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Tarot/Diablo - Berlin

06.02.2007 | 23:28

05.02.2007, Columbia Club

TAROT mögen zwar in ihrer finnischen Heimat bereits seit Mitte der 80er ziemlich angesagt sein - sie aber gleich mit ihrem Nuclear Blast-Debüt "Crows Fly Black" auf Headliner-Tour durch mittelgroße deutsche Clubs zu schicken war eine verdammt schlechte Idee! Denn die NIGHTWISH-Girlies sind zum heutigen Tour-Start in Berlin zu hause geblieben, um in ihrer Tarja-Bettwäsche von deren Nachfolgerin zu träumen. Vielleicht wären ein paar gekommen, wenn das Konzert entsprechend beworben worden wäre, auch wenn das derzeitige Haupt-Betätigungsfeld von Bassist Marco Hietala stilistisch (zum Glück) herzlich wenig mit dem Bombast-Metal der Suomi-Superstars zu tun hat. Doch so erfreuen sich lediglich rund 50 Besucher in der für die ca. sechzehnfache (!) Menge ausgelegten Halle eines finnischen Doppelpacks, das mächtig Laune macht.

Vor allem DIABLO tun mir leid, die zuletzt im Rahmen der Popkomm vor genauso wenig Gästen (dort aber immerhin in gemütlicher Club-Atmosphäre) aufspielen durften. Erstaunlicherweise scheint jedoch etwa die Hälfte der Anwesenden (auch) wegen der Melodic-Death-Thrasher den Weg in den Columbia-Club gefunden zu haben, wie einige DIABLO-Shirts im Publikum bestätigen. Das Quartett wird für Vorgruppen-Verhältnisse ordentlich abgefeiert, so dass die von Sänger Rainer Nygård initiierten Mitsingspielchen zu 'Read My Scars' sogar halbwegs funktionieren, und der Applaus zwischen den überwiegend aus Stücken des zweiten Albums "Mimic 47" bestehenden Songs der Setlist ist mehr als höflich. Die Finnen präsentieren sich aber auch deutlich routinierter als bei ihrer Deutschland-Premiere: Rainers Ansagen wirken weniger auswendig gelernt und werden entsprechend positiv quittiert (lediglich ein "Scream for me" verpufft völlig ins Leere), die Show ist trotz der sehr lichten Reihen vor der Bühne noch energiegeladener, und die Songs sind ohnehin so toll, dass nach dreißig Minuten Spielzeit lauthals eine Zugabe gefordert wird - zu Recht!

Setlist:
Mimic 47
Condition Red
Queen Of Entity
Symbol Of Eternity
Read My Scars
Damien
Shadow World
The Preacher
D.O.A.

Ich kann mich noch gut an mein einziges NIGHTWISH-Konzert erinnern, auf das ich mich vor drei Jahren nur wegen deren Vorband SONATA ARCTICA verirrt habe und auf dem Marco Hietalas Interpretation von MEGADETHs "Symphony Of Destruction" für mich den Höhepunkt des gesamten Konzerts darstellte. Der Bartfetischist verfügt möglicherweise über eine der besten Power-Metal-Stimmen Finnlands, und auch wenn ich mit dem TAROT-Material - bis auf einen kurzen Live-Eindruck auf dem letzten Tuska-Festival - nicht im geringsten vertraut bin, zweifele ich keine Sekunde daran, dass mir das Konzert gefallen wird. Doch nicht nur Marco hat Gold in der Kehle - auch der für die Soundeffekte zuständige Co-Sänger Tommi Salmela legt sowohl als Solist (mit vollem Körpereinsatz) als auch im Duett mit dem Bandchef eine absolute Glanzleistung hin. Trotzdem wundert es mich nicht, dass sich die Fans beider Bands hierzulande nur wenig überschneiden: Statt dem Opern-Bombast für Mädchen von NIGHTWISH bieten TAROT richtigen Metal für ganze Kerle, und einige der Herren im Publikum könnten altersmäßig bereits Töchter mit Tarja-Bettwäsche haben.

Neben der fulminanten Gesangsleistung von Marco und Tommi beeindruckt vor allem, dass auch eine Band mit gleich zwei Knöpfchen- und Tastenmännern - im Hintergrund versteckt sich Keyboarder Janne Tolsa - überhaupt nicht nach einer Keyboard-basierten Heavy Metal-Band klingen kann. Die beiden sorgen lediglich für eine dezent epische Note, während Marcos kettenrauchender Bruder Zachary mit starken Gitarrensoli den Sound prägt. Der Fronter selbst erweist sich als Vollprofi, gibt offen zu, dass das von ihm konsumierte Mineralwasser seiner Stimme zuträglicher ist (und das als Finne!), und amüsiert mich immer wieder mit lustigen Grimassen.

Das Publikum zeigt sich wie bereits bei DIABLO äußert dankbar, geht auch zu den älteren Stücke begeistert mit und lässt sich nach immerhin siebzig mitreißenden Minuten inklusive Zugabe nur mühsam wieder aus der Halle kehren.

Bleibt zu hoffen, dass auf der Ende April/Anfang Mai anstehenden Earthshaker Roadshock Tour wenigstens TAROT ein größeres Publikum vorfinden werden. Verdient hätten beide Bands es allemal!

Setlist:
Crows Fly Black
Traitor
Pyre Of Gods
Follow Me Into Madness
Bleeding Dust
Veteran Of Psychic Wars
Crawlspace
Before The Skies Come Down
Undead Son
Ashes To The Stars
Rider Of The Last Day
You
Warhead

Redakteur:
Elke Huber

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