Metal Odyssey - Zwickau

11.04.2001 | 12:59

05.04.2001, Alarm!

Ein wirklich interessantes Package hat sich das Alarm in Zwickau mit der diesjährigen Metal Odyssey an Land gezogen. Immerhin trafen ja hier verschiedenste Stilrichtungen aufeinander, nämlich Black Metal (DIMMU BORGIR, SUSPERIA), Death (IN FLAMES), Power Metal (NEVERMORE) und Gothic (LACUNA COIL). Und um es vorwegzunehmen, das Alarm war sehr gut gefüllt, es herrschte tolle Stimmung und vor allem war das Publikum sehr fair und es wurde keiner der Acts ausgebuht o.ä., was ja bei solchen stil-übergreifenden Veranstaltungen durchaus immer mal wieder vorkommt.
Als erstes durften SUSPERIA auf die sehr kleine Bühne. Die Band wurde von Tjodalv (Ex-DIMMU BORGIR-Schlagwerker) ins Leben gerufen, der hier Leute von OLD MAN'S CHILD, SATYRICON und BORKNAGAR um sich geschart hat. Der Sänger Athera, ein noch unbeschriebenes Blatt, hatte dabei eine verblüffende Ähnlichkeit mit unserem Webmaster Georg. Hast du 'nen Bruder in Norwegen, Schorsch?? Auf jeden Fall spielte man sich durch das Album "Pre-Dominance" ("Specimen, "Of Hate We Breed", "Objects Of Desire"), das nicht nur wie eine DIMMU BORGIR-Kopie klingt und durchaus zu gefallen weiß. Leider muß man SUSPERIA ankreiden, daß sie am Anfang ihres Auftritts ein wenig lustlos wirkten und auch zu lange Pausen zwischen den Songs ließen. Zum Glück änderte sich das dann gegen Ende (als sich dann auch schon recht viele Gestalten eingefunden hatten) und so kamen SUSPERIA besonders bei den bereits anwesenden DIMMU BORGIR-Fans gut an.
Danach waren LACUNA COIL an der Reihe. Die waren mir von der '99iger Tour mit SAMAEL und GRIP INC. noch etwas zurückhaltend, ja beinahe schüchtern, in Erinnerung geblieben. Aber nicht so heute. Es ist schon ziemlich beeindruckend, wie sich die Band live entwickelt hatte. Cristina und Andrea (das ist der männliche Part des Gesangs, nur um Verwechslungen auf Grund des Namens vorzubeugen) wirken perfekt aufeinander eingespielt und beschränken sich vorallem nicht nur aufs Singen, sondern bieten auch was fürs Auge. Außerdem ist es nicht so, das Cristina im Mittelpunkt der Show stehen würde, sondern die Beiden sind völlig gleichwertig. Lediglich am Anfang war Cristina's Gesang kaum zu hören, aber mit dem zweiten Song hatte sich dieses Problemchen dann auch verflüchtigt. Der starke Auftritt wurde vorallem auf Stücke vom aktuellen Album "Unleashed Memories" aufgebaut, aber auch ältere Songs wie "My Wings" (leider der einzige Ausflug zum Vorgänger "In A Reverie") und "The Secret" (von der Debüt-Mini-CD) konnten sehr positive Reaktionen auf sich verbuchen. Zum Schluß gab es sogar eine ganze Menge "Zugabe"-Rufe. Bleibt also festzuhalten, daß LACUNA COIL in letzter Zeit merklich gereift sind und eine Menge für die Zuschauer bieten.
Jetzt stellte sich die Frage, wie NEVERMORE bei den Black- und Death-Fans ankommen würden. Und dieser Gig war durchaus ein Erfolg für Warrel Dane & Co., was allerdings an der Band selbst lag. Der fette Sound und vorallem die Songs, die sehr stark an ein Thrash Metal-Inferno erinnerten, traten jedenfalls mächtig in den Allerwertesten.
Auch wenn "Dead Heart In A Dead World" ein wirklich starkes Album ist, hätten NEVERMORE vielleicht doch besser daran getan, etwas mehr von den drei Vorgängern zu bringen, die nämlich auch nicht von schlechten Eltern sind. Vom aktuellen Album gabs somit eine Vollbedienung mit "Narcosynthesis", "We Disintegrate", "Inside Four Walls", "Believe In Nothing" u.a. Aber die Reaktionen gingen doch noch etwas in die Höhe, als "Beyond Within" von "Dreaming Neon Black" oder ein Song von der "Politics Of Ecstasy" angestimmt wurden. Aber trotzdem war es ein hervoragender Auftritt der Seattle-Metaller, auch wenn mir persönlich noch "The Sanity Assassins" zum ganz großen Glück gefehlt hat. Die Jungs sind bedeutend härter zu Werke gegangen, als ich das erwartet hätte und wurden dafür auch verdient gefeiert. Außerdem brachte es Sänger Warrel Dane auf eine ansehnliche Anzahl "Fucks" in den Ansagen, auch wenn er natürlich nicht in die Regionen von SAXON-Biff vordringen konnte. Den umjubelden Abschluß und Höhepunkt des Sets bildete "Sound Of Silence" (das Cover von SIMON & GARFUNKEL), aus dem NEVERMORE ein astreinen Thrash-Song gemacht haben.
