Gruppentherapie: MEGADETH - "Megadeth"

31.01.2026 | 21:20

Schnabeltassen-Thrash oder perfekter Endpunkt des Schaffens?

Jetzt wird es emotional: MEGADETH sagt goodbye. Das letzte, selbstbetitelte Album "Megadeth" landet mit riesigem Vorsprung auf Platz eins des Januar-Soundchecks, uns' Tobi ist entsprechend begeistert (zum Hauptreview). Doch außerhalb des Soundcheck-Teams sammeln sich auch ein paar weniger begeisterte Stimmen, die hier natürlich eingefangen werden. Andere hingegen werden nostalgisch und kaum einer wird widersprechen, wenn es darum geht, unserem Megadave ein dickes Dankeschön auszusprechen. Mit einem ausführlichen Diskografie-Check (Teil 1, Teil 2) haben wir das Schaffen ja vor ein paar Jahren schon gewürdigt. Wo würdet ihr "Megadeth" hier einsortieren?


Was haben Megadave und Shakespeare gemeinsam? Das hier: "Noch einmal stürmt, noch einmal, liebe Freunde!". Denn das selbstbetitelte Werk soll das letzte Album des blonden Charakterkopfes sein. Sagt er. Mal sehen, wie lange er das durchhält.

Jedenfalls liegt nun das siebzehnte Album vor und Fans wie auch Gelegenheitshörern wird es hier an nichts fehlen. Im Gegenteil, es scheint als hätte Herr Mustaine noch einmal einen Querschnitt seines Schaffens präsentieren wollen, denn es hoppelt und thrasht wie früher in 'Tipping Point' und 'Let There Be Shred', geht in Richtung "Youthanasia" in 'Hey God?!' und 'Obey The Call', das anfangs auch ein wenig Richtung "Countdown To Extinction" zielt, landet irgendwo um die Jahrtausendwende mit 'I Don't Care' und 'Another Bad Day' und schielt ein bisschen in die neueren Zeiten mit 'Made To Kill' und auch 'The Last Note', ohne jedoch die progressiven Eskapaden der 2000er Alben zu integrieren.

Nein, es geht eher direkt und eingängig zu, so als ob Dave es uns nochmal zeigen wollte, dass er noch echte Granaten komponieren kann. So kann er aufhören und man wird nicht böse sein, wenn er doch noch ab und zu mal auftauchen wird, auf Festivals vielleicht, wenn seine Kasse oder sein Ego einen Boost braucht. Mit dem Bonustrack, über den wir das Mäntelchen des Schweigens breiten, beweist er uns dann auch noch einmal eindringlich, dass er wirklich keinen Zentimeter singen kann. Sonst ist aber alles im grünen Bereich!

Note: 8,0/10
[Frank Jaeger]

 

MEGADETHs letztes Album? Mal sehen. Das schlicht "Megadeth" betitelte Werk setzt mit 'Tipping Point' anfangs auf Speed und "Kill 'Em All"-Gitarren, allerdings wird rasch Fahrt rausgenommen. Midtempo regiert das Album. Bis auf eine Ausnahme, dazu später mehr. Beim Opener stört mich der wiederholte Chorus, was mir noch öfter zusetzen wird. Die Worte 'Tipping Point' klingen auch seltsam, nach besungener Schreibmaschine oder sowas.

Danach folgen mehrere Tracks mit gehackten Gitarrenleads und prägnanten, unspektakulären Chorussen. Es fällt auf, dass die Lieder zumeist um die dreieinhalb Minuten lang, also recht kurz sind, was bedeutet, dass Davy rasch auf den 'Tipping Point' kommen muss, was allerdings nicht immer gelingt. Erst 'Another Bad Day' lässt mich wieder aufhorchen: ein netter Groover mit Achtzigerriffing. Mit 'Made To Kill' setzt Davy endlich wieder auf Tempo. Für mich ist das der beste Song. Interessant, dass auch heuer einiges irgendwie fragmentiert wirkt, nicht restlos ausgearbeiteten Ideen ähnelt, wie so oft zuletzt: Ein Rhythmus- oder Atmosphärenwechsel oder eine komplett wirre Passage folgt und plötzlich ist Schluss.

Auch 'Obey The Call' gehört zu den Guten. Ein kurzes METALLICA-Gedächtnisriff wird eingebaut. Aber irgendwie schade, dass nichts an 'Devil's Island' erinnert. Das Riffing von 'I Am War' gefällt mir auch, der Gesang des Meisters ist allerdings wie immer gequetscht und gewöhnungsbedürftig, aber das ist ja sein Markenzeichen.

