Gruppentherapie: MAYHEM - "Liturgy Of Death"

18.03.2026 | 18:26

Insektenschwärme und Zauberblumen.

MAYHEM ist ein Phänomen, denn die Band schafft es komplett ohne Kompromisse an den Hörer absolut konsensfähig zu sein. So ist der Vorgänger von "Liturgy Of Death"  sein Name ist "Daemon"  in unserer Redaktion Album des Jahres 2019 geworden. Ob dies anno 2026 auch wieder gelingt? Nun, im Soundcheck muss sich die neue Scheibe schon mal geschlagen geben, landet aber auf Platz 2. Doch ohne Rüdigers obligatorische Zehn (zu seiner ausführlichen Lobpreisung) wäre es eventuell eng mit dem Stockerl geworden.

Doch nicht so massenkompatibel? Die Therapeuten tauchen ein in eine Welt von Raserei, Insektenschwärmen und Zauberblumen und berichten pflichtbewusst von ihrer Konfrontation mit MAYHEM  der Ausgeburt des Bösen.


Eine neue MAYHEM ist immer wie die Jagd nach Institoris und Sprenger, dem Abfackeln inquisitorischer Holzkirchlein und dem Fleddern des Hexenhammers zusammen  einfach eine einzige Befreiung ohnegleichen.

Die geschichtsträchtige Band um Hellhammer, Teloch, Ghul, Necrobutcher und Attila bietet auch auf "Liturgy Of Death" all das, was Black Metal zu einem der geilsten Genres im Metal machen kann. Rabe Rüdiger muss ich in allem, was er sagt, Recht geben: Die Veröffentlichung bietet einen formidablen Mix aus Raserei, atmosphärischem Innehalten, dornigen, progressiveren Passagen und den so schnittigen Höllenritten, die uns ans dunkle Herz gewachsen sind.

Der Opener 'Ephemeral Eternity' zeigt die Vielseitigkeit: Ein langes Intro, Rezitativ, aggressives Grimmgefauche, der Hohepriester klagt an, handelt es sich hier um Lucifer persönlich, so fragt man sich? Der Song entfaltet sich wie eine Zauberblume: Die Blüte öffnet sich, dunkel ist ihr Inneres, geheimnisvoll, voller Leben. Mit einem sperrigen Song zu eröffnen, zeigt Mut und Selbstbewusstsein. 'Despair' schnittert mit sensendem Riffing  genau mein Fall  diese größenwahnsinnige Art klassischen Black Metals. Den spielen in dieser Perfektion nur ganz wenige.

Gitarrensoli, Gedresche, diese verführerischen Harmonien, das Gemeine, das man sich gern gefallen lässt, "melodisch zwingend" nennt es Rüdiger, was ich zu 100 Prozent bestätigen möchte. 'Weep For Nothing' enthält diese gemeinguten, girlandenhaften Leads, die einst auch das Spiel von DISSECTION, SATYRICON, EMPEROR, NAGLFAR und DARK FUNERAL auszeichneten. Die manchmal überdrehten Vocals mit Beinahe-Opernfeeling sind grandios eingesetzt, erweisen sich in dem Genre als Alleinstellungsmerkmal.

Der Vorgänger "Daemon" bot mir den eingängigsten Zugang zu MAYHEMs Tonkunst. "Liturgy Of Death" ist mit mehr Dornen versehen, enthält Partien, die sich erst bei häufigem Hören festsetzen, was extrem gut gelungen ist, geradezu meisterhaft. Klanglich und von der Produktion her, auch da muss ich Rüdiger Recht geben, ist dieses Album von höchster Qualität.

'Funeral Of Existence' gerät beinahe eingängig. Tatsächlich? Das Georgel, der Irrsinn, das Gerenne über den hölzernen Laufgang führt uns über eine düstere Treppe hinab in das Labyrinth, die Baumsilhouetten haben eigenartige Formen, ein Wolf, ein Rabe, ein Widder scheinen sich dort zu manifestieren. Sind wir etwa schon im Wald, beim unheilvollen Blockhaus, das einen Einsiedler beherbergen soll, der vor fünfzig Jahren zuletzt gesehen wurde?

Kurz: Anhören, abtauchen, Hohepriester im Wohnzimmer spielen!

