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Y&T und HARTMANN - München

16.10.2013 | 21:44

08.10.2013, Backstage

Ein großer Melodic Metal Abend.

Der Monat Oktober sollte in Rocktober umbenannt werden, es ist ja echt jeden Abend etwas los. Zumindest in München, und auf jeden Fall im Backstage. Heute Abend treffen sich eine US Hard Rock Legende und eine jüngere deutsche Rockhoffung in der Halle, dem zweitgrößten der Clubs im Backstage.

Als ich eintreffe, ist der Laden schon ziemlich gut besucht. Gut, ich treffe auch erst kurz vor Beginn ein, aber umso besser. Fotokasten klargemacht, und kaum bin ich soweit, betritt Oliver Hartmann mit seiner Posse die Bühne und rockt sofort los. 'Right Here Right Now', oh ja, das passt. Erdig und ohne Fisematenten geht es gleich mal drei Songs nach vorne, mitreißender, direkter, melodischer, harter Rock. Das Publikum nimmt es dankbar auf und scheint teilweise mit dem Material vertraut zu sein. Wird aber auch Zeit, nach seinen vier Soloalben darf man erwarten, dass er sich endlich auch einen Namen erspielt hat in Deutschland, immerhin ist er auch regelmäßig live unterwegs. Das gespielte Programm ist natürlich ein echter Best Of-Set, denn das aktuelle Album "The Best Is Yet To Come" ist ja eine solche Compilation, die es zu bewerben gilt. So weist Oliver auch im Laufe des Sets darauf hin, dass es die Möglichkeit gibt, das Scheibchen eben right here right now zu erwerben.

Nach etwa zehn Minuten, also im großartigen 'All My Life', steht bereits fest, dass HARTMANN heute abend fruchtbaren Boden vorfindet. Zwar gibt es auch heute die typischen lichten Reihen vor der Bühne, aber allgemein geht das Publikum durchaus mit, wenn auch eine gewisse Reserviertheit nicht ganz von der Hand zu weisen ist. Das soll sich aber auch bei Y&T nicht komplett legen, an der Vorband liegt es also nicht. Es ist auch wirklich schwierig, von der Energie und dem Spaß der Musiker nicht angesteckt zu werden. Besonders Armin Donderer am Bass macht Faxen und mag gar nicht gern stillstehen und Markus Kullmann drischt für das Publikum sichtbar auf das übersichtliche Drumkit ein und nimmt auch gern mal Augenkontakt auf. Oliver kann zwar nicht oft, verlässt seinen Platz am Mikro aber auch gelegentlich, um beim Solo zu posieren, nur der zweite Gitarrist Mario Reck muss erst ein wenig auftauen.

Mit dem etwas ruhigeren, mit einem tollen Refrain versehenen 'Like A River' geht es weiter und in der zweiten Hälfte des Sets folgt natürlich auch der Song 'What If I', der in Australien ja mal vom Magazin Melodicrock zum "Song Of The Year" gekürt worden war, was auch erwähnt werden darf. Als letzter Song bildet 'Out In The Cold', der Titelsong des Debüts von 2005, den Abschluss und lässt mit einem kurzen Mitsingspiel das Publikum mitmachen, das nun gut aufgewärmt ist und auf den Hauptact wartet. Schön, dass HARTMANN keine Zeit mit einer der Coverversionen verschwendet hat, die gerne gespielt werden, aber ich ziehe die eigenen Tracks den totgenudelten 'Shout' oder, noch schlimmer, 'Music' vor. Tolle Songs, klar, aber nicht gerade die originellste Wahl. So ist das viel besser, und als die Musiker ziemlich verschwitzt von der Bühne gehen, haben sie sicher zahlreiche neue Freunde gewonnen.

