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X-Mas Bash - Hamburg

15.01.2012 | 19:50

03.12.2011, Markthalle

TANKARD ging's auf den Sack, die KNEIPENTERRORISTEN wählen die falschen Songs. Wenigstens das Bier fließt reichlich. Aber sollte das nicht eigentlich Glühwein sein?

Samstag, 3. Dezember – alle sind bereit für die Winter-Edition des Metal Bashs, das X-Mas Bash. Nur zwei lassen sich nicht blicken: Der Winter und der Weihnachtsmann. So richtige Weihnachtsstimmung kommt drei Wochen vor dem Fest noch nicht auf und von Schnee und Kälte ist auch noch nichts zu sehen. Vielleicht haben sich beide auch beim heute stattfindenden OPETH-Konzert eingefunden, sowie eben alle, die nicht saufen und feiern wollen (denn was soll man bei TANKARD und den KNEIPENTERRORISTEN sonst auch machen?), sondern sich lieber von Metal fürs Gehirn beschallen lassen möchten.

Doch die Vielfalt bleibt nicht komplett aus in der Markthalle: Nach den Melo-Deathern SERPENTIC kommen RABENWOLF aus Stade auf die Bühne und spielen – der Name lässt es richtig vermuten – Pagan Metal. Doch irgendwas ist anders! Cellistin Ardis fehlt. Im Saal ist schon gut was los, die Musiker heizen der Menge ordentlich ein und die feiert sich schon mal warm. Mittlerweile haben sich RABENWOLF ein gute Fanbasis erspielt, die auch heute wieder die Fahne hochhält. Und schließlich wird es doch ein bisschen weihnachtlich – RABENWOLF schenken dem Publikum ein neues Lied: Für 'Stetum' wird eine große Flagge geschwungen, Keyboarder Hati verlässt zwischendurch immer wieder sein Instrument und unterstützt Sänger Stormmson. Vor allem der Mitgrölpart kommt bestens an und die Markthalle kocht. 'Stethu' hat eine ordentliche, schwarzmetallische Schlagseite abbekommen – möglicherweise die neue Marschrichtung der Band?

Im Anschluss gelingt es HARDBONE, die Stimmung aufzufangen. Die Rocker bestechen mit ihrem Hamburger Charme, auch wenn sie sich – nach eigenen Aussagen – nicht ausziehen sollten. Dennoch feiern auch viele Frauen mit. 'Demon In The Glass' legt die Karten schon mal auf den Tisch, denn mit HARDBONE öffnet sich auch der Bierzapfhahn und der Alkohol fließt in Strömen. Sänger Tim Dammann erzählt zu den meisten Liedern Anekdoten, zum Beispiel habe er eine Doku über eine Messibude gesehen, wozu ihm nur noch 'Hellhouse' einfiel. Um die Gedanken an Weihnachten endgültig zu verscheuchen, denken HARDBONE schon an Ostern und bewerben ihr im April erscheinendes Zweitlingswerk. Mit 'Booze, Blood, Blackout'  geht's aber erst mal mit altem Material weiter. Das Publikum ist so langsam auf dem Pegel und warmgerockt.

Mit 'Heute Nacht wird durchgemacht' geben die KNEIPENTERRORISTEN ihr Motto für den Abend vor. Die Markthalle ist voll, jedoch überschatten ONKELZ-Rufe immer wieder die gute Stimmung bei den Musikern. Die wollen erst mal eigenes Material spielen, sind sie doch vor langer Zeit aus dem Schatten einer Coverband herausgetreten. So sagt Sänger Jörn Rüter zur Hälfte des Gigs auch genervt: "Keine Angst, das kommt noch." Das Publikum nimmt es den KNEIPENTERRORISTEN dennoch übel, dass sie sich erst auf Eigenkompositionen wie 'Hopfen und Malz', 'Das dreckige Dutzend', 'Holstenritter' und 'Pornostar' beschränken. Selbst das Statement 'Wir sind 'ne Hamburger Band' reißt die abfallende Stimmung nicht hoch und immer mehr Zuschauer verlassen den Saal.

Da hilft es auch nicht, dass Jörn fleißig Bier und Spirituosen an die ersten Reihen verteilt – die Lücke klafft. Immerhin feiert das verbliebene Publikum noch zum Atzen-Cover 'Das geht ab'. Die Übrigen lassen sich erst mit dem ersten Zugabeblock versöhnen, der "endlich" aus ONKELZ-Liedern besteht: 'Dick und durstig' und 'Heute trinken wir richtig' legen den Fokus wieder auf den guten Freund Alkohol, der ungehemmt konsumiert wird. Überall schwanken Gestalten mit glasigen Augen, ihren Bierbecher in die Höhe reckend, aus dem die Hälfte einfach rausfließt. An diesem Abend hat sich eine gute Menge an Leuten ordentlich abgeschossen – und das schon vor dem Hauptact. Mit 'Mexiko', 'Stunde des Siegers' und 'Terpentin' neigt sich der Auftritt der KNEIPENTERRORISTEN dann dem Ende zu.

Sichtlich angepisst kommen TANKARD um kurz vor Mitternacht auf die Bühne. Ihnen bleibt vielleicht eine Stunde Spielzeit, die KNEIPENTERRORISTEN haben mächtig überzogen und einige Gäste müssen schon nach Hause. Da stellt sich natürlich die Frage, warum TANKARD nicht einfach vor den Hamburgern auf die Bühne gelassen wurden. Doch für derartige Überlegungen ist es zu spät und diejenigen, die wegen TANKARD hier sind, bekommen ohnehin nicht mehr allzu viel mit von der gereizten Stimmung. Die Mannen sind Profis genug, ihren Zorn nicht an den Anhängern rauszulassen, und starten mit 'Time Warp' durch. Natürlich kommt auch hier der Gerstensaft nicht zu kurz: 'Die With A Beer In Your Hands', 'Stay Thirsty!', 'The Beauty And The Beer' – Gerre und Co. huldigen ihrem Lieblingsgetränk. Die Menge wird dabei auch eifrig in ebenjenem gebadet und trotz des Frustes legen TANKARD eine ordentliche Performance aufs Parkett.

Redakteur:
Pia-Kim Schaper

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