Note: 9,5/10
[Matthias Ehlert]


MAYHEM. Nun, norwegischer Black Metal ist ja nun nicht direkt mein Steckenpferd. Ich weiß noch, wie ich mit großen Augen und kopfschüttelnd  nein, nicht headbangend!  in den späten Achtzigern frühe BATHORY gehört habe. Da war ich jung und die Szene da oben auch. Nun bin ich reifer, so vier Jahrzehnte, und setze mich erstmals intensiv mit einer Scheibe von MAYHEM auseinander. Ich habe mal das Tondokument aus Leipzig gehört, das habe ich mental in die Schublade "mit meiner Musikwelt nicht kompatibler Lärm" weggeordnet.

Und nun? Ja, MAYHEM ballert, röchelt, keift und dröhnt. Diesmal kann mich das nicht schocken, ich ahne, was mich erwartet. Natürlich stören mich die häufigen Blastbeats, allerdings ist es auch ein faszinierendes, präzises Trommelfeuer, mit dem der Herr mit dem tollen Pseudonym Hellhammer  nur für's Protokoll: Ich mache mich auch über Pseudonyme von Bands lustig, die ich gerne mag, da muss MAYHEM hier auch durch  die natürlich gerne heftigen Teile des Albums antreibt.

Aber das ist tatsächlich nicht alles. Anstatt mich nur mit kurzen, rasenden Attacken zu langweilen, entpuppt sich der Opener 'Ephemeral Eternity' als beinahe progressiv. Selbst der keifende Frontmann Attila agiert abwechslungsreich, wenn auch zumeist natürlich in genrespezifischen Tönen. Die Band lässt ihrem Song sogar Luft zum Atmen, wabert atmosphärisch durch, ohne an irgendeiner Stelle nicht hundert Prozent Metal zu sein. Im Ganzen funktioniert "Liturgy Of Death" sogar noch besser als einzelne Stücke, was aber wohl auch an den langen Liedern liegt. Wobei ich nach einer halben Stunde, zugegeben, etwas müde werde, zumal sich einzelne Elemente natürlich genauso wiederholen, wie sie es auf Alben, deren Stil mir nur einfach mehr liegt, tun.

Das Album ist tatsächlich viel weniger schrecklich, als ich erwartet hatte. Für den Soundcheck musste ich es mehrfach hören und kann sagen, es tut bald gar nicht mehr weh. Es ist sicher nicht so, dass ich durch "Liturgy Of Death" zum Black Metal bekehrt werde. Aber in diesem Genre habe ich schon viel Schlimmeres gehört, vor allem von offensichtlich weniger begnadeten Könnern an den Instrumenten und, ja, auch da, dem Mikrophon. Das hier hat Hand und Fuß, sogar gute Passagen. Okay, die werden dann regelmäßig kaputtgeblastet, aber das ist jetzt wieder Geschmacksache, die einen loben dies, ich gehöre zur Fraktion, die davor eher flieht.

Was mache ich jetzt damit? Nein, kaufen wäre dann doch zu hoch gegriffen, hier im Regal würde das Ding maximal verstauben, ich lege "Liturgy Of Death" bestimmt nicht freiwillig in meinen vier Wänden auf. Aber ein gewisses Verständnis für die Faszination, die Black Metal auf einige ausübt, sowie der Respekt vor dem Werk an sich als akustisches und auch visuelles Gesamtkunstwerk, denn das Cover ist wirklich thematisch gelungen, müssen sich niederschlagen. Da ist es eigentlich wieder einfach, denn meine persönliche Kaufschwelle liegt bei 7,0 Punkten.

Note: 6,5/10
[Frank Jaeger]

MAYHEM steht wie keine andere Band für den klassischen norwegischen Black Metal der rohen ungeschliffenen Art. Kaum irgendwo sonst bekommt man die heidnische, nihilistische, misanthropische Essenz dieses Sounds so unmittelbar und kompromisslos ins Gesicht geschlagen. Maschinengewehr-Schlagzeug trägt Gitarrenwände, die bedrohlich surren wie ein wütender Bienenschwarm, und anstelle von klassischem Gesang gibt es eine Mischung aus Schreien, Krächzen und gutturalem Orgeln zu hören.

Auch "Liturgy Of Death" bietet hier das volle Programm mit allen Schikanen, allerdings von exzellenten Musikern und Black Metal-Pionieren bemerkenswert kohärent und kompakt vorgetragen, so dass es in der A-Note kaum Abzüge geben kann. Erfreulich dynamische und abwechslungsreiche Nummern wie 'Despair' klingen stellenweise sogar nach der Frühphase von MORBID ANGEL.

