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Yes - Stuttgart

16.11.2001 | 10:15

13.11.2001, Liederhalle

Am 13.11.2001 war es mal wieder soweit, dass sich die Art-Rocker von YES in die Stuttgarter Liederhalle verirrten. Doch dieses Mal brachten die fünf Musiker Verstärkung mit, und zwar in Form des European Symphony Orchestra. Auch wenn YES auf ihrem aktuellen Album "Magnification" eindrucksvoll demonstrierten, dass ihre Musik ganz gut mit Orchesterunterstützung funktioniert, ging ich doch mit etwas gemischten Gefühlen zu diesem Konzert. Denn schließlich waren in der letzten Zeit nicht alle Bemühungen, Rock mit Klassik zu verbinden, sehr gelungen. Ich durfte also gespannt sein...

Ziemlich pünktlich um 20.00 Uhr begann das European Symphony Orchestra (unter der Leitung von Wilhelm Keitel) mit einer etwa fünfminütigen Einleitung - mit einer Ouvertüre vergleichbar -, bevor YES auf die Bühne kamen. Die Band legte mit dem Mammut-Werk "Close To The Edge" dann auch gleich ordentlich los. Allerdings ging das Orchester dabei leider ziemlich unter, und das sollte - abgesehen von ein paar Ausnahmen - auch so bleiben; am Sound von YES selbst gab es jedoch nichts auszusetzen. Ein Teil des Publikums konnte es scheinbar nicht ganz glauben, dass "Close To The Edge" komplett gespielt wurde, da einige Leute schon mitten im Song zu klatschen anfingen. Aber dadurch ließen sich Steve Howe & Co. natürlich nicht beirren und spielten das Stück souverän zu Ende. Das Publikum war davon so sehr begeistert, dass es sich in Form von Standing Ovations bei der Band bedankte. Diese Beifallsstürme gab es im weiteren Verlauf des Abends allerdings nach fast jedem Song. Nach einer weiteren kurzen Orchestereinlage ging es schließlich weiter mit "Long Distance Runaround", bevor eine erste Ansage von Jon Anderson folgte. Nachdem er festgestellt hatte, dass es jedesmal regnen würde, wenn sie nach Stuttgart kommen, kündigte er einige neue Songs an. Es gab nun "Don´t Go" und "In The Presence Of" von der aktuellen CD "Magnification" zu hören, wobei letzteres mit einem Keyboardpart des Schlagzeugers Alan White begann. Dann ging es jedoch wieder mit einem Klassiker weiter, und zwar mit dem großartigen "Gates Of Delirium", bei dem sich der Bassist Chris Squire sowie der junge Keyboarder Tom Brislin austoben durften. Diese beiden waren auch während des gesamten Auftritts die einzigen, die für etwas Bewegung auf der Bühne sorgten, denn Jon Anderson und vor allem Steve Howe wirkten doch sehr statisch. Im "Soon"-Teil von "Gates Of Delirium" kam im übrigen das Orchester endlich einmal richtig gut zur Geltung (abgesehen von den reinen Orchestereinlagen). Danach folgte ein Akustikgitarrensolo von Steve Howe, bei dem er eindrucksvoll zeigen konnte, dass er durchaus zu den Meistern seines Fachs gehört. Während er sich im ersten Teil von spanischen Rhythmen inspirieren ließ, gab es im zweiten Teil dann "The Clap" zu hören. Anschließend spielten YES (ohne Orchester) dann "Starship Trooper", das laut Jon Anderson nur an diesem Abend ausnahmsweise im Programm war, da ein Fan zuvor darum gebeten hatte (wer´s glaubt?!). Im Laufe dieses Songs konnte sich Chris Squire dann am Bass wieder richtig schön austoben, bevor es mit "And You And I" - nun wieder mit Orchesterunterstützung - weiterging. Danach folgte ein hervorragendes "Ritual", in das die Band ein Schlagzeugsolo eingebaut hatte (Alan White wurde hier von Jon Anderson, Chris Squire und Tom Brislin tatkräftig unterstützt). Zum Abschluss gab es dann noch "I´ve Seen All Good People", bei dem Jon Anderson das Publikum zum Aufstehen und Tanzen einlud. Das ließen sich die Leute natürlich nicht zweimal sagen, so dass die Stimmung bei diesem Song schließlich beinahe am Überkochen war. Dazu trug auch das Orchester seinen Teil dazu bei, indem es das Publikum durch rhythmisches Klatschen zusätzlich animierte. Da dies keinesfalls das Ende des Konzerts sein konnte, gab es schließlich noch - nachdem das Orchester die Bühne verlassen hatte - die obligatorische Zugabe in Form von "Roundabout". Obwohl sich das Publikum damit in keinster Weise zufrieden geben wollte und mit minutenlangen Standing Ovations versuchte, die Band zu einem weiteren Song zu bewegen, sollte es das gewesen sein... (Nach einer Spielzeit von über zweieinhalb Stunden geht das ja auch durchaus in Ordnung!)

Diesen Auftritt von YES werde ich (wie wahrscheinlich auch alle anderen Anwesenden in der ausverkauften Liederhalle) wohl noch sehr lange in guter Erinnerung behalten, denn schließlich wurden einem zweieinhalb Stunden lang fast ausschließlich Klassiker geboten - zusätzlich noch zwei neue Songs von der aktuellen CD "Magnification". Als einzigen Kritikpunkt kann man eigentlich nur anführen, dass das Orchester nicht in dem Maße zur Geltung kam wie es vielleicht wünschenswert gewesen wäre... Somit haben auf jeden Fall sämtliche Leute, die mit Prog- bzw. Art-Rock etwas anfangen können und die sich diese Tour entgehen ließen, einiges verpasst!!!

Redakteur:
Martin Schaich

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