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von Michael Kulueke » Sonntag 28. März 2010, 12:53
Ich hocke gerade vor dem Bildschirm und amüsiere mich über die "Live tonight - sold out", die die Band vor allem in ihren Aussetzern und Eigenarten portraitiert. Da werden TV-Shows sabotiert in dem die Megaseller falsch oder rückwärts gespielt werden, Cobain seine Stimme verstellt oder einfach in eine hochspießige Sendung ein paar Mosher bestellt.
Die nachdenklichen Töne, die die Band vor allem im Angesicht ihres Erfolgs anschlägt, gehen dabei relativ unter, wenn man nicht genau hinhört. Was mich wieder darauf bringt, wie großartig ich diese Band doch finde. Im Fluss der musikalischen Historie haben die sich ihren Ehrenplatz definitiv verdient, gerade weil sie allen gefielen, und es einem doch einfach machten ihre Musik nicht zu mögen.
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von Eike » Sonntag 28. März 2010, 18:41
Was ich interessant finde, ist, wieviele Leute man in Shirts oder Pullis von dieser Band heraumlaufen sieht, die gerade den Windeln entwachsen waren, als NIRVANA bekannt wurden. Das ist bei SOUNDGARDEN nicht so, obwohl die ähnlich populär waren. Und ich glaube nichtmal, dass es daran liegt, dass sich Cobain die Rübe vom Rumpf gepustet hat. Sie haben halt Ohrwürmer geschrieben, ohne sich mit einem Zuckergusssound anzubiedern.
Als sie jeder gut fand, fand ich NIRVANA nur ganz nett, aber bis auf den größten Radiohit gingen ihre Songs nicht sonderlich an mich. Mich hat das ganze Getue um die Band genervt, ich habe mich davon bewusst abgegrenzt. "Nevermind" hatte ich mir vorsorglich trotzdem getapet. Bis ich irgendwann "Bleach" in die Finger bekam wurde das aber eher selten gehört, mehr aus Interesse an dem Phänomen, und weil's sich halt rein akustisch auf Fahrten in den Urlaub per Walkman recht gut über das Motorengeräusch auf der Autobahn durchsetzen konnte. "Bleach" fand ich dann auf Anhieb so geil, dass ich NIRVANA erstmals zu würdigen begann. "MTV Unplugged in N. Y." musste also auch her.
Sie sollen ja auch große Led Zep Fans gewesen sein. Vielleicht versöhnt das ja nachträglich manche Kostverächter, die damals auf all things grunge geschimpft haben. Es gibt nach wie vor kaum besseres als "Bleach", wenn man von irgendetwas gefrustet ist.
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von Holger Andrae » Sonntag 28. März 2010, 19:51
Auweia, jetzt kommt der Andrae mit einem Posting zur einer Band, die ein vermeintliches Übel ausgelöst hat. Das kann doch nur schief gehen ...
Ich bekam in meiner Funktion als Fanzine-Scribbler ein Adv. Tape des "Nevermind"-Albums mit der Bitte um Besprechung. Das Fanzine - die Rede ist vom "Underground Empire" - hatte damals den Ruf weg, sich besonders dem Heavy Metal Underground zuzuwenden. Nicht ganz zu Unrecht. Und dann bekommt man dieses Tape. Amüsant Teil Eins.
Ich hatte mich bis dahin natürlich genau gar nicht mit der Band beschäftigt. Fand allerdings die frühen Soundgarden toll. Tape mit ins Auto genommen, angeschmissen und sofort mitgesummt. Das gefiel mir recht gut. Amüsant Teil Zwei.
Ergo wurde ein Interview beim anstehenden Konzert in der Hamburger Markthalle verabredet. Keiner konnte ahnen, welche Wellen dieses Album auslösen sollte. Ich also zur Halle und völlig verwundert, welche Menschenmassen da noch vor dem bereist restlos ausverkauften Refugium um Einlass bettelten. Ich war beeindruckt.
Das Interview mit dem gut gelaunten Dave Grohl verlief sehr kurzweilig, da er schon über mein Tygers Of Pan Tang Shirt sehr erfreut war. das Konzert an sich war weniger toll, lustlos und viel zu kurz.
Habe dann versucht rückwirkend die anderen Scheiben der Band toll zu finden, was mir aber nicht gelingen wollte und die beste Version von Schmelz mit Teenager Geist ist immer noch von Tori Amos. Heute höre ich ab und mal "Nevermind" und finde das nett. Mehr nicht,was aber sicherlich auch am "Überhört"-Status liegen wird.
