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Tankard - Frankfurt/Main

29.06.2005 | 21:41

25.05.2005, Batschkapp

Nach einer knapp halbstündigen Fahrt durch die Innenstadt ("Mist, wären wir doch über die Autobahn gefahren", meint mein Kumpel Andi, als wir mitten im Stau standen) kamen wir um kurz nach acht an der Batschkapp an. Nachdem Andi noch nicht mal die hälfte seiner Äppelwoiflasche geleert hatte und des weiteren mit einem netten Saarländer eine Minitour de Frankfurt machte, legten die Italiener HATEWORK, die schon seit 1996 zusammen lärmen, um 20.30 Uhr schon relativ früh los.

HATEWORK

Ich dann also rein ins Getümmel, als Stempel gab's ein einfaches "geil" auf die Hand, was das Motto des Abends kurz zusammenfasste, doch dazu mehr: Zwar war der Sänger Fab kaum zu hören, doch er gab alles. Ich konnte gar nicht zählen wie oft er aufs Drumpodest gestiegen ist und dabei immer wieder versuchte die kleine Menge zu animieren. Der Thrashcore, wie ihn das Quartett auf seiner Homepage treffend umschrieben hat, wurde zwar gut runtergerotzt, wirkte aber auf die Dauer monoton. Bis auf zwei bis drei Midtempo-Parts waren die Songs recht ähnlich. Während der Sänger versuchte gegen die Instrumente anzuschreien, war Bassist Max ein Poser vorm Herrn. Vom "Steve Harris" bis hin zum "Peter Baltes" hatte er jede Pose drauf. Auch 'ne Art um aufzufallen. Da hielten sich Gitarrist Marco und Drummer Lo eher dezent zurück. Der Sound war leider unter der Kategorie "grottig" einzuordnen, weshalb viele froh waren, dass nach noch nicht mal einer halben Stunde der Spuk vorbei war.

DOPPELBOCK

Das änderte sich jedoch nach knapp zwanzig Minuten, als DOPPELBOCK mit 'Blitzkrieg Bop' von den RAMONES die Bühne enterten. Die Batsche war fast dreimal so voll wie beim Opener, was den Co-Headliner-Status der Wetterauer unterstreicht, ist aber auf der anderen Seite kein Wunder, denn die Combo firmiert seit 20 Jahren in den unterschiedlichsten Besetzungen. Es war zwar recht simpler Punkrock mit einer leichten Rock'n'Roll-Schlagseite, doch allein die Ansagen vom Sänger waren echt den günstigen Eintritt von zwölf Euro wert. Apropos Sänger: Der erinnerte vom Stageacting her an einen übergewichtigen Jim Morrison und klammerte sich förmlich an den Mikroständer. Weiterer Anfangsbrüller waren die T-Shirts des Quartetts, wo draufstand "Ich tu halt gern bumsen"! Dabei hatte Gitarrist Valentin Hett das "Ich", Drummer Mandingo Hess "tu halt", Sänger Harald Kling "gerne" und Bassist Straxel Bernhard zuguterletzt "bumsen" auf den Shirts stehen. Dass sie sich so postiert haben, dass man den Spruch "fließend" lesen konnte, muss man nicht erwähnen, oder? Der Spruch kam übrigens zustande, als Harald einen Kumpel die Frage stellte, warum er jetzt wieder 'ne Freundin hat und der ihm nach einer Zigarettenlänge Pause diesen Spruch vor den Latz knallte. Das Leben ist immer noch die beste Inspirationsquelle! Doch zurück zum Konzert, und da wurden eigentlich alle Songs abgefeiert. Angefangen von 'Doppelbock ist wieder da', über 'Hiyo Putas' ("aus meiner Heimat Spanien", O-Ton Sänger) und der Abschlussnummer 'Ich bin ein Gott', die meinen Konzertnachbarn zu folgender Frage animierte: "Warum hängt der nicht zwischen meinen Beinen?" Des Weiteren wurde noch ein Bier- und Jägermeisterwettsaufen vom Sänger initiiert. Dabei wurde bei ersterem zwei Bubis aus dem Publikum auf die Bühne gezogen und bei zweiterem nur einer. Während bei der "Bierwette" der Sänger gewann, reichte es beim Jägermeister nur zu einem Unentschieden. Nach so viel feuchtfröhlichem Spaß war nach knapp fünfzig Minuten Schluss. "Feucht" und in der richtigen Betriebstemperatur waren auch schon die meisten anwesenden, denn mittlerweile herrschten schon Dampfbadmäßige Temperaturen, die beim Headliner nicht abkühlen sollten - eher im Gegenteil!

