HARTMANN, OLIVER: Interview mit Oliver Hartmann

03.05.2005 | 23:54

Oliver Hartmann (ex-AT VANCE) hat unter dem Banner HARTMANN vielleicht DIE Überraschung im Bereich der melodischen Rockmusik des noch jungen Jahres abgeliefert, nämlich ein reinrassiges AOR-Album, das der etablierten Konkurrenz das Fürchten lehren wird. "Out In The Cold" mit grandiosen Ohrwürmern wie 'Alive Again' oder dem treibenden 'What If I' ist ein Debüt, für das manch anderer wohl selbst mit sehr prominenter Hilfe ewig bräuchte, wenn überhaupt Vergleichbares herauskommen würde. Hartmann, der auch auf diversen Konzept-Alben der letzen Jahre (AINA, AVANTASIA oder GENIUS) mitgewirkt sowie für zahlreiche Radio-Stationen Jingles gesungen hat, ist ein Workaholic, der sich im nachfolgenden Interview sehr entspannt, aber dennoch voller Tatendrang zeigte.

Martin:
"Out In The Cold" steht frisch in den Läden, und obwohl du nicht neu in der Szene bist, ist das Album dennoch deine erste Solo-Veröffentlichung. Wie steht's, bist du nervös oder angespannt?

Oliver:
Ja, obwohl die größte Aufregung ja eigentlich schon vorbei. Das Album ist im Kasten, die ersten Reviews sind schon z. B. im Internet zu finden. Alles klingt sehr positiv, und gerade weil ich ja vorher mit AT VANCE oder Sachen wie AVANTASIA ja mehr im neo-klassischen Metalbereich zu Hause war, freuen mich die Reaktionen auf diese reine Rockscheibe natürlich sehr.

Martin:
Das Album ist sehr abwechslungsreich, aber eben auch wie bereits angesprochen ganz anders als die ja doch recht erfolgreichen AT VANCE. Glaubst du, dass dir dein Mitwirken dort schon auch Türen geöffnet hat, oder du gerade im Gegenteil dadurch in gewissen Schubladen gesteckt wirst, die dir ganz und gar nicht gerecht werden? Auch im Hinblick auf Radio-Einsätze?

Oliver:
Wahrscheinlich trifft irgendwo beides zu. Wenn man schon einen "Namen" hat, sind natürlich bei den Plattenfirmen die Ohren offener, als wenn ein Newcomer ein Album machen möchte. Schwierig ist nur, den Leuten klarzumachen, dass man zwar früher das und jenes gemacht hat, aber nun eben etwas anderes vorhat. Aber es hat sich schnell heraus kristallisiert, dass Frontiers das richtige Label ist. Die Plattenfirma war schnell begeistert und wollte die Platte mit mir machen. Sie waren die erste Wahl, und somit blieb mir auch das lästige Tingeln erspart. So nach dem Motto: "Hey, ich bin der ex-Sänger von AT VANCE und will jetzt ein Rock-Album machen."

Martin:
Wer sind denn eigentlich die Musiker, die dein Solo-Debüt eingespielt gespielt haben? Und damit verbunden die Frage, ob du auch in dieser Konstellation touren wirst? Also ist HARTMANN ein Projekt oder eine "richtige" Band?

Oliver:
Momentan ist der Status eher der einer Mietband. Klar ist also, wenn es auf Tour geht, dann muss ich die Band bezahlen. Genau wie bei den Studio-Aufenthalten natürlich. Bodo Schopf (u. a. ex-MSG) beispielsweise kannte ich schon von anderen Sachen. Er ist wirklich ein erfahrener Trommler und hatte auch richtig Bock, die Scheibe zu machen. Auch den Armin Donderer kannte ich von früher. Er kommt eigentlich auch aus dem Metal-Bereich und war Gründungsmitglied von PARADOX in den Achtzigern. Klar ist das momentan ein Solo-Projekt, die Songs waren schon fast fertig, als es ins Studio ging. Die Musiker haben dennoch dem Ganzen noch ein gewisses Extra verliehen. Die Demos habe ich noch alleine eingespielt, denn es gibt da schon technische Hilfsmittel, wie bei den Drums. Produziert hat dann ja auch noch der Sascha Paeth, der auch sehr erfahren ist. Eine objektive Meinung von "außen" ist echt wichtig, denn man selbst kann das gar nicht objektiv beurteilen. Aber wie gesagt handelt es sich um ein Solo-Projekt. Was eine Tour angeht, steht noch alles in den Sternen. Vielleicht sind zukünftige Musiker dann auch mal ins Songwriting involviert.

Martin:
Tourpläne oder Einzel-Gigs - abgesehen von der Release-Party am 26.05. in Aschaffenburg - gibt es also noch nicht?

Oliver:
Es gibt bereits vereinzelte Anfragen über das Jahr verteilt, aber noch nichts Konkretes für eine Tour. Ich hoffe natürlich, dass sich für den Sommer oder Herbst etwas ergibt.

Martin:
Der Opener 'Alive Again' ist für mich das beste Stück eines sehr guten Albums und der perfekte Auftakt. Auch das flotte 'What If I' kommt sehr gut. Beides sind für mich auch potenzielle Singles. Was sind deine Favoriten auf "Out Of The Cold"?

