|
|
von Eike » Mittwoch 19. Mai 2010, 13:50
Jesus hat geschrieben:Eike hat geschrieben:Jesus hat geschrieben:von Post-Rock oder Post-Irgendwas meilenweit entfernt
Naja, Post-Hardcore würde passen, siehe auch Sludge.
Post-Hardcore? Was hat Isis bitteschön gemeinsam mit Alexisonfire, Glassjaw, Fugazi und At the Drive-In?
Das für Post- entscheidende Element: Weiterentwicklung aus Hardcoreansätzen heraus. Analog könnte man fragen, was die Post-Punk-Bands BAUHAUS, THE CURE, KILLING JOKE, SUICIDE, THE BIRTHDAY PARTY und VIRGIN PRUNES gemein haben. Die klingen auch nicht unbedingt sehr ähnlich. Sludge wäre ohne Hardcore Punk (so) nicht entstanden, so wie auch Gothic ohne Punk (so) nicht entstanden wäre. Dass beide Stile mehrere Väter und Mütter haben, tut dem keinen Abbruch; genausowenig, dass viele nachgeborene vom Punk/Hardcore beeinflusste Bands im eigenen Erbrochenen steckenblieben und eben nicht an der Erzeugung von Neuem beteiligt waren.
Music is the only religion that delivers the goods. (Frank Zappa * 21.12.1940 - 4.12.1993)
-

Eike
- Metaller mit zu viel Zeit
-
- Beiträge: 24502
- Registriert: Montag 1. März 2010, 16:30
von Jesus » Mittwoch 19. Mai 2010, 13:53
Eike hat geschrieben:Sludge wäre ohne Hardcore Punk (so) nicht entstanden
Sicher. Aber das gilt auch für Thrash und Death Metal und ich beschimpfe diese Stile doch auch nicht mit "Post-"  Ne, schon klar.  Shalom.
-

Jesus
- Super-Duper-Mega-Ober Metaller
-
- Beiträge: 10890
- Registriert: Dienstag 9. Februar 2010, 13:20
- Wohnort: Das Herz Preußens
von Eike » Mittwoch 19. Mai 2010, 15:22
Das ist wohl eine Frage der Perspektive. Für mich stellt es sich so dar, dass Thrash Metal und Death Metal eben in erster Linie Metal sind und (überwiegend) mehr oder weniger direkt aus dessen traditioneller Spielart hervorgingen, wobei dann das Rezept um ein paar Punkelemente angereichert wurde. (Damit will ich nicht in Abrede stellen, dass es auch eine gute Handvoll ursprünglicher Punkbands, die sich nach und nach in Richtung Thrash orientierten, gegeben haben wird.) Bei den Post-Hardcore-Geschichten sieht das meines Erachtens noch etwas uneindeutiger aus. Das Sludge-Ding lässt sich wohl kaum auf Hardcore-Bands, die einer empfundenen Stagnation der Szene überdrüssig wurden und sich daher bei Doom, Heavy (Southern) Rock, Metal bedienten, reduzieren oder allein aus diesem Ansatz erklären. Aber aus meiner Sicht war das halt noch weniger ein Metal-Ding mit bloß ein paar schmückenden Versatzstücken aus dem Hardcore. NEUROSIS begann als Hardcore-Band, die MELVINS und C. O. C. hatten Hardcore-Wurzeln, CROWBAR mit Bower und Windstein ebenfalls, und zu BLACK FLAG als Säulenheilige brauche ich wohl nichts zu sagen. Und wieso sollte Post- eine Beschimpfung sein?
Music is the only religion that delivers the goods. (Frank Zappa * 21.12.1940 - 4.12.1993)
-

