ROCK MEETS CLASSIC - Nürnberg

11.04.2026 | 15:53

09.04.2026, PSD Bank Nürnberg Arena

Ein rockiger Abschied aus Nürnberg.

Bereits vor dem letztjährigen ROCK MEETS CLASSIC hat Veranstalter Manfred Hertlein angekündigt, dass die Reihe in diesem Jahr zum letzten Mal über die Bühne laufen wird und es 2027 ein komplett neues Konzept gibt. So mache ich mich mit etwas Wehmut auf dem Weg in die Arena mit dem sperrigen Namen. Zwar wurde diese mittlerweile in PSD Bank Nürnberg geändert, läuft aber immer noch nicht wirklich flüssig über die Lippen. Nun gut, ohne Sponsoring läuft halt nichts mehr in Sport und Kultur. Aber so lange die Protagonisten auf der Stage nicht mit irgendwelchen Werbepatches ausgestattet sind, soll mir das recht sein. 

Auch heute ist es angenehm warm, als ich die Halle erreiche. Die Akkreditierung läuft reibungslos und ehe ich mich versehe, stehe ich mit meinem großen Fotorucksack im Innenraum. Einer Besucherin vor mir erging es leider nicht so gut. Die Security achtet extrem genau darauf, dass mitgebrachte Taschen nicht größer als DIN-A4 sind. Der Dame bleibt nichts anderes übrig, als ihr Behältnis zum Auto zu bringen. Angesichts der noch frühen Uhrzeit glaube ich aber, dass sie es rechtzeitig zum Showbeginn wieder in die Halle geschafft hat.

Manche Dinge ändern sich, einige bleiben gleich. Nach wie vor ist der Bierpreis recht hoch in der Arena. Ich werde dankenswerterweise von meiner Begleitung zu einer Hopfenkaltschale eingeladen und denke an das ROCK MANIA LEGENDS zurück. Es geht eben auch deutlich günstiger. Doch es gibt auch Dinge, die sich zum Guten geändert haben.

Wurde von mir im letzten Bericht noch bemängelt, dass es auf dem Backdrop keine Leinwand gibt, wurde diese für die diesjährige Veranstaltungsreihe zum Glück wieder eingeführt. Auf ein Vorprogramm wird in diesem Jahr allerdings verzichtet. Ich bekomme eine Setliste in die Hand und bemerke eine weitere Veränderung. In diesem Jahr treten die Künstler blockweise auf und spielen ihre Songs an einem Streifen durch. Doch vor den "Stars" darf sich erst einmal das RmC-Orchester samt Band präsentieren.

An den klassischen Metal-Instrumenten erblicke ich ein paar altbekannte Gesichter. Mein Lieblingslinkshändergitarrist Tom Naumann ist ebenso wieder dabei wie Bassist Alex Jansen und Alex Beyrodt als zweiter Saitenspieler. An den Drums sitzt in diesem Jahr Michael Ehré. Alle genannten Instrumentalisten sehe, beziehungsweise sah, ich immer wieder mal auf Konzerten von PRIMAL FEAR, THE UNITY und GAMMA RAY. (Anmerkung der Redaktion: Diesen Absatz hat der Redakteur wohl aus Faulheit einfach aus dem Bericht vom letzten Jahr kopiert. Wie bitten um Entschuldigung). 

Als Backing Vocals meine ich, wieder Ines Vera, Kati Cher und Alessandro Del Vecchio zu erkennen. Letztgenannter fungiert auch als musikalischer Leiter und Keyboarder. Der sehr jung aussehende Dirigent ist mir gänzlich unbekannt. Mit 'Paranoid' von BLACK SABBATH beginnt die Show in der nicht ganz ausverkauften Nürnberger Arena.

Wie gewohnt erledigen wir Fotografen unseren Job von der Seite und aus dem hinteren Hallenbereich. Die Halle ist komplett bestuhlt und wir möchten den Besuchern, welche teilweise richtig viel Geld für die Tickets bezahlt haben, nicht die Sicht nehmen. 'Paranoid' ist ein guter Einstieg. Das Publikum bleibt zwar noch sitzen, es brandet aber ordentlich Applaus auf.

RONNIE ATKINS betritt unter großem Jubel die Stage. Ich bin immer wieder glücklich, ihn nach seiner Erkrankung live und in Farbe zu sehen. Der PRETTY MAIDS-Sänger beginnt mit 'Future World' vom bereits 1987 veröffentlichten gleichnamigen Album und zeigt sich stimmlich auf der Höhe. Mit 'Little Drops Of Heaven' gibt es einen Track der "nur" knapp 16 Jahre als ist, erschien dieser doch auf dem Album "Pandemonium".

Ronnie zeigt sich äußerst agil und nutzt die ganze Bühne aus. Immer wieder interagiert er mit Alex und Tom. Leider ist nach diesen zwei Songs Schluss und der Sänger verabschiedet sich aus Nürnberg. Er wird ordentlich für seine Performance gefeiert und ich denke mir: lieber zwei Tracks als gar kein Lied.

