Meiner Meinung nach muss man so etwas auch gesellschaftsübergreifend betrachten. In Einzelfällen wird jeder für alles diskriminiert, aber im Großen und Ganzen?
Christen werden in Deutschland grundsätzlich sicher nicht diskriminiert, Juden und Muslime schon eher. Anders herum werden Muslime in der Türkei grundsätzlich sicher nicht diskriminiert, Juden und Christen schon eher. Gleichwohl können auch Muslime in der Türkei oder Christen in Deutschland in Einzelfällen diskriminiert werden - aber zu einer generellen Aussage wie "Christen werden in Deutschland diskriminiert" reicht das dann trotzdem ganz sicher nicht.
Es geht hierbei ja nicht darum, jedem Einzelnen seine Aversionen auszutreiben, sondern ein friedvolles und gleichberechtigtes Miteinander zu gewährleisten. Individuelle Diskriminierung wird es immer geben, aber deshalb gleich Zeter und Mordio zu schreien und eine ganze Gesellschaft unter Generalverdacht zu stellen ist lächerlich.
enemy-of-reality hat geschrieben:Was den anderen Typen betrifft: Das müsst ihr Deutschen schon selbst wissen. Zu Österreich gehört der Islam auf jeden Fall nicht.
Ohne das auf dich persönlich zu beziehen: das ist eine dämliche und inhaltsleere Diskussion. Man kann ebenso viele Argumente dafür wie dagegen finden, so eine Aussage zu treffen. Ich persönlich lehne diese Aussage auch eher ab, da ich historisch nicht genug Anhaltspunkte sehe, die so eine Aussage stützen würden. Das ist aber meine ganz persönliche Art der Auslegung, und man kann auch ohne sich lächerlich zu machen anders argumentieren. Gehört das Christentum zu Deutschland? Nach meiner Auslegung: ja, da das Christentum kulturell, politisch und gesellschaftlich seit über 1000 Jahren diesen geographischen Raum maßgebend prägt und eine ganz entscheidende Rahmenbedingung in der konstitutionellen Ausgestaltung dieses Nationalstaates war.
Wenn man jetzt aber nicht den historisch-kulturellen Einfluss als Maßstab anlegt, sondern die real existierenden gesellschaftlichen Gegebenheiten, dann gehört sowohl der Islam als auch das Christentum zu Deutschland (und Österreich!), denn der Islam ist die Gesamtheit der gläubigen Moslems, und solche gibt es eben auch in diesen beiden Ländern.
Wieder ein anderer Maßstab: kann ein Glauben zu einem sekulären Staatsgebilde gehören? Nein, also: weder Christentum noch Islam gehören zu Österreich oder Deutschland.
Hat der Islam bleibenden Einfluss auf "Österreich" oder "Deutschland", was auch immer man darunter versteht? Ja -> gehört zu beiden Ländern.
Was ich damit sagen will: so eine Aussage kann man gar nicht vernünftigerweise treffen. Selbst wenn ich persönlich sagen würde, dass der Islam nicht zu Ö oder D gehört und das Christentum schon, würde ich mich entschieden dagegen wehren, das als allgemeine Aussage begriffen zu sehen, eben WEIL hierbei meine für mich selbst definierten Maßstäbe anzulegen sind - und wenn man diese Maßstäbe nicht an diese Aussage anlegt, wird die Aussage falsch und inhaltsleer. Meiner Meinung nach kann ein Gedankenkonstrukt wie "Christentum" oder "Islam" nicht zu einem Gedankenkonstrukt wie "Deutschland" oder "Österreich" gehören, daher ist diese Aussage des ehemaligen deutschen Bundespräsidenten Wulff auch so geistlos: ohne Einordnung, ohne Maßstab ist diese Aussage automatisch falsch.