Das war also dann Hannover. Nach der Ankunft am Hauptbahnhof gegen 17:40 Uhr erstmal schnell zum Saturn gespurtet und die Blu-ray von Spectre zum Preis von 12,99€ gekauft (anscheinend günstigster Preis in Norddeutschland). Danach zum Kröpcke gelaufen und in die Strassenbahn-Linie 11 Richtung Zoo gestiegen. Ausstieg Hannover Congress-Centrum und schon hat man Blick auf den Kuppelsaal.
Natürlich fing es an zu regnen. Super.
Einlass sollte 19:00 Uhr sein, begann aber einige Minuten später. An der Abendkasse, wo noch einige ihre Tickets abholten, war ein Ablaufplan ausgehängt:
20:00 1.Teil
21:00 Pause
21:20 2.Teil
22:40 Ende
Da haben die wohl die Laufzeiten der einzelnen Acts vertauscht, dachte ich mir.
Im Eingangsbereich der Merchandising Stand. Hab mir ein T-Shirt und ein Tourprogramm für insgesamt *husthust*fünfundfünfzig*hüstelhust* Euro gekauft. Man gönnt sich ja sonst nichts im Leben. Das Lederarmband und den Kaffeebecher für jeweils 20€ hab ich denn aber doch nicht gekauft. Neben dem Stand war eine große NOMAC Kugel aufgestellt. Dort konnte man Fotos machen lassen, die in der Pause über die LED-Monitore flimmern.
Dann auf in den eigentlichen Veranstaltungsraum. Bei der Kartenkontrolle wurden alle mit TIcketmaster Tickets aufgefordert, sich am Getränkestand zu sammeln. Dort wurde man von einer netten Dame empfangen, die uns über die Situation aufklärte:
Ticketmaster hat aufgrund eines Computerfehlers einige Plätze im Parkett doppelt verkauft. Die Pechvögel, die die Plätze zum zweiten Mal gekauft haben, wurden auf billigere Plätze umgesetzt. Es wurde ein Aufkleber auf die Karte gepappt, die Karte sollte man zu Ticketmaster schicken, dann würde einem der Differenzbetrag erstattet werden. Ich war, zum Glück, nicht davon betroffen. Also rein in den Saal und den Platz eingenommen. Ein schöner Blick auf die Bühne.
Auf jedem Platz lag ein Faltblatt, in dem die Handlung kurz umrissen wurde und auch die einzelnen Charaktere wurden vorgestellt. So wie bei einer richtigen Opernaufführung. Ich fühlte mich schon etwas underdressed.
Ich saß nicht weit entfernt von Steve, der für den Ablauf der Lightshow zuständig war. Er hat mir etwas seinen Arbeitsplatz erklärt und welcher Knopf für welchen Effekt verantwortlich ist. Ich hab ihm auch ab und zu mal bei der Arbeit beobachtet. Ein sehr netter Mensch. Kurz vor der Show hat er noch jemandem telefonisch zum Geburtstag gratuliert. Er hat sich auch noch mit meinem Sitznachbarn, der ein Opeth-Shirt trug, unterhalten und meinte, das JP aufgrund des Tourstresses vergessen hat, bei Mikael Akerfeldt anzurufen und ihn für eines der Stockholm-Konzerte einzuladen.
Pünktlich um 20 Uhr verfinsterte sich das Licht im Saal und man konnte sehen, wie die Band vom Backstagebereich hinter die Bühne geführt wurde. Es gab ein gesprochenes Intro zu hören, welches laut James Labrie auch auf dem Album hätte sein sollen, es war aber kein Platz mehr auf CD 1 übrig. Drei Teenager, die in der Reihe vor mir saßen, wollten ganz cool sein und mit ihrem Smartphone filmen. Dieses aber wurde von Rikk Feulner, seines Zeichens jahrelanger Tourmanager von Dream Theater, höchstpersönlich unterbunden, indem er ihnen mit seiner Taschenlampe die Aufnahme versaut hat.
Das Konzert war sehr gut. Sound anfangs etwas übersteuert, das hat man aber im Verlauf des Abends gut auf die Reihe bekommen. An 2 oder 3 Stellen ging JLB etwas im Gesamtsound unter. Visuell war das alles auch toll umgesetzt. Die Videoeinspielungen haben die Musik gut unterstützt. Die Videos wirkten manchmal wie eine Mischung aus 60er Jahre James Bond Intros, Anime und 300. Die Band war sehr motiviert bei der Sache. Das Gitarrensolo bei "A New Beginning", welches auf der CD ja noch ausgeblendet wurde hat JP so was von zelebriert, das war einer der Gänsehaut-Momente der Show. Auch das Posing, was er während des Solos betrieben hat, war echt feierlich. Ich hab Petrucci schon seit Jahren nicht mehr so abgehen sehen, ehrlich.
So ein Keyboardsolospot von Jordan Rudess hat dieses Mal gefehlt, das wäre an der einen oder anderen Stelle durchaus passend gewesen. Mangini routiniert wie immer. Ebenso Myung, da muss man keine großen Worte drüber verlieren. Ich hatte den Eindruck, und ich war mit diesem nicht allein, das man der Musik in der Live-Umsetzung etwas Rauhheit verliehen hat, was ihr durchaus gut tat. Kommen wir also nun zum wichtigsten: Der Leistung von James Labrie. Und ich muss sagen. Das war richtig geil. Nach all der Kritik, die er noch im Sommer einstecken musste, hat er, zumindest mir, eindeutig bewiesen, das er es kann wenn er richtig fit ist. Und das war er gestern Abend eindeutig. Vielleicht war auch noch ein positiver Einfluss, das die Band einen Tag frei hatte nach den beiden Konzerten in Stockholm.
Alles in allem bin ich richtig froh, bei diesem Ereignis dabeigewesen zu sein. Und wenn noch einer die Chance haben sollte, sich eine Show anzusehen: Tut es! So etwas bekommt man wahrscheinlich nie wieder zu sehen.
