GRANDSON und PINKSHIFT - München

01.02.2026 | 14:03

29.01.2026, Kesselhaus

Der Sound einer Revolution - politisch, wütend, aber gemeinsam!

Heute geht's zum "Interia-Tour"-Auftakt nach München. Die Show wurde ins Kesselhaus verlegt, wo ich tatsächlich noch nie war und von dem ich auch zuvor noch nie etwas gehört habe. Schade eigentlich, denn es ist eine wirklich coole Location, gleich neben dem Zenith.

Die ganze Woche schon freue ich mich auf den Abend und bin super gespannt, denn seitdem ich vor einiger Zeit GRANDSONs Album "Interia" entdeckt habe, läuft es bei mir rauf und runter. Als Vorband gibt es heute PINKSHIFT, mit Punk aus Baltimore, Maryland.

Als PINKSHIFT loslegt, ist sofort klar: Das hier ist kein Konzert zum zurücklehnen, sondern eins, das dich packt und mitzieht! Zwar würde ich nach Beobachtung des Publikums davon ausgehen, dass gar nicht so viele Besucher PINKSHIFT kennen, trotzdem reißt die Band die Leute mit einer explosiven Mischung aus Punk, Hardcore und Alternative Rock mit. Es ist das erste Mal, dass die Band in München spielt und Frontfrau Ashrita Kumar erzählt, als welche Ehre sie es sieht, für GRANDSON zu eröffnen, denn die verfolgt sie schon seit 2017. 

Beides, sowohl die Show als auch die Lieder steigen intensiv ein. Keine langen Intros oder einleitende Texte, sondern gleich wütend und auf den Punkt. Die Band spielt druckvoll und fokussiert, ohne unnötige Umwege. Ashrita springt präsent über die Bühne und überzeugt mit einer vokalen Range, die zwischen kontrollierter Melodik und ungeschliffener Aggression pendelt. Nichts davon wirkt aufgesetzt, alles authentisch. Die Texte sind politisch, persönlich, wütend und beziehen klare Stellung.

Das Zusammenspiel der Band ist präzise: treibende Drums, ein wuchtiger Bass und Gitarren, die sich souverän zwischen Punk und Hardcore bewegen.

Zwischen den Songs nimmt sich Kumar Zeit für kurze Ansagen, spricht über die aktuelle Lage in den USA, Ungerechtigkeit und Identität. Diese Momente geben der Show Tiefe und machen deutlich, dass PINKSHIFT mehr ist als nur eine weitere laute Punkband. Ihre Haltung ist Teil ihrer Kunst.

Das gilt auch für unseren heutigen Hauptact, auf den wir jetzt alle hinfiebern. Dieser lässt uns etwas länger warten, startet dann aber mit 'Autonomous Delivery Robot' beim ersten Song schon voll durch. mit seiner Band sorgt der kanadisch-amerikanische Musiker GRANDSON (bürgerlicher Name Jordan Edward Benjamin) innerhalb von Sekunden für eine Explosion an Energie, die den ganzen Abend anhalten wird.

Die Interia-Tour steht ganz im Zeichen des aktuellen Albums "Interia" einer kompromisslosen, direkten Platte, die tief in politische wie persönliche Themen eintaucht. Sie kritisiert die aktuelle politische Lage, vorallem der USA, die durchgängige Beschallung aus den Sozialen Medien und das Nutzen von Machtpositionen, ausschließlich für den eigenen Vorteil. Doch nicht nur die Musik setzt Statements, auch GRANDSON fordert zwischen den Songs die Befreiung Palästinas und der Ukraine. Spricht sich für Gerechtigkeit und gehen Rasissmus und Homophobie aus. Jede Person die meint, sie müsse Mitmenschen aufgrund Herkunft, Religion oder Geschlecht diskriminieren, wird aufgefordert das Konzert zu verlassen. Aus dem Publikum gibt es dafür laute Zustimmung und in die Luft gereckte Fäuste.

Die Band spielt das Album "Interia" komplett, sowie einige ältere Songs. Dazu gehören zum Beispiel 'Darkside' oder auch 'WWIII' die noch weniger rocking sind und besser ins Gernre HipHop passen. Insgesamt eine super Mischung. Auch die Cover-Version von BOB DYLANs 'Masters of War', welches wir bereits vom Album kennen, findet seinen Platz auf der Setliste und bekommt dabei ein Nu-Metal-Upgrade. Es ist nicht das erste Mal, dass GRANDSON in München spielt, allerdings das erste Mal, als Independent Artist und dafür bedankt sich der Künstler auch gleich bei den Fans, die das mit Ticket- und Merchkäufen ermöglichen.

Emotional wird es, als Jordan sich seine Gitarre schnappt und der Rest der Band die Bühne verlässt, denn den nächste Song spielt er alleine und mit gedämpftem Licht. 'Heather' widmet GRANDSON nämlich allen, die heute nicht hier sein können, weil wir sie auf dem Weg leider verloren haben. Dabei ermutigt er auch alle Kunstschaffenden, die in der heutigen Welt manchmal keinen Sinn mehr in ihrer Arbeit sehen oder das Gefühl haben nichts verändern zu können, weiter zu machen, denn diese Kunst hält uns am Leben. Das Publikum ist sichtlich gerührt und die rohe Verletztheit des Songs füllt den Raum.

Danach wird nochmal kräftig rebelliert und die Band präsentiert noch ihren bekanntesten Hit 'Blood//Water'. Dafür singt die ganze Halle mit. Dann geht dieser intensive Abend mit Raum für gemeinsame Auseinandersetzung und Lautwerden gegenüber dem, was in der Welt gerade schief läut, auch leider schon zu Ende. Doch man verlässt die Halle nicht mit leisen Erinnerungen, sondern mit einem Gefühl von Gemeinschaft, Befreiung und vor allem einer Energie, die noch lange nachhallt.

Setliste: Autonomous Delivery Robot; Bury You; We Did It!!!; Oh No!!!; Bells Of War; Stigmata; God Is An Animal; Pull The Trigger; Darkside; Overdose; 6:00; Little White Lies; Self Immolation; Masters Of War (BOB DYLAN-cover); Brainrot; Wo's The Enemy; Pain Shopping; Heather; Drone

Text und Photo Credit: Lea Müller

Redakteur:
Lea Müller

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