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von Eike » Sonntag 28. März 2010, 20:05
Amüsant #3. Danke für das Teilen dieser schönen Geschichte. Das ist sicherlich etwas besonderes, so unverhofft und unbeleckt zu einem Eindruck zu kommen, der einem sonst verwehrt geblieben wäre. Das ist mit das schönste am Musikjournalismus: Man stößt immer mal wieder auf (für einen selbst) völlig neue Bands, setzt sich mit ihnen im eigenen Bezugsrahmen auseinander, und stellt teilweise dann im Nachhinein (oder bei der Recherche) fest, dass die schon massig Fans haben, die da wieder mit einem völlig anderen Zugang herangehen. Und entdeckt dadurch wieder neues. (Gerade als Quereinsteiger in irgendwelche bislang eher unterbelichteten Genres geht mir das so.) Gab es nicht auch schon in den '70ern oder so mal eine Band namens NIRVANA, die einen gänzlich anderen Stil spielte? Es geisterte da in den '90ern mal was durch die Gazetten, aber mein Gedächtnis lässt mich gerade etwas im Stich, woher die stammten und was genau die musizierten. Irgendwas hippiemäßiges vermutlich. Würde mich schon mal interessieren, ob diese alten Recken durch die Jungspunds aus Seattle einen kleinen Popularitätsschub bekommen haben. Mal Google befragen...
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von Holger Andrae » Sonntag 28. März 2010, 20:12
Ja, gab es ... 
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von Eike » Sonntag 28. März 2010, 20:18
Aha, anscheinend traf da seit 1967 psychedelischer Rock auf Kammermusik mit Cembalo und Cello, das dritte Album erschloss dann ein breiteres Publikum mit Songtiteln wie 'Rainbow Chaser', später soll sich das Spektrum in Prog-Rock, Barock-Pop und Jazzeinflüsse aufgefächert haben. Modisch waren sie auch auf der Höhe:  Der nette Herr rechts im Bild sieht mit viel Phantasie wie eine Nerdvariante von Grohl aus. Hast Du zu NIRVANA mark I auch eine Story parat, Holg?
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von Michael Kulueke » Sonntag 28. März 2010, 20:22
Die haben einen "Image hosted by"-Blocker dazwischen geschaltet...
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von Holger Andrae » Sonntag 28. März 2010, 20:24
Ich wurde in dem Jahr geboren ... das ist meine Story;)
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von 123_7 » Sonntag 28. März 2010, 20:27
Als sich alle meine Klassenkameraden im zarten Alter von 13-14 zunehemnd für die Rabauken um Kurt interessierten, habe ich damals die Begeisterung nie wirklich begreifen können. Nirvana waren damals, wie auch heute, für mich eine Zeitgeist-Truppe, die es geschafft haben, Menschen zu mobilisieren und eine eigene Bewegung zu begründen. Da ich natürlich aufgrund meines recht jungen Alters für diesen Zeitgeist etwas zu spät auf die Welt gekommen bin, fehlte mir irgendwie diese Komponente um mich in die Musik hineinfühlen zu können. Das war für mich sehr reduzierter, meist ehrlicher Rock mit viel Schmutz. Mehr nicht, wobei ich natürlich niemals auf die Idee kommen würde, dieser Band Einfluss und Charakter abzusprechen. Einfach nur zur falschen Zeit (an irgendeinem Ort). Viel interessanter war dann, das spätestens zwei Jahre später keiner meiner Klassenkameraden diese Band noch mochte. Es scheint als wäre die Band unverweigerlich mit dem Teenager-Tum verbunden.
Aber wenn ich dann widerum die Geschichten von Holger und besonders Michaels Empfindungen durchlese, kriegt man fast Lust darauf, sich nochmal auf diese Zeitreise zu wagen und zu überprüfen, ob man da früher vielleicht nicht was herausragendes verpasst hat. Und da ich Dave Grohl toll fand und nach wie vor finde, sollte das vielleicht auch den Einstieg erleichtert. Luege me mol.
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von Pillamyd » Sonntag 28. März 2010, 20:30
War es vielleicht diese: http://www.youtube.com/watch?v=AhcFereURCQ&feature=relatedHab mir die Mühe jetzt aus reiner Neugierde gemacht. Sogar bin ich jetzt froh darüber. Gerade durch das Suchen habe ich wieder eine Band gefunden, von der ich den Namen vergaß und seitdem nie wieder gefunden habe. Jetzt habe ich sie wieder. Zu Nirvana selber: Sie haben wohl ein überaus Präsenz, auch heute noch bei der Jugend. Ich finde sogar berechtigt. Allerdings höre ich die Band gar nicht mehr. Auch wenn ich rückblickend sogar sehr oft die "Bleach" und "In Utero" gehört habe. "Nevermind" fand ich auch große Klasse, aber irgendwann dann halt doch sehr überhört, dass sich meine Aufmerksamkeit nur noch auf die zwei Alben ausgelegt waren. Gerade fällt mir auf, das ich mal ein Buch gelesen habe. Wie hieß es noch gleich. "Mordfall Kurt Cobain". Ohne jetzt unbedingt ein weit ausgelutschtes Thema aufbringen zu wollen. War dieses Buch doch von so einer Dunkelheit umgeben, das es mich manchmal geschüttelt hat. Ich war ja noch ziemlich jung  Edith: Okay, das kommt davon wenn man so langsam schreibt 
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