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WACKEN ROADSHOW 2004 - Frankenthal

11.05.2004 | 11:44

29.04.2004, Krone Music Club (Altes Brauhaus)

Zum zweiten Mal begibt sich die Wacken Roadshow auf Rundreise durch die Republik. Mit dabei sind dieses Mal PRIMAL FEAR, FREEDOM CALL, METALIUM und DARK AGE. Eine Vollbedienung für alle True-Metal-Fans bzw. Metaller, die traditionelle Klänge bevorzugen. Einzig die Hamburger DARK AGE mit ihrem Dark Metal scheinen im Vorfeld nicht so recht ins Programm passen zu wollen. Warum eigentlich nicht? Eigentlich sind Metaller doch aufgeschlossene Leute, zumindest meinen es viele zu sein. Das ehemalige Alte Brauhaus in Frankenthal ist um die Einlasszeit noch recht spärlich gefüllt, was sich im Verlauf des Abends aber noch ein wenig ändern sollte. Überhaupt ist die Tour bislang nicht gerade sehr gut gelaufen! Vielerorts war der Besucherzuspruch eher bescheiden gewesen. Hinter vorgehaltener Hand wird gemunkelt, dass es einfach daran liegt, dass ein richtiger Topact mit internationaler Klasse fehle. Wer weiß das schon?

DARK AGE haben das zweifelhafte Vergnügen um 19.30 Uhr den Abend zu eröffnen. Ehrlich gesagt ist mir das Material der Hanseaten bislang gänzlich unbekannt gewesen, was sich nach diesem fulminanten Auftritt wohl ändern wird und ich die letzten Veröffentlichungen mal anchecken werde. DARK AGE sind Thorsten Eggert (b), Martin Reichert (key), Eike Freese (v,g), Jörn Schubert (g) und Andre Schumann (dr), die gemeinsam seit 1998 musizieren. Das Quintett kann mittlerweile auf vier Alben zurückgreifen und hat es entsprechend leicht, die zur Verfügung stehenden 35 Minuten zu füllen. Verständlicherweise steht die aktuelle Scheibe "Dark Age" im Vordergrund und wird mit den Stücken 'Fix The Focus', 'Dare To Collapse' und 'Zero' ausreichend gewürdigt. Bei 'Dare To Collapse' gesellt sich zudem noch FREEDOM CALL-Barde Chris zu DARK AGE und unterstützt tatkräftig Sänger Eike. Musikalisch lassen sich Einflüsse von SENTENCED, den frühen PARADISE LOST oder auch DARK TRANQUILLITY heraushören, gerade bei den Stücken älteren Datums wie 'Daily Combat', 'Trial By Fire' oder 'Suicide Crew', da diese noch etwas heftiger ausgerichtet sind. Das Programm ist sehr abwechslungsreich und auch die Agilität der Musiker lässt keine Wünsche offen. Schade nur, dass so wenige Fans zu diesem Zeitpunkt vor der Bühne auszumachen sind. Unbeeindruckt ziehen die Hamburger ihr Set durch und dürfen am Ende mehr als nur einen Höflichkeitsapplaus einfahren.

Setliste DARK AGE:
Intro
Fix The Focus
Daily Combat
Dare To Collapse
Trial By Fire
Zero
Storm
Suicide Crew

Nachdem DARK AGE die bestmögliche Vorarbeit geleistet haben, übernehmen METALIUM ein gut gelauntes Publikum von ihren Hamburger Kollegen. Die Mannen um Lars Ratz sind ja nicht ganz unumstritten. Das Image der Band sei künstlich aufgebaut und die musikalischen Qualitäten total überbewertet. Dem kann ich nicht ganz zustimmen. Sicherlich sind die meisten Images von Bands künstlich und oft peinlich, vielleicht auch im Fall METALIUM. Doch seitdem die Hanseaten nicht mehr mit Brustpanzern à la He-Man auf die Bühne spazieren, halten sich diese auch bei METALIUM in Grenzen. Musikalisch haben die Jungs allemal etwas auf der Pfanne, was der technisch einwandfreie Auftritt eindrucksvoll unterstreicht. Gleich von Anbeginn, mit dem Stück 'Fight' vom Debütalbum, geht es kraftvoll zur Sache und es wird keine Rücksicht auf eventuelle Verluste genommen. Sänger Henning Basse präsentiert sich stimmlich in Glanzform und veredelt Stücke wie 'Metalians', 'Break The Spell' oder 'Odins Spell'. Das Programm erstreckt sich über alle vier Alben, wobei das letzte Werk "As One" erstaunlicherweise nur mit zwei Stücken, 'No One Will Save You' und 'Warrior', Berücksichtigung findet. Auch die Rhytmussektion um Bassist Lars Ratz und Schlagwerker Michael Ehre läuft präzise wie ein Uhrwerk. Der schlaksige Gitarrist Matthias Lange erledigt seine Aufgaben ebenfalls fehlerfrei und die Soli sitzen. Zum Abschluss darf natürlich 'Metalium' mit der Einlage des ACCEPT-Klassikers 'Balls To The Wall’ nicht fehlen. Alles in Allem ein gelungener Auftritt.

