL, frühe OPETH, POISON IDEA - auch das habe ich versucht und für nur erträglich empfunden, aber ich muss so was in der Hand halten, um es richtig empfangen zu können.
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Re: Isis

Beitragvon Eike » Mittwoch 19. Mai 2010, 17:24

Jesus hat geschrieben:Post-Punk und Post-Hardcore stellen sich für mich weniger als Genres dar, sondern eher als "Wellen" bestimmter Szenen, die mehr oder weniger einen gemeinsamen Ursprung oder eine gemeinsame Inspiration haben. Insofern bin ich da ganz auf Deiner Wellenlänge. Unter beiden Begriffen werden eben wie von Dir angedeutet so unterschiedliche Bands wie Sonic Youth, Bauhaus, At the Drive-In, The Birthday Party, Fugazi und Joy Division zusammengefasst, weil diese irgendwie durch eine gewisse Inspiration oder einen gemeinsamen (Zeit-)Geist uniert werden.
Ja, durch ähnliche Haltungen, gemeinsame Inspiration, Bandpersonaltausch, allgemeine Szenebekanntschaften oder ähnliches. Gerade die Kurzlebigkeit der Bands, das Aufbrechen der Fan-/Künstler-/Publikum-Grenze, war sicher ein wichtiger Impuls aus dem Punk, der soviel Vielfalt und gegenseitige Befruchtungen bei unterschiedlichen Ansätzen ermöglichte. Und so viele auf dem Weg verendete Projekte...

Jesus hat geschrieben:Doch Post-Rock wiederum wurde Ende der 80er ein "Genre". Zumindest ein halbwegs klar umrissenes, das zwar naturgemäß an andere Genres grenzt, aber wenigstens weiß man so ungefähr, was denn damit gemeint ist.
Man könnte auch sagen, die Claimabstecker und Einmaurer haben gewonnen, die Pioniere und Grenzgänger von "ihrem" Territorium vertrieben, weil die mit ihrem fortwährenden Experimenten das Biedermeiermöblieren verunmöglichen würden. Mich würde es nicht wundern, wenn irgendwelche heutige wurzelvergessenen "Post-Rock-Fans" TORTOISE als "nicht Post-Rock" denunzierten, weil die ja noch nicht genügend nach dem üblichen Muster der inzwischen angesagten "Genre"-Tapete klingen. Sobald die Genrefizierung einer Welle abgeschlossen ist, sie also wieder auf feste Strukturen festgelegt ist, hat das mit einer Bewegung ja nicht mehr viel zu tun, spätestens dann setzt auch ein tüchtiges Spießertum ein. Die eher hilflose "nach X"-Klassifizierung hat sich damit recht bald überlebt, weil sich das Genre dann eigene Codes und Abgrenzungen zulegt, die als neue Bezeichnung an ihre Stelle treten können. So wie halt "Death Rock", der den übrigen Postpunk ausgrenzt; was okay ist, weil sich deswegen noch kein Death Rocker hinstellt und die Punkwurzeln der Wegbereiter verleugnet. Die Spießerlangweiligkeit in Schubladen-Genres führt dann wiederum dazu, dass mancher, der mal eine gute Band mit Herkunft aus der ursprünglichen Welle entdeckt, dieser dann erst mal die Zugehörigkeit dazu abprechen muss, um sie gut finden zu können. Dann wird Hardcore als Metalspielart vereinnahmt, weil Core ja "eigentlich" doof sei. Lustig, lustig!

Das neuste "Wavering Radiant" ist zwar etwas "leichter" aufgrund des weniger harschen Gesangstils, dafür lässt es zumindest in MEINEN Augen die Brillianz älterer Alben vermissen. "Oceanic" ist noch vergleichsweise nah am Sound älterer Tage, daher würde ich irgendwas in der Mitte empfehlen, und naheliegend wäre da "Panopticon" welches auch eines der beliebtesten Stück, "So Did We", beinhaltet.
"Oceanic" klang mir immer etwas verwaschener als das vergleichsweise konkretere "Panopticon". Gehe ich recht mit der Vermutung, dass die älteren Werke noch harscher, brülliger und doomiger sind?
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Re: Isis

Beitragvon Jesus » Mittwoch 19. Mai 2010, 17:41

frankjaeger hat geschrieben:
Jesus hat geschrieben:Hört der Herr gerne Tool?

Geht so.


Hmm... jetzt wird's schon schwer. Sonst hätte ich "Panopticon" empfohlen.

frankjaeger hat geschrieben:
Jesus hat geschrieben:Kann er was mit Post-Rock anfangen?

Absolut.


