MINOTAURUS: Interview mit Oliver Klump

06.03.2026 | 22:16

"Also wenn ich nicht morgen tot umfalle, dann nicht." - Oliver auf die Frage, ob "Memories In The Haze" das letzte Album ist.

Im November 2025 hat MINOTAURUS mit "Memories In The Haze" das nunmehr siebte Album veröffentlicht. Für das Album der Bayern gab es im Review von mir sehr angetane 8/10 Punkte. Jetzt hatte ich Gelegenheit, mit Lead-Sänger und Frontmann Oliver Klump zu sprechen – sowohl über das jüngste Album, aber auch über die über 30 Jahre Geschichte der Band.


Hallo Oliver, ich freue mich, dass wir heute sprechen können und Du Dir die Zeit nimmst. Heute ist Aschermittwoch. Wieviel Karneval – bzw. bei Euch in Bayern spricht man ja von Fasching – hast Du mitgemacht?

Also im Normalfall bin ich schon einer, der auch immer zum Fasching geht. Ich schmeiße mich ja generell gern in Verkleidungen oder Gewandungen, wie man so schön sagt. Dieses Jahr habe ich das aber aus gesundheitlichen Gründen auf null reduziert. Ich war ein bisschen krank und musste mich daher eher schonen.

Das wäre jetzt auch meine Folgefrage gewesen: Besorgst Du Dir separate Kostüme oder gehst Du einfach im letzten MINOTAURUS-Bühnenoutfit?

Ich besorge mir natürlich immer selber mein Kostüm: Entweder kaufe ich es oder ich bastele es. Da versuche ich schon kreativ zu sein.

Ende letzten Jahres, Ende November um genau zu sein, kam Euer neues Album raus: "Memories In The Haze". Wie blickst Du heute auf die Platte?

Ich bin nach wie vor sehr zufrieden mit dem Album. Das ist ein wirklich schön gewachsenes Stück MINOTAURUS-Geschichte. Das haben einige in ihren Kritiken auch so beschrieben, dass da in vielen Metaphern und in erzählerischer Form ein gutes Stück Bandgeschichte verarbeitet ist. Gerade was den Fantasy- und Legendenbereich anbelangt, wird man dort, wenn man uns kennt, einiges finden, was zu uns und unserer Geschichte passt.

Im Grunde bin ich immer noch dabei, das zu verarbeiten. Die positiven Reaktionen auf das Album haben uns natürlich sehr gefreut. Ich würde – wie vermutlich die meisten Musiker – im Nachhinein das ein oder andere anders machen. Aber im Großen und Ganzen bin ich sehr happy mit dem Werk. Es kommt so an, wie wir es uns erhofft haben.

Hast Du einen Lieblingssong auf dem Album?

Ich habe mehrere Lieblingssongs auf dem Album. Einer von denen, der auch in Kritiken oft genannt wurde, ist 'Coming Home'. Zu dem Song haben wir auch ein durchaus aufwendiges Video gedreht. Dass mir der Song so gefällt, hat sicherlich auch mit den Erlebnissen rund um den Videodreh zu tun: Das ganze Drumherum, die Arbeit mit den Leuten von Ehrlebnisfilm, mit Kevin Ehrl und den ganzen lieben, tollen, hilfsbereiten Leuten, die uns da geholfen haben. Das hat auch den Song mitbeeinflusst.

Dann hänge ich natürlich auch noch an 'D.R.I.P.', weil da ja auch ein Stück Bandgeschichte in Richtung Ende geht.

Das wäre meine nächste Frage gewesen: Eine weitere Figur, die Euch seit langem in Euren Songs und Alben begleitet, ist ja der Zwerg. Man könnte meinen, mit dem Song 'D.R.I.P.' verabschiedet Ihr den Zwerg. Wird das ein Abschied für immer?

Dazu kann ich jetzt nur sagen: Sag niemals nie. Gerade im Bereich Fantasy und Legenden ist ja alles möglich. Wir haben uns natürlich auch an den Zwerg gewöhnt und wir mögen den Zwerg und die Story drumherum. Es ist jetzt noch nichts geplant, aber ich würde niemals nie sagen. Er muss nicht unbedingt weg sein.

Eine weitere Figur, die die namensgebende Eurer Band, ist der Minotaurus. Der zieht sich ja auch auf Euren Album-Covern durch, diesmal steigt er aus dem Wasser. Was ist die Geschichte dahinter?

