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Tarja - Berlin

07.06.2011 | 10:15

14.05.2011, Columbiahalle

Auch in Berlin überzeugt die geballte Frauenpower die Fans.

Nachdem es im Vorfeld einige Ungereimtheiten bezüglich des Venues - Columbiahalle oder Postbahnhof - gab, finden sich die Fans an der richtigen Location (Columbiahalle) ein und beweisen einmal mehr, dass die Musik der finnischen Diva nicht nur etwas für kleine Teenie-Gothic-Mädchen ist, denn sowohl alters- als auch szenemäßig sind hier die verschiedensten Leute vertreten. Die Atmosphäre ist gut, und auch wenn das Konzert nicht ausverkauft ist, so ist die Halle dennoch gut gefüllt - und das trotz starker Konkurrenz, denn immerhin findet am gleichen Abend der Eurovision Song Contest statt.

Punkt 8 betritt die Vorband MARKIZE die Bühne und präsentiert ihre Gothic-Metal-Stücke. Sängerin Alina ist zwar eine echte Augenweide, doch stimmlich kann sie nur bedingt überzeugen. Als die Gruppe dann schließlich noch 'Bad Romance' von LADY GAGA (die wahrscheinlich auch Alinas Bühnenoutfit inspiriert hat) covern, zeigt sich deutlich, dass die Pop-Ikone das Stimmenduell ganz klar gewinnen würde. Das Publikum unterstützt die Vorband trotzdem und so kann das Quartett am Ende auf ein nettes Set von etwa 40 Minuten zurückschauen.

Da LEAVES EYES - die sonst ebenfalls mit von der Partie sind - heute einen anderen Auftritt haben, soll es diesen Abend bei einer Vorband bleiben, und die Bühnencrew macht sich sogleich an den Umbau. Während einem mystischen Intro sammeln sich die Musiker hinter dem großen, mit Tarjas Gesicht bedruckten Vorhang, um dann mit 'Anteroom Of Death', dem Opener des aktuellen Albums "What Lies Beneath" loszulegen. Erst am Ende des Stückes, fällt endlich besagter Vorhang und gibt den Blick auf eine gut gelaunte Band frei. Allen voran Frontfrau TARJA sprüht quasi vor Energie und liefert vom ersten bis zum letzten Ton eine erstklassige Performance ab, die jeden mitreißt.

Die hübsche Finnin präsentiert in ihrem rund 90-minütigen Set meist eigene Songs aus ihren beiden Solo-Alben und die Rechnung geht auf: Die Stücke kommen druckvoller daher als man es von der CD gewohnt ist. Tarja überzeugt nicht nur mit ihrer Stimme, die bei Stücken wie 'I Feel Immortal' oder 'I Walk Alone' für kollektive Gänsehaut sorgt, sondern auch durch ihre sympathische Ausstrahlung. Egal ob sie auf Deutsch zu ihren Fans redet oder einfach nur Kusshände in die Menge wirft, sie tut es mit einer ehrlichen Begeisterung, die sie fast schon kindlich erscheinen lässt. Das Publikum dankt es ihr mit Enthusiasmus und verschmäht auch ihre musikalischen Mitstreiter nicht. Wie könnte man auch, denn immerhin sitzen an den Instrumenten eine ganze Reihe erstklassiger Musiker. Allen voran natürlich Drum-Biest Mike Terrana, der den meisten noch durch RAGE und MASTERPLAN im Gedächtnis sein dürfte, erfreut seine Fans mit kleinen Drumstick-Tricks, die vor allem bei seinem Solo gut zur Geltung kommen. Aber auch die anderen müssen sich nicht verstecken und tun dies auch nicht, zumal TARJA selbst ihre musikalischen Mitstreiter mit in ihre Performance einbezieht.


Ganz ohne NIGHTWISH Songs geht das Konzert allerdings doch nicht über die Bühne, denn immerhin zeigt TARJA, wie 'The Siren' eigentlich klingen soll, und erfreut Fans außerdem mit der wunderschön traurigen Ballade 'Higher Than Hope', die an diesem Abend in einem Akustik-Gewand präsentiert wird. Aber auch wenn diese Darbietung ein wenig Melancholie an vergangene Erfolge aufkommen lässt, so nimmt diese nie Überhand, denn im Vordergrund stehen jetzt Tarjas Soloerfolge, und genau so sollte es auch sein.

Egal ob 'Falling Awake', 'In For A Kill' oder 'Ciran's Well' - das Publikum feiert ihre TARJA ausgiebig. Diese freut sich natürlich und dankt es ihren Fans immer wieder mit ein paar warmen Worten im einwandfreien deutsch und unzähligen Kusshändchen. Außerdem beweist sie Selbstironie, denn als es zur Zugabe wieder auf die Bühne geht, gibt es ein Medley aus 'Where Were You Last Night' (einem schwedischen Dance-Hit, den auch NIGHTWISH damals coverten), 'Heaven Is A Place On Earth' und 'Livin' On A Prayer', was nicht nur die Fans, sondern vor allem TARJA und ihre Band amüsiert. Mit 'Until My Last Breath' gibt es noch einmal einen ordentlichen Kracher als Rausschmeißer, danach ist leider wirklich Schluss. Während sich TARJA und ihre Jungs verbeugen, werden sie noch einmal mit tosendem Applaus belohnt, und das zu recht, denn man kann auf einen gelungenen Konzertabend zurückblicken, der vor allem eins bewiesen hat: TARJA ist nun wirklich eine Solokünstlerin und zwar nicht nur irgendeine, sondern eine, die man ernstnimmt und auf die man sich wieder und wieder freut.

[Ricarda Schwoebel]

Redakteur:
Ricarda Schwoebel

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