SIXXXTEN: Interview mit Hanno

04.04.2012 | 15:43

SIXXXTEN darf man Punkband nennen, auch wenn "Automat Superieur" deutlich mehr als typischen Punk bietet. Wir trafen Sänger und Bandkopf Hanno vor dem Gig im Berliner Magnet.

Hanno zeigt sich im Interview sowohl als durchaus nachdenklicher, aber ebenso humorvoller und redseliger Gesprächspartner, mit dem eine halbe Stunde wie im Flug vergeht.

Dass es ein positives Review und auch ein Interview auf POWERMETAL.de gibt, ist dann auch für Hanno eher eine Überraschung. "Ja, POWERMETAL.de ist wohl nicht die Plattform, auf der wir wirklich erwartet hatten, vertreten zu sein. Das zeigt aber auch, dass die Schublade Punk für uns nicht wirklich passt. Du hast ja etwas von "progressivem Punk" geschrieben und ich denke, dass das ganz gut passt. Das Album ist ja nun alles andere als ein Hitalbum, wo es viele Singalongs gibt, sondern es ist eher schwer verdaulich und muss erarbeitet werden. Von daher ehrt es auch jeden, der sich mit dem Album wirklich auseinandersetzt und nicht nach dem ersten Song ausmacht, weil es nicht sein Sound ist." Die Vielschichtigkeit, sowohl musikalisch als auch lyrisch, ist es dann auch, die das aktuelle Werk der Jungs ausmacht. "Das freut mich, dass du das so siehst. Gerade bei den Texten habe ich häufig das Feedback bekommen, dass die Leute keine Ahnung haben, wovon ich denn da eigentlich singe. Und wenn ich ganz ehrlich bin, weiß ich das manchmal auch nicht.", lacht Hanno.

Das ist auch nicht überraschend, wenn man den Erstehungsprozess der Lyrics kennt. "Nun, wann immer mir ein Fetzen in den Sinn kommt, den ich vielleicht mal irgendwann verarbeiten möchte, dann schreibe ich mir den auf. Ich kritzele ihn auf einen Zettel, schreibe es auf die Hand, tippe es ins Telefon, irgendwie halt. Und irgendwann fange ich dann an, diese Fragmente zusammenzusetzen. Dabei soll das nicht zwingend irgendeinen Sinn ergeben, sondern vor allem die gleiche Stimmung transportieren. Manchmal weiß ich dann also tatsächlich selbst nicht, woher ich dieses Fragment habe oder was der Text jetzt bedeuten soll. Das hat den Vorteil, dass die Songs auch für mich selbst immer spannend bleiben, weil ich irgendwann vielleicht doch den Sinn in den Lyrics erkenne und mich so selbst überraschen kann." Heraus kommen dabei Songtitel wie 'Commodore Jihad' oder 'Der 3. Raum (Eine unglaubliche Reise in einem verrückten Raumschiff)'. "Haha, Letzteres ist ja der Titel eines meiner absoluten Lieblingsfilme. Eine dieser Komödien aus den Achtzigern, wo die Gags im Dreisekundentakt kommen. Das ist stellenweise so unglaublich abgedreht, dass es echt nicht mehr geht. Und im Grunde heißt der Song nur so, weil ich einfach keinen Titel dafür gefunden habe. Der Titel hat also überhaupt nichts mit dem Inhalt gemein."


Und auch wenn der Songtitel einen Fun-Touch zeigt, transportiert das Album doch eher eine düstere Grundstimmung. "Ja, das wurde mir schon häufiger gesagt und mit jetzt doch einem Jahr Abstand, seit das Album geschrieben wurde, kann ich das so auch unterschreiben. Wobei ich sehr stolz darauf bin, dass die Platte ganz ohne Schimpfwörter auskommt. Der ganze misanthropische Touch und der subtile Hass, der in den Texten mitschwingt, ist insgesamt sehr höflich ausgedrückt. Das gefällt mir auch sehr gut, auch wenn ich solche Texte schon heute so nicht mehr schreiben würde. Dafür sind sie dann doch zu sehr Momentaufnahmen. Und zum Zeitpunkt, als ich die Texte geschrieben habe, war ich halt total müde vom "Konzept Stadt", wie ich es nenne. Also diese vielen Leute, U-Bahn fahren, Handys, Facebook, immer vernetzt sein, immer reden zu müssen. Davon war ich einfach ultraabgetörnt. Aber wie gesagt, so ganz bin ich einfach noch gar nicht dahinter gekommen."

Auch musikalisch hat "Automat Superieur" viel mehr als nur Punk zu bieten. Hervorzuheben sind dabei die gerne und häufiger eingesetzten Piano- und elektronischen Klänge. "Das liegt einfach daran, dass wir alle auch ziemlich unterschiedliche Backgrounds haben. Ich habe noch am ehesten den Punk in die Band gebracht, während Niels auch elektronische Sachen produziert und diese natürlich in die Band einfließen. Ich denke, wir sind eher von der ganzen Einstellung her zwar durchaus Punk, musikalisch davon aber doch recht weit entfernt."


Aufgenommen wurde "Automat Superieur" komplett analog und kling auch sehr basisch, mit vielen Ecken und Kanten. "Ja, das war uns schon wichtig, dass alles sehr authentisch klingt. "Jugend Violencia" war ja noch total fett produziert und sehr hitlastig und das neue Album ist davon genau das Gegenteil. Das ist vielleicht auch der Grund dafür, dass sich unser Publikum gewandelt hat. Statt der Teens, die die Songs mitsingen, sind jetzt eher ältere Semester am Start. Das ist derzeit zumindest mein Eindruck. Wie dem auch sei, wir sind halt auch alle einfach gelangweilt von den immer gleich klingenden Produktionen, die einem tagtäglich vorgesetzt werden. Das ist austauschbar und hat keinen eigenen Charakter mehr und das wollten wir auf jeden Fall vermeiden." Eine Einstellung, die mehr und mehr wieder um sich greift. "Ja, natürlich. Es gibt natürlich Musikstile und Bands, wo so megafette Produktionen einfach hingehören, aber es gibt auch einen Trend, der wieder zurück zu den Wurzeln führt und das kann ich nur begrüßen."

Die anschließende Show zeigt die Band dann als bärenstarken Liveact. Gerade Hanno ist ein erstklassiger Entertainer, der mit vielen humorvollen Ansagen dem Gig die nötige Würze gibt. Und live rocken Songs wie 'Der sympathische Prototyp' oder 'Blut rein, Blut raus' auch gleich noch mehr. Kann man sogar ohne Kenntnis des Albums mal antesten.


Bilder von Jasmin Kazi.

Redakteur:
Peter Kubaschk

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