Alles in allem ist mir auf "Liturgy Of Death" immer noch zu viel Rauschen zu vernehmen, zu viel Fauchen und Knurren und einfach ein bisschen zu viel "Schema Böse". Nach zwanzig Minuten werde ich ungeduldig und will was anderes hören, bei aller aufrichtigen Anerkennung und bei allem Respekt vor MAYHEM und der immensen musikalischen Intensität, die hier dämonisch und wollüstig ausgelebt wird.

Ich persönlich fände es spannend zu hören, was passiert, wenn diese Musik mal einen Schritt zur Seite treten und sich anderen Einflüssen öffnen würde. Aber ich gehöre nicht zur primären Zielgruppe einer neuen Album-Veröffentlichung von MAYHEM. Für True-Black-Metal-Anhänger führt an "Liturgy Of Death" kein Weg vorbei. Alle anderen ziehen ihren imaginären Hut, applaudieren höflich und ziehen weiter.

Note: 7,0/10
[Martin van der Laan]

 

Sind die Worte unseres lieben Franks nicht eigentlich, trotz der eher durchschnittlichen Note, die größte Auszeichnung, die man einer Band verleihen kann? Jemandem, der mit dem Genre überhaupt gar nichts anfangen kann, zumindest Anerkennung für die geleistete Arbeit zu entlocken und auch positive Aspekte zu finden? Und ich kann Frank zustimmen, auch wenn ich insgesamt dem Black Metal positiver gegenüberstehe, habe ja schließlich selber mal in einer Black-Metal-Band gespielt und wir haben damals sogar 'Freezing Moon' gecovert.

Aber aktuell höre ich nahezu gar keinen Black Metal, selbst Death Metal findet bei mir recht wenig statt. Die beiden extremen Metal-Stilrichtungen geben mir derzeit absolut nichts und langweilen mich in den meisten Fällen viel mehr als dass sie mich interessieren. Und dennoch komme ich nicht umhin, für MAYHEM hier ein ordentliches Lob auszusprechen. Natürlich war es schon von Beginn an klar, dass die Norweger keinen belanglosen 08/15-Black-Metal abliefern werden. Hier präsentieren die Norweger die düstere Raserei mit Stil! Die Platte bietet sehr viel Abwechslung und dabei sind alle unterschiedlichem Passagen und Ideen in einer Sache identisch: Es ist das pure Böse.

Ich habe selten so ein Album gehört, das für mich das pure Böse vertont. Dennoch muss ich Frank insofern nochmal zustimmen, als dass ich "Liturgy Of Death" zumindest aktuell nicht in meine Sammlung aufnehmen werde. Dennoch fällt meine Note besser aus, da meine Kaufgrenze bei 8,0 bis 8,5 Punkten liegt.

Note: 7,5/10
[Mario Dahl]

Hier sind gefühlt die falschen Rezensenten am Zug! Wer MAYHEM hört, der bekommt seit Jahren auf höchstem Niveau "more of the same". Nach "Grand Declaration Of War" und "Ordo Ad Chao" scheint das absolute Radikalisten-Dasein ein Stück weit beendet worden zu sein. Die letzten Alben waren  verglichen mit diesen beiden Brocken  ähnlich bekömmlich wie "Chimera". Was natürlich nicht heißt, dass "Liturgy Of Death" plötzlich ein braves Album ist.

Die norwegischen Altherren des Schwarzmetalls steuern vielleicht in gewohnteren Gefilden, aber durch den Sturm der absoluten Bösartigkeit müsst ihr auch hier, wenn ihr dem MAYHEM-Boot folgen wollt. Das Album lief bei mir schon ein dutzend Mal, aber es bleibt nicht enorm viel hängen. Und: Ich finde das gar nicht schlimm. Denn jedes Mal, wenn ich es höre, werde ich in einen Mahlstrom der Dunkelheit gesogen, der mich zermalmt.

Attila ist weiter der wohl beste Black-Metal-Sänger der Welt. Unfassbar, was er aus Worten macht  und das immer wieder. Aber auch die Dissonanz der Gitarren von Teloch und Ghoul (Ex-CRADLE OF FILTH) ist atemberaubend. Hellhammer am Schlagzeug dürfte wohl unbestritten der Meister des Black Metals sein. Und die Grundsubstanz legt, wie gewohnt, Necrobutcher am Bass. Es gibt hier ein dichtes Klangbild, das mich teils eher an Collagen als an Songs erinnert, auch wenn die Abwegigkeit von "Ordo Ad Chao" nie erreicht wird.

