BURNING WITCHES und HAMMER KING - Essen
30.01.2026 | 19:5129.01.2026, Turock
Die Witches & Kings Tour 2026 von HAMMER KING und BURNING WITCHES macht Halt in Essen - ein königlicher Abend mit Hexen on Fire!
Ende Januar muss man selbst tief im Westen von Deutschland mit Schnee und Eis rechnen, aber warum denn bitte immer, wenn ich vom Niederrhein in den Ruhrpott allein zu einem Konzert möchte?
Zum Glück hat sich die Schneedecke, die am Donnerstagmorgen noch alles mit eine weißen Mantel umhüllt hat, bis zum Nachmittag verflüchtigt, so dass der Fahrt in den Pott nichts im Weg steht, um mir ein Konzert der "Witches And Kings Tour 2026" von HAMMER KING und BURNING WITCHES anzuschauen.
Gut, auf Angaben wie 'Einlass 19:00 Uhr, Beginn 20:00 Uhr' sollte man sich nicht immer verlassen. Einlass 19:00 Uhr hat gestimmt und mit einer kleinen Verzögerung, die bei der Deutschen Bahn aber noch unter pünktlich verbucht wird, hat auch alles, wie üblich im Turock, zügig funktioniert. Aber es herrscht doch kollektives Erstaunen, als bereits um 19:30 Uhr das Licht ausgeht...
Als das Intro 'The Last Kingdom“ ertönt, welches das Erscheinen des HAMMER KING ankündigt, sind die Reihen der Untertanen des Königs trotzdem schon gut gefüllt. Nach der Beseitigung von kleinen Soundproblemen beim Opener 'King For A Day' ist danach klangtechnisch alles in Butter. Beim Titelsong des aktuellen Albums "Make Metal Royal Again", der, wie auf dem Album an zweiter Stelle folgt, sind die Arme endgültig oben und die herrschaftlichen Chöre schmettern leidenschaftlich mit.
Die Jungs von HAMMER KING haben sichtlich Spaß auf der Bühne. Sänger Titan Fox hat die Gitarre live im letzten Jahr abgelegt, nutzt die neu gewonnene Bewegungsfreiheit weidlich aus und geht endgültig voll in der Rolle des Repräsentanten des HAMMER KING und Vorsteher dessen irdischen Hofstaates auf, dirigiert Mitsingspiele und animiert die Meute vor der Bühne immer wieder zur Interaktion.
Dem wird seitens der Fans, von denen HAMMER KING sicher den einen oder anderen neu dazu gewonnen hat, gern nachgekommen. Immer wieder ertönt lauter Applaus und nicht enden wollende HAMMER-KING-Rufe zwischen den Songs, so dass Titan Fox grinsend anmerkt, dass uns das einen kompletten Song kosten würde, wenn wir so weiter machen.
Neuestes Mitglied des königlichen Hofstaates ist der junge Marex Van Ferum, der die Gitarrenarbeit von Titan Fox übernommen hat und neben Ur-Gitarrist Gino Wilde (bestes Pseudonym ever!) rifft und soliert, als hätte er im Leben nie etwas anders getan. Ihm ist, wie auch dem Rest der Band, permanent anzumerken, wieviel Spaß ihnen das auf der Bühne macht.
Der nicht mehr ganz so neue Schlagzeuger Count Shandorian treibt mit Bassmonster Günt von Schratenau die Truppe voran - der HAMMER KING grooved wie Hölle! Die Setliste ist ein Mix aus neu und alt, wobei der Schwerpunkt klar beim aktuellen Werk liegt. Neben dem erwähnten Opener-Doppelschlag gibt es mit 'Hoheitsgebiet', 'Major Domus' und dem im Original aus dem "Top Gun" Soundtrack bekanntem Kenny Loggins Cover 'Danger Zone' gleich fünf Songs daraus zu hören.
Neben der Band taucht auf der Bühne auch der Major Domus persönlich auf und die unartige, Zofe Lilith, die auch für das Merch zuständig ist, hat ihre Momente im Scheinwerferlicht. Sie bekommt das Attribut 'kurzwürfig' verpasst, da ihre geworfenen Münzen nicht die Reichweite von Titan oder dem Major Domus erreicht haben.
Ich war etwas erstaunt, dass 'Schlaf, Kaiser, Schlaf' nicht in der Setliste ist, aber dem Kaiser wird selbstverständlich mit 'König Und Kaiser' gehuldigt und der 'Hammerschlag' darf natürlich auch nicht fehlen. Wer HAMMER KING wegen der Outfits, der Lore, dem Münzenwerfen, Fahnenschwenken oder dem immer wieder gern eingesetzten Hammer als Gimmick-Band abtut, dem zeigen Songs wie 'Kingdom Of Hammers And Kings' oder 'Pariah Is my Name', dass hier eine Heavy Metal Band auf der Bühne steht. Mit 'I: Kingdom Of The Hammer King' gibt es ein Stück, das nicht jeden Abend im Set ist.
Mit einer im Outro untergebrachten Bandvorstellung endet ein kurzweiliger, bärenstarker Auftritt. Titan Fox zeigt zum Abschluss zur Musik vom Band, was für ein klasse Sänger er ist. Unter tosendem Applaus und lauten HAMMER KING-Rufen endet ein mit Stunde viel zu kurzer Auftritt. Ich wünsche mir zum nächsten Album dann bitte eine Headliner-Tour. Danke.