Die Geschichte hinter dem Cover ist eigentlich schnell erzählt: Wie der Albumname es ja schon sagt ("Memories In The Haze"), kann man diese vielen Erinnerungen und Erlebnisse, die eine Band über 30 Jahre sammelt, ja nicht einfach auf ein Cover packen. Da wäre ja kein Platz mehr. Es wäre ein Wimmelbild, das alle überfordert. Der Gedanke war aber schon, dass ein Teil der Geschichten rüberkommt: Was wir erlebt haben, woran wir uns in Songs abgearbeitet haben, Geschichten und Legenden, die uns passiert sind. Das wollten wir als kleinen Mix in das Bild reinpacken – ohne die Gefahr, dass es zu überladen wirkt.

Ihr habt Euch in zwei Tracks auch Schiller vorgenommen. Wieso ausgerechnet Schiller?

Wir fanden die Gedichte, etwa der 'Jüngling am Bache', einfach eine erzählungswürdige Geschichte. Wer uns kennt, weiß, dass wir uns über die Jahre immer mal wieder an die Adaption von Gedichten wagen. An den 'Erlkönig' von Goethe etwa oder auch 'Der Fischer', den wir als Hidden Track auf "Insolubilis" hatten. Das machen wir schon länger – und diesmal war halt Schiller dran. Dabei ging es weniger um den Dichter selbst, es waren einfach die Stücke, die wir passend fanden.

Mein persönlicher Eindruck bei Eurem jüngsten Album "Memories In The Haze" war, dass es etwas weniger Folk mitbringt als Eure Alben aus der der Vergangenheit. War das Teil des Plans?

Das stimmt schon, wenn man jetzt etwa das Album "Insolubilis" sieht, das total folkig verspielt war. Da hatten wir Harfe dabei, Flöten und weiß der Geier was alles. Das war im Übrigen auch alles eingespielt, ohne Synthesizer. Da haben wir sehr viel mit Folk experimentiert und das hat uns auch gefallen und das Album stark gemacht. Aber wegen den Erinnerungen und der Geschichte der Band, um die es in "Memories In The Haze" geht, wollten wir wieder mehr in Richtung Metal zurück, womit auch alles angefangen hat. Das war insofern ein Stück weit beabsichtigt.

Einige Songs auf dem Album hat Gitarrist Reiner geschrieben, Clarissa und Du – und auch Euer ehemaliges Bandmitglied Jochen haben beigesteuert. Kannst Du uns ein bisschen mitnehmen ins Bandleben? Wie entstehen Songs, wie arbeitet Ihr zusammen?

Reiner war schon immer der Hauptsongwriter. Dem laufen die Dinger aus der Hand, das ist eines seiner vielen Talente. Der hat Songs geschrieben und vorgestellt, so schnell kannst Du gar nicht nachliefern – das meine ich nur positiv. Der hat einfach diese kreative Energie, der hat das im Blut. Deswegen hat er auch auf diesem Album die meisten Songs geschrieben.

Beim aktuellen Album wollte ich aber auch gern einen Song beisteuern, u.a. weil es ja ein Erinnerungsalbum ist. Insofern habe ich mir da schon Gedanken gemacht und bin gezielt rangegangen an 'Proud Kings Of Avalon'. Ich wollte einen Song, der eine gewisse Tiefe hat und ins Konzept passt.

Clarissa macht das, glaube ich, etwas weniger statisch als ich. Sie hat die Ideen und den Spaß dran und dann kommt das eher aus der Muse heraus und sie setzt sich hin und schreibt das. Insofern funktioniert das bei allen immer etwas anders.

Was aber immer gleich ist: Die Grundideen, die Texte, die Melodien kommen von der einen Person, aber die Band arbeitet dann gemeinsam dran. Wir nehmen das dann mit in den Probenraum und am Ende ist der Song nicht mehr so wie am Anfang. Alle dürfen mitreden und Ideen einbringen. Aus meiner Sicht macht das auch die Band aus, dass wir sagen können: Das haben wir zusammen gemacht.

Und wie arbeitet Ihr dann? Schließt Ihr Euch drei Wochen im Probenraum ein und ballert ein Album raus oder ist das eher ein Prozess über längere Zeit, wo Ihr Euch immer mal wieder hinsetzt?

Das ist eher eine Geschichte, die wächst. Die Songs werden geschrieben, wenn die Ideen da sind. Je nachdem, was auch an Live-Aktivitäten oder anderen Themen ansteht, gehen wir dann an Songs, wenn wir Luft haben. So richtig eingesperrt und Songs runtergerissen, das haben wir noch nie gemacht.

