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WELLE:ERDBALL - Hohenmölsen

10.04.2010 | 11:34

20.03.2010, Volkshaus

An diesem Abend hörten sich die 200 Gäste für Honey wie 2000 an.

Und wieder hieß es: "Hallo, hier spricht WELLE:ERDBALL". Doch in diesem Fall fand das Ganze an einem eher ungewöhnlichen Ort für die Minimal-Elektro-Band statt. Im Süden Sachsen-Anhalts, der ehemaligen Braunkohlestadt Hohenmölsen, versammelten sich an diesem Abend lauter WELLE:ERDBALL-Fans und hauchten dem knapp 10000 Einwohner großen Städtchen Leben ein. Aber Sänger Honey mag es auch mal familiär, wie er kurz vor dem Konzertbeginn erzählte.

Überraschenderweise gab es an diesem Abend auch eine Vorband: PROFANE FINALITY. Das Trio spielte eine Mischung aus härterem Elektro und EBM. Recht schnell konnten sie das Publikum begeistern, obwohl sich die meisten Besucher vorwiegend im Hintergrund aufhielten. Es dauerte gerade einmal eine Viertelstunde, bis die ersten Jubelschreie kamen.

Mit besonderen Aktionen konnten die beiden Sänger Maik und Benno zwar nicht überzeugen, aber ihre beatlastigen Songs wie 'In Lockstep', 'Enemy', 'Schmerz' oder 'Last Ressort', die sie oftmals mit geschlossenen Augen spielten, schafften es, das Publikum immerhin zum Kopfnicken zu animieren. Nach ihrem Auftritt schloss sich der Vorhang der Bühne, so dass zügig mit dem Umbau begonnen werden konnte.

Danach starteten WELLE:ERDBALL auch gleich durch. Fräulein Plastique und Frau Venus standen dabei zunächst vor großen Spielautomaten, während Alf vorwiegend im Hintergrund agierte und Sänger Honey vorn souverän die Stimmung im Publikum mit jedem nun folgenden Song immer mehr auf Hochtouren brachte. Gleich zu Beginn hieß es: "Beweg dein Gehirn jetzt." Wie Schaufensterpuppen standen die beiden Frauen vorn auf rotierenden Scheiben. 

Die C64-Musik kam auch nach zwanzig Jahren Bandgeschichte noch immer gut beim Publikum an. Nach dem dritten Song begrüßte Honey die Fans aus Hohenmölsen und würdigte kurz darauf den Commodore 64. Mit einer kleinen Ansprache leitete Honey zum nächsten Song, 'Mensch aus Glas', über. Nicht jeder müsse eine Deutschland-Card besitzen oder überall seine "Schwanzlänge" angeben, sagte Honey. Es folgte ein bislang unveröffentlichter Song, dessen Namen sich Honey scheinbar selbst noch nicht ganz gemerkt hatte: 'Die falsche Frau'. Der Text klang nach ein wenig Melancholie oder Wut. Unter anderem hieß es, dass man den kleinen Finger gebe und die ganze Hand genommen werde. Aus dem gleichen Album präsentierte die Band an diesem Abend noch zwei weitere bislang unveröffentlichte Songs.

Klassiker wie '23', 'Arbeit adelt' oder 'VW-Käfer' mussten erst gar nicht angekündigt werden, weil die Fans die Lieder schon nach den ersten Sekunden erkannten. Bereits bei '23' herrschte im Publikum eine äußerst ausgelassene Stimmung. Im vorderen Bereich wurde ununterbrochen getanzt. Dass die Bandmitglieder langsam älter werden, merkte man ihnen ebenfalls kaum an. Bei 'Arbeit adelt' konnte Honey wie gewohnt kraftvoll auf eine Metalltonne schlagen und das Konfetti zum Hüpfen bringen. Andererseits konnte er sich auch nach wie vor wunderbar wie ein Roboter bewegen, wie seine Bewegungen bei 'Der Telegraph' zeigten. Mit einem Megafon in der Hand war er hier aber nicht der Hauptsänger, denn die beiden Frauen verschönerten den Track mit ihrem lieblichen Gesang.

Selbstverständlich wurden an dem Abend auch noch härtere Töne angeschlagen, unter anderem bei 'Das Alpha-Tier'. Es dauerte allerdings recht lange, bis das Publikum auch einmal bei einem der Songs mitsang. Erst bei 'Schweben, Fliegen, Fallen' nutzten die Fans den Refrain aus, um auch ihr Können oder vielmehr ihre Fantreue zu zeigen. Natürlich wurden an diesem Abend noch weitere Klassiker wie 'Starfighter' mit den dazugehörigen Papierflugzeugen, 'Deine Augen' oder 'Wo kommen all die Geister her' gespielt.

Nach einem rund zweistündigen Programm verließen WELLE:ERDBALL die Bühne. Aber jeder weiß: Die Band geht, die Fans schreien nach einer Zugabe, und die Band kommt letztendlich zurück. Da auch WELLE:ERDBALL wissen, wie das funktioniert, kürzten sie das Ganze ab und legten gleich mit dem melancholischen Song 'Die Moorsoldaten' nach. Dabei wurden sie beim Refrain erneut kräftig vom Publikum unterstützt.

Anschließend erfolgte ein abrupter Sendestopp: Die Technik fiel aus. Welch Ärgernis. Honey nutzte die Zeit, um zum einen noch etwas Kritik an der Gesellschaft loszuwerden und sich zum anderen zu freuen, dass WELLE:ERDBALL und der Hörerclub bereits in diesem Jahr über 800 Euro an die SOS-Kinderdörfer spenden konnten. Doch man merkte Honey an, dass ihn dieses Technikproblem wütend machte. Nach über fünf Minuten funktionierte aber alles wieder. Passend schienen die Textzeilen des folgenden Songs: "(...) Ich bin ein Fehler der Natur (...)".

Nach 'Monoton und minimal' bedankte sich Honey bei dem Publikum: Die 200 Gäste hörten sich seiner Meinung nach auch eher wie 2000 Besucher an. Danach verließ die Band erneut für sehr kurze Zeit die Bühne und kam noch mitten im Abschlussapplaus zurück, um 'Es geht voran' zu spielen. Anschließend fiel der Vorhang. Endgültig. Nach fast zweieinhalb Stunden entließen WELLE:ERDBALL die Fans in einen warmen Abend oder wahlweise in die Aftershow-Party. Noch schnell ein letztes Bild mit Honey, und es ging ab nach Hause.

Redakteur:
Franziska Böhl

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