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THE 69 CATS, DOGHOUSE ROSE - Frankfurt

17.06.2015 | 10:08

19.05.2015, Nachtleben

In Frankfurts "Untergrund" geht der Rock 'n' Roll ab: Ein Kontrabass wird dabei als Turngerät malträtiert und eine Whiskeyflasche ersetzt kurzzeitig das Plektrum.

Der Frankfurter "Untergrund" - sprich: Das Nachtleben – ist ein kleiner, kultiger Club, bei dem man den Künstlern im wahrsten Sinne des Wortes noch "Auge in Auge" gegenüber steht. Manchmal machen diese auch einen kleinen Schritt von der ca. 50 cm hohen Bühne herunter und mischen sich unters Publikum. Dafür ist der Sound nicht immer optimal und die Bühnenbeleuchtung – na ja, wer braucht schon Bühnenbeleuchtung?

Zwar bewegt sich an diesem Abend ein stetiger Strom nach unten, trotzdem ist es noch sehr übersichtlich und wir bekommen problemlos einen Platz direkt an der Bühne. Als Supportband dürfen wir uns über die kanadische Band DOGHOUSE ROSE freuen und das meine ich definitiv genaus so. Auf ihrer etwas mageren Website wird ihr Sound als "Rebel Country Sound" angegeben, worunter ich mir nicht wirklich etwas vorstellen kann. Plötzlich erscheint auf der Bühne ein Wirbelwind mit knallroten Haaren, einem sexy Outfit und Gitarre, die uns allen zusammen mit ihren drei Mannen richtig einheizt: Sarah Beth. Vorher können wir schon einen weißen Kontrabass bewundern, der später von Jefferson Shephard dermaßen malträtiert wird, dass einem Angst und Bange werden kann, ob das gute Teil den Abend übersteht. Aber offenbar ist der Bass hart im Nehmen, auch wenn er gelegentlich als Turngerät missbraucht wird. Nicht nur Jefferson steht immer mal wieder spielenderweise auf diesm Teil, nein, auch Sarah und der Gitarrist (sorry, ich habe seinen Namen nicht herausbekommen, genau so wenig wie den des Drummers) haben ihren Anteil an den Turnübungen. Dabei wird jedoch immer fleißig gespielt und gesungen und das Publikum von den nicht vorhandenen Sitzen gefegt. Als Krönung "werfen" sich Sarah und Jefferson gemeinsam - mit Bass und Gitarre – in die Menge und zelebrieren dort weiter ihren Auftritt inclusive turnerische Showeinlage. Die knapp 45 Minuten vergehen wie im Flug und ich kann nur jedem ans Herz legen, wenn es sich einrichten lässt, eine Show von Sarah und ihren Mannen zu besuchen! DOGHOUSE ROSE ist definitiv eine Band, der man Aufmerksamkeit schenken sollte!

Nach der Show ist Fankontakt angesagt, es werden fleißig Autogramme gegeben, Fotos gemacht, gequatscht und viel gelacht. Die Kanadier sind ausgesprochen kommunikativ und unheimlich sympatisch.

Setliste DOGHOUSE ROSE: No Mercy, Drag Me Down, Doin Time, Dead Or Alive, Let's go, Hellbound, Lurking In The Dark, I'm Gonna Drink, At The Hop, Waiting For You, SOB, Mystery

Kurze Umbaupause und weiter geht es mit THE 69 CATS. Die Band hat sich aus Spaß an der Freude und und der gemeinsamen Leidenschaft für Rock 'n' Roll und Elvis zusammengetan. Wie Jyrki mir später erzählt, planen sie eine komplette Elvis-CD. Klingt interessant, wenn es denn stimmt. Heute Abend gibt es jede Menge Coversongs, ab den Fünfzigern aufwärts, gemixt mit etwas 69 EYES und diversen Instrumentaltiteln von Danny B. Harvey. Dieser erscheint zusammen mit Basser Chopper Franklin und Drummer Henrik "Niedermeier" Stendahl (von den HORRORPOPS) auf der Bühne und sie eröffnen den Abend mit dem 'Peter Gunn Theme', danach begrüßt uns Jyrki – lässig im gewohnt schwarzen Outfit mit langem Mantel, Hut und der obligatorischen Sonnenbrille (die er tatsächlich während des Abend öfter mal absetzt!). Bei der Interpretation seines Songs 'Peolple Are Strange' gibt es schon gleich die erste Gänsehaut.

Die Herrren und die Dame – jawohl, auch eine bezaubernde junge Dame erfreut für zwei Lieder Augen und Ohren, dazu gleich mehr – haben eine stimmige Auswahl dabei und offensichtlich jede Menge Spaß an der Show. Wobei ich Bassmann Chopper Franklin nicht so recht einordnen kann, verzieht er doch während des ganzen Auftritts so gut wie keine Miene, was seiner Virtuosität allerdings nicht abträglich ist. Aber vielleicht "muss das so", er schaut jedenfalls auf allen Bildern, die ich gefunden habe, genau gleich.