Eike
- Metaller mit zu viel Zeit
-
- Beiträge: 24502
- Registriert: Montag 1. März 2010, 16:30
von Jesus » Mittwoch 19. Mai 2010, 15:57
Eike hat geschrieben:Und wieso sollte Post- eine Beschimpfung sein?
Ist es natürlich nicht. Außer vielleicht für Jhonny. Es ist eben nur ein recht schwammiges Präfix. Post-Punk und Post-Hardcore stellen sich für mich weniger als Genres dar, sondern eher als "Wellen" bestimmter Szenen, die mehr oder weniger einen gemeinsamen Ursprung oder eine gemeinsame Inspiration haben. Insofern bin ich da ganz auf Deiner Wellenlänge. Unter beiden Begriffen werden eben wie von Dir angedeutet so unterschiedliche Bands wie Sonic Youth, Bauhaus, At the Drive-In, The Birthday Party, Fugazi und Joy Division zusammengefasst, weil diese irgendwie durch eine gewisse Inspiration oder einen gemeinsamen (Zeit-)Geist uniert werden. Doch Post-Rock wiederum wurde Ende der 80er ein "Genre". Zumindest ein halbwegs klar umrissenes, das zwar naturgemäß an andere Genres grenzt, aber wenigstens weiß man so ungefähr, was denn damit gemeint ist. Doch seit den 2000ern wird "Post-" für alles mögliche verwendet und immer mehr zu einem hippen Schlagwort ohne Bedeutung. Heute ist alles Post-Neo-Irgendwas. Daher "Schimpfwort". Besonders "Post-Metal". Den Begriff kann ich nun gar nicht ab, weil die meisten Bands, die unter diesen Begriff fallen, entweder noch Metal sind und nicht darüber hinaus oder sie spielen schlicht und einfach mehr oder weniger progressiven Sludge. Schon Mastodons "Leviathan" wurde als Post-Metal bezeichnet, obwohl es nicht viel anders war als Crowbar op de Water. Eike hat geschrieben:Das ist wohl eine Frage der Perspektive. Für mich stellt es sich so dar, dass Thrash Metal und Death Metal eben in erster Linie Metal sind und (überwiegend) mehr oder weniger direkt aus dessen traditioneller Spielart hervorgingen
An dieser Stelle sollte man nicht vergessen, daß die "traditionelle Spielart" des Metals, aus dem Thrash hervorging, bereits mit Punk "verwässert" war. Was Reinheitsgebot-Fanatiker wie Jhonny gerne vergessen: 80er Metal = originaler 70er Metal + Punk. Nur mal so nebenbei erwähnt. Und für mich ist Sludge zumeist auch Metal. Neurosis haben zwar mal Hardcore gespielt, aber wenn die letzten sagen wir mal fünf Alben kein Metal sind, dann weiß ich nicht, was Metal ist  Genausowenig kann ich Ocean (USA) oder Graves at Sea als Hardcore abtun. Dat hett met Hardcore nix mehr gemeen. Eike hat geschrieben:(Damit will ich nicht in Abrede stellen, dass es auch eine gute Handvoll ursprünglicher Punkbands, die sich nach und nach in Richtung Thrash orientierten, gegeben haben wird.)
D.R.I., Overkill, Slayer... letztere beiden natürlich vor den allerersten Aufnahmen. Natürlich ein fließender Übergang zweier verwandter und miteinander verflochtener Zweige, die sich immer gegenseitig beeinflusst haben. Auch nur so als Trivia. Eike hat geschrieben:Bei den Post-Hardcore-Geschichten sieht das meines Erachtens noch etwas uneindeutiger aus. Das Sludge-Ding lässt sich wohl kaum auf Hardcore-Bands, die einer empfundenen Stagnation der Szene überdrüssig wurden und sich daher bei Doom, Heavy (Southern) Rock, Metal bedienten, reduzieren oder allein aus diesem Ansatz erklären. Aber aus meiner Sicht war das halt noch weniger ein Metal-Ding mit bloß ein paar schmückenden Versatzstücken aus dem Hardcore. NEUROSIS begann als Hardcore-Band, die MELVINS und C. O. C. hatten Hardcore-Wurzeln, CROWBAR mit Bower und Windstein ebenfalls, und zu BLACK FLAG als Säulenheilige brauche ich wohl nichts zu sagen.
Klar. Zustimmung. Wobei Crowbar nicht wenig beeinflusst waren von Black Sabbath. Ähm... worauf wollte ich hinaus? Einerseits darauf, daß auch Bands, die vornehmlich aus dem Metal kommen, ebenfalls Sludge spielen können. Zum anderen ist der Begriff Post-Hardcore schon irgendwie "vergeben" und die "Welle" von Bands, die darunter fällt, passt nun wirklich nicht zu Isis' Sound. Aber wie Frank schon andeutete: Genre-Diskussionen sind für'n Gluteus maximus. Für mich spielten Isis früher Sludge und heutzutage Progressive Rock/Hardcore/Metal, weil ich das so so sage mit Stehle'schem Pragmatismus 
-