ROBERT HART erscheint auf der Stage. Ich kann mir nicht helfen, vom Aussehen her erinnert mich der Sänger der MANFRED MANN'S EARTH BAND extrem an Howard Carpendale. Doch zum Glück gibt es nun keine Schlager, vielmehr rockt Robert die Halle mit zwei Klassikern.

Sowohl der 1970 veröffentlichte Song 'Davy's On The Road Again', als auch 'For You' bringen das Publikum in Wallung. Es wird gesungen und geklatscht und dem Sänger steht der Spaß sichtlich ins Gesicht geschrieben. 

Auch heute funktioniert das Zusammenspiel der Künstler mit Orchester wieder einmal hervorragend. Ich wandere von recht nach links, von hinten in den Oberrang und wieder zurück. Fotografieren hält mich unter solchen Umständen enorm fit, mal etwas anderes, als für drei Songs im Fotograben zu stehen. Auch Hart steht nicht allzu lange rum, leider ist für ihn ebenfalls nach zwei Songs Feierabend. Allerdings kommt er im Laufe der Show immer wieder auf die Bühne, führt bestens gelaunt durch den Abend und kündigt die weiteren Künstler an.

ERIC MARTIN, Sänger der Band MR. BIG, hat immerhin drei Songs im Gepäck, er beginnt mit 'To Be With You' und 'Wild World'. Beim zweiten Lied unterstützt er die Band mit einer Akustik-Gitarre. Nicht nur Song-seitig besinnt sich Martin auf die gute alte Zeit, mittlerweile trägt der Mann am Mikrofon wieder lange Haare. Das Publikum erleuchtet das weite Rund mit Handylichtern. Dass Martin jedoch auch rocken kann, beweist er mit 'Take Cover'. 

Es ist irgendwie unglaublich. Ich bin kein ausgewiesener MR. BIG-Fan, dennoch haben sich die Lieder in den letzten Jahrzehnten ins Gehirn gefräst, nahezu die kompletten Lyrics kann ich von meiner internen Festplatte abrufen. Okay, man könnte diese auch auf der wieder vorhandenen Leinwand einblenden, doch das ist nicht notwendig. Die Fans der Veranstaltungsreihe erweisen sich ebenfalls als sehr textsicher. Somit kann der Screen für ein paar Kameraufnahmen genutzt werden, die mit einigen Effekten aufgepeppt sind.

Wenn es nach Anzahl der Solisten geht, befinden wir uns in der Halbzeit. Auf eine Pause wird verzichtet, das Orchester präsentiert sich noch einmal mit dem Main Theme von Star Wars.

Das klingt wirklich gut und einige Musiker können solistisch glänzen. Ich glänze erst einmal mit Abwesenheit und befriedige draußen meine Nikotinsucht. Da ich die Setliste im Kopf habe, freue ich mich ganz besonders auf die nächste Künstlerin.

Obwohl TARJA TURUNENs Solokarriere deutlich länger als zweimal so lange dauert wie ihre Zeit bei NIGHTWISH, wird die finnische Sopranistin nach wie vor mit der Symphonic-Metal-Band in Verbindung gebracht.

So ist es kein Wunder, dass ihr Set mit 'Nemo' beginnt. Es mag Fluch oder Segen sein für einen Künstler, wenn von ihm immer wieder die "alten Schinken" verlangt werden. Doch das Konzept geht nach wie vor auf. Die Sopranistin wird von dem gemischten Publikum gefeiert wie eh und je.

Auch TARJA sieht man ihre Spielfreude deutlich an. Sie macht Späße mit den Saitenakrobaten und bedankt sich mehrmals in deutsch beim Publikum für sein Kommen. Mit 'I Walk Alone' gibt es dann einen etwas ruhigen Song aus Tarjas Solokariere. Dieser ist mittlerweile auch schon 19 Jahre alt und stammt vom Album "My Winter Storm".

Okay, ich hätte gerne noch einen Song aus alten Schaffenstagen der Dame. Doch bitte noch etwas Geduld, erst einmal gibt es den 2024 veröffentlichten Song 'Until My Last Breath', welcher mir gut gefällt.

Und TARJA? Was für eine Ausstrahlung! Sie hat bereits für den Herbst eine neue Tour samt Studioalbum angekündigt. Ich bin mir ziemlich sicher, dass ich mindestens bei einem der Termine an ihren Lippen hängen werde. Doch zurück zur Musik am heutigen Abend. 

Ich habe meine benötigten Fotos im Kasten und freue mich auf 'Sleeping Sun'. Die Einleitung mit Streicher und hmm, Oboe? kündigt eines meiner Highlights an. Natürlich wird die Halle wieder mit zahlreichen mobilen Endgeräten erleuchtet und ich bin einfach nur hin und weg. Extrem positiv zu bewerten ist das Zusammenspiel mit den Vocalisten. Das passt einfach alles zusammen. Ich hätte gerne mehr davon, vielmehr. Doch es warten noch zwei weitere Künstler vor der Tür.

