Bonfire

Re: Bonfire

Beitragvon Eike » Donnerstag 20. Oktober 2022, 13:29

BONFIRE-Fabio schrieb in einem facebook-Kommentar aus dem Bandaccount heraus, dass Alexx aus seiner Sicht alleine aufgrund des Begriffes "Angriffskrieg" als in der Videoankündigung genanntem Flüchtlingsgrund seitens der ukrainischen Kinder ausgestiegen sei.

Fabio hat geschrieben:Als Begründung warum die Kinder überhaupt nach Deutschland geflohen sind wurde im Text der russische Angriffskrieg genannt. Das war Grund genug für Alex die Band ohne mit jemanden in der Band persönlich zu reden, zu verlassen. Gottseidank leben wir ja in einem freien Land und man kann frei seine Meinung äußern ohne das man, wie in Russland, eingesperrt, geschlagen oder gefoltert zu werden. Manchmal bezahlst du in Russland deine Meinung sogar mit dem Leben. Für mich kann ich folgenden Schluß ziehen. Im nachhinein bin ich froh, dass es so gekommen ist. Wir haben jetzt Zeit einen neuen Sänger zu finden und unsere Träume zu verwirklichen.


Das liest sich, sofern das bereits die ganze Wahrheit ist, allerdings grundsätzlich anders als Alexx es in seinem oben im ersten Posting von mir verlinkten Statement beschrieben hat:

[quote="Alexx"]Heute hat die Band ein Video veröffentlicht, dass wir mit der Thematik Kriegskinder gedreht haben.
Wir haben uns am Tag des Videodrehs darauf geeinigt, dass wir keinerlei Partei ergreifen werden, sondern einfach nur einen Song und ein Video über das Schicksal der Kids machen. Mir ist das persönlich sehr wichtig. Entgegen dieser Vereinbarung wurde das Video heute veröffentlicht und mit einseitiger Kriegspropaganda als Infotext beworben. [/url]


Man kann durchaus auch das Leiden von russischer Flüchtlinge, Kriegsopfer, Widerständler, Zwangsrekrutierter, Zivilisten zur Kenntnis nehmen, oder auch die ukrainische Regierung im Umgang mit deren eigener Bevölkerung oder dem Kriegsgegner kritisch beleuchten, oder eben aufgrund der komplexen Lage und der generellen Propagandamobilmachung aller Kriegsbeteiligten in jedem Krieg seit Menschheitsbestehen sich einfacher Stellungnahmen enthalten; aber den Begriff "Angriffskrieg" angesichts einer Invasion inklusive militärischen Vorstoßens gegen die Hauptstadt einer souveränen Nation bereits als "Kriegspropaganda" zu werten (so dass denn wirklich alleine darauf gemünzt gewesen war), das ist nun wirklich verblendet und ideologisch verbohrt.
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Re: Bonfire

Beitragvon Rüdiger Stehle » Samstag 22. Oktober 2022, 13:30

Eike, ob du was Großartiges verpasst hast? Ich würde sagen: Nein! Aber vielleicht einiges an durchaus solidem, melodischem Hardrock irgendwo zwischen Teutonenmetal, AOR, Glam und Balladenpop. Ich hab BONFIRE recht oft live gesehen, zuletzt mit Alexx dieses Jahr im Sommer, und es war - wie immer - ein sehr professioneller, durchgestylter, toller Auftritt, auch wenn ich nicht wegen BONFIRE da war, sondern wegen der TAUCHER. Alexx "kenne" ich als Sänger seit seiner Zeit mit VIRON und in Folge dann ROXXCALIBUR und MASTERS OF DISGUISE. Starker, technisch tadelloser, für eine optisch starke Performance angemessen eitler, für mich aber nicht über alle Maßen markanter/eigenständiger Sänger. BONFIRE ist ja immer irgendwie umstritten gewesen, wegen Ziller selbst, der die Band nach der Einschätzung diverser ex-Musiker doch recht basisdiktatorisch führt, aber auch des einen oder anderen seiner Sänger wegen, die gerne mal mit LSD ("Lead Singer Disease"), sprich wenig reflektierten, auch politischen Grenzwertigkeiten aufgefallen sind. Sei es, wie es wolle, ich mag sie noch immer mit Claus Lessmann am liebsten, der aber auch hin und wieder eine gewisse Alt-Right-/Redneck-/Geschichtsrevisionismus-Schlagseite hat und zudem die FC-Bayern-Hymne "Stern des Südens" eingesungen hat. Doch wer ist schon ohne Fehler.

Alexx Stahls Ansichten waren mir im Vorfeld nicht sonderlich aufgefallen, habe ich nun erst jetzt etwas die letzten Monate in Social Media nachgelesen, und dort offenbaren sich schon merkliche Querdenker-Neigungen, so dass es doch plausibel erscheint, als hätte er das vorliegenden Problem, weil er die Kriegsschuldfrage nicht im Sinne der Mainstream-Medien beantwortet wissen möchte, sondern einen Tick mehr Putinverständnis aufzubringen scheint. Es wäre jetzt geheuchelt, wenn ich nun sagen würde, dass ich geschockt oder empört wäre, denn ich habe ja gemeinhin ein recht dickes Fell, was politisch-ideologische Abartigkeiten oder Fehlleistungen von Musikern angeht, und außerdem war ich bei den Absprachen zwischen Hans Ziller und Alexx nicht dabei, so dass ich nicht abschließend beurteilen kann, wer da die Wahrheit sagt.

Allerdings, wäre ich Bandleader Ziller, wäre ich über diesen Ausstieg unterm Strich froh, so wie es von der Band ja auch transportiert würde, denn ich würde persönlich tatsächlich derzeit auch nicht mit jemandem zusammenarbeiten oder in einer Band spielen wollen, der sich nicht im Stande sieht, in dieser Sache eindeutig, ohne jede Relativierung offen Partei für die Ukraine zu beziehen, oder der hier irgend einen Zweifel an der Kriegsschuld ließe. Um eine solche Position ernsthaft vertreten zu können, wenn man in einer freiheitlich demokratischen Gesellschaft aufgewachsen ist müssen so viele Elemente zusammen kommen, dass es kaum zu fassen ist.

Ich lasse zwar gerne jedem Menschen seine Meinung, aber in diesem speziellen Fall bin ich tatsächlich doch sehr kurz davor, keine anderen "Meinungen" zu vertragen, jedenfalls nicht, so lange dieser Krieg nicht beendet ist. Es ist dann nicht so, dass ich Leute aus dem Freundeskreis ausschließe, sie meiden, oder ihre Musik nimmer hören wollen würde, aber bei den zwei bis drei Leuten im Freundeskreis, die mit "aber die NATO"- und "Aber die Amis"-Argumenten kamen, habe ich tatsächlich sehr lange und intensive Gespräche gesucht, freundschaftlich, aber trotzdem deutlich, und die haben dann auch einiges bewirkt, habe ich den Eindruck.
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Rüdiger Stehle
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