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Welle:Erdball - Magdeburg

14.11.2006 | 00:03

28.10.2006, Factory

Gerade einmal eine halbe Stunde vor dem offiziellen Beginn des Abends ist es leer in der alten Fabrikhalle in Magdeburg. Genauer gesagt in der sogenannten Factory. Anlass für den frühen Besuch in der Diskothek bildet der Auftritt von WELLE:ERDBALL, die sich derzeit auf ihrer Tournee zum aktuellen "Chaos Total"-Album befinden. Pünktlich halb neun richten sich die Blicke der bislang noch wenigen Besucher nach vorn. Doch nichts passiert. Das Warten beginnt. Der Saal füllt sich zunehmends, aber die Zeit vergeht. Keine Vorband, die einem die Warterei versüssen würde, nur Musik aus der Reserve.

Kurz nach 21:40 Uhr kommt endlich Konzertstimmung auf: Als Einleitung wird 'Graf Krolock' vom aktuellen Album der Minimal-Elektro-Helden gespielt. Dazu betreten Sänger H.O.N.E.Y. und Bandkollege Alf in den gewohnten Anzügen und Sonnenbrillen die kleine Bühne. Hinter ihnen ist noch immer ein großer, schwarzer Vorhang, der auch beim folgenden Song, 'Gib mir mein Gefühl zurück', zugezogen bleibt. Erst mit dem dritten Lied, 'Tanzpalast', verschwindet der Vorhang und die beiden Frauen werden sichtbar. Mit diesem Lied verändert sich nicht nur auf der Bühne die Position der Bandmitglieder, sondern auch im Publikum wirkt dieser Song wie ein Aufputschmittel. Die Party-Konzert-Stimmung beginnt, die ersten tanzen und auch sonst schwingen alle zu den mitreißenden Klängen mindestens ihre Köpfe mit. Nachdem weitere bekannte Songs, wie 'Berühren', 'Wir wollen keine Menschen sein' oder 'Mensch aus Glas', gespielt werden, kommt endlich ein scheinbar noch viel beliebteres Lied. 'Nur tote Frauen sind schön' verursacht einen starken Jubel im Publikum. Doch auch andere Stücke wie 'Das Souvenir', 'Mathematique' oder 'Das Alpha-Tier' kommen wunderbar an. Aber die Klassiker wie 'Schweben, Fliegen, Fallen' übertrumpfen das immer wieder. Überraschend bei diesem Song war für H.O.N.E.Y. scheinbar die Langlebigkeit der Luftballons, die wie gewohnt zu diesem Track ins Publikum geworfen werden. Auch dieses Mal enthält wieder einer einen 50 Euro-Geldschein. Beim folgenden Song, 'Der Telegraph', wird es ein wenig verwirrend. Ein Fan geht einfach auf die Bühne, lässt sich kurz bejubeln, singt kurz mit und verschwindet dann wieder im Publikum. Die verwirrten Blicke sind schnell vergessen, denn der Spaß und die Freude, die WELLE:ERDBALL mit ihrer Musik vermitteln, stehen heute im Vordergrund. Doch eine seltsame Situation folgt scheinbar der nächsten: Bei 'Arbeit Adelt' scheint nicht nur am Konfetti auf der Tonne gespart worden zu sein, sondern auch am Material, aus dem der Schlagstock gemacht wurde - oder H.O.N.E.Y. ist dieses mal zu eifrig bei der optischen Präsentation des Songs. Ein zweiter Stab zerbricht ebenfalls, beirren lässt sich der Sänger aber nicht. Lieber bindet er spontan das Publikum ein indem er es anstatt der normalerweise zu hörenden Schläge "Hey" rufen lässt. Es klappt super. Als wirkliche Panne kann das nicht betrachtet werden. Erfolgreich geht es weiter mit älteren WELLE:ERDBALL-Stücken wie 'Kontagan', 'Super 8' oder 'Tanz Eiskalt'. Als 'VW Käfer' gespielt wird, kommt wieder Erheiterung auf, denn eine Textzeile wird immer der jeweiligen Stadt angepasst, und so singt H.O.N.E.Y., dass sie "auch in Magdeburg" schon waren. Mittlerweile ist die Stimmung im Saal so aufgeheizt, dass manche im Publikum sich nicht nur mehr bewegen - freie Oberkörper mehren sich. Ein Ende des Abends ist nicht in Sicht. Lieder wie 'Hoch die Fahnen', '23', 'Interaktiv', 'Starfighter', 'Wo kommen all die Geister her', 'Susi hat Angst' und 'Sternenkind' folgen. Weder das Publikum noch WELLE:ERDBALL werden müde. Da hilft auch nicht die Frage, ob nicht alle ins Bett müssen nicht weiter, denn es ist Samstagabend. Alle sind hier, um ihre Minimal-Helden zu feiern, und nicht um früh schlafen zu gehen. Eine annähernde Befriedigung bildet der Fortgang des Abends. Doch nach den nächsten beiden Songs, 'Walkman' und 'Nicht von dieser Welt', muss H.O.N.E.Y. nochmals ein paar Worte an das Publikum richten. Er findet es "unfassbar", wie die "Leute" in Magdeburg "abgehen". Gleichzeitig hofft er, dass die "Leute" nicht auf Drogen sind. Es folgt eine weitere Zugabe mit 'Monoton und Minimal', 'Es geht voran' und 'Elektrosmog'. Nicht nur WELLE:ERDBALL geben an diesem Abend "alles was drin ist" und volle Power, sondern auch die Fans. Aber auch dieser Auftritt findet sein endgültiges Ende und damit verabschieden sich WELLE:ERDBALL von der zahlreichen Menge aus Magdeburg.

Redakteur:
Franziska Böhl

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