DORO - Winter Magic Tour - Mannheim
06.01.2026 | 16:3019.12.2025, Maimarktclub
DORO spielt fast genau 40 Jahre nach Monsters of Rock in Mannheim wieder im Maimarkt in Mannheim auf!
Mannheim und Heavy Metal – das ist eine Verbindung mit Historie. Als ich am Abend den Maimarktclub betrete, ist es unmöglich, nicht an den 31. August 1986 zu denken.
Damals, nur ein paar Meter weiter auf dem Maimarktgelände, stand WARLOCK beim legendären "Monsters of Rock" auf der Bühne.
Damals hatte ich nur davon gehört, gelesen und geschwärmt – ich war gerade mal 13 Jahre alt. Heute, fast 40 Jahre später, stehe ich hier. Gleicher Ort, gleiche Leidenschaft, und vor allem: die gleiche Frau am Mikrofon.
Dass der Abend keine reine Geschichtsstunde wird, dafür sorgt schon der Opener. HOLY MOTHER aus New York erweist sich als weit mehr als ein bloßer Lückenfüller.
Die Band zelebriert einen Sound, für den man eigentlich einen alten Begriff entstauben und neu polieren muss: Hard'n'Heavy.
Was oft als Relikt der 80er abgetan wird, klingt bei HOLY MOTHER erfrischend, direkt und wuchtig.
Sänger Mike Tirelli, dessen Röhre oft und zu Recht mit der von Ronnie James Dio verglichen wird, hat das Mannheimer Publikum schnell im Griff.
Der absolute Höhepunkt des Sets ist dann auch folgerichtig das DIO-Cover 'Holy Diver'.
Die Nummer ist nicht nur handwerklich exzellent gespielt, sondern fungiert als der perfekte emotionale Eisbrecher, der den Maimarktclub auf Betriebstemperatur bringt, bevor der Headliner übernimmt.
Als DORO dann das Zepter übernimmt, ist die Energie sofort auf dem Siedepunkt. Sie startet mit 'Time For Justice', doch es dauert nicht lange, bis die Klassiker regieren. Wenn 'I Rule The Ruins' durch die PA brettert, ist das mehr als nur ein Song – es ist der Soundtrack unserer Jugend. Genau zu diesem Song darf ich in den Fotograben springen. Da beim ersten und dritten Song Pyro-Fontänen gezündet werden, bleibt uns Fotografen diesmal das reguläre "First Three Songs"-Prozedere verwehrt. Egal – sie ist da, sichtlich gut drauf und körperlich in absoluter Topform! Das Herz rast und meine Nikon ballert einen Shot nach dem anderen, während ich nebenher textsicher irgendwie den ganzen Song mitträllern kann.
Besonders tief geht die Setliste, wenn sie Stücke wie 'Burning The Witches', 'Hellbound' oder 'True As Steel' auspackt. Das sind genau jene Hymnen, die schon 1986 über das Maimarktgelände hallten. Sie heute, nur einen Steinwurf entfernt vom damaligen Ort des Geschehens, in dieser Intensität zu hören, hat fast schon etwas Spirituelles. DORO und ihre Band spielen diese Nummern nicht routiniert runter - sie leben sie! Jedes Riff sitzt, und Doros Stimme hat nichts von ihrer Durchschlagskraft verloren. Bei manchen Studioproduktionen dachte ich gelegentlich: "Das wurde jetzt aber mit Effekten angepasst". Live höre ich dann aber gerade heute Abend: Nein! Sie hat noch die komplette Rockröhre am Start und benötigt keine Effekthascherei. Beeindruckend!
Mit dem neuen Album "Warriors Of The Sea" habe ich mich vorher gar nicht so genau beschäftigt – kenne den Titeltrack aber natürlich trotzdem auswendig. Die wahren Kracher sind für mich jedoch die Old School-WARLOCK- und DORO-Nummern: 'Fight For Rock' und 'Metal Racer'. Da schmelze ich dahin. Manchmal schleichen sich Gedanken ein wie: "Wird das heute noch gut klingen?" - nur damit die Band dann ein solches Brett abliefert, dass meine Erwartungen völlig übertroffen werden.
Ein riesiges Kompliment muss ich hier der Band machen. In früheren Konstellationen wurden die Songs meines Erachtens oftmals ein bisschen variiert. Die aktuelle Besetzung setzt die Stücke aber sehr, sehr authentisch und nah am Original um. Augen zu, und ich bin wieder der 16-jährige Eggi, der in Stuttgart DORO auf der "Force Majeure-Tour" hört. Vielen Dank dafür!
Ein massiver Block im Mittelteil gehört den großen Gefühlen. 'Für Immer' ist in Mannheim kein Lied, sondern ein kollektives Ritual. Wenn der Maimarktclub den Text übernimmt, entsteht dieser spezielle Moment der Verbundenheit. Es ist pathetisch im besten Sinne – ehrlich, unkitschig und direkt, wenngleich es live manchmal etwas ausladend wirkt. Natürlich wird 'Für Immer' gefeiert, aber der kritische Fan in mir denkt: "Man könnte die Nummer auch etwas straffen und dafür lieber noch einen weiteren Hit von der "Force Majeure" spielen." Denn wie gut diese Stücke funktionieren, hat man an diesem Abend an 'Hellraiser' gesehen – was habe ich diesen Song gefeiert! Das sind für mich einfach die zwei Scheiben in meinen All-Time-Faves, die sich immer wieder duellieren: "Force Majeure" versus "Triumph & Agony".
Nach dem stampfenden 'Raise Your Fist' und dem unvermeidlichen 'All We Are', bei dem die Statik der Halle auf die Probe gestellt wird, zollt auch DORO – passend zur Vorlage von HOLY MOTHER – ihrem alten Freund Lemmy Tribut. 'Ace Of Spades' ist dreckig, schnell und eine verdammt tiefe Verbeugung.
Normalerweise folgt auf solche Versuche oft ein "Wie könnt ihr nur!"-Vorwurf. Hier ist es einfach eine ehrliche Verneigung und die dargebotene Version bietet so viel Energie und Leidenschaft, dass sich Lemmy mit Sicherheit gefreut hat.
Ein kleiner Blick auf die Setliste verrät mir später, dass der Abend hier eigentlich hätte enden sollen. Doch es kommt anders: DORO reagiert auf Zurufe und ersetzt spontan 'Drive Me Wild' durch den Fan-Wunsch 'Out Of Control'. Zudem gibt es einen üppigen Nachschlag mit 'True As Steel' und dem Abschluss 'Love Me In Black'.
Diesen Song als Rausschmeißer zu wählen, ist ein starker Kontrapunkt zum sonst üblichen High-Energy-Finale. Es entlässt uns mit einer gewissen Schwere in die Nacht. Dass sie vom geplanten Ablauf abweicht, um Wünsche zu erfüllen, macht mich nur noch beeindruckter.
Das Fazit dieses Abends ist simpel: Während um mich herum Genres implodieren und Bands sich auflösen, bleibt DORO stehen. Sie ist meine Konstante. Der Auftritt im Maimarktclub ist keine Nostalgie-Show für Ewiggestrige, sondern eine Machtdemonstration von Beständigkeit auf historischem Boden. Wer seit WARLOCK-Zeiten dabei ist, geht heute Abend mit dem guten Gefühl nach Hause: Wir sind immer noch da. Und DORO ist es auch.
Text und Photo Credit: Marc Eggert
- Redakteur:
- Marc Eggert