Jesus
- Super-Duper-Mega-Ober Metaller
-
- Beiträge: 10890
- Registriert: Dienstag 9. Februar 2010, 13:20
- Wohnort: Das Herz Preußens
von frankjaeger » Mittwoch 19. Mai 2010, 16:01
Genau. Was zählt is aufm Platz, ähm, unterm Laser. Gibt mir jetzt mal jemand einen Tipp, welches Album das Beste/Innovativste/ Zugänglichste ist, damit ich es auf meine Kaufliste setzen kann? (die arbeite ich regelmäßig ab, und wenn ich was advon günstig finde und meine Stimmung dementsprechend ist, kaufe ich das. Ist es nicht auf der Liste, geht es unter).
-

frankjaeger
- Musikredaktion
-
- Beiträge: 16789
- Registriert: Sonntag 7. Februar 2010, 22:29
- Wohnort: Burtenbach
-
von Jesus » Mittwoch 19. Mai 2010, 16:09
frankjaeger hat geschrieben:Gibt mir jetzt mal jemand einen Tipp, welches Album das Beste/Innovativste/ Zugänglichste ist, damit ich es auf meine Kaufliste setzen kann?
Wie gesagt, ich bezweifle sehr stark, daß überhaupt irgendeine Phase der Band Dir zusagen wird. Aber ich kann Dir da sicher gerne helfen, aber sage mir mal wenigstens, was genau Du von einer Isis-Scheibe erhoffst zu erhalten? Auf welchen Sound ist der Herr Jaeger denn scharf? Natürlich nicht der ganz heftige, doomcorige Sound der Frühtage, das ist klar. Aber danach gibt es immer noch reichlich unterschiedliche Alben. Hört der Herr gerne Tool? Kann er was mit Post-Rock anfangen? Oder mit wogendem, atmosphärischem (Beinahe-)Doom? Mit Modernen Prog-Klängen? Geht der harsche Gesang in Ordnung? Soll der klare Gesang überwiegen? Das ist bei Dir und Deinem Geschmack ein etwas heikler Tanz auf rohen Eiern  Oder soll der Jesus einfach mal ein paar Songs zusammenstellen und dem Herrn Jaeger zukommen lassen?
-

Jesus
- Super-Duper-Mega-Ober Metaller
-
- Beiträge: 10890
- Registriert: Dienstag 9. Februar 2010, 13:20
- Wohnort: Das Herz Preußens
von Eike » Mittwoch 19. Mai 2010, 16:23
Frank, schreib doch noch schnell dazu, was genau Dich dazu veranlasst, Dich überhaupt näher mit ISIS auseinandersetzen zu wollen. Davon hängt Zugänglichkeit ja ab. Persönlich fand ich "In The Absence Of Truth" ziemlich stark. "Wavering Radiant" muss ich noch öfter hören.
Music is the only religion that delivers the goods. (Frank Zappa * 21.12.1940 - 4.12.1993)
-

