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Wildside-Festival 2005 - Bremen

31.05.2005 | 14:15

21.05.2005, Tivoli

Das erste Wildside-Festival in Bremen war ein denkwürdiger Abend. So ging es dann am 21.5.2005 im Bremer Tivoli, einer sehr netten und übersichtlichen Konzert-Halle, zur Sache. Obwohl POWERMETAL.de das Festival mitpräsentierte, war meine Wenigkeit der einzige Vertreter dieser heiligen Hallen vor Ort, was sich als recht anstrengend (Live-Reviews, Fotos, kurze Intis bzw. Stimmen zum Festival,...) herausstellen sollte.
Dennoch verriet mir der regelmäßige POWERMETAL.de-Leser Jochen Mayer (b.) von DOMAIN u. a., dass eine zehntägige Tour am Stück auch für erprobte Rock'n'Roller eine anstrengende Sache ist. Aber dennoch, trotz ein paar Tagen Pause zwischen dem letzten Gig der "Melodic Metal Alliance"-Tour 2005 von MOB RULES und DOMAIN, sollte am heutigen Tag des Wildside-Festivals noch mal richtig gefeiert und natürlich gnadenlos gerockt werden. Sein Kollege Carsten "Lizard" Schulz (v.) bestätigte mir kurz darauf das überaus freundschaftliche Verhältnis zu den anderen Bands auf der abgelaufenen Tour, die möglicherweise im Herbst eine Fortsetzung vor allem in Südeuropa finden könnte. CROSSBOW-Sänger Dave, der kurz nach dem eigenen Gig zwar grundsätzlich zufrieden war, konnte aber im kurzen Gespräch mit dem Verfasser dieser Zeilen seine Enttäuschung über das organisatorisch bedingte "Herunterrutschen" im Billing nicht wirklich verhehlen, was aber nur auf sympathische Art und Weise den gesunden Ehrgeiz dieser interessanten Truppe verdeutlicht. Die Jungs von GALLOGLASS, die mir komplett zu fünft ebenfalls kurz nach ihrem Auftritt bei einem gemütlichen Bierchen in der Umbaupause zu ETERNAL REIGN ihre Sicht der Dinge schilderten, betonten u. a. die Vorzüge eines Kettenhemds (!) als Bekleidung des Drummers (soll gehörig kühlen!) und die Tatsache, das gerade ihr zweites Album in der Mache ist, sowie dass ihre Heimatstadt Hannover im Grunde kein schlechtes Pflaster für Rockmusik ist. Darüber hinaus war die Band sehr erfreut über die aufkommenden Zugabe-Rufe nach ihrem Gig. ETERNAL REIGN-Gitarrist Mick, ein Bremer Szene-Urgestein, stellte zu seiner Überraschung fest, viele "neue" Gesichter im Publikum entdeckt zu haben, und war ebenfalls rundum zufrieden mit dem eigenen Gig.

Doch nun ins Eingemachte, d. h. zur Musik des gelungenen Wildside-Festivals 2005 in Bremen:

Die Ruhrpottler DAVIDIS hatten die ziemlich unglückliche Aufgabe als erste Band auf die Bühne des zu dem Zeitpunkt mit maximal 50 zerstreut stehenden Zuschauern "gefüllten" Bremer Tivolis auftreten zu "müssen". Gemessen an der eigentlich sehr undankbaren Aufgabe haben sich die beiden Dortmunder Dirk Davidis (g./voc.) und Magga (b.), die live von einem Gastschlagzeuger (Stefan Kautsch, der unmittelbar nach dem Gig auch mit der nächsten Band CROSSBOW auf den Brettern bzw. hinter den Kesseln saß) unterstützt wurden, mit zunehmender Zeit immer achtbarer aus der Affäre gezogen und gut geschlagen. DAVIDIS spielen gefälligen Heavy Metal, der mal in Richtung Hardrock geht und mal etwas heftiger wird. Das "Problem" einer im Grunde guten Show war die Tatsache, dass Namensgeber Dirk Davidis Gitarre und Gesang gleichzeitig unter einen Hut bekommen muss. Musikalisch war alles in Ordnung und besonders der Song 'Forever' war cool, nur leidet bei einer derartigen Konstellation und nur drei Mann in der Band zwangsläufig die Bühnenshow stark bzw. ist praktisch nicht vorhanden. Ich fand auf jeden Fall, dass die Band ihre Sache gut gemacht hat, und vor allem bei den Ansagen durchaus Humor bewiesen hat. Der Sound war – wie bei der ersten Band des Abends meist der Fall – durchwachsen, wurde aber zum Ende hin besser... DAVIDIS arbeiten übrigens gerade am Debüt-Album.

Den Charme dieses kleinen aber wahrlich feinen Festivals illustriert der lustige Umstand, das der Sänger Dave von CROSSBOW vor seinem Auftritt einen O-Ton für seine lokale Radio-Sendung in seiner Heimat – und die ist schon vom "Akzent" her unüberhörbar, das Rheinland (Herne) - von MOB RULES-Sänger Klaus Dierks einfing, um dann nach der Show permanent mit Sonnenbrille und Dauergrinsen herumzulaufen und auf dennoch absolut sympathische Art und Weise ein wenig den Rockstar zu spielen.
Musikalisch ging auf der Bühne ein klein wenig mehr ab. Auch unterscheiden sich CROSSBOW schon vom Stil her ein wenig von den übrigen Bands des Abends, denn Sänger Dave hat nicht diese typische, leicht hohe Melodic-Metal-Stimme. So war die Band dann auch an besagtem Abend etwas enttäuscht, dass sie aus organisatorischen Gründen um einen Platz im Billing nach unten gerutscht sind. Eigentlich hätten sie nach GALLOGLASS spielen sollen. Die Jungs von CROSSBOW haben dann aber eine sehr energiereiche Show abgeliefert und mittlerweile waren auch ca. 100 Headbanger anwesend. Die Up-Tempo-Nummer 'Break The Ice' oder auch das Stück 'Hope' kamen auch recht gut beim Bremer Publikum an. Auch wenn sicherlich noch Luft nach oben ist, so hat der Rheinland-Fünfer einen guten Gig abgeliefert und den einen oder anderen Fan mit Sicherheit neu dazu gewonnen (mich eingeschlossen - Anm. d. Verf.). CROSSBOW haben sehr geschickt schnellere und härtere Nummern mit ein oder zwei ruhigeren Stücken gemischt, und so auch dem Publikum mal Verschnaufpausen gegeben. Die vielleicht sogar die Handvoll Headbanger, die erst mit Daves Aufforderung "Ihr seit nicht nur zum Saufen da!" vom Tresen Richtung Bühne gelockt werden konnten, dürften begeistert gewesen sein.

Redakteur:
Martin Stark

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