Ebenfalls ordentlich Gas gaben dann IN FLAMES. Es mag sicherlich bessere Death-Bands auf diesem Planeten geben, aber live garantieren die Schweden für eine erstklassige Abfuhr. Nach einem merkwürdigen Intro (regte irgendwie zum Schunkeln an - nanu?) gings in die Vollen. Ob nun "Only For The Weak", "Square Nothing" oder "Clay Man" vom aktuellen Album, oder auch "Behind Space" (mit irren Tempowechseln) und "Episode 666" von der "Whoracle"-Scheibe, da wurden keine Gefangenen gemacht. Mit unnötigen Pausen zwischen den Songs hielt man sich gar nicht erst auf und die Ansagen hatten ungefähr den Informationsgehalt des nuschelnden Zigeuners aus dem aktuellen Kinofilm "Snatch" (wer den Film gesehen hat, weiß was ich meine). So wurden also möglichst viele Songs in der Spielzeit heruntergeholzt, die immer wieder mit Feuerwerk unterlegt waren. Dafür fraß das Publikum den Deathstern aus der Hand. Ein amtlicher Moshpit und zufriedene Gesichter allerortens sollten als Beleg genügen.
Sorge mußte man haben, ob die Musiker von DIMMU BORGIR alle auf die Mini-Bühne passen würden. Aber sie passten, und Stimmung schwoll nach den schon teilweise euphorischen Reaktionen zuvor noch einmal etwas an, als die Headliner (nach Anzahl der Fans eindeutig zu Recht) die Bühne betraten. Und die Dummi Burgers, ...Verzeihung, DIMMU BORGIR bedankten sich wie schon die Bands zuvor mit einem nahezu perfekten Gig. Die Band hat wirklich an ihren Neuzugängen gewonnen, die da wären (nur der Vollständigkeit halber): Galder (von OLD MAN'S CHILD), Nicholas Barker (von CRADLE OF FILTH) und Vortex (Ex-BORKNAGAR). Die letzteren Beiden stießen ja schon 1999 zur Band und sind auch live perfekt integriert (Galder sowieso). Und da sich auch Frontröhre Shagrath in bester Verfassung präsentierte und stimmlich nichts zu wünschen übrig ließ, wurde das Ganze so etwas wie eine Lehrstunde des Black Metal. Zur Songauswahl kann ich zwar nicht allzuviel sagen, da die einzelnen Stücke live selbst von eingefleischten Fans nur schwer zu unterscheiden sein dürften, aber zumindest "Kings Of The Carnival Creation" sowie das Intro "Fear And Wonder" mit dem anschließenden "Blessing Up On The Throne Of Tyranny" vom neuen Album "Puritanical Euphoric Misanthropia" habe ich ausmachen können. Einziger Minuspunkt war die relativ kurze Spielzeit (es gab auch keine Zugabe), da DIMMU BORGIR zwar pünktlich aufhörten, aber mindestens eine Viertelstunde zu spät auf die Bühne stiegen. Ob da wieder ein paar nette Anwohner ein Wörtchen mitgeredet haben?
Das war sie, die Metal Odyssey, und da es wirklich keinen auch nur mittelmäßigen Auftritt gab und alle Bands sich gute bis sehr gute Noten beim Publikum verdienen konnten, war es ein voller Erfolg. Unterschiedliche Stilrichtungen hin oder her, das sie allesamt großartige Live-Bands sind, hat man heute gesehen. Definitiv eine Tour, die man nicht verpassen durfte!
Wer noch an Zusatzinfos interessiert ist, dem seien hier noch meine beiden Interviews mit LACUNA COIL und NEVERMORE ans Herz gelegt.
So genial dieser Abend auch war, leider habe ich auf dem Heimweg noch einen Bock geschossen und mein Auto mit 100 Sachen von der Straße gefegt (dementsprechend sah es dann auch aus). Aber das war es allemal wert!!!

Redakteur:
Stephan Voigtländer

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