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Wikingernacht - München

22.09.2008 | 15:22

06.09.2008, Titanic City

Langbartträger aller Nordlande, vereinigt euch! Die Windsänger von VINDENS SKALDER laden zu einer Art Newcomer-Show mit erfahrener Unterstützung: Neben VINDENS SKALDER, BÖLVERK und HIBERNIHILUM, die alle den oder einen ihrer ersten Gigs spielen, geben sich heute Abend SYMBOLIC aus dem lauschigen Eichstätt und HERALDER aus dem Saarland die Ehre. Und siehe da: Mit so einem Billing lässt sich also wirklich etwas erreichen, stehen doch schon so einige schwarzbemantelte Neugierige vor dem Titanic City in München, um sich bei Met und Bier eine ordentliche Portion Metal um die Ohren blasen zu lassen. Die Türen öffnen sich allerdings erst um halb acht und so bleibt Zeit, sich mal wieder mit einigen Nasen über den neuesten Metaller-Tratsch auszutauschen.

Zehn Minuten vor acht entern die Initiatoren des heutigen Abends die Bühne: VINDENS SKALDER. Verdammt jung und verdammt motiviert – das ist der erste Eindruck. Der zweite Eindruck: Von wegen "Windgesang"; was uns die Nachwuchs-Wikinger hier präsentieren, ist eine gelungene Mischung aus melodischen Mitsing-Parts und astreinem Epik-Pagan-Metal. Wie mir vor dem Gig noch zugesteckt wurde, ist der zweite Gitarrist kurz vor dem heutigen Auftritt ausgestiegen, was zu einiger Improvisation im Arrangement geführt hat. Davon ist allerdings so gut wie gar nichts zu merken, und bis auf ein paar verschmerzbare Holperer wird das Songmaterial konsequent vorgetragen. Das von der Myspace-Seite der Band bekannte 'Klingensturm' lädt das anwesende Publikum mit seiner netten Heaviness ansatzlos zum Bangen ein. Das Titanic ist wie erwähnt recht voll, und so haben die ersten Reihen eine Menge Spaß. Zu 'Hoch die Hörner' erfährt das nahezu inflationär gebrauchte Stilmittel der "Hey! Hey! Hey!"-Rufe seinen vorzeitigen Höhepunkt – doch solange genug Leute mitmachen, ist das ja auch voll okay.

Woran VINDENS SKALDER allerdings noch arbeiten müssen, ist die Bühnenpräsenz. Ein wenig professioneller darf es noch werden, gerade die Ansagen und das, was man so zwischen den Songs macht, sollte eine Überarbeitung erfahren. Ein bisschen mehr Bewegung täte dem Ganzen auch gut. Doch diese Probleme haben ganz andere mit deutlich mehr Bühnenerfahrung auch, und so bleibt nach einer halben Stunde das klare Fazit: Das nächste Mal wird's noch besser, den Leuten hat's gefallen und: Schreibt mehr Songs wie 'Hoch die Hörner'!

Nach einer kurzen Umbaupause, Akklimatisierung auf der Bühne und einem kurzen Soundcheck beginnen BÖLVERK ihren Gig mit einem gelungenen, melodiösen Gitarrenintro inklusive einiger Worte in einer mir unbekannten Sprache, was sofort Stimmung im Titanic verbreitet. Auch optisch wartet eine Überraschung auf diejenigen, die BÖLVERK bis dato noch nicht kannten: Die Band besteht in diesem Line-up aus drei Mädchen und drei Jungs. So viele Damen sieht man selten auf einer Metal-Bühne. Gespannt, was die jungen Münchner auf die Bühne zaubern werden, bin ich von der ersten Hälfte ihre Auftritts mehr oder weniger enttäuscht. Das Songmaterial erinnert an eine Mischung, die irgendwo zwischen CRADLE OF FILTH und FALKENBACH anzusiedeln ist. Das liest sich nicht nur komisch, sondern klingt auch so. Der Eindruck entsteht nicht zuletzt deshalb, weil Stephie am Gesang doch arg an Dani Filth erinnert. So scheint das Urteil schnell gefällt: Belanglose Cover-Band oder wie neben mir in den Raum geworfen wird: "Die Songs sind geil, bis sie anfangen, das Intro zu spielen."

Doch irgendwie schaffen BÖLVERK es, die Kurve zu kriegen. Eingeleitet mit 'SWPD' spielen sie plötzlich amtlich auf, präsentieren nette eigene Ideen und überzeugen mit mindestens grundsolidem Songwriting. Ob es an den Songs liegt, dem guten Feedback aus dem Zuschauerraum oder irgendwelchen anderen metaphysischen Dingen – ich weiß es nicht. Aber es macht immer mehr Spaß, BÖLVERK zuzuhören, und als sie dann noch ein blackiges 'Hard Rock Halleluja' anstimmen ist die Stimmung am überkochen. Ich bin gespannt, wie viel Potenzial die Münchner noch entfalten können, und hoffe, dass man in Zukunft von zu großen Anbiederungen an die musikalischen Helden absieht.

