POWERWOLF, HAMMERFALL und WIND ROSE - Leipzig

07.03.2026 | 23:41

03.03.2026, Quarterback Immobilien Arena

Das Wolfsrudel heult wieder und zündet nicht nur die Halle an.

Der Winter hat langsam seinen eisigen Griff um das gesamte Land gelockert und auch im Osten der Republik halten angenehm milde Temperaturen Einzug, was mich dann wiederum deutlich öfter motiviert, den Auszug aus den heimischen vier Wänden anzutreten. 

Natürlich sind Umweltfaktoren bei Konzertbesuchen für mich nur eine Randnotiz und kein Hindernis. Wenn dann auch noch so ein starkes Line-Up die Massen in die sächsische Metropole zieht, kann eigentlich nur POWERWOLF in der Stadt sein. Nachdem der liebe Kollege Andre Schnittker das exakt gleiche Tour-Line-Up im Oktober 2024 und neulich erst in Nürnberg erleben konnte, war es nun für mich an der Zeit anzusehen, was das Wolfsrudel so Delikates im Angebot hat.

Wie neulich beginnt der ganze Abend äußerst holprig. Die umliegenden Straßen um die recht zentral liegende Quarterback-Immobilien-Arena sind ausgelastet und es geht nur tröpfchenweise voran. Doch als ich den direkt an der Arena angrenzenden Parkplatz erreicht habe, löst sich der Anreisestau wie in Luft auf. Da steht doch einem entspannten Konzerterlebnis nichts mehr im Wege, oder? 

Diese Meinung habe ich scheinbar exklusiv. Die nächste Schlange zum Einlass wartet schon. Als ich hier auch nach einigen Minuten endlich am Ziel angekommen bin, wurde mir gesagt, dass ich zwecks Akkreditierungsformalitäten hier doch falsch wäre und ich auf die andere Seite des Gebäudes gehen müsse. Da angekommen klappt alles reibungslos. Nur lauert da eine NOCH längere Schlange an feierbereiten Metalheads. Diese schlängelte sich gefühlt um einen gesamten Stadtteil und der Showbeginn rückt dabei in gefährliche Nähe. Das Verlangen, den hiesigen Bierkosacken da unbotmäßige Mengen des kostbaren Gerstensaft abzuknöpfen, steigt bei mir unterdessen beträchtlich.

Als ich endlich die Halle betrete, ist WIND ROSE bereits mitten im Set und ich erblicke im Publikum die scheinbar obligatorischen aufblasbaren Spitzhacken – manche auch entsprechend aufgemotzt – und ein guter Großteil der Anwesenden hat da bereits schon eine Menge Spaß. Ich bin an der Stelle ehrlich, WIND ROSE sind bis auf 'Diggy Diggy Hole' völlig an mir vorbeigelaufen, ist mein Verlangen nach derartigem Power Metal seit einigen Jahren doch gut gestillt. 

Dabei geht nicht an mir vorbei, dass die Italiener um Frontmann Francesco Cavalieri sich nicht sonderlich ernst nehmen und ordentlich Spaß in den Backen und Taschen haben. Beim letzten Song 'Rock And Stone' habe ich kurz die Befürchtung, die Band packt die echten Spitzhacken aus und gräbt sich unter die Bühne für die exklusivsten Plätze im ganzen Haus. Allen Anwesenden scheint das viel Spaß gebracht zu haben und entsprechend reichlich wird WIND ROSE hinterher mit Applaus versorgt.

Als nächstes entert die schwedische Power Metal-Legende HAMMERFALL die Bühne und hier sieht es bei mir völlig anders aus. Diese Band begleitet mich schon so lange, da wusste ich weder, was Metal ist, noch warum man denn den Hammer bitteschön fallen lassen soll. Eine meiner frühesten Erinnerungen mit Metal und Musik im Allgemeinen basiert auf der Stimme von HAMMERFALL-Sänger Joacim Cans. Daher: HAMMERFALL hat einen ganz besonderen Stellenwert für mich persönlich. Daher habe ich mich fast schon am meisten auf diese Herren aus Göteborg gefreut. 

Es ist für mich auch heuer ein recht ungewohnter Blick, HAMMERFALL nicht als Headliner zu sehen, sondern "nur" als Support für eine deutlich jüngere Band wie POWERWOLF. Aber die Templer um Gitarrist und Gründungsmitglied Oscar Dronjak geben sich ab der ersten Sekunde keine Blöße.

Nach dem stimmungsvollen Beginn mit 'Avenge The Fallen', zündet HAMMERFALL mit 'Heeding The Call' direkt einen Klassiker vom Feinsten und rührt im Publikum genüsslich um. Die beste Sicht im ganzen Haus dürfte unterdessen Schlagzeuger David Wallin haben, dessen Drumriser schon beeindruckend weit oben angesiedelt ist. 

Bei der Songauswahl wagt HAMMERFALL keinerlei Experimente und setzt zum einen auf die Hits und Knaller, die man erwartet und schlicht immer hören möchte, wie das treibende 'Any Means Necessary', der in Musik gegossene Fistraiser 'Last Man Standing' und weitere Klassiker wie 'Renegade' und das unvermeidliche 'Let The Hammer Fall'.