Du hast es gerade schon angesprochen – Stichwort "live". Ihr plant, auch 2026 wieder live zu spielen. Wie laufen die Vorbereitungen? Wann dürfen sich Fans auf Termine und Orte freuen?

Ich muss gestehen, es läuft ein bisschen schleppender als es uns lieb wäre. Das hat verschiedene Gründe. Es sind aber wirklich tolle Sachen in Aussicht. Ich würde Euch jetzt gern schon Details verraten, kann ich aber noch nicht. Aber ich verspreche: Es kommen großartige Dinge auf uns zu und wir werden voraussichtlich ein großes Publikum sehen können. Sobald wir alles klar haben, werden wir das natürlich veröffentlichen.

Dann bleiben wir gespannt. Du hast es eben angesprochen: MINOTAURUS gibt es ja nicht erst seit gestern, sondern seit über 30 Jahren. Oder anders: Als Ihr angefangen habt, Musik zu machen, bin ich eingeschult worden. Die Konstante in der Band bist Du. Wie blickst Du auf diese 30 Jahre zurück?

Da habe ich mir gerade in der letzten Zeit sehr viele Gedanken zu gemacht. Ich bin dankbar dafür, dass es überhaupt noch geht! Ich bin unglaublich happy, was wir alles erlebt haben, was wir machen konnten, wo wir spielen durften und was für Resonanz wir bekommen haben. Natürlich auch dafür, dass es Leute gibt, die uns hören wollen und dass das ein oder andere Album auch einen gewissen Erfolg verbuchen konnte. Wir sind noch nicht müde, es gibt noch viel zu erzählen und wir haben noch einiges vor. Es gibt auch noch viele Neuigkeiten, die wir bald veröffentlichen werden.

Also war "Memories In The Haze" nicht das letzte Album, ja?

Also wenn ich nicht morgen tot umfalle, dann nicht.

Hast Du oder habt Ihr musikalische Vorbilder, die Euch prägen?

Ich denke, das hat jeder Musiker mehr oder weniger – als Vorbild oder als Einfluss. Bei mir waren das schon immer Bands wie BLIND GUARDIAN oder MANOWAR. Auch diese klassischen True- und Fantasy-Metal-Bands haben mich sehr beeinflusst, die habe ich sehr früh gehört. Auch HEAVENS GATE zählt dazu. Reine Folk-Metal-Bands haben mir auch sehr gut gefallen. Natürlich aber auch IRON MAIDEN. Früher waren es eher die True- und klassischen Metal-Bands, mittlerweile geht es bis NEVERMORE in alle möglichen Richtungen. Da gibt es schon viele Leute, die wir bewundern oder toll finden und das fließt dann natürlich auch in die eigene Musik ein.

Daran anschließend: Wenn nicht MINOTAURUS selbst, was für Musik läuft im Tourbus? Diese Bands oder auch was ganz anderes?

Wenn wir unterwegs sind, läuft mit Sicherheit alles, querbeet. Da läuft auch mal was rein Klassisches, es geht von Rock bis RAMMSTEIN oder NEVERMORE oder auch mal was richtig Abgefahrenes. Reiner hat auch mal SANTIANO aufgelegt... Da geht es wirklich breit zu, wobei der Schwerpunkt schon Metal ist. Manchmal aber auch alte Sachen, denn da kommen ja auch oft tolle Inspirationen her.

Letzte Frage: Ihr hattet in der Vergangenheit auch Gast-Features, etwa mit Chris Bay von FREEDOM CALL. Wenn Du mal völlig frei wählen dürftest, wen würdest Du für das nächste Album zu Euch ins Studio holen?

Das ist eine gute Frage. Wir reden von lebenden Personen?

Im Fantasy-Genre ist viel möglich, das hast Du eben ja selber gesagt, aber ich würde schon bei den Lebenden bleiben…

Na gut. Eric Adams (MANOWAR) fand ich immer einen Wahnsinns-Sänger. Bruce Dickinson (IRON MAIDEN) ist sicher auch eines der Gesangsidole schlechthin. Aber da gibt es unglaublich viele tolle Sänger, neben denen ich persönlich gerne mal singen würde. Hansi Kürsch (BLIND GUARDIAN) gehört sicher auch dazu – aber das haben mittlerweile ja auch schon einige gemacht. Die haben sich ja wirklich schon oft geopfert für kleinere Bands, was ich wirklich toll finde.

Lieber Oliver, ich finde, das ist ein guter Schlusspunkt. Ich danke Dir für das Gespräch.

Sehr gerne!

 

Bildquelle: MINOTAURUS

Redakteur:
Nils Pfennig

Login

Neu registrieren