Ihr lest hier nix über Songs, weil sie in der Intensität hinter dem Gesamtbild des Albums zurückstehen. Für mich die faszinierendste Scheibe des noch jungen Jahres, die jedes Mal gefangen nimmt, wenn sie aufgelegt wird. Keine Hits  nur Dunkelheit. Ein Monument.

Note: 9,5/10
[Jonathan Walzer]

 

Auch bei mir läuft Black Metal nicht täglich in der Playliste und braucht meist eine gewisse Vorlaufzeit, um mich wirklich in seine Dunkelheit hineinzuziehen. Wenn es dann funktioniert, geschieht das bei mir weniger über einzelne Songs als vielmehr über eine besonders einnehmende Atmosphäre, auch wenn natürlich Ausnahmen die Regel bestätigen.

Genau in dieser Disziplin, hypnotische Stimmungen zu erschaffen, ist MAYHEM allerdings eine absolute Bank. Gleichzeitig treten die Norweger merklich progressiver oder vielleicht treffender formuliert: technisch versierter  auf als viele Genre-Kollegen und würzen ihren Sound mit einer ordentlichen Portion Wahn(sinn). Ein "special shout out" geht an dieser Stelle definitiv an Attila. Die Gesangsperformance ist in dieser Hinsicht schon ziemlich nah an der Referenzklasse.

Kommen wir nun zum kleinen Aber: Warum bin ich von dieser Band, beziehungsweise konkret von "Liturgy Of Death", nicht komplett geflasht und "nur" extrem gut unterhalten? Und weshalb tue ich mich mit MARDUK oder WATAIN deutlich leichter? Liegt es tatsächlich am avantgardistischen Ansatz und den komplexeren Strukturen von MAYHEM, dass mein Interesse hier schneller nachlässt? Das wäre insofern paradox, da ich sonst überwiegend progressive, anspruchsvolle und meinetwegen auch künstlerisch aufgeblähte Musik bevorzuge.

Vielleicht fehlt mir bei MAYHEM einfach diese maximal aggressive Direktheit der Jungs aus Norrköping, die sich gefühlt immer zielstrebig und kompromisslos in mein schwarzes Herz prügeln. Und die von mir noch höher geschätzte Truppe um Erik Danielsson spielt mit ihrer Art der (Lead-)Melodieführung und einem deutlich epischeren Songwriting ohnehin noch einmal in einer ganz eigenen Liga. Persönliche Göttergaben wie 'Malefeitor' oder 'Waters Of Ain' finde ich auf "Liturgy Of Death" und generell bei MAYHEM leider nicht, auch wenn insbesondere 'Despair' und vor allem 'Weep For Nothing' für meine Ohren großartige Momente liefern und das Niveau selbst gegen Ende der Platte mit 'Propitious Death' noch erstaunlich hoch ist.

So bin ich der Erkenntnis, dass Black Metal eben nicht gleich Black Metal ist, zwar wieder ein Stück näher gekommen. Final erklären, welche Faktoren für mich letztlich den Unterschied machen und warum mich manche Bands stärker packen als andere, kann ich aber weiterhin nicht. Entsprechend werde ich mich wohl noch eine ganze Weile mit dieser Liturgie beschäftigen müssen. Auch wenn es (aktuell) für mich noch nicht ganz für den höllischen Circle des Schwarzmetall reicht, bleibt "Liturgy Of Death" ein spannendes, forderndes und in Teilen grandioses Black-Metal-Album. Insbesondere für Hörer, die in diesem Genre auch unkonventionellere Klänge schätzen. Und das bin ich ja eigentlich.

Note: 8,0/10
[Stefan Rosenthal]

Warum denn nicht? Nachdem ich bemerkte, dass sich Black Metal relativ unterschwellig aufschwellend regelmäßig in meine Alltage eingeschlichen hat, kann ich dem Ereignis eines neuen MAYHEM-Albums durchaus auch etwas abgewinnen. Nämlich Auseinandersetzung. Mit ihm. Vom Cover erst mal schon barockig romantisch morbide, fast kitschig in seiner symbolischen Klarheit. Aber das ist guter Genreton, wenn es nicht eine verschwommen fotografierte Tannenspitzensammlung im Schwarzwald in Novembernächten sein soll.