Also "In the Absence of Truth" ist die ruhigste Platte und die mit dem größten Post-Rock-Anteil. Eigentlich die einzige, bei der man überhaupt eindeutig von Post-Rock sprechen darf. Auch die mystischste, geheimnisvollste und vielleicht am schwersten zugängliche Scheibe. Meiner Meinung nach gehören allerdings die wenigen heftigen Parts gewissermaßen zu den härtesten und fiesesten, die die Band geschrieben hat. Aber sie sind sehr subtil und verpackt in eher träumerische, schwelgende Songs, die stellenweise von recht komplexem Schlagwerk vorangepeitscht werden.

frankjaeger hat geschrieben:
Jesus hat geschrieben:Oder mit wogendem, atmosphärischem (Beinahe-)Doom?

Auf jeden Fall!


Da sage ich mal "Oceanic" (mein persönlicher Favorit), die "Bibel des Post-Metal", wenngleich dieses "Genre" beim Erscheinen des Albums bereits seit einigen Jahren existierte ;) Dieses Album entspricht auch noch am ehesten dem, was man unter Doom Metal verstehen kann. Tonnenschwere Riffs von ganz weit oben krachen da auf einen hernieder. Aber es nicht allzu harsch oder kratzbürstig. Das Schlagzeugspiel ist noch relativ basal.

frankjaeger hat geschrieben:
Jesus hat geschrieben:Mit Modernen Prog-Klängen?

Mit großer Begeisterung!


Aber nicht mit Tool? *g* Weil sowohl "Panopticon" und "Wavering Radiant" sind irgendwie gewissermaßen moderner Prog, aber beide erinnern mich schon an Tool.

frankjaeger hat geschrieben:
Jesus hat geschrieben:Geht der harsche Gesang in Ordnung?

Harsch ist okay, solange man noch etwas verstehen kann. Oder auch als Geräusch, wenn es nicht ausschließlich so ist. Ich mag DEATH, UNLEASHED, BOLT THROWER. Schlimmer ist eher schwierig für mich.


Also jeglicher Gesang bei Isis ist eher ein weiteres Instrument, das weit in den Hintergrund gemischt wird. So nebenbei gesagt: Das Gewürge und Gekotze von Bolt Thrower mögen und sich über den harschen Gesang anderer Bands mokieren ist heuchlerisch und inkonsequent :grins:

frankjaeger hat geschrieben:
Jesus hat geschrieben:Soll der klare Gesang überwiegen?

Oh ja, das wäre schöner.


Der überwiegt natürlich bei den Alben, die eher an Tool erinnern. Du machst es einem wirklich nicht leicht. ;-)

frankjaeger hat geschrieben:
Jesus hat geschrieben:Das ist bei Dir und Deinem Geschmack ein etwas heikler Tanz auf rohen Eiern ;)

Eigentlich nicht, ich bin außer in Bezug auf BM und DM einigermaßen tolerant.


Wäre mir neu ^^ *knuff*

frankjaeger hat geschrieben:Wenn das nix für mich ist, macht es nichts. Aber ich will es kennen, einfach um eine Bildungslücke zu schließen.


Es kann passieren, daß Dir vielleicht ein Album missfällt und das nächste schon wieder zusagt.

Für mich stellt sich das so dar: alles vor "Oceanic" ist Tabu. "Oceanic" ist doomig. "Panopticon" ist toolig. "In the Absence of Truth" ist post-rockig. "Wavering Radiant" ist... toolig und irgendwie geradliniger, am wenigsten postig und weniger modern als der Rest.

Ach, eigentlich ist Isis nix für Dich. :narf:

Eike hat geschrieben:"Oceanic" klang mir immer etwas verwaschener als das vergleichsweise konkretere "Panopticon". Gehe ich recht mit der Vermutung, dass die älteren Werke noch harscher, brülliger und doomiger sind?


Harscher und brülliger ja. Aber für meine Begriffe ist keine Isis so doomig wie "Oceanic". Andererseits habe ich eine sehr liberale Auslegung von Doom.
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Re: Isis

Beitragvon Eike » Mittwoch 19. Mai 2010, 18:10

Jesus hat geschrieben:Andererseits habe ich eine sehr liberale Auslegung von Doom.
Ich doch auch:
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Re: Isis

