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Yat-Kha - Leipzig

14.10.2005 | 14:07

11.10.2005, nato

Die Konzertreihe "Ostwind" wehte dieses Mal eine ziemlich außergewöhnliche Band in die Leipziger nato. YAT-KHA kommen aus Tuva (ein autonomer Staat zwischen der Mongolei und Russland), vereinen ihre traditionellen Volksweisen mit westlicher Rockmusik und haben zudem einen der weltbesten Kehlkopfsänger in ihren Reihen. Klingt nach musikalischer Horizonterweiterung? Genau das ist es auch!
Da ich bislang noch keine Note der Band gehört hatte, wusste ich auch nicht so recht, was mich erwarten würde und konnte die Sache somit recht vorbehaltlos angehen. Aber das YAT-KHA mit nichts Landläufigem vergleichbar sind, war natürlich von Vornherein klar.

Der Konzertsaal war (leider - wie sich später herausstellen sollte) bestuhlt und es hatten sich knapp über 100 Interessanten eingefunden, die dieser "verwestlichen" Form von zentralasiatischer Musik lauschen wollten.
Nachdem ein nato-Bediensteter einer kurzen Einführung gegeben hatte, was die Zuschauer da für eine Band erwarten würde, betraten die vier Musiker die Bühne, um musikalisch zu demonstrieren, wie sich tuvinische Tradition verknüpft mit Moderne anhört. Für die elektrische Verstärkung sorgten Bass und E-Gitarre, auf der anderen Seite hatte man aber auch einheimische Trommeln und eine Pferdekopfgeige im Einsatz. Daraus zauberte man ein ebenso beeindruckendes wie hierzulande ungewöhnliches Klangerlebnis.
Aushängeschild im Sound YAT-KHAs ist natürlich Albert Kuvezin, bereits erwähnter Kehlkopfsänger, der eine Spezialform des Untertongesangs kultiviert (die sich "Kanzat" nennt), welche sogar durchdringender und tiefer klingt als die meisten Death-Metal-Growls (auch wenn der Vergleich angesichts dieser grenzüberschreitenden Musik reichlich unpassend erscheint). Um mal eine grobe Vorstellung zu geben: Seine Stimme ist in etwa mit dem Klang eines Didgeridoo zu vergleichen. Und Kehlkopfgesang hat in Tuva Tradition, für Albert Kuvezin dürfte es also gar nichts so Außergewöhnliches sein, Rockmusik mit dieser Art von Gesang zu kombinieren. Zudem erwies sich der gute Mann auch noch als hervorragender Gitarrist.

Bereits nach dem ersten Song hielt es den einen oder anderen Zuhörer nicht mehr auf seinem Stuhl. Die betreffenden Leute mussten sich allerdings an den rechten bzw. linken Rand des Saals verdrücken, um ihrem Tanzbedürfnis nachzukommen, da die Stühle bis direkt an die Bühne heranreichten.
Die Band derweil kam von Anfang an sehr selbstsicher rüber. Lediglich der Trommler mit dem schönen und passenden Namen Rasputin hielt sich dezent im Hintergrund, die drei anderen Protagonisten waren zu allerlei Späßchen aufgelegt und lockerten die Stimmung angenehm auf und schafften damit eine entspannte Atmosphäre. Besonders die ulkigen Tanzeinlagen des dunkelhäutigen Bassisten waren sehr amüsant anzuschauen.

Nach der knappen Hälfte des Sets musste Albert Kuvezin erstmal eine kurze Pause einlegen um seine Kehle ein wenig zu regenerieren, denn trotz des Rauchverbots im Saal (das auch brav eingehalten wurde) war die Luft stickig genug, um das Gesangsorgan des Sänger ein wenig anzugreifen. Nach etwas Pausenmusik durch den Bassisten ging's dann aber zügig weiter. Und zügig ist das richtige Wort, denn im zweiten Teil wurden dann rockigere Stücke gespielt, während man vor der Pause u.a. einen vier Songs umfassenden Akustik-Teil zum Besten gegeben hatte. Und spätestens jetzt hätten die Stühle eigentlich weg gemusst, aber die gute Sicht wollte kaum jemand aufgeben und so zogen es dann die meisten Anwesenden doch vor, mit ihrem Hinterteil auf den Sitzgelegenheiten kleben zu bleiben. Eigentlich ein bisschen schade...

Doch die Musik wusste auch so zu gefallen und viel zu schnell ging die Show zu Ende. Als zweite Zugabe wurde dann gar 'Black Magic Woman' von SANTANA im YAT-KHAschen Stil gecovert. Das war aber bei weitem nicht die einzige Coverversion des Abends (kein Wunder, erschien doch erst kürzlich das reine Coveralbum "Recovers"), andere "Fremdkompositionen", die laut Setlist dargeboten wurden, waren u.a. 'When The Levee Breaks' von LED ZEPPELIN und JOY DIVISIONs 'Love Will Tear Us Apart'. Aber ehrlich gesagt habe ich bis auf die SANTANA-Nummer beim besten Willen keine andere erkannt, zu ungewohnt klingen die Stücke, wenn sie mit Untertongesang veredelt werden.

Inklusive Zugaben war der ganze Spaß nach etwa 80 Minuten vorrüber, und hat sicherlich nicht nur mich fasziniert. Zumindest konnte man nach Ende des Gigs überall in begeisterte Gesichter blicken. YAT-KHA sind definitiv eine Band, die man als aufgeschlossener Musikliebhaber nicht verpassen sollte.

Redakteur:
Stephan Voigtländer

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