Setlist: Right Here Right Now, The Sun's Still Rising, All My Life, Like a River, After the Love Is Gone, From Outta Space, What If I, Don't Give Up Your Dream, Alive Again, Out in the Cold

Zeit für besagte Legende. YESTERDAY AND TODAY, oder Y&T, wie sie sich seit kurz nach dem zweiten Album nennen, gibt es bereits seit etwa 40 Jahren. Bandleader Dave Meniketti ist auch durchaus nicht mehr zu der Riege der ganz jungen Hüpfer zu zählen, wie man deutlich sehen kann. Aber die großartige Stimme Daves ist etwas ganz besonderes im Melodic Rock-Zirkel und vermag mich immer wieder zu begeistern. In diesem Jahr wird ein ganz besonderes Jubiläum gefeiert, nämlich jährt sich die Veröffentlichung des bekanntesten Albums der Band, "Mean Streak", zum dreißigsten Mal. Klar, dass gleich erstmal mit dem Titelsong aufgetrumpft wird.

Das Backstage nimmt es erfreut auf, und da die Umbaupause nur etwa zwanzig Minuten gedauert hat, ist die Crowd noch warm. Vor einem großen Backdrop mit dem Bandnamen folgen nun sehr kurzweilige zwei Stunden, bei denen fast Klassiker auf Klassiker folgt. Warum nur fast? Weil natürlich auch das starke letzte Album, "Facemelter", mit zwei Songs zu Ehren kommt, die teilweise mehr rocken als anderes Material, in das sie integriert werden. Wobei auffällt, dass auch "Facemelter" schon wieder mehr als drei Jahre auf dem Buckel hat. Trotzdem wird es als aktuelles Studio-Album angekündigt, nur eine Doppel-Live-CD ist noch neuer. Abgesehen also von diesen beiden Songs sind schon die beiden folgenden Songs vom "Ten"-Album aus dem Jahr 1990 die neuesten Lieder.

Die größte Stimmung kommt aber wie erwartet bei den Songs aus der großen Zeit der Band zwischen 1981 und 1984 auf, in der vier wegweisende Alben erschienen, die nicht weniger als 60 Prozent der gesamten Setlist ausmachen. Erstaunlich ist vor allem die starke Präsenz des 1981er "Earthshaker"-Albums. Gleich fünf Songs? Das gibt dem Gig einen durchaus nennenswerten Blues-Touch. Nicht schlecht, aber da ja eines der Alben Jubiläum feiert, wäre ich nicht böse gewesen, wenigstens 'Straight Through The Heart' zu hören. Ich will ja nicht mal von 'Lonely Side Of Town' anfangen. Dafür wird aber mein absoluter Lieblingssong von Y&T gespielt, und das in einer echten Gänsehautversion. 'Midnight In Tokyo' beginnt ruhig und reduziert nur mit Meniketti und seiner Gitarre, steigert sich dann nach dem ersten Chor aber um den Rest der Band und wird natürlich aus vielen Kehlen mitgesungen. Dave nennt es "a signature tune", und damit hat er sicher recht.

So geht es Schlag auf Schlag, und dass ich immer weiter auf Lieder warte, die ich meine, dass die Band ohne sie nicht gehen kann, aber dann doch nicht alle bekomme, zeigt wieviele tolle Songs Y&T im Laufe der Jahre komponiert haben. Wobei auch das eigentlich Meniketti ist, zwar sind manche Musiker durchaus lange dabei, aber es reduziert sich doch häufig auf den Frontmann. Dass dann der zweite Gitarrist John Nymann immerhin den Leadgesang von 'Squeeze' übernimmt, und seine Sache sehr gut macht, aber dennoch ein wenig gegen Meniketti abfällt, zeigt wie stark das Material doch auch auf die prägnante Stimme zugeschnitten ist. Zwei Stunden und zwanzig Songs sind eine ordentliche Vollbedienung für das etwas betagtere Publikum, und am Ende herrscht einhellig die Meinung vor, dass sich der Abend gelohnt hat. Eine sehr gute Vorband und ein überzeugender, gut aufgelegter Hauptact. Ein rundum toller Abend.

Setlist: Mean Streak, Hard Times, Don't Be Afraid of the Dark, Don't Stop Runnin', Black Tiger, Dirty Girl, Midnight in Tokyo, How Long, Lipstick and Leather, Hurricane, Winds of Change, Contagious, I Want Your Money, Rescue Me, I'll Cry for You, Squeeze, Summertime Girls, I Believe in You, I'm Coming Home, Encore: Forever

Redakteur:
Frank Jaeger

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