Vorbericht: Headbangers Open Air

11.07.2018 | 11:29

Vom 26. - 28.07. wird der Garten wieder brennen und wir werfen einen Blick voraus.

Ende Juli, das weiß der Headbanger mit gutem Geschmack, gibt es nur für ihn eine Gartenparty, oben im Norden, ganz in der Nähe des größten Metal-Festivals der Welt, nur halt kleiner, feiner und mit herrlich traditionellem Bandprogramm. Damit das auch niemand falsch versteht, heißt diese Gartenparty Headbangers Open Air. Nicht nur für uns von POWERMETAL.de ist das Festival daher seit Jahren ein fester Termin im Kalender und wir kommen immer wieder gerne auf den Hof von Veranstalter Thomas Tegelhütter im malerischen Brande-Hörnerkirchen, um uns herrlich innovationsfreie Musik um die Ohren hauen zu lassen.

Auch dieses Jahr wird dem geneigten Headbanger hier eine Menge geboten und es steht zu hoffen, dass uns eine Schlammwüste wie im Vorjahr erspart bleibt. Nachdem im letzten Jahr das Gelände groß umgebaut wurde und die Bühne um 180 Grad gedreht wurde, hatten alle mehr Platz auf dem Gelände, wenn auch mehr Schlamm, da der gepflasterte Hof nun im Backstagebereich lag. Aber sei's drum, wir hatten Spaß und werden den auch dieses Jahr haben, mehr Platz ist ja auch was wert. Werfen wir also einen kurzen Blick auf das Programm und schauen, was uns so erwartet.

Am Donnerstag, dem 26.07., beginnt das Fest mit den Hamburgern SHADOWBANE, die kurzfristig für die Speed Metaller VULTURE eingesprungen sind und uns mit postapokalyptischem Power Metal erfreuen werden, bevor das Tempo angezogen wird. Denn mit den Belgiern SPEED QUEEN und den Amerikanern SEAX und RAVAGE gibt es direkt ein Triumvirat des Speed und Thrash Metal - genau richtig, um in Festivallaune zu kommen, die Nackenmuskeln zu lockern und das eine oder andere Aufwärmbier zu trinken, das die Sangesbereitschaft im Publikum erhöht. Das ist dann auch nötig, denn im Anschluss gibt es eine ganz besondere Premiere: Tausendsassa und Multiinstrumentalist Ced Forsberg hat es geschafft, ein echtes Line-Up zusammenzustellen und bringt seine RUNNING WILD-Huldigung BLAZON STONE auf die Bühne. Selbst Besucher, die keines der bisherigen Alben gehört haben, dürften in der Lage sein, hier nach kurzem mitzusingen und eine ordentliche Portion Piratenmetal funktioniert halt am besten, wenn man nicht mehr ganz nüchtern ist. Neun Jahre ist es her, dass MANILLA ROAD das letzte Mal im Garten aufspielen durfte, doch heuer kehren Mark Shelton, Hellroady, Phil Ross und Neudi zurück und wer die Band dieses Jahr bereits auf der "Road Of Dreams"-Tour erleben konnte, weiß, dass die Wichita Boys in bestechender Form sind. Bei dem Songmaterial aus 41 Jahren Bandgeschichte ist sowieso genug Qualität für einen tollen Gig vorhanden und so dürfte das eines der Festivalhighlights werden. Den Abend darf sodann eine Band beschließen, die sich in den letzten Jahren äußerst rar gemacht hat: MORGANA LEFAY bringt harten Power Metal an der Grenze zum Thrash aus Schweden mit und wenn Charles Rytkönen und Kollegen gut drauf sind, kann das ein echter Abriss werden. Man darf gespannt sein.