Wie ich das immer verstand, ist das den Puristen ziemlich egal, wie wer wo ankommt oder gar Wirkung erzielt. Black Metal ist für mich immer Rohheit, Aggression und pure Lust am Menschen. Ohne Glauben oder sonstigen Zierrat. MAYHEM ist da eben auch Teil der Ursuppe, wie man weiß. Und dass es die Band immer noch gibt und sie sich auch heute so derbe uneingegrenzt anhört oder vor allem anfühlt, ist schon an sich ein Wunder. Wenn ich die Stücke höre, kehrt eine Zufriedenheit zurück, die daher rührt, wie ich seit Jahren den Fehler mache, Black Metal "verstehen" zu wollen. Daran aber immer scheitere und wahrscheinlich genau das Richtige tue: wirken lassen.

Die genretypischen, aufberstenden Riffs und Licks, das tollwütige Schlag auf Schlag, die rastlosen Angriffe der Sangeskünstler auf die Davorstehenden. Dieses Scheißegal ist mit das ehrlichste, was die Musik zu bieten hat. Und die mittelschweren Parts, in denen die Dämonen auch mal mit dunklen Stimmen auf die Horde einreden, die bereiten dann die nächste Attacke vor.

'Despair' ist da für mich herausstechend. Für mich dürfen es auch ab und zu mal Tasteninstrumente sein, die sich in das Gewimmel wagen, oder auch harmonischere Gesangsparts, die scheu sich bemühen, das Inferno bekömmlicher zu machen. Aber so wie MAYHEM hier explodiert, implodiert, experimentiert, ist das schon ein synaptisches Gewitter.

Ich halte mich aus den Feinheiten und Diskursen von Szenen heraus, weil ich gerade die Überschneidungen der Stile oftmals sehr begrüße. Oder andererseits mit puren garstigen Abgängen von ganz oben aus den schwarzen Gipfeln wie 'Realm Of Endless Misery' lebe. Ganz gut gar. Als MAYHEM im Herbst 1990 diesen berühmten Live-Mitschnitt hier gar nicht weit weg von mir aufnahm (gemeint ist "Live In Leipzig", aufgenommen im Eiskeller in Conne Island bei Leipzig, T.B.), war nicht abzusehen, dass die Truppe in dieser durchdachten und bekloppten Welt heute immer noch die nägelbesetzten Arme und Keulen schwingt. Aber das müssen und das sollten sie weiterhin tun. Ein Energiegeber der reinsten Sorte.

Note: 7,0/10
[Mathias Freiesleben]

 

Wunderbar zu lesen, wie meine Kollegen auf der einen Seite mit diesem Album kämpfen, es auf der anderen Seite bei aller Bosheit lieben. Auf mich trifft beides zu. Obwohl es gar nicht mal so weit weg ist vom Vorgänger "Daemon", der mich mehr oder weniger sofort in die bizarre Welt von Attila und Co. eingesaugt hat, dauert es heuer viel länger, bis ich einen Zugang zur Musik entwickle. Für einige Wochen ist es  trotz Kopfhörerbeohrung  eher Stress im Hirn, zu viele Töne, zu viele Blasts, zu viele lästige kleine Mücken, die nicht von mir ablassen wollen. Wäre es nicht MAYHEM, hätte ich schon längst aufgegeben.

Doch die Biester landen immer wieder auf meiner Haut und auf einmal ist das Piksen angenehm, das Insektengift in vielen kleinen Dosen entfaltet Wirkung, und auf einmal ist alles genau richtig. Ich denke, der letzte Track 'The Sentence Of Absolution' ist es, der mich erstmalig verzücken ließ und mich zu den Worten inspirierte, denn was anderes als ein vertonter heimtückischer Mückenschwarm soll das sonst sein?

Mattes hat recht, es macht keinen Sinn, solche Musik analytisch anzugehen, sie braucht einfach den richtigen Moment, die richtige Stimmung und dann wirkt sie. Und wenn das passiert, ist man froh, dass es MAYHEM ist, vielleicht die kompletteste Black-Metal-Band dieser Tage. Hier ist dann auch irgendwie die Note egal; aber Stand jetzt mag ich den mit neun Teufeln bepunkteten "Daemon" (geschehen hier in dieser Gruppentherapie) immer noch lieber, ohne genau erklären zu können, warum.

Note: 8,5/10
[Thomas Becker]

Fotocredits: Promofoto von Century Media (Agnes Köhler, Nima Taheri, Joyce-Van-Doorn. Editiert von Daniele Valeriani).

Redakteur:
Thomas Becker

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