Um kurz vor halb zehn geht es weiter mit einer Band, die sich deutlich stärker dem Schwarzmetallischen verschrieben hat als ihre Vorgänger. HIBERNIHILUM heißt die letzte Münchner Band des Abends und strengt sich an, die Anwesenden ordentlich durchzuschütteln mit ihrem Mix aus Black Metal und anderen Metal-Stilen. Während sich die Instrumentalfraktion recht ordentlich in Szene zu setzen weiß, hat man sich am Gesang von Adalwolf recht schnell sattgehört. Obwohl technisch einwandfrei ist diese Tonlage einfach unpassend zu dem recht unkonventionellen Genre-Mix von HIBERNIHILUM und würde eher für den Gewinn eines BURZUM-Castings prädestinieren.

Während die klassischen Black-Metal-Passagen einen klaren "Tausendmal gehört"-Stempel bekommen, zeigt sich das wahre Können der Band in den Parts, in denen man mehr Heaviness zuschaltet oder sich in vorsichtigem Groove versucht. Mein Eindruck ist, dass man seinen Stil noch nicht final gefunden hat. Und das ist auch gut so. Denn an Gitarre, Bass und Drums sitzen jeweils talentierte Musiker, die mit ein bisschen mehr Mut zum Grenzensprengen noch so einiges reißen können. Gerade den Blackies vor der Bühne gefällt der Gig sehr gut, und so wird dort ordentlich abgeschüttelt.

Pünktlich um viertel nach zehn kommen die aus Eichstätt stammenden SYMBOLIC auf die Bretter des Titanic, um nun den Deathern im Publikum einzuheizen. Leider wird schnell klar, dass das am heutigen Abend gar nicht so viele sind, was zu lichten Reihen vor der Bühne führt. Es scheint geradezu, dass die Wikinger im Titanic ein wenig überfordert sind mit dem technischen Progressive Death Metal der Bayern. Doch schon mit dem zweiten Song hat sich vor der Bühne eine kleine Fanbase etabliert, die ordentlich mitgerissen wird von der metallischen Abrissbirne auf der Bühne. Technisch auf verdammt hohem Niveau, progressive Songstrukturen und eine insgemeine Power machen den Auftritt von SYMBOLIC zu einem Erlebnis. Sei es das mit einem großartigen melodischen Gitarren-Hook versehene 'Palace Of Fear' oder der Speedkracher 'Haunted By Visions' – wer diese Jungs noch nicht auf dem Plan hat, sollte dies als eine uneingeschränkte Empfehlung werten. Ebenso wie die genannten Songs ist auch 'Autumn Fever' von der aktuellen Veröffentlichung der Eichstätter, "Enigma". Ein Review zu dieser Scheibe wird es bald auf POWERMETAL.de geben. 'Autumn Fever' zeigt die Freude an originellen Ideen: So zieht man innerhalb des Songs einfach mal die Geschwindigkeit um zwei Stufen hoch, nicht mit Break, sondern dynamisch, versteht sich.

Natürlich werden die Jungs von dem dankbaren Publikum nicht vor dem Spielen einiger Zugaben in die laue Nacht entlassen. Vielmehr bekommen die hartmetallischen Jünger vor der Bühne noch einmal mit einer Death-Version des PRIEST-Klassikers 'Breaking The Law' ordentlich den Kopf gewaschen. Nach etwas mehr als einer halben Stunde voller Mitgrölen, Mitgehen und Feiern geht auch dieses Highlight des heutigen Abends vorbei.

Vor einem merklich leereren Zuschauerraum kommen nun die eigentlichen Headliner des Abends auf die Bühne: HERALDER. Irgendwo zwischen epischem Metal und folkloristischem Gothic angesiedelt, entfaltet sich ein netter und melodischer Sound im Saal. Für die Anzahl der Musiker ist die Bühne fast zu klein, eine große Show oder Ähnliches kann man da natürlich nicht erwarten. Insgesamt agieren acht Leute auf der Bühne, am auffallendsten die zwei Damen und der Herr am Gesang. Eben jenes Dreigestirn an den Mikros macht einen Großteil des Reizes von HERALDER aus. Und so wird melodiös vor sich hin gespielt, immer wieder durchsetzt mit epischen Parts, was im Ganzen zu einer netten Prise Heavy Metal führt. Wie ein Sommerwind geht der Auftritt vorüber, sanft, nicht zwingend, in seiner Lockerheit erfrischend, aber irgendwie auch nicht richtig ernst zu nehmen.

Um kurz nach zwölf ist dann Schicht im Schacht. Während sich die einen noch über die an diesem Abend gewonnenen Eindrücke unterhalten, macht sich ein Großteil auf den Heimweg oder in andere Lokalitäten auf. Es bleibt festzuhalten, dass die Veranstalter mit Sicherheit zufrieden mit den Besucherzahlen sein können und SYMBOLIC zwar einen großen Auftritt hingelegt haben und für mich das klare Highlight des Abends waren, den Platz in einem Wikingernacht-Billing aber nicht unbedingt ausfüllen konnten. Auch die anderen jungen Bands haben teils mehr, teils weniger überzeugt. Für acht Euro war das aber eine lohnende Veranstaltung. In diesem Sinne: "Hoch die Hörner!"

Redakteur:
Julian Rohrer

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