Dazwischen flicht die Band noch Songs neueren Datums ein und diese fallen im Livekontext so gar nicht ab. Gerade 'Hammer High' animiert wirklich jeden Anwesenden nicht nur eine Faust, sondern gleich zwei Fäuste in die Luft zu recken und "Hammer high, this is a freedom cry!" lauthals mitzusingen. 

Der gesamte Auftritt wirkt da durchaus routiniert. Klar, diese Band ist seit 30 Jahren im Geschäft, aber statisch oder gar gelangweilt ist hier gar nichts.

Joacim Cans gibt sich zwischen den Songs auch Mühe, die letzten Kehlen aufzuwärmen, als er bei 'Hammer Of Dawn' die jeweiligen Worte unmittelbar vorgibt, bevor diese quasi direkt im Publikum einschlagen wie ein Hammer.

Beim Drum-Intro von 'The End Justifies' denke ich allerdings für einen Moment, in ein Wurmloch geraten zu sein, so frappierend ähnlich klingt hier der Einsatz wie beim zuvor gehörten 'Heeding The Call'. Aber keine HAMMERFALL-Show endet ohne 'Hearts On Fire', das wohl so ziemlich alle in der Halle kennen und es entsprechend abfeiern. So liefert HAMMERFALL eine tolle Show ab, die sowohl Fans als auch neutrale Zuschauer abgeholt haben dürfte. Ich kann hinterher nicht anders, als breit zu grinsen.

Setliste: Avenge The Fallen; Heeding The Call; Any Means Necessary; Hammer Of Dawn; Renegade; Hammer High; Last Man Standing; Let The Hammer Fall; The End Justifies; (We Make) Sweden Rock; Hail To The King; Hearts On Fire

Aber da ist ja noch eine Band, auf die der Großteil des zahlreich anwesenden Publikum mittlerweile sehnsüchtig warten dürfte. POWERWOLF lässt sich unterdessen nicht in die Karten schauen und verhüllt die Bühne mit einem schicken Banner, kann aber nicht gänzlich die massiven LED-Wände verbergen, die sich am hinteren Ende der Bühne befinden. 

Ich habe POWERWOLF vor über 10 Jahren noch in den kleinsten Läden der Republik gesehen und ihren steilen Aufstieg in der Zeit mit Freude beobachtet, wie sich diese sympathische Truppe aus dem Saarland mit Fleiß dahin gearbeitet hat, wo sie heute steht. Und auch Album-technisch haben Attila Dorn und Co. bis einschließlich "The Sacrament Of Sin" in schöner Regelmäßigkeit großartige Alben auf den Markt geworfen, die mit den sakralen Elementen und dem durchgetretenen Gaspedal schlicht fantastisch unterhalten haben. Dass für mich persönlich mit den letzten beiden Platten Sand ins Getriebe gekommen ist, hat meine Freude auf den heutigen Abend nur unwesentlich geschmälert, befinden sich ja dennoch nur durchgängig Hits sowohl auf den Alben als auch auf der Setliste. 

Dennoch gibt es heute durchaus eine Sache, die mehr als nur eine kleine Erwähnung wert ist. Zumindest live hat sich das Personal auf der Bühne geändert. Nachdem erst Gitarrist Matthew Greywolf aus familiären Gründen von der Band abreisen musste, sprang für ihn Ex-EQUILIBRIUM-Gitarrist Dominik R. Crey (auch bei NOTHGARD) ein, der sich vom Auftreten und Makeu-Up absolut nahtlos in die Band einfügt. Nachdem aber beim anderen Greywolf-Bruder Charles ebenfalls private Problem dazugekommen sind, kehrte Matthew wieder zurück.

Als es dann mit dem zackigen 'Bless'em With The Blade' der aktuellen Scheibe "Wake Up The Wicked" nach einer recht kurzen Umbaupause endlich losgeht, werde ich fast komplett von den Eindrücken erschlagen. Knaller, turmhohe Pyros, die Lichtshow, es wird nichts ausgespart! Der Wahnsinn sind allerdings die Illustrationen auf den drei gewaltigen LED-Wänden, die wirklich bei jedem (!) Song etwas Neues zeigen und selbst während der Song läuft, passiert da noch so einiges. Hut ab vor dem Aufwand! Direkt im Anschluss wird die 'Armata Strigoi' beschworen und hier geht dann auch der letzte im Publikum aus dem Sattel. 

POWERWOLF fordert bei wirklich jedem Song absolut alles von ihren Fans ab. Sind schon die Studioaufnahmen der Songs vollgepackt mit Parts, die einfach für eine Livesituation geschrieben wurden, reizt die Band das wirklich bis kurz an die Schmerzgrenze aus. Wenn mal nicht eine Melodie mitgesungen werden muss, wird man direkt zum Mitklatschen animiert. Das artet ja schon fast in Arbeit aus! Bereits nach dem Knaller 'Amen & Attack' bin ich eigentlich schon völlig durchgeschwitzt und überlege, den Rest der Gerstenkaltschale über mein Haupt zu kippen. Aus Angst vor einer Verpuffung bleibe ich allerdings vernünftig. Schließlich lauten die nächsten Songs 'Dancing With The Dead' – bei dem Attila weibliche Unterstützung beim Totentanz erhält – sowie der nächste Schweißtreiber 'Incense & Iron', was durch seine folkige Note direkt in die Beine geht. 