Beitragvon Teichfrosch » Mittwoch 19. Mai 2010, 23:38

@frank: Versuch es einfach mit "Panopticon" oder "Oceanic", mMn hilft es recht wenig groß herumzureden und irgendwelche Sachen zu finden die einem passen oder nicht passen, das Gesamtwerk muss überzeugen dann stören einen plötzlich auch manche Sachen nichtmehr von denen man dachte dass man sie niemals gut finden würde.
Ich verweise an dieser Stelle nochmals auf folgenden Link:
http://www.youtube.com/watch?v=6Qz8e7pgy_Y
denn unter dieser Adresse kann man sich, soweit ich das sehen kann, das ganze "Oceanic" anhören... zwar "nur" in YouTube Qualität, aber für einen ersten Eindruck sollte das ausreichen. Das ganze gibt relativ gut das wieder, was man allgemein in diesem Genre erwarten darf. Die anderen Alben sind Variationen dessen, allerdings solltest du mit dem, was du dort zu hören bekommst, grundsätzlich schon etwas anfangen können damit du überhaupt einen Bezug zu der Band herstellen kannst. Die unterschiedlichen Nuancen zwischen den Alben sind zwar durchaus erkennbar, an der Grundstruktur ändert sich aber nur sehr wenig.

Dass du allerdings gleich zwei der besten Bands unserer Zeit, nämlich Opeth und Tool, nicht magst ist schon bitter - und zwar nicht für die Bands, die haben wirklich genug Fans (oder wäre möglicherweise Gläubige passender?), sondern für DICH. Habe zwar jetzt spontan keinen Überblick darüber was du sonst hörst, aber wer BOLT THROWER, DEATH und UNLEASHED hört (3 Spitzen DM Bands im übrigen, Weltklasse) und sich ins Prog Subforum verirrt sollte doch eigentlich etwas mit Opeth anfangen können. Schonmal "Morningrise" und "Orchid", die beiden ersten Alben von Opeth, gehört? Falls nicht, geht so in die Richtung Melodic Death Metal mit heftiger Überlänge ...
Und für TOOL einfach folgendes http://www.youtube.com/watch?v=G-0rLI6-skQ am besten wenn es draußen rummst und donnert und regnet und man die gesamte zerstörerische Kraft der Natur fühlen kann... Atmosphäre pur, für mich einer der besten Songs der vergangenen Dekade, wenn nicht gar der beste.

Entschuldigt das Offtopic, aber wenn jemand sich für Überlänge begeistern kann UND in ein Prog-Forum postet UND DANN Tool UND Opeth nicht mag wird mein missionarischer Eifer geweckt :)
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Re: Isis

Beitragvon Eike » Donnerstag 20. Mai 2010, 03:55

Teichfrosch hat geschrieben:Und für TOOL einfach folgendes http://www.youtube.com/watch?v=G-0rLI6-skQ am besten wenn es draußen rummst und donnert und regnet und man die gesamte zerstörerische Kraft der Natur fühlen kann...
Elf Minuten Muße, Unvoreingenommenheit und Geduld mitbringen; langsam aber sicher abheben; langsam aber weit fliegen; und das in doch relativ kurzer Zeit; nach und nach Begeisterung entwickeln; nie mehr wieder gänzlich davon herunterkommen... :-)
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Re: Isis

Beitragvon hellknulf616 » Donnerstag 20. Mai 2010, 08:04

Die Interpretationsorgien zu halbseidenem Geschwurbel (Hornbrille inkl.) haben ein Ende - darauf ein Bier! :grins:
"Nostalgia is no excuse for stupidity."
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Re: Isis

Beitragvon Jesus » Donnerstag 20. Mai 2010, 08:51

:?

...Bier am frühen Morgen?
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Re: Isis

Beitragvon frankjaeger » Donnerstag 20. Mai 2010, 10:50

Okay, Klarstellung:
- ich finde TOOL überbewertet und habe wenig Drang, die "Lateralus" oder "10000 Days" in heavy rotation zu packen. Sie nerven nicht, aber begeistern auch nicht. Aber ich habe die beiden Alben.

- ich mag Opeth, ich habe 6 der 9 Alben, nur eben die frühen Werke haben mich damals nicht begeistert. Vielleicht müsste ich die mal wieder probieren. Die neueren Sachen sind großartig.

- BOLT THROWER: Ich mag die neuen Sachen ab "Mercenary". Da wird nicht (mehr) gekotzt. Ich hatte mal die "War Master" als Promo bekommen und ganz schnell wieder verschenkt.

Danke für die Hinweise, ich setze mal die beiden genannten auf die Kaufliste und dann sehe ich weiter...
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Re: Isis

Beitragvon Teichfrosch » Donnerstag 20. Mai 2010, 17:09

Jau, nix für ungut, wie gesagt: das weckt meinen missionarischen Eifer. Von dem Standpunkt "Wer TOOL nicht mag hat sie nur nicht ausreichend gehört" lasse ich mich trotzdem nicht abbringen, um daran zu zweifeln haben meine Bekehrungsversuche schon viel zu oft Wirkung gezeigt :)

@hellknulf: Hä?
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