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The Hooters - New York

13.03.2008 | 07:52

06.03.2008, B. B. King Blues Club

THE HOOTERS waren Anfang/Mitte der Neunziger eine der ersten Bands in meiner persönlichen Konzert-Historie, bei denen ich nach jedem Gig bereits Lust auf den nächsten hatte. Und obwohl der Erfolg in ihrem Heimatland damals steil bergab ging, wir Deutschen liebten sie noch sehr. Hits wie 'Johnny B.', 'Satellite' und '500 Miles' liefen in den Rock-Stationen des Landes rauf und runter, und auf irgendeiner Bühne des Landes spielten die rührigen Amis immer irgendwie. Vor allem an die kurze Zeit mit der im Jahre 2005 verstorbenen Geigerin/Sängerin Mindy Jostyn erinnere ich mich gerne zurück, denn auch wenn die Dame nicht unbedingt durch eine herausragende Stimme glänzte, so passte ihr Violinenspiel einfach perfekt zum folkigen Rock der Formation aus Philadelphia.

Auf das 93er Album "Out Of Body" folgten jedoch lediglich diverse Live- und Best-Of-Compilations, bis sich Eric Bazilian (u. a. Gesang/Gitarre), Rob Hyman (u. a. Gesang, Keyboard), David Uosikkinen (Schlagzeug), John Lilley (Gitarre) und Fran Smith (Bass) trennten und allerlei Soloaktivitäten widmeten. Die Songschreiber Hyman und Bazilian liehen ihre Kompositionen lieber anderen Künstlern (z. B. CINDY LAUPER, RICKY MARTIN und JOAN OSBORNE), statt das namensgebende Instrument - die Hohner Melodica - zu spielen.

2001 fand man schließlich wieder zusammen, doch es dauerte bis zum Jahr 2007, bis die deutschsprachige Fangemeinde neuen Stoff zu hören bekam. "Time Stand Still", das aktuelle Studioalbum, erschien mit gut sieben Monaten Verspätung schließlich auch in den USA. Und heute findet sich das Quintett zu einem der hierzulande raren Gigs im B. B. King's Blues Club ein.

So bestuhlt wie heute habe ich den für sein sehr vielfältiges Programm von Gospel bis Death Metal bekannten Laden noch nie erlebt. Die Fans sind offenbar mit der Band gealtert, viele haben sich bereits lange vor der Show eingefunden, um sich mit Essen und Getränken für die Show zu stärken. Stehen kann man heute fast nur in dem kleinen Areal vor der Bühne. Aber da die meisten Besucher trotz mancherorts schlechter Sicht offenbar lieber sitzen bleiben, reicht der Platz allemal. Ich fühle mich ein wenig alt inmitten der zum Teil etwas beleibteren Herrschaften weit jenseits der Dreißig und bin gespannt, ob THE HOOTERS klammheimlich zur Schlagercombo mutiert sind. Die drei Songs des neuen Albums, mit denen die Band den Abend eröffnet (es gibt keinen Opener), geben mir insgeheim recht. "Time Stand Still" ist sehr viel ruhiger und zahmer als die alten Hits, und mein Bedürfnis, mir nach der Show die CD zu kaufen, tendiert gegen Null.

Aber mit 'Day By Day' vom "Nervous Night"-Album wird der Bann gebrochen. Rob Hyman, der sich optisch kein bisschen verändert zu haben scheint, schmeißt das lästige Jackett von sich und bewegt sich fortan häufiger von seinem Platz hinterm Keyboard weg, um das Akkordeon oder eben die Hooter zu bedienen. Eric Bazilian gibt sich von Anfang an eher locker und sieht trotz etwas kürzerer Haarpacht in seiner lässig-schicken Hemd-Weste-Kombination ebenfalls noch fast so aus wie früher. Lediglich den anderen drei Herren merkt man den Zahn der Zeit an, und ihre eher gediegenen Hemden und Sakkos kaschieren die überflüssigen Pfunde nur mäßig. Doch die Songauswahl - bis auf die weiteren Einschübe von insgesamt fünf Songs des aktuellen Longplayers - stimmt und lässt mich wieder Anfang 20 sein.

Das tolle an THE HOOTERS waren für mich immer die vielfältigen Stimmungen, die ihre Songs erschaffen. Ist 'Fighting On The Same Side' noch eher beschwingt, wird es mit 'Graveyard Waltz' und '500 Miles' ziemlich düster-melancholisch. Von den neuen Stücken spricht mich lediglich der recht ansprechend adaptierte DON-HENLEY-Klassiker 'Boys Of Summer' an, der Rest ist seichter Balladen-Rock ohne die Unbeschwertheit der Anfangstage. Mit 'All You Zombies' geht es dramatisch weiter, bis das folklastige 'Karla With A K' - den Opfern des Hurricanes Katrina gewidmet - zum Tanzen einlädt. Und weiter geht es Hit an Hit: 'Out Of Body', '25 Hours A Day', 'Satellite' und 'And We Danced' lassen nicht nur meine Beine zucken. Die Fans sind ganz klar wegen der guten alten Zeiten hier, das neue Album kennt kaum jemand.

Die Zugabe läutet das unvermeidliche 'Johnny B.' (mit immer noch stimmgewaltigem Mitsingteil des Publikums am Ende) ein. Danach covern Hyman und Bazilian überraschenderweise ein paar ihrer anderen Stücke. JOAN OSBORNs 'One Of Us' und CINDY LAUPERs 'Time After Time' bilden ein gelungenes Duo, bis 'Ordinary Life' vom neuen Werk den zweistündigen Abend beendet.

Auch wenn die neuen Songs mich nicht wirklich überzeugen konnten: Es war schön, in Erinnerungen zu schwelgen und eine der Helden meiner Anfänge als Konzertbesucher ihre größten Hits spielen zu sehen. Nur schade, dass sie keine neuen potentiellen Gassenhauer im Gepäck hatten.

Redakteur:
Elke Huber

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