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The Lord Weird Slough Feg / Twisted Tower Dire - Hemmingen

12.07.2002 | 09:28

16.06.2002, KJH Astergarten

Es kommt ja nicht gerade oft vor, dass sich US-Underground-Bands in Deutschland sehen lassen - mal von den Festivalauftritten von MANILLA ROAD (BYH 2000) und TWISTED TOWER DIRE (W:O:A 2001) abgesehen. Und gerade eben jene TWISTED TOWER DIRE haben sich entschlossen, zusammen mit THE LORD WEIRD SLOUGH FEG, die einen ähnlichen Kultstatus genießen, eine kleine Deutschland-Tour zu absolvieren. Natürlich ist so eine Tour für die Bands ein ziemlich riskantes Unterfangen, da man von vornherein nicht weiß, wie groß das Interesse der Fans wirklich ist, und umso erfreulicher ist es deshalb, dass diese beiden Bands das Risiko auf sich genommen haben.

Da ich mir diese Tour auch nicht entgehen lassen wollte, habe ich am 16. Juni, einem im Übrigen sehr heißen Sonntag, meinen Baggerseeaufenthalt frühzeitig beendet, um noch rechtzeitig nach Hemmingen pilgern zu können. Außer mir haben sich auch noch etwas mehr als 50 Leute - nicht gerade eine Riesenmeute, aber immerhin - in das dortige KJH Astergarten verirrt, um einen im wahrsten Sinne des Wortes "heißen Konzertabend" zu erleben. Als Support haben sich die beiden US-Bands für diesen Abend die Lokalmatadoren von PSYCHOTRON (Drummer Gert leitet das Jugendhaus) ins Boot geholt, die gegen 20.45 Uhr das Spektakel eröffneten.

PSYCHOTRON

PSYCHOTRON legten mit dem Opener "Eternal Stream", im Übrigen der einzige Song von ihrem Album "Chaos Cosmic Time", los, und erst bei den ersten Tönen konnte sich die Zuschauerschar, die größtenteils noch immer vor dem Haus in der Sonne stand, überhaupt vor die Bühne locken lassen. Die Band ließ es von Beginn an ganz ordentlich krachen, und auch das Stage-Acting konnte sich wahrlich sehen lassen. Dass der Funke dennoch nicht überspringen wollte, ist sicherlich nicht die Schuld der Band, denn so richtig begeistertes Mitgehen suchte man an diesem Abend - von ein paar Ausnahmen mal abgesehen - vergeblich. Das Publikum ließ sich zwar nach jedem Song zu einem recht ordentlichen Beifall hinreißen, aber mehr war einfach nicht drin. Ob das an den fast schon tropischen Temperaturen lag, kann ich schlecht beurteilen, aber möglich wäre es... PSYCHOTRON ließen sich von den verhaltenen Publikumsreaktionen allerdings in keinster Weise irritieren, und zogen ihren Set ganz souverän durch. Sie präsentierten selbstverständlich auch neuere Songs wie zum Beispiel "Open The Gate" oder das progressiv angehauchte "Ticket (To Insanity)" - auf ein neues Album der Jungs darf man wahrlich gespannt sein. Bei "God Nihil" trat dann das ein, was ich eigentlich von Beginn an befürchtet hatte: Da die Bühne über eine sehr tückische Stufe verfügt(e), war es für mich nur eine Frage der Zeit, bis einer der Musiker - in diesem Fall der überaus aktive Gitarrist Kai - darüber stolpert. Glücklicherweise ist nichts passiert, und auf das Stage-Acting der Band hatte dieses Missgeschick auch keinerlei Auswirkungen. Mit "Disciples Of The Watch" hatten PSYCHOTRON auch eine Cover-Version des TESTAMENT-Klassikers im Programm, doch da der Song so gut zum eigenen Material passt, fällt gar nicht weiter auf, dass er gar nicht von den Jungs selber stammt. Mit dem abschließenden "Private Hell" beendeten PSYCHOTRON ihren sehr guten Auftritt und hinterließen bei wohl allen einen sehr guten Eindruck - wie man am Beifall sehen bzw. hören konnte.