TANKARD

Genau um 22.33 Uhr betraten die sympathischen Frankfurter die Bühne und legten gleich mit 'Betrayed' los. Die Batsche war noch voller als vorher, und die Temperaturen wurden immer unerträglicher. Dies veranlasste Gerre, der bestens gelaunt war, und noch bessere Sprüche auf Lager hatte als der DOPPELBOCK-Fronter, nach 'Slippin From Reality' was von "ich weiß nicht wie lange wir's hier oben aushalten. Es ist jetzt schon unerträglich" zu faseln. Doch so schnell durfte er nicht schlappmachen, da insgesamt vier Kameras den Gig für eine im Herbst erscheinende DVD gefilmt haben. Deswegen ließen es sich die Hessen nicht nehmen, einen schönen Querschnitt aus 23 Jahren TANKARD zu bieten. Dabei kamen "Hits" wie 'Beermuda' ("Unser einziger Hit vor 15 Jahren und er wird es auch für die nächsten 15 Jahre bleiben", O-Ton Gerre) 'Chemical Invasion' oder 'Alien' nicht zu kurz. Klar, Soundtechnisch mussten ein paar Abstriche gemacht werden, doch ansonsten war die Stimmung einfach nur genial. Trotz der äußeren Umstände wurden die Jungs abgefeiert als gäbe es kein Morgen. Dabei ging nicht nur die Band an ihre Grenzen, auch dem Publikum wurde einiges abverlangt. Die Kondition und die Sprechchöre waren zwar während des gesamten Konzerts fast konstant, doch pogotechnisch wurde es immer mauer. Besonders hervorzuheben ist 'Space Beer', wo das "We wanna have some Whiskey, we wanna have some beer" regelrecht zelebriert wurde, und das Publikum vor allem das "Whiskey" und das "Beer" lauthals Gerre zublökte. Geil! Als das GANG GREEN-Cover 'Alcohol' in der Mitte des Sets angestimmt wurde ging's vor der Bühne nochmals richtig ab. Ansonsten war Schonprogramm angesagt. Gerre ließ sich die gute Laune nicht nehmen und hatte immer einen lockeren Spruch auf Lager (Zum Gitarristen: "Haste mal fertig gestimmt, du Penner?"). Immer wieder ließ er auch das Publikum an seinem Bier- und Äpplergenuss teilhaben, indem er Bierbecher in die Menge warf oder mit seinem Äppler die vorderen Reihen "bewässerte". Zwischendurch wurden auch Eintrachtschlachtrufe á la "Hier regiert die SGE" skandiert, was Gerre dazu bewog, die These aufzustellen: "Sind hier einige Fußballfans?" Natürlich wurde das vom Publikum bejubelt, liegt doch der Aufstieg der Eintracht Frankfurt noch gar nicht so lange zurück. Egal wie man's dreht und wendet: Irgendwann ist mal Schluss. Das war hier bei 'We're Coming Back' der Fall, und da war es schon 0.15 Uhr. Doch das schweißfeuchte Publikum wollte mehr, und nach dem Dreierpack 'Chemical Invasion', 'Poison' und 'Alien' war Schluss. Doch ein Lied wurde immer wieder gefordert aber noch nicht gespielt: 'Freibier'! Ein letztes Mal wurde "Freibier" skandiert, doch danach war Schluss. Um 0.40 Uhr war's dann endlich feddisch, und die Menge wurde in milde Frankfurter Nacht entlassen. Macht bei TANKARD eine Spielzeit von 130 Minuten, und wenn man noch die übrigen Bands hinzurechnet, kommt man auf eine Geamtspielzeit von fast dreieinhalb Stunden. Nicht schlecht für zwölf Euro! Stimmungstechnisch schon jetzt ein Konzerthighlight 2005. Da kann sich manch eine Band mehr als eine Scheibe von abschneiden. Oder um es auf einen Nenner zu bringen: Geil!

Setlist

Betrayed
The Morning After
Zombie Attack
Slipping From Reality
Minds On The Moon
Beermuda
Maniac Forces
Queen Of Hearts
Nation Over Nation
Dancing On Our Graves
Alcohol
Don¥t Panic
Space Beer
Wreck In Fire
No Hope Inside
We´re Coming Back
---------------------------
Chemical Invasion
Poison
Alien
---------------------------
Freibier

Eine Randnotiz zum Schluss: Nach dem Konzert hat es mich und meinen Kumpel Andi nach Alt-Sachsenhausen verschlagen, um "sich bei "Köylü" einen Döner reinzuziehen", wie Andi zu mir meinte. Egal. Auf jeden Fall er zum "Köylü" und ich zum "L´Amir", wo ich mir eine Falafel geholt habe. Da Andi immer noch Hunger hatte, meinte ich nur zu ihm, dass er beim "L´Amir" sich eine Schawarma mit Hähnchen holen könnte (nur zur Info: Schawarma ist dasselbe wie Döner, nur mit einem anderen Brot, Gemüse, Soße etc.). Als ob das noch nicht genug wäre, meinte er nur "Ich hab immer noch Hunger", also holte er sich beim "Köylü" noch einen Döner! Alter Schwede, ich dachte ich futter viel, aber zwei Döner und ein Schawarma, das ist selbst für mich verfressenen Sack zuviel...
Wir hatten auf einer Seitenstraße geparkt, und während er seinen Döner aß, kamen fünf Mädels angewackelt, die den Heimweg antreten wollten. Just in dem Moment kam auch schon ein Taxi um die Ecke, und das eine Mädel meinte nur zum Taxifahrer: "Hallo, wir sind zu fünft, dürfen wir?" Nach diesem Brüller traten Andi und ich endlich unseren wohlverdienten Heimweg an.

Redakteur:
Tolga Karabagli

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