Es freut mich, dass auch Del Shannons 'Runaway' den Weg auf die Bühne findet und als alter 69 EYES-Fan zaubert mir 'Borderline' ein sehr breites Grinsen aufs Gesicht. Damit hätte ich jetzt nicht grechnet. Und dann betritt die schon erwähnte bezaubernde Dame die Bühne: Annie Marie Lewis, die Nichte von Jerry Lee Lewis. In USA wird sie "All-American Princess of Rock 'n' Roll" genannt und ist dort ziemlich populär. Heute Abend interpretiert sie gemeinsam mit Jyrki ' She's Not You' von Elvis und 'Whole Lotta Shakin' von Jerry Lee Lewis und bekommt zu Recht großen Applaus. Ach ja, seit dem 26.3. ist sie übrigens mit Danny B. Harvey verheiratet und sie treten oft gemeinsam auf.

So, nachdem jetzt auch ein bisschen Klatsch und Tratsch den Weg in den Bericht gefunden hat, geht es weiter im Programm. Im 'Heartbreak Hotel' quartieren sich die 'Lost Boys' der 69 EYES ein und sehen, wie der Blitz den Schornstein trifft, während sie den den Klängen der '69 Guitars' lauschen. Wenig später erfahren wir dann alles über Bela Lugosis Tod, der allerdings nichts mit Schlafwandeln zu tun hat. Zwischendurch wird von der Bühne eine Flasche Whiskey ins Publikum gereicht, die auch ganz brav die Runde macht und Danny zeigt uns, dass man durchaus auch eine Whiskeyflasche als Plektrum benutzen kann.

Gut, jetzt wieder etwas ernster. Mit herzlichen Worten würdigt Danny den gerade erst verstorbenen B.B. King und als Hommage an diesen großen Künstler hören wir die 'Blue Suede Shoes' (warum es gerade dieser Song von Carl Perkins ist, entzieht sich meiner Kenntnis). Zum Abschluss gibt es nochmal etwas von Johnny Cash: 'Born To Lose' und als letzten Song den 'Teddy Boy Boogie'.

Alles in Allem ein ausgesprochen gelungener Abend mit Musikern, die dem guten alten Rock 'n' Roll eine peppige neue Note verschaffen und altbekannte – manchmal vielleicht auch nicht so bekannte – Songs auf unterhaltsame oder auch Gänsehaut fördernde Art und Weise neu zu interpretieren wissen. Die drei Instrumentalisten haben offensichtlich jede Menge Spaß an der gemeinsamen Arbeit und harmonieren hervorragend miteinander, was sich besonders deutlich bei den reinen Instrumentaldarbietungen zeigt. Jyrki's Stimme ist natürlich das Tüpfelchen auf dem i, sie passt einfach prima zu den ausgewählten Songs und als "Elvis" ist er einfach klasse. Es ist schon witzig, ich habe ja doch schon einige Konzerte der 69 EYES besucht und auch deren CDs. Dabei habe ich immer gedacht, dass er sehr wie Elvis klingt und dessen Songs bestimmt gut singen könnte - lange, bevor es das Projekt mit den 69 CATS gab.

Was den "Katzen" übrigens jede Menge Sympathiepunkte einbringt, ist hinterher der Smalltalk mit dem Publikum, das Autogrammeschreiben, die vielen Fotos – und alles total entspannt, superfreundlich und genauso sympathisch wie ihre Supportband. Jyrki hat Hände geschüttelt und sich charmant bedankt, dass man das Konzert besucht hat und mit allen geplaudert. So machen Konzerte richtig Spaß.

Setliste 69 CATS: Peter Gunn Theme (Original: Henry Mancini), People Are Strange (Original: THE DOORS), Bad Things (ursprünglich von Jace Everett für die Vampir-Serie „True Blood“), Runaway (Original: Del Shannon), Black Cadillac (Original: Joyce Olivia Green), Black No. 1 (Original: TYPE O NEGATIVE), Borderline, She's Not You (mit Annie Lewis, Original: Elvis), Whole Lotta Shakin' (mit Annie Lewis, Original: Jerry Lee Lewis), Heartbreak Hotel (Original: Elvis), Lost Boys, Smokestack Lightning (Original: Howlin' Wolf), 69 Guitars, Bela Lugosi's Dead (Original: BAUHAUS), Sleepwalk (Original: Santo & Johnny), Blue Suede Shoes (Original: Carl Perkins, als Hommage an den erst kürzlich verstorbenen B. B. King), Born To Lose (Original: Johnny Cash), Teddy Boy Boogie (Original: CRAZY CAVAN)

Redakteur:
Hannelore Hämmer

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