'The Last Note' eröffnet in TOM WAITS-Manier. Ziemlich geil! Hackende Leads und ein übermelodischer, beinahe poppiger Chorus schlagen Haken in eine komplett andere Richtung, typisch MEGADETH der letzten zehn bis fünfzehn Jahre. Der beste Song könnte der Bonus 'Ride The Lightning' von METALLICA sein, wenn denn Hall da wäre, die Leads turmhoch emporkletterten und Davy singen könnte. Kann er aber nicht, so bleibt das ganze ein Gag. Echte Begeisterung sieht anders aus, klar.

Note: 6,5/10
[Matthias "Stendahl" Ehlert]

Tatsächlich kann ich mich in weiten Teilen den Betrachtungen des Kollegen Jäger ganz gut anschließen, möchte das Geschriebene aber noch um ein paar persönliche Notizen ergänzen. Ich bin ein riesengroßer Fan der ersten vier Alben, für mich ganz persönlich hätte MEGADETH nach dem 10-Punkte-Klassiker "Rust In Peace" gerne aufhören können. "Countdown To Extinction" und "Youthanasia" habe ich noch freundlich anerkennend mitgemacht, aber bei "Cryptic Writings" war ich emotional raus. Den Rest der Diskographie habe ich aus fachlichem und journalistischem Interesse weiter mitverfolgt und mich über gute Alben wie "The System Has Failed" oder "Endgame" gefreut. Alles andere war schnell abgehakt.

In meiner Welt wird MEGADETH immer eine sehr geile Speed-Metal-Band aus der großartigsten Zeit der Heavy-Metal-Geschichte bleiben. Ähnlich nehme ich auch dieses Abschlusswerk wahr, das in der Tat wie eine Retrospektive mit aktuellen Kompositionen wirkt. Konsequenterweise gefallen mir klassische Uptempo-Nummern wie 'Tipping Point' und 'Let There Be Shred' sehr gut, während schnarchnasiges Geschwurbel wie 'Hey God?!' oder 'Another Bad Day' lediglich hektische Bewegungen in Richtung Skip-Taste auslöst.

Das Gerüst des Albums bilden aber recht ansprechende Mittelfeld-Songs im typischen post-"Rust In Peace"-MEGADETH-Klangbild, die allesamt gut ins Ohr gehen, aber dort nicht besonders lange verweilen. Tut nicht weh, bringt mich allerdings auch nicht sonderlich in Wallung. Meine Note ist nett gemeint, auch wenn man sich diese unsägliche Gebissträger-Version von 'Ride The Lightning' am Ende wirklich hätte sparen können.

Note: 7,5/10
[Martin van der Laan]

 

Zunächst die simple Frage: Was hätte Mr. Mustaine auf dem womöglich letzten MEGADETH-Album noch besser machen können? Klar gehen die Meinungen da wohl enorm auseinander. Meine seltsame und ebenso simple Antwort lautet jedoch: nichts! Höchstnote, perfektes Album, Rezension fertig.

Nein, ich war bis dato wahrlich nicht der große MEGADETH-Fan und werde es vielleicht auch nie sein. Natürlich steht "Peace Sells...But Who's Buying?" nicht nur für den Inbegriff des angepissten Thrashers der Mittelachtziger, sondern selbstredend auch in meinem Plattenschrank. "Rust In Peace" und in weiten Teilen auch "Countdown To Extinction" sind ebenfalls absolute zeitgenössische Klassiker, da machen wir uns nichts vor. Die Alben der zweiten Dekade dieses Jahrhunderts finde ich ebenfalls recht hörbar und der Gig beim "Wacken Open Air" 2023 war im Gegensatz zu anderen von mir besuchten Shows der Band ein absolutes Highlight.

Aber so richtig bis ins Mark hat mich MEGADETH dennoch bisher nicht wirklich erwischt, was vielleicht an den oft etwas sperrigen Songs liegen könnte. Doch was Dave Mustaine und seine Jungs hier abliefern, hätte ich so nicht erwartet. Sicher bedient sich MEGADETH ordentlich bei sich selbst, etwas anderes würde ja im Zuge dieses Abgesanges keinen Sinn machen. Der Opener 'Tipping Point' legt mich mit seinen fulminanten Gitarrenparts und seinen facettenreichen Breaks bereits konsequent flach.

In der Folge kann die Platte mit einem Streifzug durch die Mustaine’sche Welt auch weiter absolut überzeugen. Mehr noch, in jedem Takt spüre ich die Seele des Musikers, die sich mit Vehemenz in meinen Gehörgang festnagelt. Ich halte "Megadeth" für ein durch und durch persönliches Album und ich kaufe Dave Mustaine jede Silbe und jede Note ab. Und ja, 'Hey God?!' ist vielleicht ein weniger göttlicher Moment, da pflichte ich Martin sogar bei. Aber ich habe ja noch ein Auge zum Zudrücken.

