Threshold - Verviers (Belgien)

08.10.2002 | 07:58

07.10.2002, Spirit Of 66

Einen absoluten Leckerbissen für alle Freunde des progressiven Metals bietet die, derzeit noch laufende, "Critical Mass"-Tour der englischen Proggies THRESHOLD, die, wie nach jeder neuen Veröffentlichung, fleissig durch die Lande ziehen. Als Support fungieren dieses Jahr die Kanadier HEAVEN'S CRY, die ebenfalls kürzlich, mit "Primal Power Addiction", ein fantastisches, zweites Album veröffentlicht haben.

Im kleinen aber feinen "Spirit of 66", welches auf belgischer Seite, unweit von Aachen, in der Nähe des Dreiländerecks Deutschland/Niederlande/Belgien, liegt, haben sich ca. 200 Progfanatiker eingefunden, als HEAVEN'S CRY die Bühne entern. Die Band wirkt wie ein Haufen Studenten die versuchen, ihre philosophisch gewonnenen Erkenntnisse musikalisch umzusetzten. Die Musik die dabei entsteht ist Progmetal vom feinsten und wer das Quintett kennt, weiss, dass die Umsetzung von wunderschönen Harmoniefolgen mit darauffolgenen harten, rhythmisch vertrackten Parts, eine fast schon mystische Atmosphäre erzeugen kann. Das besondere an den Kanadieren ist, dass sie über zwei fantastische Sänger verfügen und mit drei Gitarristen agieren. Neben Rhythmus- und Sologitarrist, veredelt ein versierter Klassikgitarrist mit fingergepickten Arpeggios das Gesamtbild, was besonders schön bei den ruhigen Passagen zurgeltung kommt. HEAVEN'S CRY spielen sich gekonnt durch einen Querschnitt ihrer beiden vorzüglichen Alben und die anwesenden Zuhörer honorieren das mit lautstarken Beifallsbekundungen. Diese Band sollte man sich merken, da sie, fernab aller DREAM THEATHER-Clones, einen ganz eigenen, individuellen Stil gefunden haben und auch live zu überzeugen wissen.

Nach kurzer Umbaupause kommt der Headliner und macht erstmal mit dem Opener "Phenomenon", der aktuellen Scheibe "Critical Mass", gehörig Dampf. Sänger "Mac" macht von Anfang an einen engagierten Eindruck, während der Rest der Band einige weitere Songs braucht um aus sich herauszugehen. Ein optischer Mittelpunkt während des gesammten Gigs ist jedoch der farbige Schlagzeuger Johanne James, der nicht nur arschtight wie ein Uhrwerk, sondern auch kraftvoll wie ein Athlet sein Drumkit bearbeitet, dabei jedoch immer wieder Zeit findet, das Publikum zu animieren. Bassist Jon Jeary spielt haargenau mit den Drums zusammen und tänzelt dabei, in der im eigenen, etwas kauzigen Art, über die Bühne. Keyboarder Richard West wirkt wie der Wunschschwiegersohn einer ganzen Generation von Müttern, spielt tolle Soli und legt schöne Klangteppiche. Die Gitarristen Karl Groom und Nick Midson wirken anfangs etwas zurückhaltend, aber mit fortdauernder Spielzeit und damit einhergehender Stimmungssteigerung im Publikum, werden auch sie immer lockerer. Vorallem Karl kann durch seine stimmungsvollen Soli immer wieder überzeugen. Der Mann hat es nicht nötig das Griffbrett zu wixen, der weiss, zu jedem Zeitpunkt, welches der richtige Ton ist, der kommen muss. THRESHOLD spielen ein mitreissendes Set, wobei sie alle ihre Alben berücksichtigten. Die Stimmung im Saal ist dermassen gut, dass sie zu drei Zugaben zurück auf die Bühne geholt werden, wobei die letzte Zugabe, "Paradox", vom glanzvollen Debutalbum "Wounded Land", nicht geplant und nicht eingeprobt war, so dass "Mac" seinen Einsatz verpasst, das Stück abbricht und erneut beginnen lässt. Sympatisch und authentisch, wie ich finde. Sänger "Mac" hat sich überhaupt zu einem charismatischen Frontman entwickelt, der es versteht mit dem Publikum umzugehen, was ich in der Welt des Progmetal am ehesten noch bei Andy Kuntz von VANDEN PLAS erlebt habe, was aber sonst leider noch viel zu selten in diesem Genre ist.

Das war das dritte Mal, dass ich THRESHOLD live gesehen habe und ich muss sagen, diese gleichermassen professionelle, wie auch sympathische Truppe, die gänzlich ohne Starallüren auskommt, kann mich immer wieder aufs neue begeistern. Ihre intensive Musik, die, trotz des hohen technischen Könnens aller Musiker, immer den Song im Mittelpunkt stehen hat, beeindruckt nicht nur, sondern berührt.

SETLIST:
Phenomenon
Choices
Turn On Tune In
Oceanbound
Sanity's End
Falling Away
Freaks
Echoes Of Life
Virtual Isolation
The Latent Gene
Fragmentation
Light And Space
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The Ravages Of Time
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Long Way Home
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Paradox

Progfans, lasst Euch dieses starke Package nicht entgehen und besucht die noch ausstehenden Dates in Essen, Karlsruhe, Hoorn, Pratteln usw.

Redakteur:
Georg Palm

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