Mit '1589' ist für mich dann erstmals Zeit, durchzupusten und zu beobachten. Nicht, dass der Song schlecht ist, keineswegs. Aber da macht sich bemerkbar, später noch deutlicher bei 'Joan Of Arc' und 'Heretic Hunters', warum mich POWERWOLF auf den Alben nicht mehr abholt. Irgendwie waren die Songs bis vor ein paar Jahren einzigartiger und weniger Standard. Die generischen Stampfer sind präsenter geworden, selbst die heißgeliebte Kirchenorgel hat sich ins Abseits verzogen. Würde man dann noch den Sänger austauschen, ist die frappierende Ähnlichkeit zu einer anderen sehr großen Band aus Schweden kaum noch zu verleugnen. Ich höre jetzt aber auch auf zu zetern. Schließlich finden sich im weiteren Set noch KNALLER - wie das schön bedrohliche 'Kreuzfeuer'. 

Und eine der besten Mitgrölsongs einer Power-Metal-Band überhaupt: 'Demons Are A Girls Best Friend'. Auf's Wesentliche heruntergebrochen und doch so ein unfassbarer Ohrwurm, davopr ziehe ich jedes Mal meinen Hut.

Dazu ist auch das Wechselspiel zwischen Sänger Attila Dorn und Organist Falk Maria Schlegel super unterhaltsam und kurzweilig. Das macht einfach Spaß, die beiden miteinander agieren zu sehen. Schön ist auch, dass die ruhigen Momente nicht gänzlich vernachlässigt werden, es findet auch die Ballade 'Where The Wild Wolves Have Gone' ihren Platz, die die ganz großen Gefühle zuverlässig bedient. Mit einem weiteren Überhit in Form von 'We Drink Your Blood' endet dann auch das reguläre Set.

Aber das ist es natürlich noch nicht. Der Nachschlag wird passend mit 'Sanctified With Dynamite' gezündet, wo noch mal maximal Alarm gemacht wird. Die "Die..., die..., Dynamite"-Rufe werden mich wohl noch für die nächsten Jahrzehnte amüsieren. Der Schlusspunkt wird mit dem Oldie 'Werewolves Of Armenia' gefeiert, der auch nach über 15 Jahren nichts von seiner mythischen Stimmung eingebüßt hat und entsprechend nochmal von allen gefeiert wird. Direkt im Anschluss fällt dann der letzte Vorhang und POWERWOLF entlässt ein ziemlich entkräftetes Publikum in die doch recht eisig gewordene Leipziger Nacht.

Auch wenn ich sicherlich weiterhin meine Schwierigkeiten mit dem neueren Material der Saarländer haben werde, kann ich am Ende nur zu einem Fazit kommen: Diese Show, die POWERWOLF mittlerweile abliefert, sucht in der Qualität absolut ihresgleichen und ich glaube nicht, das man sich als Headliner noch besser präsentieren kann. Es ist audiovisuell von der ersten Sekunde ganz großes Kino und doch nie zu viel. POWERWOLF hat einfach verstanden, was es heißt, Headliner zu sein. Man kann herrlich abschalten und dem Treiben auf der Bühne folgen. Daher bin ich letztlich richtig happy nach so einer hochklassigen Show. Wenn man die Chance hat, sollte man sich dieses bunte Treiben nicht entgehen lassen. Obendrauf bekommt man noch zwei passende Supportbands, die ihren Job ganz wunderbar interpretieren und dieses Package zu einem Must-See machen. Beide Daumen nach oben! Ich gehe dann mal den Mond anheulen.

Setliste: Bless'em With The Blade; Armata Strigoi; Sinners Of The Seven Seas; Amen & Attack; Army Of The Night; Dancing With The Dead; Incense & Iron; 1589; Demons Are A Girl's Best Friend; Kreuzfeuer; Fire And Forgive; Resurrection By Erection; Where The Wild Wolves Have Gone; Heretic Hunters; Joan Of Arc; We Drink Your Blood; Zugaben: Sanctified With Dynamite; Blood For Blood (Faoladh); Werewolves Of Armenia

Text: Kevin Hunger

Leider wurde den Medien nicht gestattet, Fotos von POWERWOLF auf der aktuellen Tour zu machen.

Photo Credit HAMMERFALL und WIND ROSE: Andre Schnittker (Nürnberg, 01.03.2025)

Photo Credit POWERWOLF:

Close-up und Pyro: Andre Schnittker (Rockharz 2025) 

Hallenfoto: Vollvincent & Vincent de Fallois (Nürnberg, 01.03.2025)

Redakteur:
Andre Schnittker

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