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Tourbericht: AUDREY HORNE, KARMA TO BURN und GOLD - Osnabrück, Köln, Berlin

01.11.2013 | 13:57

06.10.2013, Rosenhof, Underground, Magnet

Aus Vorschusslorbeeren wird endlich ein Siegerkranz.

In der Presse ist AUDREY HORNE schon lange ein großes Ding, in der breiten Masse scheint sich dies erst nach und nach durchzusetzen. Nach einer Frühlingstour als Support von LONG DISTANCE CALLING sind die Norweger nun endlich wieder als Headliner unterwegs und haben mit KARMA TO BURN sowie GOLD Bands im Gepäck, die ein buntes Programm der Rock-Musik versprechen. Wir lassen uns die Chance nicht nehmen und besuchen die Tour gleich an drei Standorten: Osnabrück, Köln (beide Oliver Paßgang) sowie Berlin (Peter Kubaschk).

Als ich mit leichter Verspätung den wunderschönen, aber für diese Tour viel zu großen Rosenhof in Osnabrück betrete, spielt GOLD bereits. Meist schwebend, etwas entrückt, ganz der Ausstrahlung von Sängerin Milena Eva entsprechend. Denn diese Frau ist schon ohne Zweifel das Zentrum der Band; optisch wie musikalisch. Die Herren um sie herum legen eine solide Rock-Basis aufs Parkett, die sich nur durch den etwas speziellen Gesang ein wenig abheben kann. Meinen Geschmack trifft GOLD damit zugegebenermaßen nicht so ganz und auch das restliche Onsabrücker Publikum lässt sich sitzend (die Location ertrinkt fast in Möglichkeiten, sich niederzulassen!) zu nicht viel mehr als Höflichkeitsapplaus hinreißen. Wer jedoch diese besondere Sparte von Rock-Musik mag, wird hier sicher auf seine Kosten gekommen sein. Unsympathisch wirkt die Band nun nämlich nicht.

Interessanterweise sieht die Geschichte in Köln da schon anders aus. Die Location ist bereits zu Beginn so gefüllt wie in Osnabrück bei AUDREY HORNE, wobei dieser Eindruck natürlich auch durch das lediglich 300 Personen fassende Underground – meiner Ansicht nach die perfekte Größe und Location für eine solche Tour – verstärkt wird. Davon profitiert natürlich auch GOLD, die hier deutlich mehr (positive) Resonanz erhalten. Zwar sollte man fast meinen, dass solche Rock-Klänge auf einer schönen großen Bühne, mit ordentlich Platz zur Selbstdarstellung für die (irgendwie interessant gekleidete) Frontfrau, besser kommt als auf in einem dreckigen Club. Manchmal scheinen die Umstände aber auch einfach egal zu sein, wenn die passenden Leute vor der Bühne stehen.

Besucherprobleme hat KARMA TO BURN im Rosenhof allerdings keine. Die Leute bewegen sich zum allergrößten Teil von ihren Stühlen, stellen sich in mehr oder minder breitbeiniger Pose vor die Bühne und lassen sich einfach mal in den Boden grooven. Die Band spielt ihr Ding dabei absolut tight herunter und kann die Köpfe der Anwesenden auch an einem Sonntagabend schnell in rhythmische Bewegungen überführen. Bei vielen gesangsfreien Bands, wie KARMA TO BURN eine ist, hat man das Problem, das man nicht weiß, wo man nun eigentlich hingucken soll, weil der Frontmann fehlt. Diese Frage stellt sich hier allerdings weniger. Denn: Man weiß stattdessen gar nicht, wo man hingucken soll, denn selten sieht man drei so unterschiedliche Charaktere auf der Bühne. Der Herr hinter den Kesseln verprügelt sein Set wie ein wildgewordener Affe, dem man gerade die Wochenration Bananen gekürzt hat, der Bassist rechts vor ihm schmeißt seine Dreads durch die Gegend (muss jedoch feststellen, dass diese immer wieder zurückkommen) und Gitarrist William Mecum scheint eh alles am Allerwertesten vorbei zu gehen, wenngleich seine Ansagen fast schon kultig-schräg-unverständlich sind. Vielleicht ist KARMA TO BURN gerade deswegen so energiereich unterwegs. Der Auftritt ins Osnabrück jedenfalls kann als großer Erfolg verbucht werden.

Das ist in der Domstadt natürlich nicht anders. Never change a winning setlist? So sieht es aus. Der einzige Unterschied hier ist vielleicht, dass die Differenz zu den vorher wohlwollend aufgenommen Holländern von GOLD nicht so ins Auge sticht. Das ändert aber natürlich nichts an der starken Performance von KARMA TO BURN, die ihren Stiefel lässig herunterzocken. So lässig, dass man von der Optik her schon glauben könnte, es dürfe nichts Ordentliches aus den Boxen kommen. Die Ohren vernehmen da aber etwas komplett anderes: Instrumentalen Stoner Rock mit Dreck von Köln bis Morgantown, der Heimatstadt der Band in den USA. Warum die Ansagen vier Tage später im Vergleich zu Onsabrück allerdings fast den Nullpunkt erreichen, erklärt sich mir so nicht. Aber das soll nur eine Randnotiz diesen rundum gelungenen Gigs bleiben.