Ob es Absicht ist, dass während des Umbaus der Innenraum des Turock minutenlang komplett in Nebel gehüllt wird? Auf jeden Fall hat das die Umbauphase nicht beeinträchtigt, als die Sicht wieder klar wird, ist die Bühne bereit und schon 25 Minuten, nachdem HAMMER KING die Bühne verlassen hat, startet der schweizerisch-niederländische Hexenzirkel mit seinem Auftritt.
Ich bin ehrlich, ich bin hauptsächlich wegen HAMMER KING da und hätte wohl, wenn eine andere Truppe das Vorprogramm bestritten hätte, nicht unbedingt eine Karte für einen BURNING WITCHES Headliner-Auftritt gekauft. Deren Alben besitze ich alle, ich höre die auch gerne, aber irgendwie fehlt mir da was. – Über eine 7 oder 7,5 würde bei mir keines der Alben in unserer Bewertungsskala kommen - gut, aber nicht herausragend und irgendwie fehlt mir der Wiedererkennungseffekt.
Aber dann... WAS ZUR HÖLLE IST DAS BITTE?
Selten hat mich eine Band so beeindruckt, so mitgerissen wie die diese fünf Damen, die da auf die Bühne gesprintet kommen. Der Sound ist vom ersten Moment laut und klar, druckvoll ohne Ende und doch ist jede Note glasklar zu hören. Vom allerersten Moment an hat BURNING WITCHES den mittlerweile ziemlich vollen Laden wie eine eins hinter sich. Wie HAMMER KING auch eröffnen die Damen mit dem Intro und zwei Tracks vom aktuellen Album, das auf den Namen "Inquisition" hört. Wie auf dem Longplayer geht es atmosphärisch mit 'Sanguini Hominum' los, gefolgt von den Songs 'Soul Eater' und 'Shame'.
Mehr als einmal muss ich staunen, wie sehr die Leute mitgehen, wie stark die Fanbase der BURNING WITCHES doch ist. Sängerin Laura Guldemond muss es eigentlich gar nicht tun - sie fordert trotzdem ständig zum Mitmachen und Mitsingen auf und ist einfach eine Rampensau par excellence mit einer eine unglaubliche Präsenz und wirkt doch in den Ansagen manchmal fast schüchtern.
Ja, sie hat keine 'liebliche' Stimme, sie singt nicht nur, sie keift, röhrt, flüstert und schreit, sprich: sie zeigt sich verdammt variabel und ist, obwohl ständig in Bewegung live ohne Fehl und Tadel. Da sitzt jeder Ton. Hammer! Was für eine Frontfrau!
Das Set berücksichtigt alle bisher erschienen Studioalben, neben dem Namensgeber 'Inquisition' gibt es vom neuen Album noch die Ballade 'Release Me' zu hören. Von allen anderen fünf Alben werden jeweils die Titelsongs gespielt, dazu noch Highlights wie 'Hexenhammer', Maiden Of Steel' oder 'Sea Of Lies'. Aber egal, welchen Song von welchem Album die Band raushaut, hier reiht sich gefühlt Hit an Hit.
Auch wenn die Lieder nicht immer mit offensichtlichen, sofort mitsingbaren Refrains ausgestattet und auch musikalisch durchaus etwas vertrackter sind: Es gibt keine Sekunde Langeweile! Selbst wenn man nur den beiden Gitarristinnen Romana Kalkuhl und Larissa Ernst, letzte auch für starke Backing Vocals zuständig, bei ihrem Spiel auf die Finger schaut.
Technisch perfekt, gefühlvoll, voller Melodien, knackiger Riffs und großartiger Leads, unterfüttert vom Drumming von Lala Frischknecht und dem pumpenden, den Geist von Steve Harris ausstrahlendem Bassspiel von Jeanine Grob, rocken die Hexen das Turock, dem so langsam das Dach wegfliegt.
Die Saitenfraktion steht ihrer Sängerin in Sachen Bühnenpräsenz in nichts nach, ständig sind die vier in Bewegung, Haare fliegen, die Posen wirken zu keiner Sekdunde aufgesetzt - BURNING WITCHES ist eine echte Band, ein Kollektiv aus fünf Frauen, die kein billiges "Sex sells" nötig haben. Hier spricht die Musik spricht für sich, und das ist kein easy-listening Powermetal, das ist einfach nur echter, bodenständiger Heavy Metal! Verdammt, hat das Spaß gemacht!
Nach knapp 90 Minuten ist gegen 22:20 Uhr sehr arbeitnehmerfreundlich Schicht im Schacht. Beide Bands stehen am Merch für Fotos, Autogramme oder nur ein Schwätzchen zur Verfügung.
Die Wettersituation mit leichtem Regen und Schneeregen sowie Temperaturen rund um den Gefrierpunkt haben mich allerdings dazu veranlasst, auf ein Wiedersehen mit HAMMER KING zu verzichten. Im Nachhinein wäre das nicht nötig gewesen, aber hinterher ist man immer schlauer.
Fazit: HAMMER KING wird von Jahr zu Jahr besser und BURNING WITCHES hat mich enorm beeindruckt! Manchmal entfaltet sich die Magie einer Band erst, wenn man sie live erlebt hat und bin gespannt, ob ich die Alben der BURNING WTICHES nun mit anderen Ohren höre.
Text und Photo Credit: Maik Englich
- Redakteur:
- Maik Englich