Den Freitag beginnen wir dann mit etwas anspruchsvollerer Musik, denn PSYCHOPRISM spielt angeprogten Melodic Metal mit ordentlichem Keyboard-Einsatz - also eher was für Schöngeister und es bleibt zu hoffen, dass zu früher Stunde schon genug Leute den Vorabend so weit verwunden haben, dass sie diese Musik wertschätzen können. Denn es bleibt anspruchsvoll, wenn die Amerikaner SYRUS auf die Bühne kommen und uns US Metal der komplexeren Sorte um die Ohren hauen - weniger feingeistig als bei ihren Landsmännern, aber nicht weniger filigran und anspruchsvoll. Erst danach bekommen wir etwas Verschnaufpause, denn ANCIENT EMPIRE mit dem aktuellen HELLHOUND-Sänger Joe Liszt feiert die Europapremiere im Garten von Herrn Tegelhütter. Das Datum ist dabei gut gewählt, denn just an diesem Tag wird das vierte Album der Kalifornier veröffentlicht und "Eternal Soldier" bietet wie seine Vorgänger herrlich eingängigen, kraftvollen Power Metal, bei dem Fäuste gereckt und lautstark mitgesungen werden kann, was dann nach dem zweiten oder dritten Bier auch wieder funktionieren dürfte. Ich erwarte jedenfalls Großes von dieser Show.
Von einer jungen Band geht es dann erst mal ganz weit zurück, wenn die deutschen Urgesteine TRANCE aufspielen, die nach längerer Pause im letzten Jahr mit "The Loser Strikes Again" ein gelungenes Comeback feierten und dieses Jahr bereits als Support von ANVIL unterwegs waren. Klassischer Stahl aus dem Grenzbereich zum Hard Rock wird uns geboten und MANILLA ROAD-Drummer Neudi wird hier seinen zweiten Festivalauftritt haben, wenn er seine Pfälzer Landsmänner am Schlagzeug unterstützt. Auch die Schweden DESTINY sind schon ein paar Jährchen älter und äußerst traditionell unterwegs. Doch mit skandinavischem Metal kann man eigentlich nie was falsch machen, weshalb auch hier eine gute Nachmittagsunterhaltung zu erwarten sein dürfte. Wir hoffen auf Sonne, kaltes Bier und straighten Stahl. Wir bleiben schwedisch, legen jedoch eine ordentliche Schippe Epik drauf, denn kurzfristig als Ersatz für die US-Band TYRANT sind die Stockholmer SORCERER eingesprungen, die im letzten Jahr mit ihrem Album "The Crowning Of The Fire King" nicht nur unseren Soundcheck, sondern auch so manche Jahrespolls anführten. Typisch schwedischer Epic Doom mit einem überragenden Sänger steht also auf dem Programm. Ein sicheres Festivalhighlight und ein mindestens ebenbürtiger Ersatz, bevor das Schlusstripel des Freitags ansteht. Und das beginnt mit einem echten Schmankerl, denn TKO aus Seattle ist nun wirklich eine Rarität. US Metal der geraden Sorte, mit der aktuellen Q5-Besetzung an den Instrumenten und Sänger Brad Sinsel, der die Band bereits 1977 gründete, könnten den Auftritt zu einem echten Highlight werden lassen. Gradlinig bleibt es, das Tempo wird jedoch deutlich angezogen, wenn im Anschluss Hessens Bierthrasher TANKARD die Bühne betreten. Wer die letzten Auftritte der Frankfurter auf dem Hof erlebt hat, der weiß, dass hier kein Stein auf dem anderen bleibt und alle Dämme brechen. Thrash mit viel guter Laune und viel Energie, vor allem im Publikum, ist zu erwarten. Hoffen wir, dass danach noch genug Kräfte übrig sind, um den Samstagsheadliner gebührend zu feiern, denn LOUDNESS kommt bereits das zweite Jahr in Folge nach Brande-Hörnerkirchen und was letztes Jahr stark war, dürfte dieses Jahr nicht minder gut werden.