Wenn einer authentisch eine Bärenfellmütze tragen kann, dann ist es MICHAEL SCHENKER. Leider habe ich es 2025 nicht geschafft, ihn auf seiner "My Years With Ufo"-Tour zu sehen. Umso mehr freue ich mich, heute ein paar Songs seiner ehemaligen Band zu hören und zu sehen.

Der deutsche Gitarrist hat sich Verstärkung mitgebracht. Am Mikrofon steht niemand geringeres als Roberto Dimitri Liapakis, seines Zeichens Sänger der Powermetal-Band MYSTIC PROPHECY. Eine sehr weise Entscheidung, Lias rauhe Stimme passt hervorragend zu dem Opener 'Doctor Doctor'.

War es beim letzten Track von TARJA noch angemessen ruhig, geht nun die Post ab. Das Publikum im Innenraum und auf den Rängen hat sich erhoben und feiert die Performance der Artisten.

Diese sind permanent in Bewegung und posen ein um das andere Mal. Auch 'Only You Can Rock' kommt gut an. Habe ich Schenker eher zurückhaltend in Erinnerung, geht er in Nürnberg aus sich heraus, singt Passagen mit und flachst mit seinen Mitmusikern.

Doch was wäre er ohne seine Solo-Einlagen? Natürlich gibt es diese auch in Mittelfranken, der Gitarrist wird dafür ordentlich gefeiert. 'Love To Love' und 'Lights Out' beschließen das Set des Ausnahmekünstlers.

Lauthals werden Zugaben gefordert, auch ich hätte mir den einen oder anderen Song noch gewünscht. Aber der Zeitplan lässt keinen Platz für weitere rockige Songs von MICHAEL SCHENKER.

Aber wir haben ja noch einen weiteren Block. Mit JOEY TEMPEST geht es auch rockig weiter. Der EUROPE-Sänger startet mit 'Ready Or Not' und die Rockfans hält es längst nicht mehr auf ihren Stühlen. Joey war immer wieder mal Gast bei den ROCK MEETS CLASSIC-Produktionen, auch heute kommt der immer noch blendend aussehende Musiker mit einer Gitarre auf die Bühne.

Die Stimmung ist grandios, jetzt eine Ballade zu spielen wäre eigentlich töricht. Doch als der Sänger seine Gitarre weglegt und die ersten Noten von 'Carrie' ertönen, brandet großer Jubel auf. 

Der Mittelgang hat sich bis vor die Bühne gefüllt. Schmachtende Blicke der Fans Richtung Sänger, welcher in bestechender Form ist. Er kann einfach noch verdammt gut singen.

Im letzten Songabschnitt werden ihm von den Fans einige Rosen überreicht. Meine liebe und sehr geschätzte Kollegin Dany zeigt mit eines ihrer Fotos aus dem Jahr 2016. Joey bekommt Rosen von den Fans überreicht. Manche guten Dinge ändern sich nie.

Mit 'Rock The Night' wird es dann - wie der Titel schon sagt - wieder rockiger. Drummer Michael Ehré gibt den Takt an und die Besucher klatschen sofort rhythmisch mit. Wie bei den vorausgegangenen Songs klappt das Zusammenspiel mit dem Orchester ausgezeichnet. Die Bläser- und Streicherfraktionen setzen die Arrangements wirklich gut um. Der EUROPE-Sänger lässt seinen weißen Mikrofonständer kreisen und feiert gemeinsam mit dem Publikum. 

Von mir aus könnte es stundenlang so weitergehen. Doch alles hat einmal ein Ende. Keyboarder Alessandro trifft einmal kurz die falsche Taste, doch es ist unverkennbar, dass 'The Final Countdown' das Ende von ROCK MEETS CLASSIC in Nürnberg einläutet. Natürlich wird die Hymne von allen lauthals mitgesungen. Ich dagegen habe einen dicken Kloß im Hals. Soll es das wirklich gewesen sein?

Nein, natürlich nicht. Es steht ja noch das große Finale an. Zu 'The Show Must Go On' von QUEEN erscheinen noch einmal alle Protagonisten auf der Bühne. Nie passte ein Abschlusssong besser zu ROCK MEETS CLASSIC als heute. Nicht nur ich wünsche mir, dass die Show weitergeht. Viele Jahre konnte ich in Wort und Bild von diesem hervorragenden Event für diverse Magazine berichten.

Ich hoffe inständig, dass Manfred Hertlein mit dem angekündigten frischen Konzept mich und viele weitere Rockfans in der Republik glücklich macht. Die teilweise ausverkauften Hallen der aktuellen Tour im Allgemeinen und der Nürnberger Schlussapplaus im Besonderen zeigen deutlich, dass das derzeitige Konzept nach wie vor funktioniert.

Text und Photo Credit: Andre Schnittker

Redakteur:
Andre Schnittker

Login

Neu registrieren