TWISTED TOWER DIRE

Ich war wohl selten auf einem Konzert, wo eine Umbaupause so wenig gestört hat wie an diesem Abend. Denn nahezu alle Anwesenden haben die Gelegenheit genützt, um sich an der frischen Luft wieder zu aklimatisieren. Erst als man draußen "Battle Cry" vernehmen konnte, strömten die Leute wieder nach drinnen - schließlich wollte man sich ja TWISTED TOWER DIRE nicht entgehen lassen. Etwas überraschend war für mich und auch die meisten anderen Zuschauer/-hörer, dass Tony Taylor & Co. bereits als zweite Band auf die Bühne gingen - zum einen hätte ich TWISTED TOWER DIRE sowieso als Headliner erwartet und zum anderen war auch laut Running Order THE LORD WEIRD SLOUGH FEG als zweite Band geplant. Was der Grund für diesen Switch war, kann ich nicht sagen, aber auf alle Fälle legten die US-Boys dann mit "When The Daylight Fades" richtig gut los. Überhaupt hatten TWISTED TOWER DIRE den Schwerpunkt bei der Songauswahl eindeutig auf das aktuelle Album "The Isle Of Hydra" gelegt, und so schlossen sich gleich auch noch "Daggers Blade" und der Titelsong "The Isle Of Hydra" an. Die Band zeigte sich dabei äußerst gut gelaunt und legte auch eine enorme Spielfreude an den Tag, und im Laufe des Sets wurden die Jungs auch immer beweglicher. Während sich gerade die Gitarristen zu Beginn des Auftritts noch brav im Hintergrund hielten, nützten sie später den gesamten zur Verfügung stehenden Platz aus, und hin und wieder agierten sie sogar vor der Bühne. Doch auch das konnte das Publikum nicht wirklich aus der Reserve locken, da auch hier die Reaktionen sehr verhalten ausfielen - von ein paar Headbangern einmal abgesehen. TWISTED TOWER DIRE hätten auf alle Fälle ein enthusiastischeres Publikum verdient gehabt, ebenso wie auch einen besseren Sound. Vor allem bei "Reflecting Pool" leistete sich die Anlage ein paar Aussetzer und fiel sogar kurzzeitig komplett aus, aber auch diese Situation wurde von den Jungs souverän gemeistert. Bei "Wings Of Darkness" und "Axes & Honor" war dann aber alles wieder im grünen Bereich, und die Band konnte wieder komplett überzeugen, allen voran der charismatische Sänger Tony. Er widmete dann auch "Final Stand" den deutschen Fans, die dafür eigentlich schon etwas mehr Engagement hätten zeigen können. Ob es an der mangelnden Begeisterung lag, dass die Band danach ihren Auftritt mit "The Witch´s Eyes", dem einzigen Song vom Debüt-Album "The Curse Of Twisted Tower", beendeten, kann ich nicht sagen, aber laut Setlist waren eigentlich noch zwei Zugaben geplant. Dennoch war der Gig von TWISTED TOWER DIRE sehr stark, und man kann der Band eigentlich nur wünschen, dass sie in Zukunft vor einem größeren und begeisterungsfähigeren Publikum spielen können.

THE LORD WEIRD SLOUGH FEG

Nach dem Auftritt von TWISTED TOWER DIRE gab es selbstverständlich wieder eine kürzere Pause, die von der Zuhörerschaft gerne dazu genutzt wurde, sich im Freien abzukühlen. Doch pünktlich zum Auftritt von THE LORD WEIRD SLOUGH FEG fanden sich alle wieder vor der Bühne ein, um diese Band nicht zu verpassen, die an diesem Abend nur zu dritt angetrat - Gitarrist John Cobbett war auf dieser Tour nicht mit von der Partie. THE LORD WEIRD SLOUGH FEG stiegen mit "Shadows Of The Unborn" vom selbstbetitelten Debüt-Album in den Set ein und zeigten von Beginn an, dass sie sich für diesen Auftritt sehr viel vorgenommen hatten. Vor allem der Sänger Mike Scalzi, der seinen nackten Oberkörper mit schwarzer Farbe bemalt hatte, sprühte nur so vor Spielfreude und guter Laune. Bei den Gesangsteilen war er natürlich an das Mikrofon gebunden, aber bei den zahlreichen Instrumentalteilen war er in seiner unnachahmlichen Art immer in Bewegung und nicht selten auch vor der Bühne zu finden. Mit "Sky Chariots" folgte ein Song der immer noch aktuellen Scheibe "Down Among The Deadmen", aber im Gegensatz zu TWISTED TOWER DIRE war die Songauswahl weitaus ausgeglichener. Mit "High Passage" und "Asteroids" hatten THE LORD WEIRD SLOUGH FEG auch zwei neue Songs am Start, die jedoch musikalisch ebenso wenig einzuordnen sind wie das Material der ersten drei Platten. Anschließend ging es aber wieder mit bereits bekannten Songs weiter ("Warriors Dawn", "The Wickerman"), und obwohl es dem Publikum sichtlich gefiel, kam auch bei dieser Band keine rechte Stimmung auf. Nach den Songs gab es zwar jedes Mal einen angemessenen Applaus, aber ansonsten war die Zuhörerschaft ziemlich zurückhaltend. Zum Abschluss ihres Gigs spielten THE LORD WEIRD SLOUGH FEG mit "Traders And Gunboats", "20th Century Wretch" und "The Wizard´s Vengeance" noch von jedem ihrer drei Alben einen Song, wobei sie einmal sogar noch die tatkräftige Unterstützung von TWISTED TOWER DIRE-Gitarrist Dave Boyd erfuhren. Die US-Amerikaner hatten zwar auch hin und wieder ein paar technische Probleme, aber diese hielten die Band auch nicht davon ab, einen großartigen Gig zu spielen. Es gab zwar auch hier keine Zugabe - ob überhaupt eine geplant gewesen wäre, entzieht sich meiner Kenntnis -, aber das hat sich das Publikum im Endeffekt selbst zuzuschreiben. Natürlich war es im KJH Astergarten an diesem Abend unerträglich heiß, aber trotzdem sollte man etwas mehr Begeisterung zeigen und den Bands so zu verstehen geben, dass sie richtig gut ankommen. Denn dass alle drei Bands an diesem Abend einen hervorragenden Gig abgeliefert haben, steht außer Frage. Und man kann eigentlich nur hoffen, dass sowohl TWISTED TOWER DIRE als auch THE LORD WEIRD SLOUGH FEG mal wieder den Weg nach Deutschland finden und dann richtig abgefeiert werden, denn das hätten diese Bands mehr als verdient!!!

Setlist TWISTED TOWER DIRE:

Battle Cry
When The Daylight Fades
Daggers Blade
Isle Of Hydra
Reflecting Pool
Wings Of Darkness
Axes & Honor
Final Stand
The Witch´s Eyes

Setlist THE LORD WEIRD SLOUGH FEG:

Shadows Of The Unborn
Sky Chariots
High Passage
Asteroids
Warriors Dawn
The Wickerman
Traders And Gunboats
20th Century Wretch
The Wizard´s Vengeance

Redakteur:
Martin Schaich

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