Zurück in Osnabrück: Zu Beginn von AUDREY HORNE sitzt niemand mehr. Die Menge rückt zusammen und erzeugt auch trotz absolut überdimensionierter Location eine richtig tolle Stimmung. Dies ist natürlich genau der Nährboden, den eine Band wie die Norweger problemlos in einen Triumph zu überführen weiß. Zwei junge Mädels, denen ich zu Beginn geraten habe, Torkjell Rod nicht in die Augen zu schauen, weil die Chance, sich dann zu verlieben, ziemlich hoch ist, folgen meinem Rat nicht und müssen sich in den anschließenden 75 Minuten immer wieder mit errötetem Kopf und einem breiten Grinsen abwenden. Doch nicht nur das weibliche Publikum weiß dieser perfekte Frontmann für sich zu gewinnen: Die Begeisterung nimmt jeden ein. Dabei stört noch nicht einmal, dass der Gesang in der ersten Hälfte des Konzerts viel zu leise ist. So oft, wie der Typ im Publikum unterwegs ist, kann man auch einfach unverstärkt hören, wie Rock 'n' Roll funktioniert. Und den gibt es heute zum Großteil in Form des aktuellen Albums "Youngblood", welches AUDREY HORNE endlich den längst verdienten Erfolg einzubringen scheint. Man kann sich dieser sympathischen Ausstrahlung, die Auftritt wie Band durchsetzt, jedoch auch einfach nicht entziehen. Die Band sucht immer wieder den Publikumskontakt – und an dieser Stelle ist das in der Tat wörtlich zu nehmen. Und dass die Bühne (zu) groß ist, nutzt die Band einfach für zahlreiche Ausflüge in alle Richtungen. Wow, diese Band lebt!

Dass ein Headliner-Auftritt im Underground zu Köln ein Sieg auf ganzer Linie werden würde, stand für mich seit Ankündigung der Tour außer Frage. Dass das Konzert dann allerdings so überragend ist, wundert selbst mich als mittlerweile großen Fan AUDREY HORNEs. Lustiger Fakt zu Beginn: Es musste heute ein Banner gewählt werden, welches vielleicht ein Viertel der Größe des Rosenhof-Stofffetzen erreicht. So eine Nichtigkeit tut aber natürlich nichts zur Sache, weshalb es von der ersten Sekunde an super abgeht. Das liegt in erster Linie natürlich mal wieder am Sänger, an dieser Stelle möchte ich jedoch seine Mannschaft lobend hervorheben, die ein so komplettes, rundes Bild abgibt: Isdal / Tofthagen ist ein überragend spielendes (und posendes) Gitarrenduo, Espen Lien eine wunderbare Rampensau am Bass, die neben tollen Backingvocals auch einfach mal Rods Ansagen auf sympathische Weise stört, und Kjetil Greve der ruhende Pol, die sichere Basis im Hintergrund. Spielfreude habe ich, wenn man das Wort mal wirklich in seine Bestandteile zerlegt, selten so gelebt gesehen wie von diesen fünf Herren. Auch wenn ich gerne noch den einen oder anderen älteren Song gehört hätte, stört selbst dieser Fakt überhaupt nicht. Es gibt keine Zeit zum Grübeln, denn es wird einfach nur gefeiert. Zum Schluss begeht die gesamte Band – logischerweise mit Ausnahme von Drummer Kjetil Greve – einen Wandertag im Publikum, der hier aufgrund des Weniger an Platz einfach noch geiler daherkommt als am Sonntag. 'Straight To Your Grave' fand ich auf Platte schon immer gut, aber in dieser Form dargeboten ist das einfach eine Hymne vor dem Herrn. Am Ende des Gigs besteht mein nasser Pulli zur einen Hälfte aus eigenem Schweiß und zur anderen aus Körpersaft der Band. So und nicht anders geht Rock-Musik. Hier ist jede einzelne Jubelorgie der letzten Zeit gerechtfertigt. AUDREY HORNE ist eine perfekte Live-Band. Egal ob in Osnabrück, Köln – oder Berlin?

[Oliver Paßgang]

Ja, Oliver, auch in Berlin. Und das sogar an einem Tag, der für einen selbst erst einmal zum Vergessen ist. Dank eines viel zu langen und ausgesprochen unamüsanten Tages im Büro verpasse ich nicht nur GOLD, sondern sehe auch nur noch zwei Takte von KARMA TO BURN, die im halbvollen Magnet immerhin ziemlich abgefeiert werden. Schade, hätte ich gerne mitgefeiert. Doch der Hauptgrund meiner Anwesenheit ist natürlich AUDREY HORNE, eine der besten Livebands des Planeten. Vom ersten Ton des Openers 'Redemption Blues' herrscht blendende Laune auf und vor der Bühne. Sämtliche Leiber zucken, auf der Bühne wird gepost, was das Repertoire hergibt, und Toschie ist einfach ein absolut begnadeter Frontmann. Auch in Berlin rennt er häufig durch die Reihen, animiert, moderiert und hat einfach eine unfassbare Aura voller positiver Energie. Und so ist es keine Überraschung, dass der gesamte Laden in Bewegung ist. Die Damen & Herren hinter dem Tresen inklusive. Olivers Wunsch nach mehr älteren Songs ist zwar verständlich, aber andererseits wählt die Truppe mit 'Bridges & Anchors', 'Threshold', 'Firehose' und 'Blaze Of Ashes' exakt die richtigen Song aus, um "Le Fol" und "Audrey Horne" zu würdigen. Mein persönlicher Favorit von neuen Werk ist nach diesem Gig wohl 'This Ends Here', bei dem die etwa 150 Anwesenden durch die Bank mitsingen. Famos. Keine Frage, wenn eine Band es schafft aus einen eher miesen Tag in 75 Minuten eine goldenen Nacht zu machen, dann ist das AUDREY HORNE. Superb.

[Peter Kubaschk]

Fazit: Egal wo AUDREY HORNE derzeit aufspielt, es bleiben ausschließlich begeisterte Mienen zurück. Hoffen wir, dass die Band ihren Weg noch lange weitergeht und uns weiterhin mit der ehrlichsten, authentischsten und besten Rock-Musik verwöhnt, die man heutzutage finden kann.

Redakteur:
Oliver Paßgang

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