Eike
- Metaller mit zu viel Zeit
-
- Beiträge: 24502
- Registriert: Montag 1. März 2010, 16:30
von Teichfrosch » Mittwoch 19. Mai 2010, 16:31
Wirklich sehr, sehr bitter. Die vielleicht wichtigste Pionierband für eines meiner liebsten "Genres"... Vielleicht eine neue Chance mit dem neusten Output warm zu werden, auch wenn ich es bezweifel. @Jhonny: Du solltest es dir definitiv anhören, denn rau, doomig und schwer sind sie definitiv. Eine gewisse Affinität zu instrumenteller Musik, langsamen überlangen Stücken und einer sich sehr gemächlich aufbauenden Spannung solltest du aber aber vielleicht schon an den Tag legen. Weil es einfach gut zur Situation passt poste ich auch mal ein Stück... Nämlich "The Beginning And The End", das erste Stück des Albums mit dem die "Post-Metal" Zeitrechnung auf Null gesetzt wurde (Du liebe Güte klingt da bedeutungsschwanger ;D). Gott, ich werde diese Band vermissen, jetzt werde ich mich mein Leben lang ärgern dass ich letztes Jahr nicht das Geld für das Konzert zusammenkratzen konnte. http://www.youtube.com/watch?v=6Qz8e7pgy_Ybzgl. der "Post-" Diskussion: die Bezeichnung Post-Metal empfinde ich als garnicht mal so unpassend, analog zum Post-Rock. Progressive Metal ist zwar auch eine sehr stimmige Beschreibung, nur kann man darunter auch ganz anders gelagerte Bands einordnen die mit ISIS relativ wenig zu tun haben. Post-Metal wären Bands wie MOUTH OF THE ARCHITECT, ROSETTA, CULT OF LUNA, BURIED INSIDE, CALLISTO, evtl, NEUROSIS, vielleicht noch KYLESA oder BARONESS usw. - die haben alle durchweg gemeinsame Konstanten, und ich finde es nicht unbedingt abwegig sie vom Prog. Metal abzugrenzen. Selbstredend ist der Klang etwas nie dagewesenes, aber das war Black Metal auch irgendwann mal. Und irgendwann wird sich ohnehin ein Name für das, was diese Bands da fabrizieren, herausbilden, und aufgrund des Klanges fände ich Post Metal garnicht mal so unpassend. Eine andere Möglichkeit wäre "Thinking Man's Metal" wie einer der Musiker von ISIS ihren Sound selbst beschrieben hat, aber damit hätten wir auch den Brückenschlag rüber zu TOOL .. Sicher nicht die schlechteste Parallele, aber TOOL klingen dann doch anders. Für mich bleibts also Post Metal. Post Doom oder Post Progressive Metal wären allerdings auch witzig, einfach nur um die "Ettikierer" in den Wahnsinn zu treiben  edit: Wenn ich mich einschalten darf bzgl. der Albenempfehlung, leicht ist das tatsächlich nicht. Das neuste "Wavering Radiant" ist zwar etwas "leichter" aufgrund des weniger harschen Gesangstils, dafür lässt es zumindest in MEINEN Augen die Brillianz älterer Alben vermissen. "Oceanic" ist noch vergleichsweise nah am Sound älterer Tage, daher würde ich irgendwas in der Mitte empfehlen, und naheliegend wäre da "Panopticon" welches auch eines der beliebtesten Stück, "So Did We", beinhaltet. Jesus' Bemühen in Ehren, aber entweder findet man einen Zugang zu der Band oder eben nicht. "Panopticon" mit guten Kopfhörern und viel Ruhe/Zeit sollte alles sein was er braucht um die Band lieben zu lernen.
-

Teichfrosch
- Metalhead
-
- Beiträge: 3170
- Registriert: Montag 17. Mai 2010, 00:18
von Jesus » Mittwoch 19. Mai 2010, 16:44
Teichfrosch hat geschrieben:Eine andere Möglichkeit wäre "Thinking Man's Metal" wie einer der Musiker von ISIS ihren Sound selbst beschrieben hat, aber damit hätten wir auch den Brückenschlag rüber zu TOOL ..
"Thinking Man's Metal"? Bei allen Göttern, bitte nicht! Prätentiöser geht's ja wohl nicht mehr. Dann bilden sich diese ganzen jugendlichen Hipster noch was darauf ein, daß sie Isis und Tool hören, um ihre pubertären Aggressionen abzubauen.
-

Jesus
- Super-Duper-Mega-Ober Metaller
-
- Beiträge: 10890
- Registriert: Dienstag 9. Februar 2010, 13:20
- Wohnort: Das Herz Preußens
von Jhonny » Mittwoch 19. Mai 2010, 16:59
Teichfrosch hat geschrieben: @Jhonny: Du solltest es dir definitiv anhören, denn rau, doomig und schwer sind sie definitiv. Eine gewisse Affinität zu instrumenteller Musik, langsamen überlangen Stücken und einer sich sehr gemächlich aufbauenden Spannung solltest du aber aber vielleicht schon an den Tag legen.
Das ist kein Problem - Doom oder Sludge sind sicher nicht mein absolutes Lieblingsgenre, aber kann ich mir sehr gut anhören. Sollte also hörbar sein für mich. (@Jesus: Sludge sehe ich auf jeden Fall als Metal!)
-

Jhonny
- Musikredaktion
-
- Beiträge: 36900
- Registriert: Sonntag 7. Februar 2010, 16:48
- Wohnort: Landshut
Zurück zu Prog / Rock / Hard Rock
Wer ist online?
Mitglieder in diesem Forum: 0 Mitglieder und 6 Gäste
Powered by phpBB © 2000, 2002, 2005, 2007 phpBB Group
Deutsche Übersetzung durch phpBB.deTime : 0.109s | 10 Queries | GZIP : Off
|
|