Als bedürfe es noch eines Toppings obendrauf, gibt es als Bonustrack noch 'Ride The Lightning' dazu. Ich mag das zweite METALLICA-Werk und Hetfield und Co. gehören sowieso zu meinen absoluten Allzeit-Favoriten. Aber eben der Titeltrack lag mir stets quer im Magen, er schien sich wie ein Fremdkörper zwischen den ansonsten so zahlreichen Hymnen des Albums anzufühlen. Jetzt weiß ich, warum. Es ist eine Co-Komposition von Dave Mustaine und die gehört verdammt nochmal auch auf ein MEGADETH-Album.

Note: 10/10
[Frank Wilkens]

Ich will dieses Album gut finden! Ich will es einfach! Nein, ein simples neues MEGADETH-Album ist es nicht, wir wissen weshalb. Und genau darum möchte ich es gut finden. Tatsächlich tue ich das über weite Strecken auch: Mustaines Grummeln, herrliches Gefrickel, cooles Riffing - aber es fehlt an vielen, leider zu vielen Ecken das letzte Quäntchen, der letzte Pfiff, das gewisse Extra.

Zugegeben, von den zuvor gehörten Singles gehört nur 'Puppet Parade' zu den besten Songs auf "Megadeth", die anderen sind fraglos 'Made To Kill' und 'Hey God?!'. Doch die besten drei Alben nach 2004 heißen eben "Endgame", "The Sick, The Dying And The Dead" und "Dystopia" - in dieser Reihenfolge. Und eben leider nicht "Megadeth", da die großen Überhits fehlen, die sägenden Zerstörer, wie wir sie von Dave und Co in den 1980ern und Anfang der 1990er Jahre reihenweise um die Ohren geklatscht bekamen.

Vieles über "Megadeth" haben meine Kollegen schon gesagt, doch ich möchte die Gelegenheit nutzen, um etwas anderes zu sagen: Danke! Danke Dave, dass du dich nach METALLICA in die Musik geflüchtet und mit MEGADETH solch ein bissiges, unbändiges und hundsgemeines Biest von der Leine gelassen hast, das mir sehr viel Freude gemacht hat und künftig auch noch machen wird. Danke, dass du dich nicht unterkriegen ließest und deine Wut in solch bahnbrechende Musik verwandelt hast. Und tatsächlich, lieber Dave, zwischenzeitlich - und das kam nicht selten vor - empfand ich MEGADETH sogar relevanter als METALLICA. So kann es gehen.

Note: trotzdem 8,0/10
[Mega-cel Rap-deth]

 

Was soll ich noch schreiben, was die Kollegen nicht schon geschrieben haben? Charakterkopf Dave Mustaine und seine Band MEGADETH verkünden mit ihrem selbst betitelten Album den Ruhestand. Dazu muss man allerdings erwähnen, dass der gute Dave Mustaine auch ein wenig zum Ruhestand gezwungen wird, da sein Körper ihm immer mehr Probleme bereitet.

Auf diesem letzten Album bleibt die Band sich treu. Es erfolgt keine Anbiederung an den Mainstream, was ihr sowieso immer fern lag. Konsequent wandern der gute Herr Mustaine und seine Mannen durch ihr musikalisches Schaffen und präsentieren dabei ein rundum gelungenes Album, das wirklich Spaß macht. Einzig das Cover von 'Ride The Lightning' hätte sich Dave sparen können, wirkt es doch auf mich wie ein Fremdkörper auf diesem Album. Die Produktion gefällt mir sehr gut, schön natürlich und nicht aufgeblasen, einfach herrlich. "Megadeth" ist ein mehr als würdiger Abschied einer absoluten Legende des Heavy Metal. Mach es gut, Dave und genieß deinen Ruhestand.

Note: 8,5/10
[Rene Juffernholz]

 

Grundsätzlich haben alle Musikgefühlsmechaniker hier mehr oder weniger recht und gute und wichtige Punkte genannt, wobei ich mich am ehesten wohl noch in Martins Worten wiederfinde. Ich habe Mustaine & Co. nach "Countdown To Extinction" mehr oder weniger aus den Augen verloren und seitdem wohl kein Album mehr am Stück gehört. Wenn das letzte Album (wer's glaubt...) aber ansteht und ich die Jungs zudem noch im Sommer im Vorprogramm von MAIDEN bestaunen darf, kann man hier schon mal eine kleine Therapiestunde investieren.