Der Samstag beginnt dann klassisch mit den Franzosen EXISTANCE, die uns flotten Heavy Metal voller Klischees kredenzen. Immer eine gute Wahl, wenn man am dritten Festivaltag verkatert und übermüdet vor die Bühne kriecht. Im Anschluss kommt dann endlich das, was man auf dem HOA eigentlich erwarten kann, eine Band aus England. Denn die NWOBHM ist eigentlich immer ein Schwerpunkt des Festivals, dieses Jahr findet sie aber komplett am Samstag statt. Den Anfang macht MILLENNIUM und wie immer erwarte ich von einer englischen Band eine starke Performance - die Veteranen von der Insel enttäuschen auch nach oft jahrzehntelanger Bühnenabstinenz selten. HITTEN im Anschluss ist dann wieder eine junge Truppe, aus Spanien, einem Land, das immer wieder exzellente Bands in Norden schickte und die Truppe dürfte mit ihrem klassischen Metal, der durchaus partytauglich ist, nichts anbrennen lassen.
Ich sprach von NWOBHM, richtig? Nun, mit WITCHFYNDE kommt als nächstes eine echte Legende des Genres auf die Bühne, die in ihrer Karriere mehr als nur einen Hit geschrieben hat, auch wenn 'Moon Magic' vermutlich der größte ist. Leicht doomiger Britenstahl geht immer und so dürfte der Nachmittag hier gut eingeleitet werden, bevor es flotter wird. Denn DARKNESS aus heimischen Landen gehört zur alten deutschen Thrashschule und dürfte im Garten den groben Knüppel mit erhöhter Schlagzahl kreisen lassen, da gilt es nochmal alle Kräfte zu mobilisieren und sich in dem Moshpit zu stürzen, ein letztes Mal so richtig die Sau rauslassen, denn ab hier wird es traditionell metallischer. Wobei die nächsten Herren durchaus eine flotte Variante unserer Lieblingsmusik zocken. METAL INQUISITOR aus Koblenz klingt, als käme man aus England und hat am gleichen Ort bereits mehrfach für allerbeste Stimmung gesorgt. Eingängige Songs der flotteren NWOBHM-Ausrichtung, dazu ein Frontmann mit viel guter Laune und Spaß in den Backen, da dürften Fäuste und Haare fliegen und das eine oder andere Kaltgetränk vernichtet werden, die Stimmung wird jedenfalls sicher steigen. Das ist auch gut so, denn mit GIRLSCHOOL steht die nächste Britenband auf der Tagesordnung und dass die Damen rocken können, wissen wir auch nicht erst seit gestern. Gute Laune, knackiger Metal und jede Menge Hits stehen auf dem Programm - genau das Richtige, um den Endspurt einzuleiten. Der wird dann mit ANVIL fortgesetzt - die Kanadier feiern ihren 40. Bandgeburtstag und dürften wie immer eine sympathische, unterhaltsame Show abliefern, mit all den Elementen, die man in den letzten vier Dekaden so liebgewonnen hat. Wer denkt, das war es in puncto Spielfreude und Geschwindigkeit, der dürfte sich jedoch getäuscht haben, denn zum Abschluss spielt RIOT V auf und dürfte uns nach allen Regeln der Kunst überrollen. Die Band hat sich im aktuellen Line-Up mit Sänger Todd Michael Hall als exzellenter Verwalter des riesigen Erbes bewährt und zelebriert heuer eine spezielle Show zum Geburtstag des Meilensteins "Thundersteel". Hochmelodischer Power Metal in Höchstgeschwindigkeit - so kann man eine Gartenparty ruhig ausklingen lassen und zumindest wir freuen uns jetzt schon riesig auf das 21. Headbangers Open Air. Noch gibt es Restkarten für die Sause, doch es ist Eile geboten, denn so lange ist es auch nicht mehr hin, bis in Brande-Hörnerkirchen der Hof von Thomas Tegelhütter seine Tore öffnet.

Redakteur:
Raphael Päbst

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