VICTORY und SAXON - Ulm

09.04.2024 | 18:20

02.04.2024, Roxy

Ein denkwürdiger Konzertabend!

Ursprünglich sollte das Konzert von SAXON im Roxy bereits letztes Jahr stattfinden, aber da sich Sänger Biff Byford seiner Zeit Covid eingefangen hatte, wurde es um ein Jahr verschoben. Ebenso wurde der damalige Support Act RAGE für den neuen Termin durch VICTORY ersetzt. So sehr ich mich auch über Peavy und seine Mannen gefreut hätte, so freue ich mich umso mehr, dass es an diesem Dienstagabend ein Wiedersehen mit Herman Frank und seiner Mannschaft kommt. Viel zu lange ist es schon her, dass ich die Band live gesehen habe. Das letzte Mal muss tatsächlich vor etlichen Jahren beim Bang Your Head Festival (R.I.P.) gewesen sein.

Das Roxy ist selbstverständlich restlos ausverkauft. Und als die Recken von VICTORY pünktlich um 20 Uhr mit dem Klassiker 'Are You Ready' ihren Auftritt eröffnen, herrscht von Beginn an eine richtig gute Stimmung unter allen Anwesenden, die mehr als bereit für einen geilen Abend im Zeichen der harten Gitarrenmusik sind. Mit einer Mischung aus alten und neuen Stücken liefert VICTORY eine gewohnt überzeugende Liveperformance ab, und vor allem Sänger Gianni Pontillo punktet mit einer formidablen Gesangsleistung, die gerade den älteren Stücken aus der Charlie Huhn- und Fernando Garcia-Phase mehr als gerecht wird. Mit dem abschließenden 'Check's In The Mail' ist es für VICTORY nach 45 Minuten leider schon wieder an der Zeit die Bühne freizumachen. Leider deshalb, weil diese Darbietung Bock auf mehr gemacht hat und vielleicht nicht nur ich die eine oder andere Nummer aus dem reichhaltigen Backkatalog schmerzlich vermisst hat. Aber das war ja nur die Vorspeise, die hervorragend gemundet hat, das Hauptmenü in Form von SAXON soll ja erst noch kommen.

Setliste VICTORY: Are You Ready; Take The Pace; Rock The Neighbours; Standing Like A Rock; Feel The Fire; Gods Of Tomorrow; Speak Up; Always The Same; On The Loose; Check's In The Mail

Tatsächlich bin ich sehr gespannt auf die Briten beim heutigen Headliner Auftritt in Ulm, denn die Berichte von den Shows als Special Guests von JUDAS PRIEST lassen einiges erwarten, sehr oft war von SAXON in Bestform zu hören. Einen schlechten Gig von SAXON habe ich über die Jahre tatsächlich noch nie erlebt, denn wenn man sich auf eins verlassen konnte, dann ist es auf die Livequalität von Biff und seinen Mannen, denn die war immer auf allerhöchstem Niveau. Nach der dreißigminütigen Umbaupause ist es dann endlich soweit. Nach kurzem Intro betritt eine der beständigsten Metalbands auf diesem Planeten die Bühne und eröffnet die Show mit 'Hell, Fire And Damnation', dem Titelsrück des grandiosen gleichnamigen aktuellen Albums, um dann gleich mit 'Motorcycle Man' den ersten von vielem im Set enthalten Klassikern hinterherzufeuern. Die Stimmung im Auditorium nähert sich da bereits früh dem Siedepunkt. Und mein Gefühl, nach diesem fulminanten Einstieg, heute Zeuge eines ganz besonderen Konzertabends zu werden, täuscht mich im weiteren Verlauf des Abends nicht. Sowohl Band als auch Publikum haben heute extra viel Lust auf eine richtig geile Metalparty. Und so erlebe ich eines der besten Konzerte seit Ewigkeiten, und das nicht nur auf SAXON bezogen. Das ist ein Abriss par excellence und die Stimmung lässt sich fast nicht in Worte fassen. Wer kann, sollte sich das Kurzvideo von SAXON auf Instagram oder Facebook von Ulm ansehen, das Biff bei jeder Show während 'Wheels Of Steel' aufnimmt. "Ulm going fucking crazy" beschreibt den Stimmungspegel einigermaßen perfekt. Die Setliste ist zum Niederknien und lässt fast keine Wünsche offen.

SAXON ist auch 2024 eine Macht und vielleicht sogar besser denn je. Biff ist mit seinen 73 Jahren immer noch einer der besten Frontmänner auf dem Planeten. Nigel Glocker und Nibbs Carter sind als Rhythmus-Sektion ebenso eine Macht, auch die Gitarrenfraktion Doug Scarratt und der neue Mann Brian Tatler darf hierbei nicht unerwähnt bleiben. Vor allem letzter hat ja als Ersatz von Paul Quinn ein nicht allzu leichtes Erbe anzutreten, aber macht dabei einen hervorragenden Job und kommt nicht nur bei mir super an. Mit 'Princess Of The Night' endet nach einer Stunde und 45 Minuten ein denkwürdiger Konzertabend, der wohl nicht nur mir lange in Erinnerung bleiben wird.

Setliste SAXON: Hell, Fire And Damnation; Motorcycle Man; Sacrifice; There's Something In Roswell; Heavy Metal Thunder; Madame Guillotine; Dallas 1 PM; Carpe Diem (Seize The Day); Crusader; Broken Heroes The Eagle Has Landed; Ride Like The Wind (Christopher Cross cover); Never Surrender; Strong Arm Of The Law; Solid Ball Of Rock; And The Bands Played On; Wheels Of Steel; Zugaben: 747 (Strangers In The Night); Denim And Leather; Zugabe 2: Princess Of The Night

Bilder: Daniel Tretter


Redakteur:
Tommy Schmelz

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