Daves Stimme klingt noch immer so herrlich verknödelt, auch wenn man ihr die sechzig Jahre plus Lebenserfahrung nun doch deutlich anmerkt. Ansonsten hatte ich ein solches musikalisches Ausrufezeichen nun wahrlich nicht erwartet. 'Tipping Point' wartet, welch Wortspiel, mit schönem Flitze-Tapping auf, 'I Don’t Care' versprüht schöne Punk-Vibes, 'Hey God?!' ist tolles Midtempo, in welchem MEGADETH sich ja in den letzten Jahren ohnehin am wohlsten gefühlt hat. Der Refrain von 'Puppet Parade' würde ohne Probleme auch auf einer der ersten Scheiben eine gute Figur abgeben. 'Another Bad Day' hätte man auch auf "Countdown To Extinction" platzieren können. Einen richtigen Stinker kann ich auch im weiteren Verlauf nicht wirklich ausmachen, und eine Neuinterpretation von 'Ride The Lightning' tut dann am Ende auch nicht wirklich weh, da sie sich doch sehr am Original anlehnt. Aber, lieber und geschätzter Herr Wilkens, wenn eine Band ein Jahrhundertalbum wie "Rust In Peace" auf dem Gewissen hat, kann ein sehr ordentliches Album wie das vorliegende doch nun wirklich keine 10/10-Platte sein. Uff.

Note: 7,5/10
[StephanusRUST IN Lenze-PEACE]



MEGADETH war meine erste Band, die man eindeutig dem Metal zuschreiben konnte, auch wenn ich damals mit "Risk" den denkbar schlechtesten Einstieg erwischt hatte. Relativ schnell wanderten dann aber auch die von meinen Kollegen bereits erwähnten Klassiker alle in meine Sammlung. Wenn es jetzt heißt Abschied zu nehmen, will ich mir das folglich auch nicht entgehen lassen.

Und was soll ich sagen? "Megadeth" ist ok. Geiler Einstieg mit 'Tipping Point' und danach immer wieder super Momente, die genau das wiedergeben, wofür MEGADETH schon immer stand. Dazwischen viel, wenn auch hochwertiges, Füllmaterial. Dave Mustaine + X (ich hab schon vor langer Zeit aufgehört, nachzuverfolgen, wenn er sich zum jeweils aktuellen Zeitpunkt in die Band geholt hat) bringen zum Abschied genau das, was man erwartet. Nicht mehr und nicht weniger.

Damit ist "Megadeth" ein guter Abschluss für die Diskografie, würde gleichzeitig aber auch für jede und jeden, denen die Band noch unbekannt ist, einen guten Einstieg darstellen. Wobei, viele wird man wohl nicht finden, denen MEGADETH kein Begriff ist, dafür ist die Band - sorry, Rene - schon seit Jahrzehnten zu fest im Metal-Mainstream verankert.

Wo ich Kollege Juffernholz allerdings Recht geben muss: Auf das 'Ride The Lightning'-Cover hätte ich sehr gerne verzichten können, so bleibt zum Ende hin dann doch ein leicht bitterer Geschmack im Mund. Ich vertrete bei Covern seit jeher die Auffassung, dass man sich den Song dann auch zu eigen machen muss und nicht wie hier eine verwässerte Version des Originals abliefert. Vor dem Hintergrund möchte ich mit einem Shout-Out auf die Band DRIVING MRS. SATAN enden, welche dies perfektioniert hat. Während ich diese Worte schreibe, läuft im Hintergrund folglich auch ihre Version von 'Peace Sells'.

Note: 7,5/10
[Chris Schantzen]



Yeah Chris, danke für diesen schönen Schwenk zu DRIVING MRS. SATAN. Einer Band, die aus meiner Perspektive den Ansatz von Fremdkompositionen deutlich stimmiger wählt und nach dieser unnötigen 'Ride The Lightning'-Version regelrecht Balsam für die Seele ist. Noch bessere Interpretationen liefern eigentlich nur MARTIN SCHNELLA & MELANIE MAU, allerdings haben die nun mal keine MEGADETH-Songs im Repertoire. Was aber auch nicht weiter schlimm ist. Ein kurzer Blick ins CD-Regal erinnert mich ohnehin daran, dass ich mit "Countdown To Extinction" (ich gehöre zu den Narren, die den Umweg über JBO gehen mussten) und "Youthanasia" lediglich zwei Alben von Dave besitze und die finde ich beide nur so semi. Entsprechend sind sie sogar gebrannt und nicht mal Originale, auch wenn zumindest die Cover recht ordentlich kopiert wurden. Ach ja, was waren das für Zeiten. Aber ich schweife ab.

