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TARJA und HOLLOW HAZE - Karlsruhe

11.11.2013 | 17:16

25.10.2013, Stadthalle

Immer noch die unangefochtene Königin des Metals!

Nach zwei Jahren Abwesenheit verschlägt es die finnische Sängerin TARJA während ihrer laufenden "Colours In The Road"-Tour wieder in die Festhalle nach Karlsruhe Durlach. Zu der Stadt hat sie eine ganz besondere Bindung, da sie im Zuge ihrer klassischen Ausbildung auch für einige Zeit hier lebte. Als sich die Türen öffnen, ist der Ansturm einfach nur immens und wer auf die Idee kommen sollte, ganz nah an die Bühne heran gehen zu können, ist entweder mutig oder dumm. Die Leute rennen ja sogar teilweise nach der Kontrolle sofort los, um sich einen guten Platz zu ergattern.

Über die Homepage der Musikerin konnte man sich schon vorab informieren, wer als Vorband auftreten wird und mir war der Name HOLLOW HAZE bisher nicht bekannt gewesen. Für das Intro wählt man ein pompöses Instrumentalstück aus und schon springen drei begeisterte Musiker auf die Bühne. Der Sound lässt sehr zu wünschen übrig und mehr als akustischer Brei kommt bei mir einfach nicht an. Bevor ich die Band innerlich schon abhake, erscheint plötzlich ein Mann auf der Bühne, der direkt meine volle Aufmerksamkeit auf sich zieht. Wie bereits gesagt, ich kenne die Band nicht, deshalb wusste ich auch nicht, dass Fabio Lione der Sänger ist. Als RHAPSODY OF FIRE-Fan geht die Kinnlade erstmal Richtung Erdboden und nachdem ich mich von dem Schock erholt habe, muss ich der Band einfach noch eine Chance geben. Da ich bereits vorgeprägt bin, fällt es mir sehr schwer, ein Urteil zu bilden, da man hier niemals an den Charme und die Klasse von RHAPSODY OF FIRE herankommt. Es gibt in den Songs einige nette Ideen, was Gitarrensoli angeht, aber nichts davon bleibt wirklich hängen und sonderlich bombastisch ist es leider auch nicht. Der große Kracher bleibt bis zum Schluss aus und das Publikum erteilt höflichen, aber nicht unbedingt überschwänglichen Applaus.

Wie schon bei der letzten Tour verhüllt man während der Umbaupause die Bühne mit einem großen, dunklen Vorhang und wer dachte, es ist schon voll, merkt erst jetzt, dass es tatsächlich noch eine Steigerung gibt. Gegen 21 Uhr ertönt endlich das langerwartete Intro, das extrem dramatisch ausfällt, mit einem lauten Knall fällt auch endlich das Stück Stoff und es gibt freie Sicht auf die Bühne. Als Livemusiker hat sie Mike Terrana (Drums), Alex Scholpp (Gitarre), Christian Kretschmar (Keyboard), Anna Portalupi (Bass) und natürlich Max Lilja am Cello mit dabei.

Im Mittelpunkt des Geschehens steht jedoch ganz klar Tarja. Die Lichter richten sich alle auf sie und so betritt die kleine Frau in einem schicken Outfit aus Bustier, durchsichtigen Netzmantel, Leggings und Stiefeln die Bühne (Wirklich, Hang? Findest du das schick? Diese schwarze, zu groß geratene Tischdecke? Geschmäcker sidn verschieden, aber besonders hübsch finde ich das jetzt nicht gerade. FJ) . Rank und schlank und stimmlich voll auf der Höhe, wie immer. Es laufen nur wenige Sekunden von 'In For A Kill' aus dem Album “What Lies Beneath“ und ich kann nur sagen, diese Frau muss man einfach mal live erlebt haben. Ebenfalls sympathisch sind auch die Grimassen, die sie beim Singen macht, und noch mehr Pluspunkte gibt es für ihr relativ gutes Deutsch. Der Sound hat sich im Vergleich zu HOLLOW HAZE um gefühlte 100% gesteigert und schon beim dritten Lied packt Madame die Ballade 'Sing For Me' aus. Immer wieder versucht sie, das Publikum zum Mitsingen zu animieren, aber niemand scheint sich diese Blöße geben zu wollen.
Es wird mit 'Falling Awake' etwas rockiger, aber ich bin ein wenig enttäuscht, dass sie wohl das Bangen verlernt hat. Obwohl sich ihre Bewegungen insgesamt in Grenzen halten, schafft sie es trotzdem, alle im Saal mitzureißen. Mittlerweile ist sie seit sechs Jahren erfolgreich als Solokünstlerin unterwegs und der Song, der ihr diesen Weg ebnete, ist 'I Walk Alone'. Diesen widmet sie all ihren Fans, die sie dorthin brachten, wo sie jetzt ist. Gegen Ende von 'Never Enough' verlässt sie dann die Bühne, um dem Drummer und dem Gitarristen Raum für ihre Soli zu geben. Schade, dass Herr Terrana diesmal den klassischen Teil seines Drumsolos nicht gespielt hat.

Mit einem Pailettentop und noch höheren Absatzschuhen kehrt sie wieder zurück und es folgt 'Until Silence', eine weitere Ballade.
Da die gute Frau aktuell ein neues Album mit dem Titel "Colours In The Dark" herausgebracht hat, gibt es noch insgesamt fünf Titel aus diesem. Den Anfang macht besagtes 'Until Silence', bevor sie nach 'Die Alive' aus dem Album "My Wintersorm" drei weitere neue Titel präsentiert. Anschließend zieht sie sich für eine kurze Umziehpause wieder zurück und wie sie bei der Hitze im Saal mit einem bodenlangen schwarzen Mantel zurück kommen kann, grenzt an Wahnsinn. Wer sich das Video zur aktuellen Single 'Victims of Ritual' genauer angesehen hat, erkennt das Kleidungsstück wieder.

Normalerweise spielt TARJA auch Songs aus ihrer NIGHTWISH-Zeit, diesmal scheint sie dies aber nicht zu tun. Als ich beinahe die Hoffnung aufgegeben habe, kommen endlich noch die magischen Orgelakkorde, die bei mir sofort eine Gänsehaut verursachen. Es ist 'Phantom Of The Opera'. Mit Fabio Lione hat sie sich natürlich den idealen Gesangspartner ausgesucht und spätestens jetzt kann ich mit einem breitem Grinsen nach Hause gehen. Noch ist es aber nicht soweit, denn natürlich folgt noch eine Zugabe. Der letzte Song 'Until My Last Breath' ist genau der richtige, um dieses schöne Konzert auf wunderbare Weise ausklingen zu lassen.

Setliste: In For A Kill, 500 Letters, Sing For me, Falling Awake, I Walk Alone, Anteroom Of Death, Never Enough, Never Enough Band, Until Silence, Die Alive, Mystique Voyage, Neverlight, Medusa, Victim Of Ritual, Phantom Of The Opera, Until My Last Breath

[Hang Mai Le]

Redakteur:
Hannelore Hämmer

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