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Sure Shot Woche/AKERCOCKE - Hamburg

05.04.2005 | 14:47

17.03.2005, Headbanger`s Ballroom

Im Headbanger's Ballroom herrschte an diesem Tag der Sure Shot Woche nicht gerade Hochbetrieb. Weder SEAR BLISS noch AKERCOCKE sind als Publikumsmagneten bekannt, für die englischen Black Metaller war es gar der erste Gig in Deutschland ever. Aber soviel kann ich schon mal vorwegnehmen, an diesem Abend kamen die Anwesenden voll auf ihre Kosten

Als erstes betraten SUFFERAGE die Bühne. Ich hatte die Hamburger um Sängerin Jasmin vor ca. zwei Jahren das letzte Mal gesehen und war gespannt, wie die Band sich live präsentieren würde. Und tatsächlich, die Unterscheide zu damals waren spätestens nach den ersten drei Songs offensichtlich.
Musikalisch wird neben dem gesamten Geblaste auch verstärkt auf langsamere Passagen gesetzt und showtechnisch ist das Quartett mittlerweile eine kompakte Einheit. Die Haare flogen und die Ansagen von Jasmin waren eh völlig cool, souverän und witzig. Neben brandneuen Krachern wurde auch älteres Material ausgepackt, was die Anwesenden mit ordentlich Applaus bedachten. Im Endeffekt eine gute Show einer talentierten Band.

Dann durfte man gespannt sein, denn die Ungarn SEAR BLISS kombinieren Black Metal mit dem Sound einer Posaune. Was auf dem Papier widersinnig klingt und sich nach einem Reinfall anhört, klappt live erstaunlich gut. Die Ungarn haben zwar einen niedlichen, corpsepaint-tragenden Gitarristen in ihren Reihen, mischen aber Black Metal gerne mit traditionellem Metal oder Thrash-Einflüssen. Eigentlich nichts spezielles, aber der erdige Sound der Posaune verleiht dem Ganzen tatsächlich das gewisse Etwas.
Im Gegensatz zum Keyboard klingt das halt nicht cheesig, sondern vebreitete im Ballroom tatsächlich einiges an epischem Flair. Songtechnisch spielten SEAR BLISS einen Querschnitt ihres bislang angesammelten Materials, wofür sie zu Recht ordentlich Applaus einheimsen konnten. Und nach der Show war allenthalben zu hören, dass es ruhig mehr Posaune hätte sein dürfen. War definitiv interessant!

Was dann folgte, war der absolute Wahnsinn, die Demonstration von außergewöhnlicher Klasse und ein deutliches Zeichen dafür, dass Black Metal auch im Jahre 2005 noch frisch und rebellisch klingen kann. Schon das Auftreten der Band war cool: schwarze Hemden, schwarze Hosen, schwarze Schuhe, keine Klischees ausgereizt, sondern kollektives Gut aussehen.
Drummer David Gray gehört wohl zu den besten BM-Schlagzeugern und spielte präzise und schnell, ohne dabei den Anschein zu erwecken, er würde sich anstrengen. Frontmann Jason Mendonca spielte nicht nur irrsinnig gut Gitarre, sondern hatte von Geröchel über klarem Gesang bis zu fiesem Gekreische alles drauf, wobei der Rest der Band keinen Deut schlechter war. Die zwischendrin eingestreute Bemerkung, dass der neue Gitarrist nur zwei Wochen hatte, um sich mit der Band einzuspielen, war dann pures britisches Understatement, auch so war das technisch über jeden Zweifel erhaben.
Musikalisch gab es einen Husarenritt, Black Metal vermengte sich mit Thrash, Grind und klassischem Metal, abwechslungsreich, überraschend und aggressiv. Vom Opener 'Praise The Name Of Satan' bis zur Zugabe ('Evil Dead', als Trio dargeboten) konnten AKERCOCKE auf ganzer Linie überzeugen und verdient euphorische Reaktionen der wenigen Anwesenden einheimsen. Das war einfach nur noch genial. Wer nicht da war, hat definitiv was verpasst, wer sich die Band in Zukunft nicht anguckt, verpasst eine gnadenlos gute Black-Metal-Band. Hoffentlich kommt das Quartett bald wieder nach Deutschland...

Redakteur:
Herbert Chwalek

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