Setliste Metalium:
Fight
Rasputin
Break The Spell
Odins Spell
No One Will Save You
Metalians
Warrior
Metalium

Kommen wir nun zum eigentlichen bzw. heimlichen Topact des Abends. Lange Zeit waren FREEDOM CALL als Headliner der Roadshow aufgeführt, ehe PRIMAL FEAR noch kurzfristig ins Billing rutschten. Die Spielzeit von FREEDOM CALL verkürzte sich somit von 75 auf knapp 50 Minuten, was beinahe dazu geführt hätte, dass die Franken gänzlich von der Tour abgesprungen wären. Doch aus Liebe zu den Fans schluckte man die bittere Pille und nutzte die Gunst der Stunde, den Anwesenden zu zeigen, wer der wahre Chef im Ring ist. Das Quintett setzt im Vergleich zu METALIUM noch einen oben drauf und die Stimmung in der Halle ist sehr ausgelassen. Begeistert singen die zahlreich erschienen Fans Hymnen wie 'Fairyland' oder 'The Quest' mit. Es ist offensichtlich, dass viele nur wegen FREEDOM CALL gekommen sind und dementsprechend Party angesagt ist. Erneut unterstreicht man eindrucksvoll, dass man eine absolute Liveband ist. Das gegen Ende hin präsentierte 'Warriors Of Light' mit der kurzen Covereinlage von QUEEN's 'We Will Rock You' gab richtig was auf die Ohren, ehe es mit 'Freedom Call' und dem Outro 'Hymn To The Brave' ein Ende hatte. Die Zugaberufe verhallten unerhört in der Halle, da aufgrund des eng gesteckten Zeitplans leider keine weiteren Stücke möglich waren. Klasse Show!

Setliste FREEDOM CALL:
Flying High
Dancing With Tears
Warriors
Fairyland
The Quest
Land Of Light
Warriors Of Light
Freedom Call
Hymn To The Brave

Nach einer langen Umbaupause kommt mit PRIMAL FEAR die letzte Band des Abends. Auch wenn die Halle etwas leerer wird, ist die Stimmung durchaus noch gut bis ausgelassen. Bereits der Opener 'Devil’s Ground' und das folgende 'Angel In Black' lassen keine Fragen mehr offen und blasen die Hörgänge richtig durch. Ralf Scheepers, der immer noch eine Vollglatze trägt, beweist erneut, warum er zu den besten Shoutern in Deutschland zählt. Auch dem zurückgekehrten Gitarristen Tom Naumann, sowie der restlichen Band, steht der Spaß ins Gesicht geschrieben. Die Schwaben beherrschen sämtliche Posen, die heutzutage ein Metaller drauf haben muss und setzen diese auch immer wieder ein. Allen voran Ralf Scheepers mit seinem gestählten Oberkörper. Möchte gerne mal wissen, wie oft der Mann in der Woche in die Muckibude rennt, bestimmt öfter als zum Frisör. Als unermüdlicher Antreiber hinter seinen Drums präsentiert sich der neue Schlagzeuger Randy Black (ex-ANNIHILATOR). Vor allem aber präsentierte sich die Band als perfekt harmonierende Einheit und bot eine Heavy-Metal-Show der Extraklasse. Als absoluter Höhepunkt der Show entwickelt sich die Metalhymne schlechthin 'Metal Is Forever' ebenso wie die gefühlvolle Nummer 'The Healer' vom letzten Album "Devil's Ground". Nach gut einer Stunde war dann vorerst Schluss. Doch die zahlreichen Zugaberufe locken die Musiker abermals auf die Bühne. Im Zugabeteil werden dann die Stücke 'Colony 13' und 'Heart Of A Brave' gereicht, ehe der letzte Song 'Under Your Spell' - in dem Tom Naumann nach und nach insgesamt drei Saiten auf seiner Flying-V reißen - die diesjährige Wacken Roadshow in Frankenthal gegen 24 Uhr beendet. Ein gelungener Abend und ein guter Vorgeschmack auf die im Sommer anstehende Festivalsaison.

Setliste PRIMAL FEAR:
Devil's Ground
Angel In Black
Chainbreaker
Suicide And Mania
Running In The Dust
Visions Of Fate
Nuclear Fire
The Healer
Battalions Of Hate
Metal Is Forever
Final Embrace
--------------------
Colony 13
Heart Of A Brave
Under Your Spell

Redakteur:
Frank Hameister

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