Warum das so war und auch nach drei wirklich anstrengenden Runden "Megadeth" so bleiben wird, bestätigen im Grunde auch fast alle meine Kollegen. Der "Gesang" ist selbst anno 2026 eine Vollkatastrophe. Wenn Frank bereits eingangs feststellt, dass Dave "keinen Zentimeter" singen kann, trifft er den Nagel auf den Kopf – um dann bei 8,0 Punkten zu landen? WTF? In diversen Foren wird James LaBrie regelmäßig als Schwachstelle seiner Band ausgemacht und sorgt zuverlässig für Abwertungen bei DREAM THEATER-Alben und hier winken wir Mr. Grumpy himself einfach durch, obwohl ich kaum einen Song schaffe ohne mich aufzuregen?

Die Musik und das Songwriting sind mit viel Wohlwollen vielleicht eine solide Sieben, können aber weder mit den Highlights des eigenen Backkatalogs mithalten, noch mit den letzten Veröffentlichungen von METALLICA. Lyrisch wie produktionstechnisch gibt es ebenfalls wenig, was eine Aufwertung rechtfertigen würde und dann kommt eben noch der Gesang dazu. Da ist Dave mit −1,5 Punkten eigentlich noch gut bedient und zeigt mir eher eine viel zu frühe Altersmilde meinerseits.

Es tut mir ehrlich gesagt auch leid für Teemu Mäntysaari (siehe Foto oben), der einen richtig guten Job macht und hoffentlich in Zukunft mit einem vernünftigen Sänger durchstarten kann, denn der Junge kann was. Und ich bin einfach froh, nicht in Marcels Haut zu stecken, denn ich muss "Megadeth" Gott sei Dank nicht gut finden, denn dann wäre ich heute krachend gescheitert.

Note: 5,5/10
[Stefan Rosenthal]

 

Läuft hier gerade das erste Mal über YT. Was ist denn das für ein Schnabeltassen-Thrash?
[Das Orakel von Hamburg]

 

Stichwort "Schnabeltasse": Ich möchte meinen Beitrag kurz mit einer allgemeinen Ode an die großen, alten Hard-Rock- und Heavy-Metal-Opas starten. Liebe IRON MAIDEN, JUDAS PRIEST, SAXON, URIAH HEEP, DEEP PURPLE (man möge die Liste selber ergänzen), ihr bereitet mir über Jahrzehnte Freude und liefert immer wieder Höchstleistungen, auf Konserve und live. Seit Jahren reift in mir die Erkenntnis, dass ihr es seid, die für mich den Kern des metallischen Fan-Daseins ausmachen. Zu Zeiten, in denen sich unzählige Sub-Gruppen unter dem Metal-Banner geformt haben und sich argwöhnisch beäugen, seid ihr die Konstante, der gemeinsame Nenner, zumindest für die meisten. Was passiert, wenn ihr nicht mehr da seid?

Das bringt mich zu "Megadeth". Dieses letzte Album berührt mich sehr, obwohl es, oder gerade weil es musikalisch eigentlich furztrocken und mega-relaxt aus den Boxen tönt. Aber genauso wie Frank Wilkens meine ich, Megadaves Seele in jeder Sekunde zu spüren. Ein Mann, dessen Ego wohl seine größte Stärke und gleichzeitig größte Schwäche ist. Ein Mann, mit dem ich nicht immer einer Meinung war, dessen Persönlichkeit und musikalische Agenda ich aber immer voll respektiert habe. Eines der großen Gesichter unserer Szene(n), was auch immer damit gemeint sein mag.

Natürlich kann ich jene verstehen, an denen das Album unspektakulär vorbei rauscht, aber bei mir klickt es. Ich bin fast sogar erstaunt, wie sehr es dies tut, denn MEGADETH habe ich schon lange nicht mehr regelmäßig gehört, außer von der großen Bühne herunter. "Rust In Peace" bleibt auch unerreicht, aber das ist jetzt bald 35 Jahre her. Und Dave ist ja nicht allein gealtert, auch seine Fans. Derer einer bin auch ich, der diesen Schnabeltassen-Thrash gerade sehr genießt und bei dem sich bei 'The Last Note' am Ende manchmal ein wenig Wasser in den Augen sammelt.

Note: 9,0/10
[Thomas Becker]

Fotocredits: Michael Vogt (vom Konzert mit DISTURBED in München 2025) und André Schnittker (vom Summer Breeze 2023)

Redakteur:
Thomas Becker

Login

Neu registrieren