Oliver:
Klar, die beiden Nummern gehen voll nach vorne. Bis auf zwei oder drei weitere Nummern ist das Album ja sonst eher ruhig. Eben viele Balladen und Halb-Balladen. Es ist gut gemischt, denke ich. Es gibt natürlich die verschiedensten Aussagen, wem was gefällt, aber die beiden Nummern, die du genannt hast, werden eigentlich immer genannt. 'What If I' ist vom Tempo und von der Länge her schon ein potenzieller Radio-Titel, der Laune macht. Mal schauen, vielleicht kommt ja doch noch eine Single raus.

Martin:
Der letzte Song 'Into The Light' würde meiner Meinung nach auch gut als Filmmusik passen...

Oliver:
Ich würde mich natürlich sehr freuen, den einen oder anderen Titel im Fernsehen oder beim Film unterzubringen. Gerade beim Fernsehen erreicht man natürlich viele Leute auf einmal.

Martin:
Oliver, du hast neben vielen Projekten und AT VANCE auch zahlreiche Jingles eingesungen. Kannst du mittlerweile von der Musik leben?

Oliver:
Also leben tue ich schon relativ lange von der Musik. Mal mehr und mal weniger natürlich... (lacht) Als Profi-Musiker schlägt man sich auch mit Jobs bei Cover-Bands durch. Ich singe bei ECHOS, einer PINK FLOYD-Coverband, und auch mit TUNED, einem "Unplugged-Metal-Fun-Projekt", bin ich relativ oft unterwegs. Da spielen wir dann so Songs wie 'Paranoid' oder 'Number Of The Beast' mit Mandoline und Stehschlagzeug und so...
Wenn du von der Musik leben willst, musst du halt verschiedene Standbeine haben. Nur mit eigener Musik ist das recht schwierig und wenn, dann ein langwieriger Prozess. Selbst bei einer Band wie AT VANCE ist es schwierig, mit mehreren Leuten von der Musik zu leben. Ich habe auch schon Sachen für Fußballvereine wie 1.FC Nürnberg oder 1860 München gemacht. Abwechslung muss sein und außerdem rostet man so nie ein.

Martin:
Was sind denn eigentlich deine Vorbilder in Sachen (Rock-)Sänger?

Oliver:
Puh... jede Menge eigentlich. Früher hat sich das schon so auf die klassischen Hard-Rock-Sänger beschränkt. So Leute wie David Coverdale, Paul Rodgers von FREE oder Ian Gillan würde ich sagen. Ray Gillan ist auch tierisch. Glenn Hughes, Steve Walsh oder auch Steve Perry. Aber mit den Jahren kamen auch viele Sachen aus Soul und Funk dazu, wie Stevie Wonder oder auch MOTHERS FINEST. Oder auch viel Sachen wie ROACHFORD oder David Gray. Ich versuche schon alles Mögliche zu verarbeiten. Egal, wo man seine Einflüsse herzieht, wichtig ist, dass am Ende alles, was man macht, schlüssig als Ganzes rüberkommt.

Martin:
Der Bandname AT VANCE ist ja nun auch schon mehrfach gefallen. Verfolgst du den weiteren Werdegang deiner ehemaligen Band?

Oliver:
Ja, zum Teil. Die Neue kenne ich aber noch nicht. Auf der Sonderedition der letzten Scheibe waren ja auch noch zwei Titel von mir. Als ich gemerkt habe, dass wir nicht mehr richtig auf einer Wellenlänge lagen, bin ich halt ausgestiegen. Aber der neue Sänger Mats Leven ist ein klasse Sänger, was mich auch für die Band freut.

Martin:
Als Mitarbeiter eines Online-Mags frage ich Künstler gerne auch mal nach deren Einstellung zu derartigen Medien...

Oliver:
Generell ist ein "richtiges" Magazin, das man in den Händen halten kann, natürlich leichter zu lesen, aber ich surfe schon recht viel, auch bei euch. Und was Aktualität angeht, sind Online-Geschichten natürlich unschlagbar. Oder um mal kurz was nachzuschlagen...
Ich bin momentan auch echt überrascht, wie viele Websites es mittlerweile gibt. An gängigen Rock-Zeitschriften gibt es vielleicht zehn. Und die weltweite Verbreitung des Internets ist auch ein wichtiges Argument.

Martin:
Es wird doch hoffentlich weitere HARTMANN-Scheiben geben...

Oliver:
Auf jeden Fall! Es sind sogar schon Songs in Arbeit, aber momentan ist auch durch die viele Promotion-Arbeit natürlich erst mal wenig Zeit. Ich bin gespannt wie das Jahr jetzt weiterlaufen wird und bin sehr optimistisch.

Martin:
Oliver, vielen Dank für das interessante Interview, und du hast natürlich das berühmte letzte Wort...

Oliver:
Ich möchte natürlich alle Fans in Deutschland und alle Leser von Powermetal.de grüßen und hoffe, den einen oder anderen auf einer hoffentlich stattfindenden Tour im Sommer oder Herbst zu treffen.

Redakteur:
Martin Stark

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